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Die undankbaren Ostdeutschen

 

Im Jahr 2011 erhielt das frühere sächsische Herrscherhaus Wettin vom Freistaat Sachsen 4,2 Millionen Euro. Für diese Summe kaufte das  Land mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden und der Meißner Porzellan-Manufaktur dem Adelshaus 300 wertvolle Stücke einer Porzellansammlung ab, die den Wettinern nach der deutschen Wiedervereinigung zurückgegeben worden war. Die Zahlung war nicht die erste, die das einstige Königshaus, dessen letzter regierender Chef Friedrich August III. im November 1918 mit den Worten „Dann macht doch euern Dreck alleene“ abgedankt hatte, nach 1990 aus der sächsischen Landeskasse erhalten hat. Ende der 1990er-Jahre hatten die Wettiner in einer umfangreichen Ausgleichsvereinbarung über Rückübertragungen und Entschädigungen für ehemaliges Eigentum 24 Millionen D-Mark erhalten.

Trotz dieser Entschädigungsleistungen, die überwiegend vom Steuerzahler finanziert wurden, hält der neue Chef des Hauses Wettin, Alexander Prinz von Sachsen, die Menschen in Ostdeutschland für undankbar und unfreundlich. In einem Interview mit der Zeit beklagte er die „ruppige und unfreundliche Umgangsart“ der Menschen in diesem Landstrich, die „so missmutig“ herumliefen, „als litten sie darunter, dass die DDR nicht mehr existiert“.

Und auch in Sachen Benimm und Etikette könnten die Ostdeutschen noch einiges dazu lernen, meint der 59-Jährige. Möglicherweise zielte er damit auf die Tatsache ab, dass sein Vertrag als Ansiedlungsbeauftragter der sächsischen Landesregierung im Jahr 2008 vom Auftraggeber nicht verlängert wurde – was man durchaus als unhöflich begreifen kann. In der Staatskanzlei in Dresden war man aber wohl eher missmutig ob der Tatsache, dass die vom Prinzen erwarteten Unternehmensansiedlungen im Freistaat ausgeblieben waren.

Was den vermeintlich unfreundlichen Ostdeutschen betrifft, so kann man sich darüber natürlich trefflich streiten. Wir verweisen an dieser Stelle auf einen Beitrag einer Berliner Bloggerin, die Erbauliches zum Thema beizutragen hat. Sie findet, dass – bitte an dieser Stelle das Augenzwinkern beachten – das „Schlimmste“ an Leipzig die Menschen sind. „Die sind nämlich nett, gut gelaunt, freundlich.“ Eigenschaften, die beispielsweise vielen Berlinern offensichtlich abgehen. Vielleicht hätte der Wettiner Prinz während seiner Zeit in Sachsen mal nach Berlin fahren sollen. Da hätte er den wahren Missmut erleben können.

 

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