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Zum Mitmachen auffordern! Der lahmende Internetwahlkampf

 

Der Wahlkampf ’09 sollte neue Standards auch im Internet setzen. Alle Parteien und Kandidaten haben schon früh spezielle Websites, Podcasts, YouTube-Kanäle und Diskussionsforen eingerichtet und sind selbstverständlich mit Profilen in den sozialen Netzwerken vertreten. Mit viel Farbe, Graphiken und Mulitimediaclips garniert werden politische Informationen an die potenziellen Wähler weitergegeben. Blickt man auf die noch immer ansteigende Internet-Nutzung in der deutschen Bevölkerung, so liegt die Politik hier voll im Trend.

Die Internet-Nutzung der Deutschen

Quelle: Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie. Die Graphik kann durch Anklicken vergrößert werden.

Im Jahr 2009 nutzen mehr als zwei Drittel der Bundesdeutschen das Internet zu den unterschiedlichsten Zwecken – und unter anderem auch, um sich (politisch) zu informieren. Allerdings springt der Funke im Netz nicht über, das Internet ist hierzulande nicht das zentrale Medium, mit dem Wähler und Anhänger rekrutiert und vor allem mobilisiert werden können. Damit unterscheidet sich der Online-Wahlkampf in Deutschland noch deutlich von seinem US-amerikanischen Vorbild, der internetbasierten Kampagne Barack Obamas. Warum ist das so? Obamas Internet-Stratege Thomas Gensemer hat hierzu gestern im „ZDF heute journal“ einen entscheidenden Punkt gleich zuerst angesprochen: Es wird kein Angebot zur Partizipation gemacht. Zwar können viele Inhalte und Clips angeschaut werden, echtes Mitmachen ist aber nicht ohne weiteres möglich.

Dies ist aber wichtig, wenn man Menschen an sich binden und sie von Interessenten zu Anhängern machen will. Die Bindekraft sozialen Engagements ist in der Sozialwissenschaft unstrittig, das Credo lautet: Wenn ich zu einem Projekt einen aktiven Beitrag leiste, dann steigt auch mein Interesse daran, dass das Projekt gelingt. Und wie groß das Potenzial für eine solche freiwillige politische Mitarbeit ist, hat nicht zuletzt eine Studie zur politischen Partizipation in Deutschland aus dem Jahr 2004 gezeigt.

Einstellungen zu „alternativen“ Partizipationsformen

Quelle: „Politische Partizipation in Deutschland“ – Studie der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung

Während die Mitgliederzahlen der Parteien sinken, ziehen die Bürger also durchaus einige Formen der politischen Partizipation in Betracht, die in einer eher losen Organisation und unregelmäßig ausgeübt werden können. Allerdings gilt hier mehr denn je: Die Politik muss auf die Bürger zugehen und Ihnen das Angebot zur Mitarbeit machen. Eine bahnbrechende Studie aus den USA hat bereits in den 90er Jahren die drei wesentlichen Gründe ermittelt, aus denen sich die Menschen nicht politisch beteiligen: „because they can’t; because they don’t want; or because nobody asked“.

Diesem Gedanken folgend dürfen sich die Parteien nicht auf die digitale Aufbereitung ihrer Wahlplakate beschränken, echte Kommunikation und klare Partizipationsangebote sind nötig.

3 Kommentare


  1. Klar, ein „Partizipationsangebot“ im amerikanischen Sinn machen die Webseite der Parteien vielleicht nicht – das müssen sie aber auch nicht, weil es dafür parteiinterne Mailinglisten, Ortsvereine etc. gibt, die diese Arbeit viel besser machen können. Die immer noch sehr gute Parteiorganisation in Deutschland macht eine Mobilisierung durch das Web weniger wichtig.

    Was das Web aber schafft – auch in Deutschland – ist eine Klasse von Sofa-Aktivisten (siehe http://www.welt.de/politik/wahlkampf-virtuell/article3730089/Politiker-lieben-Obama-lernen-aber-nicht-von-ihm.html). Überall kann man ein Fan, ein Unterstützer, ein Re-Tweeter oder ein Follower werden. Die Partizipationsschwelle ist niedrig, das kommt scheinbar vielen in Deutschland entgegen. Der Nutzen ist scheinbar auch (erst einmal) gering – er lässt sich jedenfalls nicht in Unterstützer-Ralleys oder der Anzahl von Werbeanrufen durch Parteisympathisanten messen.

    Wichtig ist aber, wie mit diesen Unterstützern nach der Wahl umgegangen wird: werden sie danach vier Jahre lang ignoriert, oder gelingt dadurch tatsächlich eine dauerhafte Bindung an die Partei oder einen Kandidaten? Der scheinbar „lahme“ Internetwahlkampf (der in Wahrheit nur so lahm wie der reale Wahlkampf ist) hätte dann einen echten Effekt. Die Parteien wären schlecht beraten, sich diese Chance entgehen zu lassen!


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