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Hallo Schloss Bellevue: Noch jemand da?

 

Lange nichts mehr gehört von Christian Wulff. Was macht er wohl so? Staatsbesuch bei den Scheichs, Sternsinger-Empfang, Neujahrsempfang – alles vorbei. Und jetzt?

Berater haben dem Bundespräsidenten offenbar empfohlen, erst mal auf Tauchstation zu gehen. Wulff entzieht sich der Medienmeute und dem Volk. Bis die ganze Sache vergessen ist.

Die Strategie scheint aufzugehen: Medien berichten mangels nennenswerter neuer Aufreger in der Causa Wulff nur noch über läppische Kleinigkeiten: hier ein geschenktes Bobby-Car für den Präsidenten-Nachwuchs, da ein Wiesn-Upgrade im Bayerischen Hof, dort doch Mitwirkung an der Sponsorensuche für eine Veranstaltungsreihe namens Nord-Süd-Dialog (hat nichts mit der Dritten Welt zu tun wie ehedem unter Willy Brandt). Ziemlich kleines Karo also. Und geeignet, bei Lesern das Gefühl zu wecken: Den Medien ist wirklich jedes Mittel recht, um Wulff zur Strecke zu bringen. Und bei manchem Journalisten wie Parteifreund macht sich offensichtlich Resignation breit: Der Mann sitzt das einfach aus!

Der CDU hat die leidige Affäre in den Umfragen bislang nicht geschadet, anders als dem Bundespräsidenten. Und Merkels bekannte Strategie des Abwartens hat sich wieder einmal bewährt. Bis jetzt, jedenfalls.

Dass Wulff vorerst verschwunden ist, fällt dabei nicht weiter auf. Er war ja schon vor seiner Affäre kaum sichtbar. Oder, wie der Satire-Kollege Hans Zippert schon vor Weihnachten in der Welt über den Bundespräsidenten schrieb: „Wulff schafft das Amt ab, indem er es ausübt.“


3 Kommentare


  1. Ein verführbarer (Minister-) Präsident als Synonym für die Politik oder „Wenn ich König von Deutschland wär“?
    Schon immer habe ich mich gefragt, was Menschen in höhere Ämter einer (Landes-) Regierung treibt. Es kann nicht ausschließlich die Lust am Machtgefühl ausmachen. Der Weg ist lang und steinig. Eine einfache Erklärung wäre: Jemand brennt wirklich und ganz für den gestalterischen Faktor in der Politik. Jemand will wirklich und wahrhaftig Leben, Arbeit, Wohlstand, Gesundheit, Familie, soziale Gerechtigkeit auf breiter Ebene schaffen und wenn möglich auch erhalten. Fängt man also unten an. Auf kommunaler Ebene bewegt sich Politik zwischen Stammtisch und Gemeinderat. Dort kann auch sicherlich -selbst für den Freizeit-Politiker- noch viel erreicht werden. Man kennt sich, sieht den praktischen Nutzen, das Für und Wider in seinem Dorf, Stadt oder sogar auf Kreisebene. Ab hier wird es dann spannend. Beim Weg aufwärts –immer noch das lautere Interesse für das Allgemeinwohl vorausgesetzt– muss entschieden werden:„Gehe ich weg vom Brotberuf und ganz in die Politik?“ oder „Arbeite ich parallel als Interessensvertreter für Landwirtschaft, die Industrie, als Unternehmer oder mit Engagement für eine saubere Umwelt?“ Was auch immer. Und hier ist der gefährliche Schnittpunkt. Ab dem Moment, bei dem man abhängig wird von Wählerstimmen, beginnt die Verführbarkeit. Hier ein Versprechen, dort eine Zusage. Man will jedem gerecht werden. Aber schon nicht mehr aus unbedingter Überzeugung, sondern um des Kreuzchens willen. Ist der Berufspolitiker nicht entweder wirklich gut bezahlt und/oder finanziell unabhängig wird er verführbar. Der Übergang ist fließend. Man fühlt sich geschmeichelt kleine Erfolge errungen zu haben. Das bringt Lob und Unterstützung ein. Unterstützung ist das Zauberwort. Erste Lobbyisten kriechen aus den Löchern hervor. Sie arrangieren einem das Geburtstagsfest (de facto die Finanzierung desselben) oder unterstützen –ganz uneigennützig- den Wahlkampf: „ Lass mal, ich druck Dir schon die Plakate.“ Prima, wieder eine Hürde genommen. Die Wahl ist gewonnen. Am nächsten Tag schon beginnt es von neuem. Abgedroschen aber wahr: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Zum Zwecke des Machterhalts – und jetzt kann man durchaus schon den Sprung vom Gemeinderat zur Bundesebene wagen- werden auch gerne unheilige Allianzen eingegangen. Zum Beispiel eine Große Koalition, deren Ausgang in der Regel auch der Dümmste voraussehen kann. Christlich Sozial und die (ursprüngliche) Sozialdemokratische Idee haben soviel gemein wie Himmel und Hölle. Nämlich gar nichts. Aber lieber selber schlecht regieren, als dass es jemand anderer tut. Oder die kleinste Fraktion biedert sich der stimmenstärksten Partei an. Mit solchen Verfahren handelt man sich dann zum Beispiel ein Schwarz Gelbes Bündnis oder Jamaikas ein. Gestritten wird, angeschwärzt wird, Regierungsbündnisse werden aufgekündigt und neu gewählt wird. So what? Und „Klein Erna“, genannt „Stimmvieh“, schaut blöd aus der Wäsche. In direkter Folge macht jede Regierung gebetsmühlenartig IMMER ihre Vorgänger für Fehler und Rückschläge verantwortlich. Es wird gemobbt, und beschuldigt, dass sich die Balken biegen. Und wenn dann ein Politiker auch noch aus den sogenannten „kleinen Verhältnissen“ stammt ist das bis zum endgültigen und großen Aufstieg Wasser auf der Mühle. „Großartig, wie zielstrebig…. und so weiter und so weiter. Final ist das Heulen und Zähneklappern groß. Der schnelle Aufstieg wuchs ihm über den Kopf. Manchen wird auch nicht klar, dass es einer wirklich astreinen Vita bedarf, wenn man sich in die Höhle des Löwen begibt. Selbst finanziell autark zu sein, Beispiel Guttenberg, reicht nicht aus. Hat man seine Dissertation abgeschrieben, so „ist man abgeschrieben“. Wulff stolpert also über die eigenen ethisch-moralisch hoch gelegten Messlatten, die er als Ministerpräsident für unerlässlich hielt. Das Bewusstsein, die Fäden in der Hand zu haben, kann fatale Folgen haben. Die ach so hehren Grundsätze holen einen spätestens nach deren Umgehung ein. Käuflich oder Vorteilsnehmer sein ist „pfui“. Pfui, Johannes Rau. Pfui, Monika Griefan. Über Schröder und seine Scheidungen wurde in der CDU Niedersachsen gegeifert. Kommt freilich blöd, wenn man dann selber die Ehefrau wechselt. Ins rechte Licht gerückt wird das rasch mit den Home-Stories der „BILD“. Das deutsche Prinzenpaar; schon ganz nah beim König von Deutschland.
    War es das?

    http://ubibeneibicolonia.blogspot.com/

  2.   Ludwig Greven

    Ein sehr guter Kommentar. Ihre Beschreibung des Werdegangs eines normalen Politikers von den Anfängen als engagierter Kämpfer für das Gemeinwohl in einer Gemeinde bis zu einem, der in den Zwängen der großen Politik untergeht, deckt sich mit meiner Beobachtung und Einschätzung. Hätten Sie Interesse, das wir ihren Text als Leserartikel auf ZEIT ONLINE veröffentlichen? LG

  3.   Ute Breitengraser

    Das können Sie gerne tun. Allerdings kann ich ihn nicht auf die maximale Zahl der Zeichen von 3.000 zusammenstreichen. Habe ich versucht, ist aber leider misslungen 😉

 

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