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Von Beirut nach Amman – auf Umwegen

 

Anfang dieses Monats war ich in Beirut, der Hauptstadt des Libanon. Von dort musste ich weiter nach Amman, die Hauptstadt Jordaniens. Zwischen den beiden Städten liegen 217 Kilometer Luftlinie. In besseren Zeiten fuhr man meistens zunächst mit dem Sammeltaxi von Beirut nach Damaskus, der Hauptstadt Syriens, und stieg dort in ein zweites Taxi um, das von Damaskus nach Amman fuhr. Schöne Strecke, interessante Route, meistens sogar ganz bequeme Taxis.

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Diese Zeiten sind leider vorbei. Wegen des in Syrien tobenden Krieges ist der Landweg keine Option mehr.

Also habe ich einen Flug gebucht; die libanesische Fluggesellschaft MEA und ihr Partner Royal Jordanian bieten zahlreiche Code-Share-Flüge zwischen den beiden Städten an.

Ich gebe zu, dass ich erst auf dem Flughafen ihn Beirut anfing, mir darüber Gedanken zu machen, welche Route wir wohl nehmen würden. Denn natürlich ist der Krieg in Syrien potentiell auch eine Bedrohung für Passagierjets, vor allem, wenn sie wegen der kurzen Distanz nicht auf der maximalen Flughöhe fliegen.

Schon 2013 hatte Royal Jordanian deswegen verkündet, dass die Flüge in der Gegenrichtung, also von Amman nach Beirut, eine umständliche Ausweichroute fliegen würden: Von Amman aus nach Süden, also weg von Beirut, dann über den Gazastreifen hinweg in den ägyptischen Luftraum hinein, sodann über das Mittelmeer und schließlich von Westen her der Landeanflug auf Beirut. Die Flugzeit verlängerte sich dadurch um eine Stunde. Eigentlich dauert der Flug 45 Minuten.

Flöge man nun von Beirut aus auf direktem Wege nach Amman, stellten sich zwei Probleme: Entweder würde man einen Zipfel Israels oder der zwischen Syrien und Israel umstrittenen Golan-Höhen überfliegen – und das geht nicht, weil der Libanon und Israel keinen Friedensvertrag haben. Oder man würde ein wenig weiter östlich fliegen, dann aber syrischen Luftraum überqueren – und wäre vermutlich wegen mangelnder Flughöhe (ich bin kein Pilot, aber so reime ich mir das zusammen) nicht sicher genug vor Boden-Luft-Raketen.

Tatsächlich sah die Flugroute dann so aus wie auf dem Bild ich habe das Fotos im Flugzeug gemacht, es zeigt die Live-Route auf dem Display meines Sitzes): Von Beirut aus nach Norden, wohl um ausreichend Höhe zu gewinnen, dann auf 33.000 Fuß Flughöhe zwischen Homs und Damaskus nach Syrien hinein, und zwar so weit nach Osten, dass der gesamte Großraum Damaskus so wie überhaupt nahezu alle besiedelten Gebiete umflogen wurden, und schließlich nach Süden über die Grenze nach Jordanien. Wobei wir allerdings ziemlich weit im Osten des Landes den jordanischen Luftraum erreichten – diesmal, wie ich annehme, um genügend Raum zu haben, von der hohen Flughöhe rechtzeitig bis Amman hinunterzukommen. Alles in allem waren es weit über 500 Kilometer.

Der Flug war ruhig. Sogar Syrien wirkte – aus der Höhe – grün und friedlich. Und trotzdem war es einer der traurigeren Flüge, die ich im Nahen Osten absolviert habe. Vermutlich wird es noch eine Weile lang nötig sein, so zu fliegen. Aber ich hoffe, dass ich irgendwann wieder auf dem Landweg von Beirut nach Amman fahren kann.

In shah Allah. 

 

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