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Unter Metrohippies

 

Der erste Nachmittag beim Sónar dient der Orientierung. Man möchte sich zerreißen, um alles hören und sehen zu können.

© Rabea Weihser

Es sind nicht 80.000, sondern 90.000! Der Großteil von ihnen wird sich aber erst bei Nacht zeigen, genauer gesagt in den großen Partyhallen von Sonar By Night. Da wird Freitag und Samstag die Hölle lossein. Eine ganz annehmbare Hölle, deren dunkler Meister Laurent Garnier heißt und dessen Jünger mit Knicklichtern herumwirbeln.

Jetzt aber brennt die Sonne auf den Kunstrasen im MACBA, Barcelonas Museum für Zeitgenössische Kunst und – wir bleiben mal im EM-Vokabular – Austragungsort des Tagesprogramms. Nett, zivilisiert, erwachsen, luftig, technohippieesk. Jetzt, da ich nach Adjektiven suche, fällt mir auf, dass die schwedische ESC-Königin Loreen hier gar nicht auffallen würde. Das meinte ich wohl im Artikel mit „modischer Urbanität“. Beim Sónar zeigt sich die „globalisierte Feierkultur“ allzumeist von ihrer sympathischen, geschmackvollen Seite.

Dieser erste Nachmittag dient den meisten zur Orientierung. Viele Musiker, die heute auftreten, sind zum ersten Mal hier, kommen aus der ganzen Welt. Das Publikum lässt sich leiten und überraschen, die PR-Agenten (und Journalisten!) kleben an ihren mobilen Endgeräten, um schnellstmögliche Kunde zu verbreiten und die Musiker springen zwischen Bühnenauftritt und Interviewterminen hin und her.

Ich habe When Saints Go Machine, Totally Enormous Extinct Dinosaurs und Sizarr getroffen, dem Social-Media-Manager des FC Barcelona zugehört – und eine Unzahl vielversprechender Bands verpasst. Aber so ist das auf einem Festival. Man möchte sich zerreißen.

Nunja, nicht jeder. Vor der Bühne ist seliges Caipischlürfen und gedankenverlorenes Mitwippen angesagt. Ab und zu weht eine Brise Gras herüber: Die Metrohippies lassen es sich gutgehen. Keine schlechte Idee.

(Wer schonmal ein paar erratisch-atmosphärische Bilder sehen will: Flickr!. Und die Orlando-Higginbottom-Gedächtnis-Galerie.)

 

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