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Sieht auf jeder Party gut aus

 

Die Schwedin Robyn bringt nur noch Musik raus, wenn sie Lust dazu hat. Gut so! Ihr neues Mini-Album enthält umso mehr Hits.

© Rankin

I’ve got some news for you…“ Ja? „Fembots have feelings too!“ Ist das wirklich eine Neuigkeit, die uns die Schwedin Robyn hier beibringt? Erzählte nicht schon Grace Jones Mitte der Achtziger die verwirrende Geschichte vom weiblichen Cyborg? Sie inszenierte damals ein selbstbewusstes, körperbetontes Kunstwesen und untergrub Gender-Stereotype. Ihre jamaikanische Herkunft und ihr Aufstieg in die weiße Modewelt warfen Fragen nach den sozialen Kategorien Ethnizität und Klasse auf. Ein Blick in die Zeitung genügt, um zu ahnen, dass die Problematisierung der Trias Ethnizität-Klasse-Geschlecht sich noch lange nicht erledigt hat.

So weit wie Grace Jones geht Robyn leider nicht, sie wirkt manchmal wie die Plastikversion des verchromten Edelcyborgs Grace Jones. „I’m high tech, baby! Fresh out the box the latest model, generator running on full throttle, can I get a fuel up?“ Grace Jones verzehrt erneuerbare Energien, Robyn muss ab und zu an die Tanke.

Und doch: Robyns neues Minialbum Body Talk Part 1 ist überaus hörenswert. Schön dick aufgetragene Beats und Effekte, einigermaßen gescheite Texte und Gäste, die auf jeder Party gut aussähen: Röyksopp etwa und Diplo.

Vor fünfzehn Jahren mischte sie mit Show Me Love die Euro-Disco auf, seitdem hatte sie immer mal wieder einen kleinen Hit. Doch ihr Werk litt immer darunter, dass sie sich nicht entscheiden wollte zwischen Formatradio und Tanzboden. Lieder wie Be Mine! und With Every Heartbeat fielen zwischen Aerosmith und DJ Bobo auf, fügten sich aber doch bereitwillig ein. Die Melodien zu schön, die Beats zu seicht.

Schluss damit! Gleich zu Beginn von Body Talk lässt Robyn uns zu kühlen Beats wissen, was ihr alles auf den Keks geht: „My drinking is killing me, my smoking is killing me, my diet’s killing me, my heels are killing me, my shopping’s killing me.“ Und: Ego und Label, Telefon, Email, Fernseher und Fliegen, Mama, Vermieter und Manager, der Rücken eh. So ziemlich alles also. Und, huch: „My penis is killing me„…? Nein, verhört, das PMS ist’s, das Premenstrual Syndrome. Oder meint sie ihr Podcast Management System?

In Fembots quäkt und brummt es wild zu einem stumpfen Beat, der verschleppte Rhythmus von Dancehall Queen zieht eine weitere Verbindung zu Grace Jones und Jamaika. Mit Röyksopp singt Robyn das düster hallende None Of Dem, „Play me some kind of new sound, something true and sincere„, fordert sie. Naja, ganz neu ist das alles nicht, und Wahrheit und Aufrichtigkeit sucht sie im Musikgeschäft wohl vergeblich. Die ersten sechs der acht Lieder taugen allesamt zu Single-Hits, die Orchester-Version von Hang With Me und das schwedische Schlaflied Jag Vet En Dejlig Rosa sind Spielereien.

Zwei weitere Minialben sollen in diesem Jahr noch folgen, Robyn wolle sich die Freiheit nehmen, die die Abwendung vom traditionellen Albumformat verspreche, heißt es. Lieder aufnehmen und veröffentlichen, wie es eben gerade passt. Teil 2 von Body Talk ist für Anfang September angekündigt.

„Body Talk Pt. 1“ von Robyn ist erschienen bei Ministry of Sound/Warner Music.

 

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