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Hacker-Doku online: „Defcon: The Documentary“

 

(Klicken Sie auf das Bild, um zum Film zu kommen.)
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Am vergangenen Wochenende fand in Las Vegas einmal mehr eines der größten Hackertreffen der Welt statt. Seit 1993 schlägt die Defcon jährlich in der Wüstenstadt ihre Zelte auf. Von Gründer Jeff Moss ursprünglich als eine einmalige Party unter befreundeten Hackern gedacht, hat sich die Konferenz in zwanzig Jahren zu einer der ersten Adressen für Hacker, IT-Spezialisten und Journalisten entwickelt. In zahlreichen Vorträgen und Expertenrunden geht es vor allem um IT-Sicherheit – und wie man sie umgehen kann.

Pünktlich zur nunmehr 21. Ausgabe der Konferenz hat der Filmemacher Jason Scott, Aktivist und Mitarbeiter des Internet Archive, am Wochenende seine Dokumentation online gestellt. Defcon: The Documentary ist größtenteils im vergangenen Jahr entstanden und gibt einen tiefen Einblick in die Geschichte und Philosophie der verschworenen Hacker-Gemeinschaft.

Scott porträtiert zum einen die Organisatoren und ihre Ziele und Absichten für eine Veranstaltung wie die Defcon („Menschen sind von Natur aus neugierig“). Zum anderen aber zeigt er auch die Besucher. Viele kommen seit Jahren nach Las Vegas, andere sind zum ersten Mal dabei und müssen sich gleich zu Beginn ihr „Abzeichen“ erst besorgen. Diese Teilnehmer-Badges sind nicht selten ein elektronisches Gadget und Teil eines größeren Rätsels.

Überraschend ist zu sehen ist, wie wenig die Defcon doch mit dem Bild des typischen Hackertreffens gemeinsam hat. Zwar gibt es auch hier selbsternannte Geeks, die über ihrem Rechner und Lötkolben brüten. Und natürlich wird eifrig gehackt. Viele Besucher aber erinnern an junge Urlauber. Und tatsächlich: Längst ist die Defcon auch eine große Party – die Freizügigkeit von Las Vegas tut das ihrige.

Regisseur Jason Scott fasst die Defcon in seinem Blog wie folgt zusammen:

If there’s anything unique about the DEFCON situation, it’s that it is, literally, a grouping of individualists, a pack of leaders, a regulated and protected anarchy. This tension is not just viewable here and there – it’s endemic. It has always been the case, and it always will be the case. From this arises an enormous amount of tension, derision, weird feelings – that’s something I have on my radar.

Mit fast zwei Stunden Laufzeit ist Defcon: The Documentary zum Teil etwas langatmig. Auch, weil Scott sehr viele ähnliche Einstellungen verwendet. Das jedoch machen die immer wieder eingestreuten Archivaufnahmen und Interviews mit bekannten Hackern und Aktivisten wieder wett. In ihren Aussagen erkennt man, wieso die Hackerkultur vielleicht gerade in der jetzigen Zeit wichtiger denn je ist.

Apropos: Im vergangenen Jahr gab ein gewisser Keith B. Alexander, Direktor des US-Geheimdienstes NSA, eine Keynote auf der Defcon. Auf die Frage von Gründer Jeff Moss, ob die NSA tatsächlich von jedem Bürger eine Datei habe, antwortete Alexander: „Das ist kompletter Unsinn“. Inzwischen wissen wir das Gegenteil. In diesem Jahr waren aufgrund der Prism-Affäre sämtliche Regierungsbeamte von der Defcon ausdrücklich ausgeladen. „Feds, wir brauchen etwas Abstand“, hieß es in einem Statement.

Defcon: The Documentary gibt es auch als Torrent zum Download.