‹ Alle Einträge

Viagra für Frauen, die 128te

 

Seit Januar ist das Hormonpflaster „Intrinsa“ in der EU auf dem Markt. Es enthält das männliche Geschlechtshormon Testosteron, das auch bei Frauen vorkommt, freilich in geringerer Dosierung. Je mehr Testosteron, umso wuschiger ist eine Frau, um es einmal sehr grob zu vereinfachen. Und der Job von „Intrinsa“ ist dementsprechend, „Hypoactive Sexual Desire Disorder“ bei Frauen zu bekämpfen, also mangelndes sexuelles Verlangen.

Intrinsa ist derzeit für Frauen zugelassen, die durch eine Entfernung der Eierstöcke in eine vorzeitige Menopause geschickt wurden, weil sie selbst kein Testosteron mehr produzieren können. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat das Medikament immer noch nicht zugelassen (was einem schwer zu denken geben sollte), weil sie Bedenken bezüglich der Nebenwirkungen (tiefere Stimme, verstärkter Haarwuchs) hat.

Trotzdem wird Intrinsa gern auch als „Viagra für Frauen“ bezeichnet, ebenso wie ein Nasenspray namens Bremelanotid, das von der US-Firma Palatin Technologies derzeit getestet wird.

Allerdings: Beides ist kein Viagra für Frauen. Viagra für Frauen gibt es nämlich schon. Es heißt „Gleitcreme“.

Wir rekapitulieren kurz. Viagra ist ein Medikament für Männer, die wollen, aber nicht können. Wenn eine Frau will, aber nicht kann, liegt es in den allermeisten Fällen an einer zu trockenen Vagina (oder an Schmerzen beim Geschlechtsverkehr). Was das Steifwerden beim Mann, ist das Feuchtwerden bei der Frau.

Wenn eine Frau nicht will, hat das die unterschiedlichsten Gründe. Und es fragt sich, ob man die einfach per Medikament überwinden bzw. ausblenden kann bzw. soll.

Ich glaube, es gibt zwei Erscheinungsformen von „keine Lust haben“. Entweder, man ist gerade nicht in Stimmung, lässt das aber gern vom Partner ändern. (Stichwort: Der Hunger kommt mit dem Essen.) Oder man hat einfach wirklich keine Lust auf Sex, selbst wenn der Partner die „Antörnungsarbeit“ übernehmen würde. Dann hilft aber auch keine Tablette.

Wenn eine Frau also zu einem solchen Medikament greift, würde sie das doch eher jemand anderem, also der Beziehung zuliebe tun. Nicht, dass daran etwas falsch wäre. Aber in diesem Licht betrachtet, darf man doch kurz einmal den ketzerischen Gedanken wagen, dass all dieses Geforsche nach einem „Viagra für Frauen“ eigentlich zum Ziel hat, Frauen auf Knopfdruck wuschig machen zu können.

Ob es wirklich die Frauen sind, die davon am meisten profitieren, lassen wir jetzt einfach einmal offen …

27 Kommentare

  1.   Felix

    Und wenn eine Frau nun deshalb keine Lust hat, weil sie aufgrund einer biologischen Störung zu wenig Testosteron produziert? Dann wäre das doch eine Lösung für ihr Problem.
    Dass damit den Frauen nicht geholfen ist, die aus anderen Gründen keine Lust haben ist natürlich was anderes.

  2.   Scheidungskind

    An nachlassender Libido der Frau nach der Menopause kann die Ehe allerdings erheblich leiden, besonders wenn der Partner noch ausgeprägte Bedürfnisse in der Richtung hat.
    Der feministische Reflex ist es natürlich den Männern ihre Triebhaftigkeit vorzuhalten, und die Frau als vornehmlich geistiges, kulturell überlegenes, Wesen zu skizzieren.
    Es ist selbstverständlich richtig, dass sie (vermute ich) nicht direkt unter ihrer nachlassenden Libido leidet. Von ihm jedoch in einem solchen Fall ein Mönchsdasein einzufordern zeugt von einem krassen Unvermögen die Bedürfnisse des Partners ansatzweise zu verstehen, vor allem wenn dies mit einem verachtendem Unterton geschieht („Schwanzgesteuert“ etc..).
    Vielleicht sollte man also den viel ketzererischen Gedanken wagen, dass all dieses Geforsche nach dem „Viagra für Frauen“ eigentlich zum Ziel hat, fortgeschrittene Partnerschaften zu erleichtern.
    …und ja, die Frau profitiert am meisten davon, wenn die Alternativen sind, einen frustrierten Ehepartner zu haben oder aber keinen. Er kann auch andere, unschönere Wege gehen, sie nicht mehr.

  3.   Sigrid Neudecker

    Auf deutsch: Immer schön willig sein, sonst sucht er sich eine Neue und man sitzt GANZ ALLEIN da. Und – herrje, was macht eine Frau bloß ohne einen Mann!

  4.   heiter-und-gelassen

    Mit dieser Logik müsste man auch Viagra vom Markt nehmen. Leistungsgezwungene Männer. Zärtlichkeit ja, aber bitte umschaltbar auf Wildheit bei weiblichem Bedarf.

    Viagra soll aber schon manches Liebesleben und manche Partnerschaft positiv beeinflust haben…

  5.   margot

    tja, wie kommt die forschung aus der misere wieder raus? erst gibt mann der frau hormone, damit sie nicht schwanger werden kann. wenn sie aus dem gebärfähigen alter raus ist, schneidet mann ihr die dann „nutzlose“ gebärmutter raus. praktisch, dann kann mann ihr weiter hormone verkaufen, die sie nicht mehr selber produzieren kann. mist nur, dass der ganze durcheinander, den mann da anrichtet, dafür sorgt, dass frau keine lust mehr hat. da sich das mit der blöden emanzipation nicht mehr aufhalten lässt und auch das mit den ehelichen pflichten nicht mehr so leicht durchzusetzen ist, muss mann doch wieder was finden, damit frau lust bekommt. woran denkt mann? natürlich an hormone! damit hat es bisher ja auch ganz gut geklappt, oder etwa nicht? *argl!*

    am besten, frau versteckt dem mann das viagra, dann kriegt er ihn nicht mehr hoch und sie muss ergo keine lust mehr haben …

  6.   machotom

    keine Sorge ,margot, auf Frauen mit Bärten & Basstimmen haben auch viagragestähle Männer keine Lust.im übrigen, ihr Ignorantinnen, sind auch Viagra & Cialis etc. keine Knopfdruck-Potenzspritzen sondern lediglich durchblutungsfördernde Maßnahmen und vor allem: Ob wir geil sind oder nicht hängt nicht im geringsten von der Erektionsfähigkeit ab…

  7.   Scheidungskind

    Ihr Kommentar, Frau Neudecker, ist echt zum Kotzen!
    Ich habe versucht herrauszustellen, dass es keineswegs um irgendeine Dauergeilheit geht. Schade, dass Sie ein derartiges Menschenbild haben.
    Es geht darum, dass bei fehlender Libido körperliche Annäherungen, die über Jahrzehnte mehr als willkommen waren, plötzlich als ekelhaft empfunden werden. Der Partner wird dann mit Verachtung ob seines Triebes bedacht, statt Verständnis aufzubringen.
    Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihr langjähriger Partner ihre Berührungen plötzlich als ekelhaft und verabscheuenswert betrachtet, ohne dass Sie sich irgendwie verändert haben? Würde Sie das nicht verletzen?

  8.   Sigrid Neudecker

    @ Scheidungskind

    Wenn wir mal kurz Begriffsbestimmung machen wollen:

    „Unter der Libido (Geschlechtstrieb) versteht man den auf sexuelle Befriedigung gerichteten Trieb. Er beschreibt das Bedürfnis, sexuelle Lust zu empfinden.
    Man spricht auch von sexueller Appetenz – analog zum Begriff „Hunger“ beim Verlangen nach Nahrung.“
    (Wikipedia)

    Ob also bei fehlender Libido körperliche Annäherungen des Partners als „ekelhaft“ empfunden werden, wage ich zu bezweifeln. Das, wovon Sie hier sprechen, klingt schon eher nach einer schweren Störung – gegen die dann jedenfalls nicht nur ein bisschen Testosteron hilft.

  9.   Scipio

    Es leiden sehr viele Frauen an sexueller Dysfunktion, übrigens viel mehr Frauen als Männer, und das nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht können, dass so manche begeistert auf jede Lusthilfe zugreifen wird.
    Ziel ist die Orgasmusfähigkeit der Frau und nicht die Lubrikation. Das Problem liegt ja vor der Klitoriserektion.
    Es gibt viele Frauen, die einfach geil auf Sex sind, gute Orgasmen bekommen, trotzdem aber nicht feucht werden.
    Es ist also völliger Unsinn, Gleitcreme als Viagra für Frauen zu bezeichnen.

  10.   Sigrid Neudecker

    @ Scipio
    Dann noch einmal langsam: Viagra soll Männern nicht Orgasmen, sondern Erektionen bescheren, ergo den Geschlechtsverkehr ermöglichen. Dies entspricht bei der Frau dem Gleitmittel.

    Und das Ziel aller bisherigen pharmazeutischen Anstrengungen (inkl. Palatin) ist, Frauen anzutörnen. Von Orgasmen ist da überhaupt noch nicht die Rede.

 

Kommentare sind geschlossen.