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Flach- oder Bergetappe?

 

Das Ziel ist klar – am 27. September 2009, Punkt 18.00 Uhr werden die Wahllokale schließen, ist das Rennen zu Ende. Doch wie ist das Profil der Strecke bis dorthin? Die SPD interpretiert den Wahlkampf als Bergetappe: Der Tempodrom-Berg vom vergangenen Sonntag war nur der erste Schritt in ihrem langen Wahlkampf, viele weitere Anstiege stehen noch bevor, kontinuierlich wird gearbeitet. Die Union (und vor allem die CDU) dagegen fährt eine Flachetappe: Mitrollen im Feld, volle Konzentration auf die letzten Meter des Rennens, in denen der Zielsprint (und sogar das Zielfoto?) über Sieg oder Niederlage entscheidet. Ein Last-Minute-Wahlkampf wird derzeit im Adenauerhaus geplant.
Ist das eine „gefährliche Strategie“, wie die Süddeutsche Zeitung heute schreibt? Werfen wir einen Blick auf die vergangene Bundestagswahl 2005: Wann haben sich die Wähler entschieden?

 


Quelle: Projekt „Kampagnendynamik 2005“

 

Tatsächlich war der Zielsprint fulminant: Fast zehn Prozent der Wahlberechtigten haben nach eigenen Angaben ihre Entscheidung erst am Wahltag getroffen, weitere fünfzehn Prozent in den Tagen unmittelbar vor der Wahl. Das sind beeindruckende Zahlen, die das Bild der Flachetappe stützen. Ebenso aber gilt: 75 Prozent der Bürger – also drei Mal so viele – haben ihre Entscheidung früher getroffen. Und gerade die Union hatte 2005 schon vergleichsweise früh ihre Basis mobilisiert, wie die Abbildung ebenfalls zeigt.
Wer wird dieses Mal gewinnen: Steinmeier im gepunkteten Trikot (des besten Bergfahrers)? Merkel im grünen Trikot (der besten Sprinterin)? Der Sieger der Tour de France trägt bekanntlich das gelbe Trikot.

2 Kommentare

  1.   nighthawk1980

    Wahlkampf und die richtige Planung der Kampagne sind sicherlich wichtig – aber nur dadurch alleine wird keine Wahl gewonnen. Gerade die letzten beiden Bundestagswahlen haben eindrucksvoll gezeigt, dass es im Endeffekt die unvorhersehbaren Ereignisse waren, die den scheinbar sicheren Wahlausgang (fast) noch gekippt haben. 2002 wars die Flut und der Irak-Krieg und 2005 die Nominierung des „Professors aus Heidelberg“. In beiden Fällen hat es die SPD geschickt verstanden, diese Ereignisse für sich selbst auszunutzen.

    Der ehemalige britische Premierminister Harold Macmillan antwortete mal auf die Frage, was denn das Schwierigste an der Politik sei: »Events, my dear boy, events.« Ereignisse also, die niemand vorhersehen oder kontrollieren kann. Entscheidend ist also ob und wie es den Kandidaten/Parteien gelingt, auf diese Ereignisse zu reagieren. Das „Event-Management“ entscheidet auch im September 2009 wieder über Sieg und Niederlage…


  2. […] dem Sturm: Die Parteien (und auch die Wähler) rollen sich erst langsam warm – ganz wie bei einer Flachetappe der Tour de France (die Europawahl wäre demnach etwa ein eher müder Zwischensprint oder aber eine […]

 

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