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Wiedergefunden

Als wir 1973 eine Wohnung in Kahl am Main (Unterfranken) kauften, erhielten wir bald danach den beiliegenden Grundbucheintrag: Ich war gerade frischer Diplomingenieur geworden und hatte wohl im Gespräch erwähnt, dass ich angefangen hatte, als Konstrukteur zu arbeiten. Meine Frau war Bankkauffrau – aber das spielte für die bayerische
Behörde keine Rolle! Meine Miteigentümerin wurde kurzerhand zur »Konstrukteursehefrau« gemacht!

Peter Fröhlich, Bad Homburg

 

Was mein Leben reicher macht

Mein täglicher Spaziergang im Wald. Seit geraumer Zeit jedoch ärgere ich mich über wilde Müllablagerungen. Heute war alles blitzblank aufgeräumt und in Müllsäcke verstaut. Daneben stand ein junger Mann in Arbeitskleidung. Kippe im Mund, Stöpsel im Ohr, Irokesenhaarschnitt. Spontan ging ich auf ihn zu und bedankte mich fürs Saubermachen. Zuerst schaute er mich abweisend an. Dann huschte ihm ein verlegenes Lächeln übers Gesicht, und wir verstanden uns.

Elisabeth Weber-Strobel, Heidenheim

 

Was mein Leben reicher macht

Die neuen Fahrradsitze für unsere beiden Söhne. Die Jungs vorn drauf, zwei Windeln in die Handtasche, mit Mann und Kindern durch die Sonne ans Wasser. Ein Eis schlecken.

Antje Neumann, Bremerhaven

 

Schöne Grüße

® Sean Gallup/Getty Images

Lieber Herr Sarrazin,

vor meiner Haustür im schönen Schwetzingen hängt ein Plakat der Republikaner. Auf dem steht: »Sarrazin hat Recht – wir schon längst.« Ich habe Ihr Buch nicht gelesen und kann mir also auch kein wirkliches Urteil dazu erlauben. Aber ich frage mich nun doch: Was denken Sie darüber, dass immer mehr rechte Parteien mit Ihrem Namen werben? Nehmen Sie das in Kauf? Fühlen Sie sich langsam wie Goethes Zauber-lehrling? Oder brauchen Sie vielleicht einfach Hilfe, weil diese Plakate immer so verflixt hoch hängen?

Judith Kirchner, Schwetzingen

 

Was mein Leben reicher macht

Am ersten lauen Frühlingsabend zwei Straßenmusikern zuzuhören. Ich gebe ihnen was, und sie spielen ein Lied nur für mich. Angels von Robbie Williams, und ich singe lauthals mit. Meinen Namen hab ich ihnen erst hinterher verraten, das Lied aber jetzt noch im Ohr.

Angela Cullik, Dettum

 

Kritzelei der Woche

Sueño ist das spanische Wort für »Traum«. Und während eines Tagtraums, mitten in einer Spanischstunde, ist diese Kritzelei entstanden. Thema des Unterrichts waren lateinamerikanische Kurzgeschichten und der magische Realismus, der ihnen stilistisch eigen ist. Eigentlich interessiert mich Spanisch, und für gewöhnlich schreibe und male ich nur so vor mich hin und höre zu dabei. Aber diesmal versank ich in meine Gedanken. Als mich mein Sitznachbar vorsichtig antippte, lag dieses Bild vor mir.

Max Poschmann, Bielefeld