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Brauchen wir einen Ost-Quizmaster?

 

Carsten Schneider und Christoph Matschie halten offenbar nicht viel vom Ostbeauftragten der Bundesregierung. Beide haben den Bundesbeauftragten für die Neuen Bundesländer, so der offizielle Titel des CDU-Politikers Christoph Bergner, dieser Tage kräftig gedisst. Schneider, Haushälter in der SPD-Bundestagsfraktion und aus Thüringen stammend, nannte das Amt und seinen aus Sachsen-Anhalt stammenden Inhaber eine „Alibi-Verstaltung“. Schneiders Parteifreund Matschie, Kultusminister in Thüringen, ätzte gar, der Beauftragte sei nur ein „Grüßonkel“ und werde nicht mehr benötigt.

Der Bundesbeauftragte – ich nenne ihn mal despektierlich Ober-Ossi – soll unter anderem darauf achten, dass die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland sinkt. Das ist eine schöne Aufgabe.  Auf der Website des Beauftragten kann man dessen Berichte über den Stand der Deutschen Einheit nachlesen. Da steht auch drin, wie es aktuell mit der Arbeitslosigkeit aussieht.

Ein Quiz gibt es auf dieser Seite auch. 30 Fragen zur Deutschen Einheit. Los geht es mit der Frage, wann die Berliner Mauer gebaut wurde. Na gut, ein bisschen Geschichte zum Einstieg ins Wissensquiz über die Neuen Länder kann ja nicht schaden. Weiter geht es mit Fragen nach Walter Ulbricht und Checkpoint Charlie. Nach dem ersten Dutzend Fragen, die sich ausschließlich mit der innerdeutschen Grenze, DDR, Stasi und Co. beschäftigten, beginne ich zu zweifeln. Frage 13 ist die erste gesamtdeutsche: Wann wurde der in der DDR gebräuchliche Grünpfeil bundesweit eingeführt? Ach ja, der grüne Pfeil. Im Osten meinen manche, dieses Verkehrszeichen sei das einzige Ostprodukt, das der Westen übernommen hat und amüsieren sich über die doofen Wessis, die das mit dem Rechtsabbiegen bei Rot ewig nicht kapiert haben.

Die nächsten Fragen befassen sich wieder mit der gewesenen DDR, zum Beispiel mit dem Song „Über sieben Brücken musst Du gehen“, der  nicht von Peter Maffay erfunden wurde, sondern von der DDR-Combo „Karat“. Die Revolution von 1989 spielt auch noch eine Rolle, ebenso das Ost-Sandmännchen, das sich wie der grüne Pfeil glücklich in die gesamtdeutsche Republik gerettet hat.

Als – man möge mir diesen albernen Begriff verzeihen – „gelernter DDR-Bürger“ schneide ich bei dem Quiz aber gut ab: 23 meiner 30 Antworten waren richtig. Habe ich die Prüfung des Bundes-DDR-Beauftragten also ganz gut bestanden. Nur: Was hat dieses Quiz mit der Realität in den Neuen Ländern zu tun? Wieso wird nicht gefragt, warum das Lohnniveau im Osten im 22. Jahr der Einheit immer noch niedriger ist als das im Westen? Wieso wird nicht nach den Arbeitsplätzen gefragt, die in der sächsischen Autoindustrie entstanden und den mecklenburgischen Werften gestrichen worden sind? Und ist Bernd das Brot eigentlich ein Ossi oder ein Wessi?

2 Kommentare

  1.   Siegfried Wittenburg

    Offenbar sind die Wähler und die Journalisten mit diesem Zustand ganz zufrieden. Wenn ich über den MDR zappe, wird dort geträllert, geschunkelt und gefeiert, dass ich denke, den Leuten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen geht es bestens. Immer gute Laune! Sie haben ihren Kessel Buntes, ihr Sandmännchen und ihren grünen Pfeil.

    Was will man mehr? So macht der Christoph Bergner doch einen guten Job!

  2.   Siegfried Wittenburg

    „Wieso wird nicht nach den Arbeitsplätzen gefragt, die in der sächsischen Autoindustrie entstanden und den mecklenburgischen Werften gestrichen worden sind?“

    Nun, gefragt wird schon, aber ausrichten kann Herr Bergner nichts. Zwei der mecklenburgischen Werften gehören einem Russen und die vorpommerschen Werften gehören auch bald nicht mehr zu Deutschland. Dagegen kann ein Bergner auch nichts tun, denn es gibt kein Volks… äh, SED-Eigentum mehr, als noch Schiffe für die Sowjetunion und Volkschina gebaut wurden. Alles, was die deutschen Schiffbauer können, können die asiatischen inzwischen auch. Und die billigen Produkte von dort brauchen keine teuren Schiffe.

 

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