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Die Kritzelei der Woche

Im Sommer habe ich Fachabitur in Hamburg gemacht, laut Pisa-Studie keine große Leistung. 14 Jahre Schule (inklusive Vorschule) sind endlich vorbei! In dieser Zeit sind unglaublich viele solcher Kritzeleien entstanden, eine der letzten und mir liebsten ist diese. Wegen der Thematik der Zeichnung vermute ich, dass sie größtenteils in Englisch- und Mathestunden entstanden ist. Das werde ich wohl am meisten vermissen an der Schule: während 90-minütiger Lehrermonologe das Gehörte, Gefühlte und Gedachte auf Papier bringen zu können.

Johanna Kirsch, Hamburg

 

Was mein Leben reicher macht

Meinem unbekannten Nachbarn durch verschlossene Türen beim Klavierspielen zuzuhören. Jeden Tag ein wenig selbst gemachte Musik, die so viel schöner ist als alles, was man aus der Konserve haben kann. Was wohl nach Amélie und Sacre du Printemps drankommt? Ich bin gespannt!

Nele Riehl, Hamburg

 

Was mein Leben reicher macht

Unlängst in einer Tierrettungsstation. Ein Helfer zur Chefin: „Der Soundso hat den Filter kaputt gemacht.“ Sie darauf: „Wie gut, dass wir den Soundso haben, sonst müssten wir alles selbst kaputt machen!“

Katharina Maiss, Münster

 

Nein!

Hier ein Bild, das ich bei einem Fahrradausflug spontan geschossen habe. Der Mann hatte wohl die Schnauze voll von all den Justins, Saschas, Kevins oder Chantalles, die (angeblich) „an Bord“ diverser Familienkutschen sind. Und ich verstehe ihn.

Karl-Ludwig Scharnweber, Groß-Umstadt

 

Was mein Leben reicher macht

Einmal in der Woche kommen wir zusammen: ein paar Leute zwischen 20 und 65, mal ein bisschen müde, mal gelangweilt, mal sorgenvoll. Dann: Konzentration, gerade sitzen, tief atmen, ein paar Stimmübungen. Am Ende des Einsingens die Zusammenklangübungen: schwebende, unkörperliche Schönheit, die wir zusammen erzeugen.

Hannelore Witte, Hamburg

 

Was mein Leben reicher macht

An einem heißen Sommertag Betten beziehen mit den herrlich kühlen Leinenlaken, die die Großmutter meines Mannes 1908 (!) als Aussteuergut mit in die Ehe brachte. Mit den Fingern über das wunderbar feste Gewebe und das verschlungen eingestickte Monogramm CV – Clara Voigt – streichen und dabei denken: „Die halten unsere Kinder auch noch aus.“

Karin Irene Voigt, Aachen

 

Krank in Venedig

(Nach Karl August von Platen, „Wie lieblich ist’s, wenn sich der Tag verkühlet“)

Wie scheußlich ist’s, wenn sich der Mensch verkühlet,
Besonders dort, wo Schiff und Gondel schweben,
Wo die Lagune, ruhig, spiegeleben,
In sich verfließt, Venedig sanft umspület!

Sein Inn’res darbt im Fieber, und er fühlet
Sich schlapp, der Mensch, wo nach den Wolken streben
Palast und Kirche, wo ein lautes Leben
Auf allen Stufen des Rialto wühlet.

Ein frohes Völkchen lieber Müßiggänger,
Es schwärmt umher und lässt durch nichts sich stören;
Ihn stört die Nase ohne Tropfenfänger.

Des Abends sammelt sich’s zu ganzen Chören,
Denn auf dem Markusplatz gibt’s Tanz und Sänger;
Der kranke Mensch will nichts mehr sehn und hören.

Christian Golusda, Frankfurt am Main

 

Was mein Leben reicher macht

Bei unseren Spaziergängen fragten wir uns oft, wie wohl manche Bäume hießen. Dann haben mir meine Kinder ein Baumbuch geschenkt. Jetzt kann ich den großen, starken Baum vor meinem Balkon mit seinem Namen begrüßen: „Guten Morgen, Kaukasische Flügelnuss!“

Brigitte Reitmaier, Mannheim

 

Was mein Leben reicher macht

Urlaub in Porto: der Atem dieser widersprüchlichen Stadt, die Rufe der Möwen bei Tag und Nacht, der uralte Kellner beim Frühstück, der sein ganzes Leben dem Dienen widmet… Und immer wieder Wind, mal sanft, mal fordernd. Diese Stadt ist ein Juwel.

Karla Wagner, Bremen

 

Wiedergefunden: Das Klassenfoto

„Der Lehrermangel bleibt“, lautete kürzlich die Schlagzeile über einem Interview in der ZEIT. Offenbar nichts Neues in deutschen Landen! Als ich 1932 eingeschult wurde, saßen in unserem Klassenzimmer 60 Mädchen und Jungen dicht nebeneinander. Und noch in der vierten Volksschulklasse waren wir, wie das Bild zeigt, 32 Jungen und 25 Mädchen, die von einem blutjungen Aushilfslehrer unterrichtet wurden. Übrigens: Ich selbst stehe in der oberen Reihe, rechts außen.

Karl Wächter, Amberg/Oberpfalz