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Draufhauen ist die beste Werbung

 

Judith Holofernes wehrt sich gegen die „Bild“-Zeitung. Auf der Website ihrer Band Wir Sind Helden stellt sie deren Werbekampagne bloß.

© Jens Kalaene/dpa

Es scheint, als wollte sich die Sängerin Judith Holofernes bloß gegen eine Kampagne der Bild-Zeitung wehren. Daraus wurde eine hervorragende Werbung für ihre Band Wir Sind Helden. Die Sozialen Netzwerke glucksen nur so vor Schadenfreude (“Das mußte mal gesagt werden. Wir sind Helden über die BILD und ihre Spacke-Werbe-Promis”) und Bewunderung (“Es gibt sie noch, die Menschen mit Rückgrat!! wie Judith Holofernes eindrucksvoll zeigt”).

Von der Band mag man halten, was man will. Ein User-Beitrag auf Jetzt.de beispielsweise, der Jugendseite der Süddeutschen Zeitung, zeigt es im Entwurf einer fiktiven Antwort der Werbeagentur: Machte die Band bei der Kampagne mit, gingen 10.000 Euro „an die Organisation ‚Gutmenschenmütter machen den Prenzlauer Berg besser‘. Sie setzt sich für die totale Durchgentrifizierung des Bezirks ein. Unter anderem fordert sie Kinderspielplätze aus Bio-Holz, H&Ms ausschließlich mit nachhaltigen Textilien und die Begrenzung von Schriftgrößen für Boulevardzeitungen“, schreibt die Autorin auf Jetzt.de.

Sicherlich bieten Wir Sind Helden aufgrund ihrer sozialpolitischen Haltung eine gewisse Angriffsfläche. Dennoch, die Korrespondenz, die Judith Holofernes auf ihrer Website veröffentlicht, beweist Medienverständnis und nicht zuletzt Humor: “Liebe Werbeagentur Jung von Matt, bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild-​Kampagne mitmachen wollen: Ich glaub, es hackt. Die laufende Plakat-​Aktion der Bild-Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist.”

Dass Holofernes selbst Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, also Werbung, studiert hat, zeigt sich in ihrem Vorgehen: Draufhauen ist die beste Eigenwerbung. “Ich werde jetzt mal losgehen und alles von Wir Sind Helden kaufen, was der Markt so anbietet”, twittern viele neu gewonnene Fans.

96 Kommentare

  1.   Sebastian

    Ich weiß nicht, hier wird die, wie ich finde, ehrliche, die Kampagnen-Strategie von Jung von Matt sehr gut analysierende und im Übrigen auch die Erfinder der Kampagne zu recht dissende Antwort von Frau Holofernes als ebenso unaufrichtige Werbestrategie von Wir sind Helden dargestellt. Ich bin froh, endlich mal was zu dieser unmöglichen Werbeaktion der BILD-Zeitung zu sehen, nachdem sich schon Leute wie Alice Schwarzer nicht entblöden, da mitzumachen. Geradezu eine Wohltat nach Guttenberg.

  2.   Rabea Weihser

    Nein, nicht unaufrichtig. Nur klug! Tue Gutes und rede drüber… Holofernes entlarvt die BILD, und das Echo zeigt, dass dies durchaus gut und nötig ist.

    Grüße von der Autorin

  3.   FeeRdammt

    Also ich muss ja sagen:

    HUT AB! und DAUMEN HOCH!
    Die Wahrheit sagen, Rückgrat beweisen und sich nebenbei auch noch perfekt vermarkten… besser geht’s nicht.


  4. Wer mit der BILD Zeitung Werbung macht (Werbekampagnen, Interviews, „Expertenmeinungen“…) verliert auf Lebenszeit seine Glaubwürdigkeit und rutscht in der Skala der Prominenz auf Junglecamp Niveau. Jeder Prominente oder Politiker oder Wissenschaftler, der in Zukunft noch ansatzweise ernst genommen werden will macht einen großen Bogen um dieses Blatt. Die BILD ist eine Schande für den deutschen Journalismus und das muss man auch mal deutlich sagen.


  5. „… ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

    …“

    ja, mehr davon! endlich mal wieder jemand prominentes, der seiner vorbildfunktion fuer jugendliche ernst nimmt und die dinge beim namen nennt, statt sich hinter augenzwinkerndem zynismus zu verstecken.

  6.   Claus

    Da zeigt Frau Holofernes ganz selbstverständlich eine zivile Haltung, und die Bloggerin vermutet dahinter cleveres Marketing und zitiert dabei die Außenwahrnehmung der Band, der man wohl ihre Bürgerlichkeit verübelt. Als ob dies die Vermutung argumentativ untermauern könnte.

    Das ist alles so klein gedacht und verrät viel über die Geisteshaltung von Frau Weihser und leider so gut wie gar nichts über jene von Frau Holofernes, die aller Ehren würdig ist.

  7.   Anay

    Anti-Helden ohne Eier. Mehr nicht.

  8.   dieschweigendemehrheit

    Man muss die Helden schon sehr hassen, wenn man sich in dieser Frage auf die Seite der BILD stellt.
    Ich persönlich bin sicher kein „Helden“-Fan, finde es aber sehr schön, dass es einfach mal gesagt wurde.
    Lasst uns diese Sätze noch viele, viele Male wiederholen.

  9.   Olli

    Auch wenn die Antwort gut war, kaufen würde ich von denen nichts… Leider wird das nicht bei den BILD-Lesern ankommen, die wohl auch eh nichts mit der Message anfangen können…

  10.   R.S

    „Ah,das rückt natürlich alles in ein anderes Licht!“
    – sollte man wohl nach der Lektüre des Artikels sagen.
    In der Realität hält ein Springer-Blatt zum anderen.
    Nicht weiter verwunderlich,untestreicht aber das Niveau.

 

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