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Kann Musik vom Fußball lernen?

 

Wenn EM und Sónar Festival zusammenfallen, muss man auch drüber reden: Dídac Lee, der digitale Entwicklungschef des FC Barcelona, sucht Parallelen zwischen Musik und Fußball.

© PR

Es war nicht der allerbeste Zeitpunkt, um über Parallelen zwischen Musik und Fußball zu fabulieren: Wer sich für Musik interessierte, tanzte draußen in der Sonne, und wer sich für Fußball interessierte, musste sich mental längst auf das Spiel Spanien gegen Irland vorbereiten.

So blieb das Macba-Auditorium am Donnerstagabend recht leer, als Dídac Lee, der digitale Entwicklungschef vom FC Barcelona, erklärte, was Musik- vom Sportmarketing lernen kann. Der didaktische Aspekt stand nicht so sehr im Vordergrund – die Veranstaltung war eine nette Plauderei auf Katalanisch. Wer da nicht mithalten konnte, durfte sich von einem wahlweise spanischen oder englischen Simultanübersetzer in den Ohrknopf flüstern lassen. Soviel zum Selbstverständnis der Katalanen.

Señor Lee, ein echter Spanier mit chinesischen Wurzeln, wie immer wieder betont wurde, stellte also das digitale Marketingkonzept seines Vereins vor. Zuerst die Säulen seines Geschäfts:
1. Arbeite mit dem Publikum (Social Media)
2. Erzeuge Interaktion, Identifikation, Bindung (regelmäßiger Content-Upload auf die Vereins- und Fanseite, Texte, Grafiken, Videos)
3. Verwandle Leidenschaft in Geld (Apps, Fanartikel, Sponsoring)

Das Dreimaleins der modernen Markenführung haben sicherlich auch Lady Gaga, Justin Bieber und Amanda Palmer gelesen. Es dürfte mit leichten Modifikationen in allen Bereichen funktionieren, deren Geschäftsmodell auf Emotionen basiert. Und da sagt jetzt der Markenpsychologe: Das ist überall so.

Wenn es ein Spitzenclub wie der FC Barcelona schafft, 180.000 Vereinsmitglieder, 400 Millionen Fans, 33 Millionen Facebook-Freunde und dank chinesischer Social-Media-Expansion bald vielleicht 800 Millionen Tencent-Nutzer für sich zu gewinnen, ist das ein gewaltiger potenzieller Absatzmarkt für Merchandise-Artikel im weitesten Sinn. Die 22-Mann-90-Minuten-Nummer ist längst nicht mehr die wichtigste Einnahmequelle, sondern lediglich der emotionale Rohstoff in diesem Business.

Und hier zeigt sich dann, dass die Parallelen zum Musikgeschäft nicht weit über die Grundregeln der Markenführung hinausgehen. Ein Fußballspiel ist kein kurzweiliges Tauschgut. Es war – wie Musik – schon immer ein Live-Erlebnis, dessen Aura allerdings nicht durch mediale Reproduzierbarkeit verblasst ist (um es mit Benjamin zu sagen). Die Musikbranche bemüht sich seit einigen Jahren eifrig, die verlorene Aura des Musikereignisses wiederzubeleben und hat im Konzertbereich ihr wichtigstes Standbein gefunden. Großveranstaltungen wie das Sónar, dessen Dreitagesticket 155 Euro kostet, sind das beste Beispiel dafür. Merchandise-Artikel und Tonträger werden hier nicht verkauft.

 

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