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Berliner Ex-Rapper in Syrien leistet Terrorgruppe den Treue-Eid

 

Er ist nicht der erste deutsche Dschihadist, der sich in Syrien der Terrorgruppe Islamischer Staat in Irak und Großsyrien (ISIS) angeschlossen hat – aber der bekannteste, und deshalb wichtigste: Dennis Cuspert, früher einmal als Rapper Deso Dogg (ein bisschen) berühmt, seit seiner dschihadistischen Selbstfindung als Abu Talha al-Almani fungierend.

Am Freitagabend veröffentlichte er ein sechs Minuten langes Video im Internet, in dem er dem ISIS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi, einem Iraker, die Baia’a, den offiziellen Treueid schwört. „Ich gebe meine Bai’a an den Amir Al-Muminin (Anführer der Gläubigen, YM), um ein Zeichen zu setzen, dass wir auf dem geraden Weg sind. Ich denke, es ist für mich eine Bereicherung.“

Cuspert hält sich seit Monaten in Syrien auf, im vergangenen Jahr wurde er dort schwer verwundet, ist seitdem aber offenbar wieder genesen. Von Beginn an publizierte er Bilder, Statements und kurze Videos aus dem Bürgerkriegsland, die an seiner dschihadistischen Gesinnung keinen Zweifel ließen; trotzdem war lange unklar, welcher Organisation er sich angehörig fühlt. Diese Frage ist jetzt geklärt – Abu Talha hat sich, wie zu erwarten, für die denkbar brutalste Variante entschieden, für die Schächtet, Terroristen und Kriegsverbrecher des aus der Al-Kaida-Filiale im Irak hervorgegangenen ISIS.

Das ist aus mehreren Gründen relevant. Zum einen, weil ISIS ideologisch und in der Praxis die extremste Gruppe in Syrien ist. Wo sie Einfluss haben, richten ihre Kämpfer Menschen für lächerlichste Vergehen hin, hacken angeblichen Dieben die Hände ab und zwingen Frauen unter die Vollverschleierung. Auch ihre Ziele liegen weit jenseits einer besseren oder auch nur alternativen Zukunft für die Bürger Syriens. Abu Talha selbst macht das in dem Video klar, wenn er sagt, dass er und seine Genossen den Kampf „so Gott es will“ nach Al-Kuds, also nach Jerusalem tragen werden. ISIS ist internationalistisch ausgerichtet, Syrien ist für die Kämpfer nur eine Etappe.

Zugleich ist ISIS freilich aus dem Al-Kaida-Universum ausgeschert, es gab Anfang dieses Jahres ein nicht wieder zu kittendes Zerwürfnis zwischen der ISIS-Führung, die sich selbst zu Beginn noch als Teil des Al-Kaida-Netzwerks verstand, und Aiman Al-Sawahiri, dem Al-Kaida-Chef. Seitdem kracht es immer wieder zwischen ISIS-Kämpfern und Verbänden anderer islamistischer und/oder dschihadistischer Gruppen in Syrien – zum Beispiel der Dschabhat al-Nusra, einer zweiten Gruppe, die aus dem Al-Kaida-Nexus hervorging und deutlich stärker auf Syrien konzentriert ist als ISIS und (etwas) moderater auftritt.

Abu Talha behauptet derweil, für ihn sei mit dem Treue-Eid ein „Traum wahr geworden“, er werde kämpfen, bis dereinst eine Rakete oder Kugel ihn töten werde.

Es ist davon auszugehen, dass er nicht der einzige aus Deutschland eingereiste Dschihadist ist, der beim ISIS gelandet ist. Der Verfassungsschutz geht mittlerweile von über 320 Syrien-Reisenden aus Deutschland aus; wie viele von ihnen tatsächlich an Kampfhandlungen teilnehmen, ist ungewiss, aber einige dürften es schon sein. Zuletzt verdichteten sich die Hinweise, dass die Kämpfer aus Deutschland in mehreren Gruppen organisiert sind; auch Abu Talha wird also wohl kaum ganz alleine sein.

In dem Video behauptet er, er befinde sich in Raqqa, einem Ort zwischen Aleppo und Deir ez-Zor, der als ein wichtiges ISIS-Zentrum gilt. Überprüfen lässt sich das nicht ohne Weiteres – genau so wie in dem Video auch unklar bleibt, ob ein ISIS-Repräsentant den Treue-Eid offiziell akzeptiert. Normalerweise geht das entsprechende Ritual mit einer Berührung der Hände zwischen Eid-Geber und -Empfänger einher. Abu Talha legt seine Hand in die Hand eines zweiten Mannes, dieser wird aber nicht gezeigt. Authentisch ist das Video wohl trotzdem – zumindest in dem Sinne, dass es wirklich Dennis Cuspert zeigt und seine Ansichten widerspiegelt.

Ob der Treue-Eid Auswirkungen haben wird, die über die Bürgerkriegssituation in Syrien hinausweisen, wird sich zeigen; Sicherheitsbehörden sind besorgt, dass heimkehrende Kämpfer aus Deutschland hierzulande Anschläge verüben könnten. Bislang hat ISIS nicht zu Anschlägen in Europa aufgerufen. Das könnte sich natürlich ändern; und Cusperts Eid würde ihn dann zu unbedingtem Gehorsam verpflichten.

PS: Ich beschreibe hier einen Sechs-Minuten-Auszug aus einem anscheinend insgesamt längeren Video.

10 Kommentare

  1.   Michael Menschenfreund

    Das Video geht über eine Stunde. Ich habe es gesichert. Es zeigt viel mehr als nur den Treueeid. Unter anderem droht er Obama.
    Suchen sie nach seinem Dschihadisten-Nicknamen: Abu Talha

  2.   subse

    Das ist nicht eine Terrorgruppe, sondern DIE Terrorgruppe aller Terrorgruppen, von denen es hunderte weltweit gibt.


  3. Wie bitte? Aber die Medien erklärten mir doch 2 Jahre lang, dass es sich bei den gegen Assad kämpfenden Gruppen um freiheitsliebende, prowestliche Demokraten handelt. Selbst die Grünen, die Antikriegspartei, forderte Bomben und Waffenlieferung zur Unterstützung dieser Gruppen, was ebenfalls lang beklatscht wurde.

    Und nun sind das alles Terroristen? So, wie Assad das immer wieder in Interviews behauptet hat? Selbst der Giftgaseinsatz fand nach Hersh mit Unterstützung der Türkei durch die Terroristen statt und nicht durch Assad? Ja aber meine Damen und Herren, was ist dann die ganzen Jahre in den Medien hier erzählt worden?

    Zugleich denunzierte man jeglichen Zweifler als Rechtsextremisten/-populisten, warf der Linkspartei vor, keine seriöse Außenpolitik zu machen, weil sie sich gegen Interventionen und deutsche Truppen in der Türkei, einem Land mit einer Regierung der Verbindungen zu den terroristischen Vereinigungen in Syrien nachgewiesen wurden, wollten.

    Es stimmt doch etwas nicht in unserer Medienlandschaft. Nicht nur dort.

    Bei der Menge an deutschen Terroristen, die dort unten kämpfen, muss man sich fragen ob unsere Geheimdienste es nicht auch einfach zulassen, dass diese dort hinreisen um Tod und Elend über die Zivilbevölkerung zu bringen.

    Syrien ist eine Schande für die Außenpolitik fast aller europäischen Länder.


  4. Von Selbstfindung kann bei Dennis Cuspert wohl kaum eine Rede sein, wenn er wie andere Islamisten das Denken für ihr Leben abgeben und für eine Idiologie in den Tod gehen. Leider gehen immer mehr junge Leute, oft mit nichtdeutschen Würzeln, in den Tod. Scheinbar oft auch aus fehlender Lebensperspektive in Deutschland. Hier ist dringend der Staat gefordert, um solche Tendenzen zu verhindern. Aber außer viel Gerede wird dabei wieder einmal nichts herauskommen.

    Diese Menschen sind leider so gefährlich geworden, dass man sie nach Deutschland nicht mehr einreisen lassen dürfte. Ob diese Möglichkeit besteht, weiß ich nicht, aber sie stellen aus meiner Sicht eine Gefahr dar.

    Laut Abdel-Samad betrachten die Islamisten die moderne Gesellschaft als ablehnungswürdig und man solle zu den Wurzeln des Islam zurückkehren. Der Dschihad stellt in diesem Sinne ein Mittel der Selbstverteidigung dar und darüber hinaus ein Instrument um alles in der Welt zu bekämpfen, das gegen die islamische Gesellschaftsordnung verstößt.

    Leider sind diese Islamisten aus westlich demokratischer Sicht pure Terroristen, vor die man sich schützen muss.


  5. „Sicherheitsbehörden sind besorgt, dass heimkehrende Kämpfer aus Deutschland hierzulande Anschläge verüben könnten. “

    „Ein Deutscher, der auf Grund freiwilliger Verpflichtung ohne eine Zustimmung des Bundesministeriums der Verteidigung oder der von ihm bezeichneten Stelle in die Streitkräfte oder einen vergleichbaren bewaffneten Verband eines ausländischen Staates, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, eintritt, verliert die deutsche Staatsangehörigkeit. Dies gilt nicht, wenn er auf Grund eines zwischenstaatlichen Vertrages dazu berechtigt ist.“ (StAG §28)

    Wozu macht man Gesetze wenn man nicht daran gedenkt sie auszuführen?

    Ich mein, das ist doch kein Fast-Food Restaurant in dem man kommen und gehen kann wann man will.
    Und wenn besagter Dschihadist Kriegsverbrechen begeht oder von Assads Männern gehascht wird? Ruft man denn die Botschaft an, man kann sich ja immernoch als ahnungsloser Tourist ausgeben, und auf Staatskosten zurückreisen wenn es einem doch nicht so gut gefällt…

    Also, lasst ihn in seine Waffenbrüder in Syrien, das Gesetz gibt die Möglichkeit ihm seinen Pass zu entziehen, und somit Schaden von diesem Land fernzuhalten, sonnst haben wir bald unser Hauseigenes 9/11 oder Boston-Bombing.


  6. „– zum Beispiel der Dschabhat al-Nusra, einer zweiten Gruppe, die aus dem Al-Kaida-Nexus hervorging und deutlich stärker auf Syrien konzentriert ist als ISIS und (etwas) moderater auftritt.“

    Wie „moderat“ ist denn Jabhat al-Nusra?
    Davon liest man in den deutschen Medien ja inzwischen öfters, wie mir scheint; während es vorher die bösen waren.

    Bei den Islamisten von Aleppo – Zeit-online, 2012:
    „….“Es sind Soldaten von Jabhat al-Nusra, eine der radikalsten islamistischen Gruppen…Fest steht indes, dass es extremistische Organisationen innerhalb der syrischen Opposition gibt. Gruppen wie Jabhat al-Nusra könnten zur Radikalisierung des Bürgerkrieges beitragen.“…“

    Human Rights Watch: http://www.hrw.org/node/119717

  7.   Krustus

    Jaja, der gute Deso. Er war eine kurze Zeit echt gut im Untergrund-Rap vertreten. Hatte viele Fans, schade das er so extrem drauf ist. Er hatte echt einige gute, nachdenkliche Lieder.
    Ich glaub, er war sogar ne Zeitlang auf Pro7 bei einer Rap-Casting Show zu sehen und nun diese Wende.

  8.   Rob-

    Deutschland als Sprungbrett für den erfolgreichen Terroristen.
    Ich sage ja schon immer, wer einreisen will, bitte die Religion im eigenen Land lassen.

    Solche Aktionen werfen auf etliche Muslime ein sehr schlechtes Licht. Welche Firma oder Person will am Ende sagen: der wurde von uns groß gemacht?

  9.   Schwyzer

    Die Chancen sind hoch dass Mamadou Cuspert beim nächsten Beschuss fachmännisch annihiliert wird. Wie man schon im Jugoslawienkrieg gesehen hat, sind die ersten die sterben, fast immer die Rambos, Poser, Religionswahnsinnigen und fanatischen Maulaufreisser. Übrig bleiben die richtigen Soldaten, die leben oft etwas länger.

    Österreicher und Schweizer entziehen ihren Staatsbürgern die Staatsbürgerschaft, wenn diese für eine fremde Macht in den Krieg ziehen. Aus gutem Grunde.


  10. Traurige Geschichte. Wenn man bedenkt, dass „Deso Dogg“ ja seinerzeit eine Art Star in der Berliner Underground-Rapszene war. Durchaus hätte er eine Vorbildfunktion für die Kids erfüllen können, wenn er nicht in radikale Kreise abgedriftet wäre. Seine Trauer, Wut und Verluste hätte er anders verarbeiten sollen. So ist es doppelt traurig und es bleibt zu hoffen, dass keiner seiner ehemaligen Fans es ihm gleichtut.

 

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