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Rostige Brücken, unverständliche Daten

 
Darstellung der Geodaten einer Bahnbrücke auf der Strecke 4111 im Portal von Geo++. Quelle: http://db.geopp.de/gnrailnav_servlet/GNOpenLayersV3
Darstellung der Geodaten einer Bahnbrücke auf der Strecke 4111 im Portal von Geo++. Quelle: http://db.geopp.de/gnrailnav_servlet/GNOpenLayersV3

Woher stammen die Daten für unsere Karte über den Zustand deutscher Bahnbrücken? Ursprung ist ein Datensatz der Deutschen Bahn, genauer: 16 Datensätze. Die Grünen hatten im Bundestag in kleinen Anfragen wissen wollen, in welchem Zustand die deutschen Bahnbrücken sind. Sie stellten für jedes Bundesland eine entsprechende Anfrage.


Als Antwort veröffentlichte das Bundesverkehrsministerium für jedes Bundesland PDF’s mit langen Listen der Bahn, hier beispielsweise die für Baden-Württemberg. Zum Teil waren die Tabellen dabei nur als Grafik eingebunden. Diese Daten ließen sich dann nur mittels einer Texterkennungssoftware weiterverarbeiten.

Außerdem lieferte die Deutsche Bahn die Informationen in einem Format, das nur die Bahn selbst nutzen kann. Die Lage der Brücken wurde mit einer internen Streckennummer und einer Kilometerbezeichnung angegeben. Dort stand dann also beispielsweise „Karlsruhe, 4111, 23,2 + 33, 23,2 + 36 4“. Karlsruhe ist der Name des Netzsegments, einer internen Aufteilung der Strecken, 4111 ist die Streckennummer. Die Kilometerzahl bezeichnet den Beginn und das Ende der Brücke auf dieser bestimmten Strecke. In diesem Fall also beginnt die oben im Bild zu sehende Brücke an Kilometer 23,2 und 33 Metern und endet an Kilometer 23,2 und 36,4 Metern.

Wo genau sich diese eine Brücke befindet, lässt sich damit nicht sagen. Das aber dürfte die Information sein, die die meisten Bahnfahrer interessiert. Trotzdem hat die Bahn die Daten für den Bundestag nur in ihrem schwer verständlichen Format herausgegeben.

Die Bahn selbst war bei der Suche nach den Standorten keine Hilfe. Die Antwort dort: Das Lokalisieren aller Brücken sei zu aufwändig. Bahnmitarbeiter würden aber TomTom-Navigationsgeräte nutzen, wenn sie zu bestimmten Streckenkilometern fahren sollten. Man solle doch mal bei TomTom nachfragen, da gebe es die Daten vielleicht.

Wir haben dort gar nicht erst gefragt. Wer erfahren will, wo die Schrottbrücken sind, kann auch im sogenannten Eisenbahnatlas nachschlagen. Den gibt es gedruckt zum Preis von 44 Euro.

Glücklicherweise gibt es außerdem das Unternehmen Geo++. Das entwickelt für die Bahn AG geodatenbasierte Anwendungen. Im Internet hat es eine Seite bereitgestellt, auf der sich die Positionen auf dem Streckennetz suchen und anzeigen lassen. Dort allerdings alle 25.919 Brücken einzeln herauszusuchen, ist etwas mühsam.

Geo++ erklärte sich bereit, bei der Darstellung zu helfen und schickte einen Datensatz mit der Geoposition jeder einzelnen Brücke. Erst mit diesem Datensatz war es möglich, die Bauwerke auf eine Karte zu projizieren. Dazu nutzen wir die Karten von MapBox auf der Basis der offenen Daten von OpenStreetMap.

Damit auch andere diese Informationen nutzen können, stellen wir hier den Datensatz zur Verfügung. Außerdem haben wir ihn OpenStreetMap gespendet, beziehungsweise dem Eisenbahn-Ableger der freien Kartensoftware, OpenRailwayMap. Dort fehlen viele Brücken bislang. Die vorliegenden Daten zu Brücken habe man durch Beobachtungen bei Zugfahrten und Auswertungen von freigegebenen Luftbildern gemacht.

Nachtrag 3. September: Simon Woerpel hat die Daten genommen und neu zusammengebaut. Auf seiner Karte ist zu jeder Position das Satellitenbild der Brücke zu sehen.

Nachtrag 8. September: Die Ruhrnachrichten haben eine lokale Version zusammengestellt und nachgefragt, welche der kaputten Brücken in ihrer Region erneuert werden sollen und welche nicht.

 

23 Kommentare

  1.   CSG

    Danke !! Stimmt!

  2.   Kai Biermann

    Sie müssen die fünfte Kategorie namens „ohne Kategorie“ mitaddieren, dann kommen sie auf die Summen. Das sind die Brücken ohne Schäden, die daher auch nicht in eine der vier Schadenkategorien eingeordnet sind. In der Karte sind sie grau markiert.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  3.   CSG

    Wenn ich die Spalten 0 bis 4 addiere, dann habe ich bei jedem Bundesland Abweichungen zur Spalte Summe. Abweichungen von bis zu 64%. Man kann sich im Stillen denken, wie die Zahlen ermittelt wurden und was die Zahlen tatsächlich wert sind. Die Tabelle ist eigentlich ingenieurmäßig Schrott.

  4.   bigbug21

    Wir vom Team der OpenRailwayMap freuen uns über die Datenspende, können diese jedoch nicht verwerten, so lange die rechtliche Lage unklar ist. Die Daten müssten unter der freizügigen Lizenz der zu Grunde liegenden OpenStreetMap-Datenbank [1] nutzbar sein, damit wir sie wirklich verwenden können.

    [1] http://www.openstreetmap.org/copyright

  5.   Rolf M.

    Die ‚Bundesland‘ Zuordnung in Ihrem Datensatz ist eindeutig falsch.
    Von der Strecke 1005 mit Namen ‚Kiel‘ sind fälschlicherweise nur die Hälfte der Brücken dem Land Schleswig-Holstein zugewiesen, die andere Hälfte anderen Bundesländern (die Geokoordinaten zeigen, dass alle Brücken der Strecke sehr nahe beieinander liegen und legen nahe, dass das Bundesland der einzige Fehler im Datensatz ist).


  6. Wunderbare Arbeit. Zurecht auf der Startseite.

  7.   Stefan K.

    Da wird so viel Arbeit in ein gutes Projekt gesteckt und dann werden Farbenblinde (immerhin 9% aller Männer sind mind. teilweise farbenblind) von der Nutzung praktisch ausgeschlossen.

    Liebe Zeit, bitte verwendet in Zukunft kontrastreichere Farben, gerne mit zweifarbigem Rand und unterschiedliche geometrische Symbole. Bitte verwendet keine Rottöne mit Gelbtönen und keine Blautöne mit Grüntönen zusammen. Dann könnten auch alle Leser die Karte nutzen.

  8.   Kai Biermann

    Die Antwort darauf ist mehrteilig. Die Bahn hat die Urpsrungsdaten der Bundesregierung übergeben, die hat sie veröffentlicht. Außerdem hat die Bahn uns gegenüber schriftlich zugestimmt, dass Geo++ die Daten in geografische Angaben umrechnen und uns zur Verfügung stellen darf. Wir stellen die Ergebnisse bei Namensnennung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen zur Verfügung. Also Quelle: Zeit Online, Geo++, Bundesregierung. Wir halten es für unwahrscheinlich, dass einer der Genannten Probleme mit der Weiterverwendung hat, noch dazu bei Forschung, können es aber natürlich nicht versprechen.
    Beste Grüße
    Kai Biermann


  9. Vielen Dank für die Kärrnerarbeit!

    Inwieweit dürfen die Daten zu Forschungszwecken zur Infrastrukturmodellierung benutzt werden?

    Falls ja, in welcher Form dürfen Ergebnisse publiziert werden und wie sähe eine korrekte Referenz auf die Urheber aus?

    Die Daten sind extrem interessant, da ähnliche Probleme in anderen Ländern (z.B. Schweden) auch zu verzeichen sind. Im Gegensatz zu Deutschland, ist das schwedische Eisenbahnnetz noch viel verletzlicher, da kaum noch Umfahrungen existieren und ein Grossteil des Streckennetzes eingleisig ausgeführt sind. Darüberhinaus ist das Thema verrottender Infrastruktur hier überhaupt noch kein Thema.

    Es dürfte Sie also ein wenig trösten, dass das deutsche Eisenbahn-Betriebsgeschäftsmodell wohl nicht alleinige Ursache des Desasters und der Schlaf der Politiker auch andernorts lang und tief ist.

  10.   Kai Biermann

    In Einzelfällen bis zu drei Jahre, da das der Kontrollturnus ist. Neuere Daten existieren nicht, leider.
    Lg
    K

 

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