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„Männer haben mehr Sitzfleisch“

 

Elisabeth Pähtz, geboren 1985, ist die beste und bekannteste deutsche Schachspielerin und auch die einzige, die Schach professionell betreibt. Bereits mit 14 Jahren besiegte sie die Schachmannschaft des FC Bayern München, 2002 und 2005 wurde sie Mädchenweltmeisterin ihrer Altersklasse.

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Elisabeth Pähtz, 2014 bei der Schnellschach-WM der Frauen in Khanty-Mansijsk. Copyright: Nikolay Bochkarev/ugrasport.com

ZEIT ONLINE: Frau Pähtz, Zahlen sind objektiv. Nach den Elo-Zahlen spielen Frauen schlechter Schach als Männer. Warum?

Elisabeth Pähtz: Männer sind fleißiger als Frauen, was Training und Vorbereitung angeht. Aber der größte Faktor ist, dass Männer evolutionsbedingt risikobereiter sind. Sie mussten doch früher Nahrung besorgen und Tiere jagen. Im Schach gibt es viel mehr Stellungen, in denen sich Risiko auszahlt, als solche, in denen die sichere Fortsetzung besser ist.

ZEIT ONLINE: Aber Sie wollen doch nicht alle Unterschiede auf die Evolution schieben?

Pähtz: Viel hängt auch mit dem Körperbau zusammen. Männer haben mehr Energiereserven, mehr Sitzfleisch. Frauen brechen nach dem 40. Zug, nach vier Stunden oft zusammen. Es geht mir selbst auch so.

ZEIT ONLINE: Spielen Männer gegen Frauen anders und umgekehrt?

Pähtz: Eigentlich schon. Einerseits haben Männer selbst Probleme gegen Frauen zu spielen, umso mehr, wenn sie die Frau attraktiv finden. Zudem sind Frauen gegen Männer auch viel motivierter. Wir spüren, wenn ein Mann verkrampft ist und das gibt uns ein besseres Gefühl, macht uns selbst stärker. Männer übertreiben gegen eine Frau auch das Risiko. Manchmal versuchen sie die Frau im Endspiel auch einfach „auszusitzen“. Um das zu beheben, müsste man Sport machen, täglich stundenlang Aufgaben lösen… Das macht keine Frau. Männer können viel fanatischer sein, alle Zeit, die sie haben, dem Schach widmen.

ZEIT ONLINE: Warum ist das so?

Pähtz: Bis zu einem Alter von zwölf Jahren ist alles identisch. Dann interessieren sich Mädchen für Make-up, Kleidung, Party und Jungs. Männer haben in der entscheidenden Phase viel mehr Zeit sich zu verbessern. Sie sehen doch mit 15 noch aus wie ein Kind, kein Mädchen interessiert sich für sie. Das ist der Vorteil, den die Jungen haben. Aus ihnen werden oft Männer, die ihr ganzes Leben nur an Schach denken können. Zum Beispiel Fabiano Caruana, die Nummer fünf der Welt, der hat doch nichts mit Mädchen und auch keine anderen Interessen. Nur Schach. So einen gibt es im Frauenschach nicht.

ZEIT ONLINE: Viele Schachspielerinnen sind mit Schachspielern zusammen. Warum eigentlich?

Pähtz: Weil die Frauen eine große Auswahl haben. Sie können sich genau überlegen, wen sie attraktiv finden und bei wem sie es versuchen wollen. Die Männer gehen gerne darauf ein, da sie oft keine Zeit haben, sich außerhalb der Schachszene nach Partnerinnen umzugucken. So ist es aber fast in jedem Sport. Besonders osteuropäische Frauen wissen eine hohe Elo-Zahl als eine Art „Muskelpaket“ zu schätzen und richten sich nur zweitrangig nach dem Äußeren. Westeuropäerinnen sind dagegen nicht so scharf auf Schachspieler, auch wenn sie selbst aktiv sind.

ZEIT ONLINE: Ist das so romantisch, 24 Stunden zusammen zu verbringen und von Turnier zu Turnier zu reisen?

Pähtz: Nein, die größte Gefahr besteht, wenn der Mann die ganze Zeit Turniere spielt und die Frau zu Hause sitzt. Da gibt es viel Eifersuchtspotential.

ZEIT ONLINE: Sind viele solcher Ehen zwischen Großmeistern eher Zweckgemeinschaften als Liebesbeziehungen?

Pähtz: Das gibt es auch. Etwa weil man bei vielen Turnieren nur gemeinsam gute Konditionen bekommt. Man muss eben die nötige Balance finden, auch mal Turniere ohne den Partner spielen.

ZEIT ONLINE: Aktuell gibt es viele Projekte, die mehr Mädchen zum Schach bringen sollen. Spezielle Schulschachprogramme, Lehrgänge, Trainingscamps. Was halten Sie davon?

Pähtz: Das ist alles Quatsch. Erstens wird für all das an den falschen Stellen Werbung gemacht, allein auf Schachseiten im Internet reicht nicht. Aber selbst wenn die Maßnahmen sinnvoller beworben werden, was bringt das? Frauenschach wird sowieso nie so behandelt werden wie Männerschach. Die Preisgelder werden immer geringer sein. Wozu dann mehr Frauen zum Schachspiel bringen?

ZEIT ONLINE: Sie sind für eine komplette Trennung von Männer- und Frauenschach. Warum?

Pähtz: So, wie die Situation jetzt ist, werden wir Frauen vom Schachbund nur belächelt und wenig unterstützt. Wir werden absolut an den Elo-Zahlen gemessen, wo wir nun mal schwächer als die Männer sind. Die sagen mehr oder weniger: Frauen können kein Schach spielen, deshalb gibt es weniger Förderung und bei den Turnieren kleinere Preise. Wenn das Frauenschach abgetrennt wird, wird man es als eigenständige Sportart sehen und das Argument, dass wir schlechter spielen zieht nicht mehr. Die Gelder müssten dann angepasst werden.

ZEIT ONLINE: Wie beim Tennis?

Pähtz: Genau. Bei der Fide hat sich da schon einiges getan, zum Beispiel durch die Grand-Prix-Serie. Der deutsche Schachbund hinkt aber noch weit hinterher. Bei der Europameisterschaft gab es für die Männer mehr Antrittsgeld, obwohl sie auf Nummer 20 der Startrangliste gesetzt waren und wir auf 10.

ZEIT ONLINE: Wären mehr Frauen auch für das Breitenschach eine Bereicherung? Amateure beklagen sich oft, dass so wenige Frauen bei den Turnieren sind.

Pähtz: Für uns Frauen wäre das spannend, dann könnte man eigene Frauenturniere organisieren. Und die Männer, die sagen, dass sie gern gegen Frauen antreten, sagen das nur, weil sie arrogant sind und die Frauen als leichte Beute ansehen. Also auf dem Brett.

ZEIT ONLINE: Wie sollen Mädchen gefördert werden?

Pähtz: Wichtig ist Klasse statt Masse. Einfach nur viele Mädchen zum Schach zu bringen, halte ich für den falschen Ansatz. Was mich aufregt, ist, dass man immer nur sagt, es müssen mehr Mädchen Schach spielen, weil es gut für sie ist. Dabei ist Schach für Jungen genau so förderlich wie für Mädchen. Man denke nur an die Konzentration, Flexibilität, Plan- und Entscheidungsfindung, Gedächtnistraining…

ZEIT ONLINE: In einem Interview mit der Zeitschrift Schach sagten Sie sinngemäß, dass sie Schach nicht mögen und auch noch nie gemocht haben.

Pähtz: Schach und das, was damit zusammenhängt, hat mir viel gegeben: Die Erfahrungen, die Reisen, die anderen Kulturen, das Essen, die vielen Menschen, die man kennenlernt. Natürlich die Erfolge. Schach war für mich seit der Kindheit eine Ersatzfamilie, Freunde in der Schule hatte ich kaum, ich war schnell „anders“. Man wird beim Schach mit vielen Älteren groß und kann dann über die primitiven Witze der Klassenkameraden nicht lachen. Schach zieht einen unglaublich rein, und da man wenig Kontakte zur restlichen Welt besitzt, entkommt man dieser Community nicht mehr. Aber das Spiel selbst mag ich wirklich nicht.

ZEIT ONLINE: Warum?

Pähtz: Wenn man eine Partie verliert, die einem den WM-Titel kostet, spürt man nur noch Schmerz. Mir ist das in den Jugendjahren mehrfach passiert. Es zieht einen runter und macht depressiv. Man überlegt sich, warum man sich das alles eigentlich antut. Warum man nicht einfach etwas Normales tun kann, statt sich diesem Stress auszusetzen. Das Glücksmoment nach Siegen war bei mir schon immer geringer als der Schmerz nach Niederlagen.

108 Kommentare

  1.   Gwahir

    In der MBTI-Systematik sind Männer bei INTP und INTJ – beides eher seltene Kategorien vulgo zerstreute Professoren und Nerds – erheblich überrepräsentiert. Schach als Beschäftigung passt sehr gut zu dieser Gruppe. Etliche von den Großmeistern als etwas lebensfremde Personen passen wunderbar zu den INTx-Beschreibungen. Das heißt nicht, dass alle hochintelligenten so sind, nur in diesen Gruppen ballen sich die mathematisch/systemisch am klarsten denkenden. Würden alle Menschen Schach spielen, wäre die beobachtbaren Verteilung der Schachspieler anders. Nur das Sample selektiert sich selbst – Grübler mit eher weniger Interesse an sozialen Kontakten – und damit ist die Statistik-Diskussion irrelevant. Frau Pähtz beschreibt das schon sehr stimmig – als Frau unter Nerds zu geraten und sich mit denen in ihrem Spezialgebiet zu messen, macht wenig Spaß. Als Nerd Frau zu sein noch weniger, da man die soziale Erwartungshaltung nicht trifft und gerade die Geschlechtsgenossin mal gar nichts mit einem anfangen können.

    Um ins Extrem zu gehen: Schach gehört ja zu den trivialen Spielen. 64 Felder, 16 Figuren von denen eine pro Zug bewegt werden kann, kein Zufall. Z.B. Battle for Normandy hat 5000 Felder, über 2000 Spielsteine, die sich alle pro Runde bewegen können, ausgewürfelte Ergebnisse. Bei dieser Spielkategorie gibt es noch nicht einmal ansatzweise kompetente Computergegner. Von weiblichen Gegnern waren noch nicht einmal inkompetente gesehen…

  2.   tobkhan

    @Kommentar 99: dann hätte sich Frau Paetz selbst dieser „weitsichtigen Kommunikationskultur“ bedienen sollen anstatt bessere Sportler als es sie selbst ist zu beleidigen.,sexistische Kommentare von sich zu geben und die Verantwortung für ihr Nicht-ankommen in der Weltspitze bei anderen zu suchen.

  3.   Thorsten F.

    Die Frau scheint mal einen ziemlichen Chauvinistisch-maskulistischen Schlag abzuhaben. Wenn das Lann Hohnscheidt erfährt…huihui

    Vielleicht liessen sich die Geschlechterunterschiede beim Schach eindampfen, wenn Frauen einfach oben ohne spielen. Das sollte den Männer-ELO ein gutes Stück senken – insb. da Schachspieler offenbar kein allzu grosses Talent mit Frauen haben. Angenehmer Nebeneffekt: Schach würde dank TV-Gelder zum Milliardenmarkt wachsen.^^

  4.   donquichotte

    @103 Diesen hirnverbrannten Troll-Kommentar sollte man wirklich nicht zum Abschluß des ungemein ehrlichen und deshalb kontrovers (manchmal auch unverschämt) diskutierten Interviews stehen lassen. Das hat Frau Paehtz nicht verdient – auch nicht die Häme darüber, daß sie es über die erweiterte Weltspitze hinaus nicht geschafft hat. Man/frau spielt immer nur so gut, wie die eigenen Konditionen und die Gegner es zulassen. Aus meiner Sicht ist das nicht unbedingt ein Makel – und ob jemand wie „Mönch“ Caruana Schachweltmeister werden sollte (und die Auswirkungen, die das auf das Schach des nachdrängenden Nachwuchses hätte), können wir uns stundenlang den Kopf heiß debattieren. Oder einfach Stefan Zweigs „Schachnovelle“ oder Nabokovs „Lushins Verteidigung“ lesen. Lise Meitner hatte eben etwas Besseres zu tun, als Turnierschach zu spielen …


  5. Da sollte sie sich mal ein Beispiel an Judit Polgár nehmen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Judit_Polg%C3%A1r

    Die ist auf Platz 39 der Weltrangliste … und nein…nicht nur auf der für Frauen…sondern auf der allgemeinen…


  6. Solche Ideen sind leider nicht gern gesehen. Ich persönlich setze mich beim DFB schon länger für die Abtrennung des Schachspieler-Fußballs ein. Einer eigenen Sportart aller Turnbeutelvergesser, die sich nie für Fußball interessierten, aber eben auch gerne umjubelt von Spiel zu Spiel reisen würden, um neue Leute kennenzulernen. Das wäre nur fair, denn begeisterte Schachspieler haben evolutionär bedingt schlechtere Chancen im Profi-Fußball.

  7.   Ilja Schenderowitsch

    Ich halte den Grund, warum Frauen schlechter im Schach sind für viel VIEL einfacher:

    Es gibt nun mal deutlich weniger schachspielende Frauen als Männer.
    Jede natürliche Verteilung (IQ, Körpergröße etc.)ist normalverteilt. Daher die Durchschnittswerte kommen am häufigsten vor, Größen die rausfallen werden immer seltener. das kann man auch stochastisch an der Gauß-Kurve ablesen.

    Betrachten wir beim Schach nur die Richtung der besonders starken Spieler der Gaußkurve über dem Durchschnitt.
    Angenommen es gibt 10.000.000 Männer mit einem ELO von 1400 und 1.000.000 Frauen. Angenommen es gibt 5 x weniger Menschen mit 1600 ELO, da die stärkeren seltener werden. So gäbe es 2.000.000 Männer und 200.000 Frauen. Auch eine noch kleinere Anzahl wird dann 1800 ELO haben etc..
    Angenommen ELO 2600 haben noch 50 Männer und eine Frau.
    (Müsste man nach schauen wie es jetzt in der Realität aussieht, sind nur Beispielszahlen).
    ELO 2800 würden vielleicht noch 3 Männer haben und 1/16 Frau.
    Mit anderen Worten vielleicht gäbe es eine Frau angenommen 10 Jahre lang auf diesem Niveau. Dann würden statistisch gesehen 150 weitere Jahre vergehen bevor es ein solches „Ausnahmetalent“ wiedergibt.

    Dies ist meine Erklärung :)

    Freue mich auf Diskussionen

  8.   B3F7

    Entschuldigt wenn ich nicht beim Thema bleib, es läuft doch immer wieder auf das Selbe hinaus!

    Und schon wieder wird rumgeheult, das darf doch nicht wahr sein!

    Dass immer Frauen gefördert werden und Männer immer mehr benachteiligt werden fällt komischerweise keiner Frau auf!
    Überall sind die Männer in irgend einer Form ungerecht, zu den „so armen, bedauernswerten Frauen“ von denen heute fast jede Studiert hat! weil sie überall ermutigt und gefördert werden, während auf dem männlichen Geschlecht nur rumgehakt wird, und männliche Züge nur bestravt werden. in dieser feministischen männerfeindlichen Welt in der sie noch zu Frauen erzogen aber später als Mann funktionieren sollen.
    Schon sehr eigenartig, dann bitte auch mal eine Frauenquote in Maurerberufen oder Berufen, in den sich „die feinen Damen“ tatsächlich die Hände schmutzig machen. Letztens habe ich eine Malerin gesehen, das war der blanke Wahnsinn!

    Ich finde die Welt ist Medienseitig von Hollywood bis Deutschland viel zu Weiblich und Männerfeindlich, insbesondere Schmierblätter und Zeitungen! Frauen zermüben Männer nach und nach Und beschweren sich dann das es kaum noch richtige Männer gibt.
    Wie sollen Männer nach diesen breit angelegten Dauerfeuer in der Gesellschaft da noch stark sein. Das funktioniert doch nur noch mit Ignoranz und Hass. Ganz eheblich faltal ist das die Frauenwelt den Mann als Zahlsklaven auf Lebenszeit bzw. ausschließlichen Erfüllungsgehilfen für Ihre Belange sehen.

    Ich glaube so ein Leben, was Männern hier beschert wird, so ein Leben ist menschenunwürdig, da bleibt nur noch Verweigerung. In der Summe ist die einzigstes Reaktion die mir den Weiblichen geschlecht gegenüber bleibt, pure Verachtung und Hass, auch wenn es in Herzensangelegenheiten eindeutig gegen meine Natur verstößt, sehe ich hier keine Freiheit das anders sehen zu können. Und genau das was ich hier zusammen gefasst habe diese feigen Frauen die überall nur Rumheulen gegen den Mann hetzen und selbst nichts auf die Reihe bekommen, das sind komischerweise die wenigsten, aber von denen hört man am meisten. Genau das regt mich so auf, das es verdient hier mal hin geschrieben zu werden.

 

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