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Nichts zu essen, aber Stuck an der Decke: Wie man Bildungs-Spitzenreiter wird

 

Sachsen und Thüringen haben bundesweit das beste Bildungssystem. Das hat das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln in einer Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft herausgefunden. Beide Länder belegten Spitzenplätze, „weil sie eine ausgezeichnete Förderinfrastruktur und sehr gute Bedingungen für eine individuelle Förderung bieten“, erklärte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Pisa-Sieger Sachsen ist bildungsmäßig weiter super, so die Botschaft des „Bildungsmonitors 2012“.

Doch irgendwie passt dieses tolle Ergebnis nicht so recht mit dem Rücktritt des sächsischen Kultusministers Roland Wöller (CDU) vor fünf Monaten zusammen. Der hatte nämlich sein Amt nach einem kabinettsinternen Streit über die geplante Schaffung von mehr als 2.000 zusätzlichen Lehrerstellen aufgegeben. Der Streit ging im Kern darum, dass das Geld für diese Stellen eigentlich nicht da ist. Seit Monaten häufen sich im Freistaat die Klagen von Eltern, Schülern und Pädagogen über Unterrichtsausfälle und Überforderung, weil es an Personal fehlt. Es also offenkundig einiges im Argen in der sächsischen Bildungslandschaft. Doch der „Bildungsmonitor“ der INSM vermittelt ein anderes Bild. Warum?

Die Erklärung steht im Kleingedruckten: Die Befragungen und Datenerhebungen für die Studie wurden im Jahr 2010 vorgenommen. Der Monitor spiegelt also die Bildungsstand der Republik vor zwei Jahren wider. Und so klingen dann aktuelle Reaktionen aus den Siegerländern ein wenig paradox. Wöllers Nachfolgerin Brunhild Kurth spricht von einem „starken Zeugnis für die Lehrer, Erzieher und Schüler“ in Sachsen – das aber eben mit zwei Jahren Verspätung ausgestellt wurde. Ihr Thüringer Amtskollege Christoph Matschie (SPD) sieht in der Studie einen Beleg dafür, „dass die eingeleiteten Reformen wirken“. Als die Daten für die Studie erhoben wurden, war Matschie gerade einmal ein paar Monate im Amt und noch schwer dabei, seinem Koalitionspartner CDU die „Reformen“ abzuringen, die er im Landtagswahlkampf 2009 verkündet hatte: Einführung von Ganztagsschulen, mehr Geld für Bildung etc. Ein Beleg für deren Erfolg kann die Studie daher gar nicht sein.

Es ist also Vorsicht geboten bei Erfolgsmeldungen dieser Art. Immerhin lässt die Studie eine relativ sichere Prognose zu: Wenn in zwei Jahren der Bildungsmonitor 2014 erscheint, wird Sachsen seinen Spitzenplatz verloren haben. Denn die Daten für diese übernächste Studie werden wohl gerade erhoben.

 

 

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