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Also doch nur ein Pferderennen

 

Nun ist es also soweit. Das große TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier findet am 13.9., zwei Wochen vor der Wahl, statt. Die 90-minütige Debatte wird ab 20:30 von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 übertragen. Jeder Sender stellt auch einen Moderator als Fragesteller. Ist das nun das von Reinhard Appel 1972 vielbeschworene „mehr Demokratie“ oder soll es in erster Linie der Politunterhaltung und dem Interesse der Fernsehsender dienen? Dass die kleinen Parteien ausgeschlossen sind und somit eine Möglichkeit weniger haben, flächendeckend die eigenen Wähler mit guter Rhetorik zu mobilisieren, wurde prompt von Guido Westerwelle (FDP) moniert. Er kritisierte, dass „die Opposition, die etwa 35 bis 40 Prozent der Stimmen in den Umfragen auf sich vereint, ausgesperrt wird“. Und recht hat er.

Dass die privaten Sender ein Format bevorzugen, das einen Wettkampf der Kanzlerkandidaten und somit mehr Unterhaltung verspricht, ist noch verständlich. Dass die Öffentlich-Rechtlichen aber nicht darauf pochen, im Rahmen ihrer Informationspflicht alle Spitzenkandidaten zu beteiligen, ist eher unverständlich. Vermutlich haben sich halt Merkel und Steinmeier durchgesetzt. Wohl auch, was den Termin betrifft. Schließlich will man sicher sein, dass nicht allzu viel Schaden angerichtet werden kann. Und wie die Debattenforschung in der Vergangenheit aufzeigte, sind Debatteneffekte eher kurzfristiger Natur, wirken also nur einige Tage nach.

Für die Zuschauer ist ein solches Format zwar interessant, da es den direkten Vergleich der Kandidaten im politischen Wettstreit erlaubt (im Amerikanischen „horse race“ genannt), was sicherlich auch ein Minimum an „Unterhaltungswert“ garantiert. Schade ist es aber dennoch, da die Beteiligung eines Lafontaine oder Gysi, einer Künast und eines Westerwelle sicherlich nicht nur den Unterhaltungswert der Debatte steigern würde, sondern auch sachliche Einblicke in die politischen Vorstellungen, Meinungen und Verhaltensweisen einer oder eines vermutlichen Vizekanzlers geben könnte.

3 Kommentare


  1. Rededuell von Maas und Müller…

    Bei einer Diskussion mit nur zwei Protagonisten ist die Gefahr, dass alle nur heillos durcheinanderreden viel geringer. Wenn man weniger Energie verbraucht um die Diskussion überhaupt in Gang zu halten, dann können Sachthemen viel besser angesprochen…


  2. Damit das Thema „Entwicklunspolitik“ und weltweite Armutsbekämpfung neben allen innenpolitischen Themen im Wahlkampf nicht untergeht, haben die Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“, die Organisation ONE und die UN Millenniumkampagne im Vorfeld des TV-Duells eine Online-Aktion gestartet, mit der die Moderatoren der Sendung aufgefordert werden, eine Frage zum Thema zu stellen.

    Mehr Informationen: http://www.deine-stimme-gegen-armut.de/blog/2009/08/21/fordere-die-kanzlerfrage/

  3.   KasperKlatsche

    Frau Merkel erinnert mich, wenn ich ihre Wahlkampfstrategie betrachte, sehr stark an die mittelalterliche japanische Elitetruppe der Ninja: Immer ungesehen, möglichst unbemerkt in der Deckung verharren…..und dann, wenn sich alle (Bürger) in vermeintlicher Sicherheit wähnen, aus dem Hinterhalt gnadenlos zustechen!

 

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