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Werder Bremen-Schachtjor Donezk 1:2

 

20:20 Moin. (Moin moin darf man abends nicht sagen, hab ich mir sagen lassen.)

Live Blog auch auf Meine Saison. Wer noch?

Rinat Achmetov, der Schachtjor-Besitzer, dessen Namen Franz Beckenbauer gerade nicht eingefallen ist, hat das Charisma eines Steuerprüfers. Andererseits sieht er aus wie der junge Bruder von Peer Augustinski. Ein Mann mit viel Geld – und mit vielen Talenten, so hört man. Kleiner Tipp an Werder: Wie man ihn entwaffnen kann, sieht man hier.

Aufstellungen

Bremen: Wiese – Boenisch, Naldo, Prödl, Fritz – Niemeyer, Baumann, Frings, Özil – Roseberg, Pizarro

Donezk: Pyatov – Srna, Kucher, Chygrynskyy, Rat – Jadson, Lewandowski, Fernandinho, Willian, Ilsinho – Luiz Adriano

Heißt es eigentlich Schachtjor, Schachtjar oder Schachtar? Die FAZ liefert wichtige Erkenntnisse.

15 Kilogramm soll der Pott schwer sein, mir gefällt er ja ganz gut. Aber es gibt welche, die das anders sehen und Kurt Tucholsky in Anspruch nehmen, der „den Sportpreisen klassische Scheußlichkeit“ attestiert. Den Uefa-Pokal speziell dürfte er jedoch nicht gemeint haben.

5′ An die Werder-Abwehr! Modus umstellen! Heute ist nicht Bundesliga, heute hat es Konsequenzen, wenn Ihr verliert. Erste Großchance für Schachtjor durch Luiz Adriano, nachdem Prödl aus der Abwehr herausrückte und die anderen drei der Kette rumstehen.

12′ Kommentator Laaser: „Ich glaube, Boenisch ist nervös.“ Fritsch: „Ich glaube, Boenisch kanns nicht besser.“ Zweiter Ballverlust schon am eigenen Strafraum.

20′ Ist der Ball zu fest aufgepumpt? Ist er nicht rund? Technisch sind wir gerade auf Kreisliganiveau: schlampige Ballannahmen, Pässe zum Gegner. Besonders die Bremer, aber Schachtjor hält sich derzeit auch höflich zurück.

25′ Tor für Schachtjor Donezk 0:1 Luiz Adriano Zwei Steilpässe, der Ball findet eher zufällig den Weg zu Adriano, Prödl steht aufm Schlauch, Wiese duckt sich beim Heber.

Die Bremer Abwehr scheint dem nicht gewachsen. HSV-Fans reiben sich schon die Händchen.

35′ Tor für Werder Bremen 1:1 Naldo Entschuldigung, was sehen wir hier? Ein europäisches Finale? Pyatov patscht einen unplatzierten 30-Meter-Freistoß Naldos ins Tor. Entweder die Jungs in der Kneipe nebenan sind drei Sekunden hinter meinem TV-Signal. Oder sie haben so lange mit dem Torjubel gebraucht, weil sie es nicht glauben konnten, dass der Ball drin ist.

Halbzeit 1:1 Ein Spiel mit Niveau – man weiß nicht, wohin man kucken soll vor Scham. Werder spielt, Verzeihung, sauschlecht. Die Abwehr, außer Naldo, kommt nicht klar. Wiese hat einen Fernschuss gut pariert, aber eine Mitverantwotung am Gegentor lasse ich mir auch nicht ausreden. Einfach wegducken – wer macht denn sowas? Und das Spiel nach vorne? Özil ist unsichtbar, die Spielzüge fallen heute aus. Es scheint, dass die Spieler erkannt haben, dass die beste Strategie ist: den Fehlpass so spielen, dass der Ball zwischen zwei oder drei Gegenspieler runter fällt. Sodass die uneinig sind, wer den Ball nehmen soll. Diesen Moment der Unsicherheit dann nutzen und drauf gehen! Sowas nenn ich Realismus.

Aber wenn man mit einer solchen Leistung mit 1:1 in die Pause geht, kann man eigentlich nur gewinnen.

47′ Boenisch und Niemeyer kombinieren – sorry, da muss ich die Augen schließen.

Die 11 Freunde bloggen auch live.

62′ Werder hat jetzt meist den Ball, aber sie spielen in etwa so präzise ab, als hätten sie 2 Dioptrien zu viel. Oder zu wenig. Trotzdem wird es sich für Schachtjor wohl rächen, dass sie die Schwächephase des Gegners nicht genutzt haben. Jedenfalls lassen sich die Bremer Fans die Laune nicht verderben.

74′ Werder wäre fast zu seiner ersten Torchance gekommen, doch der Pass auf Özil gerät einen Tick zu lange.

78′ Fast die Führung für Werder: Pizarro berührt einen Freistoß mit dem Kopf, aber Keeper Pyatov ist doch kein Stümper. Ist schnell unten in der Ecke. Mit Flanken sollten es die Bremer weiterhin versuchen.

Hunt ist für Rosenberg eingewechselt worden, harmloser kann er den Job auch nicht verrichten. Inzwischen sind acht Deutsche auf dem Feld. Wie viele wären es, wenn es der HSV statt Werder geschafft hätte?

88′ Naldo schießt aus 45 (!) Metern. Übermut? Nein, ein Signal an die Stürmer: Bewegt Euch!

Zwischenstand nach 90 Minuten 1:1 Ab in die Verlängerung! Die zweite Halbzeit war ausgeglichener, die Bremer haben den Gegner nun besser im Griff. Gerade im defensiven Mittelfeld. Und Naldo köpft alles raus. Aber es ist nach wie vor ein schwaches Finale. Vielleicht knüpft Hunt an eine Aktion kurz vor Abpfiff an, dem besten Spielzug Bremens, die zum Tor führte. Leider Abseits.

97′ Tor für Schachtjor Donezk 1:2 Jadson Eine halbe Minute, bevor ich weggenickt wäre oder umgeschaltet hätte, fällt der erneute Führungstreffer. Auf der rechten Seite ist Srna blank, seinen Pass verwertet Jadson. Wiese ist mit der Hand noch am Ball, doch der überlegt nur kurz – und kullert ins Netz.

Im Gegenzug macht Pizarro fast den Ausgleich, doch die Abwehr wehrt auf der Linie irgendwie ab.

108′ Jetzt hat Boenisch mal viel Raum auf links, und was macht Boenisch? Er schießt ohne Gegnerdruck aus 30 Metern. Schießt einen Gegenspieler an. Falsche Entscheidung, würd ich mal sagen.

Endstand Werder Bremen-Schachtjor Donezk 1:2 nach Verlängerung Ein schwacher Auftritt der Bremer im Finale, sie konnten Diego und Mertesacker nicht ersetzen. Almeida hätte sicher auch besser gespielt als Rosenberg. Nach vorne klappte lange überhaupt nichts, große technische Schwächen machten sich im Passspiel und in der Ballannahme bemerkbar. Null Spielfluss, keine herauskombinierte Torchance. Und Torwart Wiese hatte auch schon bessere Tage. Kurz vor Abpfiff fiel zwar der vermeintliche Ausgleich, doch der Schiedsrichter sah ein Foul Pizarros.

Donezk war die bessere Elf, vor allem in der ersten Halbzeit. Angesichts des Spielverlaufs schon kurios, dass Werder überhaupt so lange ein Unentschieden hielt. Damit bleibt die Bundesliga seit acht Jahren, seit dem Champions-League-Sieg der Bayern, ohne internationalen Titel. Und muss mit der Diagnose leben, von Europas Spitze abgehängt zu sein. Dennoch ist es eine gute Uefa-Pokal-Saison für Werder: den AC Milan geschlagen, eine weitere italienische Mannschaft (Udinese) ausgeschaltet, das Highlight in Hamburg. Immerhin mal wieder eine Finalteilnahme. Bloß für den letzten Schritt haben Qualität und vielleicht auch Kraft nicht genügt.

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Vorbericht

Erstmals seit 2002 steht eine deutsche Mannschaft im Finale des Uefa-Pokals, erstmals seit 1997 könnte es einen deutschen Titelgewinn geben. Vor zwölf Jahren gewannen die „Eurofighter“ aus Schalke dank der Die-Null-muss-stehen-Strategie ihres holländischen Trainers Huub Stevens im Elfmeterschießen gegen Inter Mailand; damals wurden die Finals noch in zwei Runden ausgetragen. Vor sieben Jahren scheiterte Borussia Dortmund gegen Feyenoord Rotterdam mit 2:3. Dass es bis heute die letzte Endspielteilnahme eines deutschen Klubs im Europapokal blieb, damit konnte man damals nicht rechnen, zumal Bayer Leverkusen eine Woche später erst im Glasgower Finale der Champions League an Real Madrid scheiterte. Dabei war der Uefa-Pokal, der in der nächsten Saison umbenannt und reformiert wird, mal ein deutscher Wettbewerb.

Insofern hat Bremen heute einen nationalen Auftrag. Bei einem Sieg bliebe man vermutlich für einige Zeit von den dämlichen Ausreden deutscher Fußballvertreter verschont, von wegen das Kartellamt sei an der Misere schuld. Oder das Bosman-Urteil. Oder die SPD.Werder muss jedoch ohne Diego, Per Mertesacker und Hugo Almeida auskommen. Mertesacker hat sich im Hamburger Halbfinale verletzt, Diego und Almeida sind gelbgesperrt. Bei der Gelegenheit sollten die Verbände mal über den Zweck von Gelbsperren nachdenken. Fußballer zu sperren wegen Gelben Karten, also wegen Verwarnungen, ist in Pokalwettbewerben äußerst fraglich. Nun fehlen im Finale wichtige Spieler, das ist doch in niemandem Sinne. Michael Ballack hat 2002 das WM-Finale, also seinen Karrierehöhepunkt verpasst, auch weil er im Achtelfinale gegen Paraguay in der Nachspielzeit ungerechterweise Gelb gesehen hatte. In der Liga ist das Prinzip in Ordnung. Aber in K.o-Wettbewerben, also mit Finals, schadet sich der Fußball nur selbst. Eine solche Regel ist mir aus einer anderen Sportart nicht bekannt. Entspringt sie dem Willen zur Maßregelung von ungezogenen Fußballprofis?

Aber zurück zum Sportlichen: Gegner ist Schachtjor Donezk, das Spielzeug des reichen Ukrainers Rinat Achmetov. Bestückt mit starken Brasilianern in der Offensive, mit europäischen Haudegen in der Abwehr und erprobt in der Champions League – die Mannschaft ist stärker als ihr Name. Im Halbfinale schaltete sie ihre Landsleute aus Kiew aus, vorher wurde Olympique Marseille rasiert. Und im Dezember gewann Schachtjor 3:2 in Barcelona, wenn auch gegen ein B-Team. Torsten Frings soll gewarnt haben, man solle den Gegner nicht unterschätzen. Öhm, Herr Frings. Wie soll ich es Ihnen beibringen? Bremen ist heute keinesfalls Favorit.

Werders Trumpf soll heute Mesut Özil sein. Er ist einer der wenigen Gewinner der Saison: vom Ersatzmann und Diego-Backup zum Nationalspieler. Zum Vorteil soll ihm gereichen, dass das Spiel in Istanbul stattfindet, also dort, wo er Freunde und Verwandte hat.

13 Kommentare

  1.   Oliver Fritsch

    SAT1 kucken wie ich, da spricht Erich Laaser. Wenn das besser ist.

  2.   Hagen Schmelzer

    Puh. Da sollte man jetzt aber nicht darauf hoffen, dass sich Donezk nach 20 Minuten ausgetobt hat. Bayern war nach 20 Minuten in Barca schon erledigt.

  3.   Hagen Schmelzer

    Okay, 25 Minuten.


  4. Wollte hier eigentlich zwischendurch immer mal vorbeischauen, aber das schaffe ich heute einfach nicht. Werd ich wohl nach dem Spiel mal in Ruhe lesen, bzw. morgen, falls Werder gewinnen sollte.

  5.   Funny1969

    Na, das lässt der Herr Fritsch seiner Werder-Antipathie mal wieder freien Lauf.

  6.   Werder Bremen

    Papierkugeln, wir brauchen Papierkugeln..

  7.   Oliver Fritsch

    Nö, Funny1969, nicht langweilen, bitte. Ich hoffe, Werder gewinnt. Aber ich finde, die Bundesliga sieht oft schlecht aus im internationalen Vergleich. Bayern-Hasser krieg ich zu hören. Dass ich meine Stuttgarter zu schlecht behandle, auch. Was war noch? Ach so, dass ich eine Kampagne gegen den Schwalben-Jarolim führe.

    Ach Gottchen, ach Gottchen! Was sind Fußballfans doch für Sensibelchen.

  8.   Hagen Schmelzer

    „Eine halbe Minute, bevor ich weggenickt wäre“ – da war’s dann doch so weit?

  9.   Ein Berliner

    Kein Spiel, was einem vom Hocker riß, dennoch Beachtenswertes: … Mal ein Moderator bei Sat 1, der Sichtbares und nicht Gewünschtes kommentierte.
    Am Ende hat wohl die bessere Manschaft gewonnen; Bremens Trainer weiß, was er trainieren muß! Ballannahme und Spiel ohne Ball waren eine Luftnummer.
    Wie es Rosenberg, Fritz, Baumann und Özil in den KAder schafften(?), … wer weiß? Evtl. hatten andere Termine ?
    … und dennoch: Meine Achtung für Bremen für das Erreichen des Finales. Im Spiel gegen Leverkusen möchten wir anderes sehen.

  10.   tafelrunde

    Ein unglaublich fahler Beigeschmack beim UEFA-CUP-Finale!

    Unabhängig davon wie „verdient“ der Sieg der Ukrainischen Mannschaft auch war. Die Art und Weise, wie dieser zustande kam, war wie das ganze Konstrukt Rinat Achmetow aufgebaut auf: Unglaublicher Abgezocktheit, brutaler Effektivität, entmutigender Unangreifbarkeit, schleimiger Schauspielerei, gnadenloser Coolness, übertrieben aufreizend lässigen Verzögerungstaktiken und ähnlich niederschmetternder Charakteristika.
    Alles nach dem Motto: Der Fisch stinkt vom Kopf her!
    Bei Werder war erschütternd festzustellen, wie weit man in der Fußballtaktik in die Historie zurückzufallen vermag. Die „besten“ Tugenden des deutschen Fußballs der 80er wurden zum Einsatz gebracht: indifferent auf/in den Mann gehen, brachial den Ball weghauen, verbissen über den Kampf ins Spiel finden (in welches nie gefunden wurde), auf dem Zufallsprinzip basierend hohe Bälle in die Mitte dreschen. Ohne Esprit, ohne Raffinesse, ohne Kreativität, ohne Inspiration. Eigentlich ohne allem, was Werder als Basiskulturwerte sonst lange Jahre zu zeigen imstande war.
    Aber ein Özil (ohne echten Mitspieler), ein Frings, ein Pizzaro sind zu wenig. Und mit einem Böhnisch, einem Prödl, einem Tziolis reicht es eben nicht. Letztere sind gewogen und für zu leicht befunden worden.
    Und um Wiese noch einen mitzugeben: Wiese hat wieder mal bewiesen, dass er in den wirklich wichtigen Spielen aber garantiert immer so was von einem Bock schießt, dass man inzwischen bei jedem Buchmacher schon mit sehr geringen Quoten rechnen muss, wenn man darauf wetten würde.

 

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