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Wissenswertes über den Krieg

 

Das Soldaten-Handbuch über Afghanistan gehört in jede Politiker-Hosentasche

Vor allem der letzte Vers des Gedichts hat sich herumgesprochen in den afghanischen Feldlagern der Bundeswehr. Jeder Soldat hat die Zeilen im Marschgepäck, wenn er an den Hindukusch aufbricht. Sie stehen in einem kleinen blauen Büchlein, das ihm die Bundesregierung in der Heimat reicht.

Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.

„Afghanistan – Wegweiser zur Geschichte“, so heißt das kleine blaue Büchlein, und herausgegeben hat es das Militärgeschichtliche Forschungsamt der Bundeswehr (es bietet den Band sogar zum kostenlosen Download an).

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Das 200-Seiten-Paperback soll die 3500 Bundeswehrsoldaten bei ihrer Mission in Kabul, Kundus oder Faisabad politisch und kulturell trittsicher machen. Doch leider schafft es mehr als das. Denn was die Soldaten da zur Lektüre bekommen, ist kein „Hurra“-rufender Armee-Reiseführer. Nein, der Band sammelt das wohl genaueste Wissen, das sich in deutscher Sprache über Afghanistan auftreiben lässt. Die Autoren sind sämtlich Akademiker und Asienkenner von Rang, sie schreiben frei von politisch korrekter Zielsetzung, und sie schreiben auch noch verständlich.

Genau in dieser hohen Qualität liegt zugleich der Kollateralschaden des Buches. Denn je länger man liest, desto größer werden die Zweifel. Die Zweifel daran, ob gelingen kann, woran sich die Bundeswehr seit sechs Jahren abmüht. Politiker und Nato-Diplomaten mögen es ja noch so werbesprachlich umschreiben; das Ziel der insgesamt 52 000 Isaf-Soldaten ist es letztlich, eine neue Gesellschaft(sordnung) in Afghanistan aufzubauen.

Ein solches Vorhaben wäre schon in einem Land ehrgeizig, das über eine nationale Identität, eine funktionierende Zentralregierung und über eine Perspektive auf Wohlstand verfügt. Afghanistan besitzt das alles nicht, schildert das Buch mit manchmal entwaffnender Nüchternheit. „Es ist unmöglich zu sagen, wie viele ethnische Gruppen es in Afghanistan gibt. Schätzungen schwanken zwischen 50 und 200“, heißt es im Abschnitt Strukuren und Lebenswelt – wobei die Zugehörigkeit zu einer Volkszugehörigkeiten je nach „Nützlichkeitserwägungen“ durchaus kurzfristig wechseln könne.

„Die Grenzen zwischen Freund und Feind verlaufen durch schwer erkennbare und unbeständige Allianzen, Koalitionen und Verhaltensmuster“, lehrt das Kapitel Zur Sicherheitslage, und „die Verdienstmöglichkeiten durch Drogenhandel oder Schmuggel liegen um ein Vielfaches höher als die Gehälter der durch die Internationale Gemeinschaft unterstützten Regierung.“

Der deutsche Verteidigungs- der Außenminister, die Kanzlerin und die Fraktionschefs im Bundestag werden das in erster Auflage 2006 erschiene Buch bestimmt gelesen haben. Sie entscheiden schließlich darüber, welche Art von Engagement der Bundeswehr in Afghanistan weiterhin sinnvoll und notwendig ist.

Denn eine Konstante, so dämmert es dem Leser mit leichtem Schauder, zeichnet die Historie Afghanistans schon immer aus: die stets aufs Neue eindrucksvolle Abstoßung fremder Mächte. Schon im 19. Jahrhundert bezahlten Russen und Engländer entsetzliche Preise für ihr imperiales „Great Game“ um den Hindukusch. „Am 6. Januar 1842 verließen etwa 17 000 britische Soldaten und Zivilpersonen Kabul in Richtung Dschlalabad“, notiert der Bundeswehr-Wegweiser unter der Rubrik Historische Entwicklungen. „Der Marsch des Konvois endete mit dem größten Debakel der britischen Kolonialgeschichte. Nach der gängigen Überlieferung töteten afghanische Krieger alle Angehörigen des Trosses bis auf einen Militärarzt.“ Die berühmte dichterische Verarbeitung des Massakers von Theodor Fontane (siehe oben) ist in dem Büchlein gleich mit abgedruckt.

Am geografischen und gesellschaftlichen Zuschnitt des Landes hat sich, jedenfalls außerhalb der Städte, in den vergangenen 150 Jahren kaum etwas geändert. Afghanistan ist – nach allen europäischen Maßstäben – unbeherrschbar geblieben. Bergketten durchziehen das Land wie Festungszinnen, und immer noch kann hinter jeder ein anderer Kriegsfürst lauern. „Greifen ausländische Kräfte in die Machtstrukuren ein, laufen sie selbst Gefahr, Ziel von Angriffen zu werden“, warnt der Bundeswehr-Führer.

Es mag zynisch klingen, aber die nahezu ununterbrochene Folge kolonialer (bis 1919), kommunistischer (1979 – 88) und islamistischer (bis heute) Eroberungszüge hat viele Afghanen eben nicht nur gelehrt, mit dem Krieg, sondern auch vom Krieg zu leben. „Afghanistan bleibt ein Land, in dem ein erheblicher Anteil der männlichen Bevölkerung keinen anderen Beruf gelernt hat als den des Kriegers. (…) Schätzungen gehen von 1800 illegalen bewaffneten Gruppen mit einer Gesamtstärke von bis zu 130 000 Kämpfern aus.“

Gegen all das, gegen Narko-Warlords, Steinzeitislamisten und korrupte Polizisten, setzt die Bundesregierung einen allmählichen politischen Klimawandel. Zweitausend (seit 2002 gebaute) Schulen, Millionen von Kindern, die Lesen und Schreiben lernen, Asphaltstraßen für Wandel durch Handel, ist das denn keine sehenswerte Bilanz?, fragen Bundeswehr-Generale.

Das ist sie, ohne Zweifel.

Aber wenn der Außenminister das blaue Büchlein doch gelesen hat, warum sagt er dann erst seit vergangener Woche, dass er „mit Sorge auf das Nachbarland Pakistan“ schaut? Es steht immerhin seit zwei Jahren im Bundeswehr-Handbuch, auf Seite 93, aus welcher Richtung all die Erfolge der Bundeswehr-Mission gefährdet werden: Die (Taliban)-„Kommandeure halten sich über längere Zeit in Pakistan oder in Ruheräumen des übrigen Auslands auf, um dann über schlecht gesicherte Grenzen zurückzukehren und Aktionen gegen die Koalitionskräfte zu organisieren. Dabei werden sie fallweise selbst von scheinbar erfolgreich demobilisierten Milizionären oder kriminellen Polizeichefs unterstützt.“

Im Herbst will der Bundestag eintausend weitere Soldaten nach Afghanistan entsenden. Vielleicht sollte die Bundesregierung vorher versuchen, ein paar Antworten auf die wichtigsten Fragen zu geben, die das blaue Büchlein aufwirft.

Wegweiser zur Geschichte – Afghanistan. Herausgegeben von Bernhard Chiari im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, Schöningh 2007, ISBN: 978-3-506-75664-0, 14,90 Euro

11 Kommentare

  1.   Wiseman

    Die Tragik des NATO-/BW- Einsatzes liegt doch darin, dass viele Soldaten und Experten sehr wohl um die Problematik wissen ( wenn man sie auch erst wirklich “begreift”, nachdem man dort längere Zeit gelebt hat), sie aber von der Politik entweder nicht gehört werden oder man ihren Rat aus kurzsichtigen Gründen schlicht in den Wind schlägt. Auch noch so viele Soldaten werden dort die Verhältnisse nicht verändern, sondern das Chaos nur vergrössern. Erfahrene Entwicklungshelfer dort werden aus (Un) sicherheitsgründen immer weniger und, weil weitgehend unkoordiniert arbeitend, immer weniger effektiv. Hoffnung könnte nur geben, wenn die Internationale Gemeinschaft dieses Land als Jahrhundertprojekt ( die Afghanen leben im Mittelalter…)begreifen würde und entsprechend konsequent handeln würde.Aber leider stehen ja bald wieder Landtagswahlen an…..

  2.   Boccanegra

    Ich denke nicht, dass die deutsche Außenpolitik so ignorant und kurzsichtig ist, wie sie hier gezeichnet wird. Dass die Rückzugsmöglichkeiten der Taliban in Pakistan ein Problem sind, weiß eigentlich so ziemlich jeder, der sich etwas mit der afghanischen Frage beschäftigt hat – nur handelt es sich bei Pakistan eben auch um einen unabhängigen Staat mit starken inneren Problemen und Machtkämpfen (das “gefährlichste Land der Welt”, schrieb die ZEIT vor einigen Monaten mal), den der Westen sich zugleich nach Möglichkeit als Partner erhalten will. Dass Steinmeier sich da eher zurückhaltend über äußert, überrascht mich nicht.

    Bedauerlich ist aber, dass die Debatte über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan vonseiten der Bundesregierung und Bundestagsabgeordneten nicht offensiver geführt wird. Es gibt gute, sehr gute Gründe für diesen Einsatz, zugleich aber eine hohe latente Abneigung dagegen in der deutschen Bevölkerung – und als Reaktion darauf ducken sich die meisten Politiker weg, vermeiden die öffentliche Diskussion und versuchen, jeden Afghanistanbeschluss so unauffällig wie möglich über die Bühne zu bekommen: als ob es nicht möglich wäre, mit guten Argumenten auch die Bevölkerung von der Notwendigkeit dieses Einsatzes zu überzeugen. (Und hinterher wundern sie sich, dass die Bevölkerung misstrauisch wird…)

    Gute Argumente: Darunter ist nun kein pathetisches Gerede zu verstehen (etwa in der Form der Ankündigung “uneingeschränkter Solidarität” bei Beginn des Krieges 2001), keine Ankündigungen von blühenden Landschaften am Hindukusch, keine Illusionen über die kurzfristigen Chancen echter Demokratie in Afghanistan. Aber es ist ganz nüchtern festzustellen, dass ein Abzug aus Afghanistan dort vermutlich zu nichts als einem dauerhaften Bürgerkrieg führen würde, in dem die Taliban kurzfristig die besten Erfolgschancen hätten – und in den deshalb in der Folge mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Pakistan und womöglich der Iran hineingezogen würden, mit nicht abzuschätzenden Auswirkungen auf die weltweite Sicherheitslage. Zweitens ist durchaus zu erkennen, dass der einzige Weg, die afghanische Bevölkerung tatsächlich zu einer Abkehr von Warlords und Taliban zu bringen, über eine Verbesserung ihrer Lebenssituation, also den Bau von Straßen und Schulen und die Wiederbelebung des Wirtschaftslebens führt. (Tatsächlich ist das auch gerade die Grundlage der deutschen Strategie in Afghanistan.) Drittens ist klar, dass Entwicklungshilfe nur in einem einigermaßen sicheren Umfeld möglich ist: Wenn jede neu gebaute Schule am Folgetag von aufständischen Kämpfern wieder gesprengt wird und Entwicklungshelfer regelmäßig Opfer von Entführungen werden, verpuffen die wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufbaubemühungen im Nichts. Zur Absicherung dieser Tätigkeiten ist daher die Präsenz von Soldaten in ausreichender Anzahl notwendig. “In ausreichender Anzahl” bedeutet dabei, glaubt man den NATO- und Bundeswehroffizieren vor Ort, “in weitaus höherer Anzahl als jetzt”: Statt 3500 oder bald 4500 wären wohl um die 6000 Bundeswehrsoldaten vonnöten.

    Viertens gilt dann aber auch: Deutschland sollte bei den übrigen NATO-Staaten darauf drängen, dass die hohe Bedeutung der zivilen Entwicklungshilfe auch in den Regionen Afghanistans berücksichtigt wird, die etwa unter US-amerikanischer und britischer Aufsicht stehen. Das Prinzip, dass der Krieg ohne eine klare Wiederaufbauperspektive für die Bevölkerung nicht durch militärische Aktionen und Terroristenjagden allein gewonnen werden kann, gilt nämlich nicht nur für den “ruhigen” Norden, sondern auch für den umkämpften Süden des Landes. Und fünftens ließe sich schließlich noch hinzufügen, dass man dabei genau auf die sozialen Verhältnisse im Land achten muss: Wenn eine Bevölkerung zum größten Teil vom Krieg und vom Rauschgifthandel lebt, kann man ihr nicht beides verbieten, ohne eine Massenarbeitslosigkeit hervorzurufen. Die Bekämpfung des Opiumanbaus kann daher nicht die oberste Priorität haben: Erst muss sich die allgemeine wirtschaftliche Situation so weit verbessern, dass sich für die Afghanen andere Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben.

    Man darf davon ausgehen, dass diese Argumente im Bundestag bekannt sind – tatsächlich sind die deutschen Aktivitäten in Afghanistan nämlich genau daran ausgerichtet. Es verwundert nur, weshalb dann kaum ein deutscher Außenpolitiker es wagt, sich öffentlich dazu zu bekennen, die geplanten Missionen deutlich anzukündigen und die (gar nicht so schlechten) Gründe dafür anzuführen. Es ist ja nicht so, dass nicht der ein oder andere Wähler auch rationalen Argumenten gegenüber aufgeschlossen wäre…

    PS. Anbei noch ein Link zu einer (bereits drei Jahre alten, aber immer noch interessanten) Darstellung des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze über die unterschiedlichen Funktionsweisen der amerikanischen, britischen und deutschen Wiederaufbau-Teams in Afghanistan:
    http://www.zif-berlin.org/Downloads/PRT_20.04.05.pdf

  3.   Solange

    Ich meine auch, gerade diese besonderen Schwierigkeiten, die das Land politisch, wirtschaftlich, infrastrukturell, geographisch und in Bezug auf die geradezu phantastisch anmutende Zersplitterung in diverse “Stämme”, Bevölkerungsgruppen aufweist, gebieten eher eine Aufstockung ausländischer Truppenpräsenz, jedenfalls nicht umgekehrt einen Rückzug, der die mühsam erzielten Fortschritte ganz sicher wieder preisgeben würde. Und wofür hätte man dann bis dahin Engagement bewiesen, wenn die Erfolge letztlich nur eine Art vorübergehende Atempause vor einer noch schmerzlicheren Verschlechterung verschafft hätten? Was dieses Land bzw. die Menschen dort durchgemacht haben, nicht erst durch die Machtergreifung der Taliban 1996, kann man sich doch weder hier noch aus sonstiger entfernter Perspektive wirklich vorstellen, wohl auch nicht nach der Lektüre dieses -bestimmt kompetenten, fachkundigen- Buches.
    Zudem sollte, selbst wer meint, die innere Lage dort falle letztlich in afghanischen und nicht sonstigen, schon gar nicht deutschen Interessenbereich, nicht den Fehler begehen, die brisante sicherheitspolitische Situation zu verdrängen. Ein Überlassen des Landes den dortigen frei wirkenden Kräften hätte ein Erstarken der rivalisierenden innerafghanischen Warlords zur Folge. Über die Nordwestgrenze Pakistans würden vermehrt von dort Taliban eindringen (bzw. dieses geschieht derzeit schon, vermutlich auch infolge der “Ablenkung” der Amerikaner durch den laufenden Wahlkampf) sowie pakistanische “Underdogs” eingeschleust mit dem Ziel der Schwächung dieses ohnehin schon so unsicheren Landes. Hintergrund dieses misslichen Verhältnisses zum pakistanischen Nachbar im Südosten ist dabei wohl noch nicht einmal ein Konflikt zwischen den Parteien selbst -denn welche bedrohlichen staatlichen Ambitionen sollten von einem derart geschwächten Gebiet schon ausgehen-, sondern die Option für Pakistan, sich das Gebiet als Operationsbasis und Rückzugsgebiet in einer möglichen Verschärfung des Konflikts mit dem Atomrivalen Indien zu “erschließen”.
    Hierzu ein sehr interessanter Artikel aus der FAZ anlässlich Steinmeiers Besuch (aus dem auch sehr gut hervorgeht, wie Afghanistan selbst sehr wohl interessiert ist an der Hilfe zur Stabilisierung. Diese muss auch meiner Meinung nach unbedingt mehr die Stärkung der zivilen Strukturen beinhalten, @Boccanegra, im Sinne des deutschen Modells der PRT mit der zivil-militärischen Doppelspitze der Präsenz. ):
    http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E726CEA73FD64429FB57AF8F143BC0623~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed

    Darin liegt für mich die “eigentliche Tragik”: Dieses Land hat ohnehin schon so schlechte Ausgangsdispositionen, beinahe “biblisch” anmutende extreme Szenarien (die Zerklüftung durch die Bergketten, die unglückliche Binnenlage, das extreme kontinentale Klima, die “totale” Verminung, die katastrophale Infrastruktur usw.) die sich nachteilig auch noch verketten. Diese Schwäche wird in der Folge fast zwangsläufig von allen Seiten, den eigenen Kriegsherrren, ausländischen Mächten genau so wie von sich radikalisierenden Terrorgruppen zum eigenen Vorteil benutzt. Die Gefahren, die hiervon ausgehen, erreichen uns auf dem Luftweg innerhalb weniger Stunden.

    Hier übrigens noch ein paar Fakten (die auch verdeutlichen, wo unter anderem Handlungsbedarf besteht):

    Das Land verfügt über nur 24 km Schienennetz und 45.000 Festnetztelefonanschlüsse (bei einer geschätzten Bevölkerungszahl von ca. 30.000.000).
    Nur 6 % der Staatsfläche ist landwirtschaftlich nutzbar (aufgrund des enormen Anteils teilweise steinigen Gebirges), dennoch sind 67 % der Bevölkerung in diesem Bereich tätig.
    6% der Bewohner verfügen über elektrischen Strom. (die schlechte Stromversorgung wird zusammen mit der fehlenden Infarstruktur als Hauptgrund für die mangelnde Attraktivität für ausländische Investoren angesehen)
    90% der Frauen sind Analphabeten.
    Die Opiumproduktion betrug 2007 8.200 Tonnen, das sind 3.000 Tonnen mehr als die gesamte Weltproduktion im Übrigen. Pro Kilogramm Opium erzielt sich durch Verkauf 122 US$, das Zehnfache des Gewinns, der durch Weizenanbau erreicht würde. Der Opiumhandel macht 46% des Bruttoinlandsprodukts aus. Seit Ende 2005 findet eine -auf Anregung der westlichen Unterstützer betriebene- verschärfte Bekämpfung und Vernichtung der Felder statt, was aber leider hauptsächlich eine Militarisierung der ehemaligen Bauern zur Folge hat, die nunmehr “arbeitslos” in die Arme der Warlords getrieben werden. Aufgrund der Verknappung der Drogen steigen die Preise, was im Endeffekt die Produktion wieder ankurbelt. Diese harsche Vorgehensweise destabilisiert die Lage daher nur noch mehr und kann nicht erfolgversprechend sein, solange sie eingleisig gefahren wird ohne die gleichzeitige Konzentration auf einen Ausbau anderer Beschäftigungszweige.
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Afghanistan

    Das sind nun wirklich “vernünftige” Gründe, die Unterstützung nicht vorzeitig zu entziehen oder zu schwächen. Wenn man liest, wie beispielsweise Studenten und Lokalpolitiker (s.FAZ-Artikel) sich diese ausdrücklich auch wünschen, d.h. keinesfalls als Eindringen, besetzungsähnlichen Zustand oder dergleichen empfinden, ärgert man sich wirklich über dieses mitunter hier populistisch-plakative Aufflackern erhitzter Gegner in dem Sinne, was hat man schon für Interessen am Hindukusch wahrzunehmen. Was für ein Glück, dass die Situation, ausländische Stabilisierungshilfen in Anspruch zu nehmen, hier ja gänzlich fremd ist…Es ist aber natürlich auch ein Problem der fehlenden Informationsarbeit und öffentlichen Debatte, wohl auch aus Angst, damit vielleicht innenpolitisch nicht unbedingt punkten zu können. Fehlende Information könnte hierfür wiederum eine der Ursachen sein…

    Zum Abschluss (und vor allem nach dem ganzen Gemeckere über die unwirtliche Lage…) hier noch ein schönes Foto der Band-e-Amir-Seen in der Nähe der im Norden gelegenen Stadt Bamiyan, die die inzwischen leider geplünderten und/oder zerstörten berühmten Buddha-Statuen beheimatete:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Band_e_Paneer.jpg

  4.   Christoph Leusch

    Lieber Herr Bittner,

    Solche Beiträge sind Balsam für den arg geschundenen ZEIT-Geist, wie es übrigens auch Ihre höchst lesenswerte Artikelserie zum EU-Vertrag war. Werbetechnisch ruft zwar die Spitze der Medienwelt relativ häufig, “Fakten, Fakten,Fakten”, liefern müssen aber meist andere. Sie gehören zu den stetigen Händlern mit dieser allerwichtigsten Münze. Hut ab und danke.

    Alles Gute und dawei, dawei

    Christoph Leusch

    PS: Das pdf-Dossier der Bundeswehr wird meine nächste Wochendlektüre.

  5.   Kerstin Köllner

    Ich kann ihnen sagen warum keiner von unseren Politikern sich traut vor der Öffentlichkeit zu bekennen.
    Der Einsatz des deutschen Wiederaufbauteam’s ist wirklich rund um die Uhr LEBENSGEFÄHRLICH!!!Die Deutschen und auch andere Nato-Soldaten wissen das sie zu jeder Zeit ihr Leben in Afghanistan VERLIEREN können- UND GENAU DAS WISSEN AUCH UNSERE POLITIKER! DA MEINT DER HERR STEINMEIER MIT EINEM FREIGETRÄNK FÜR DIE MUTIGEN SOLDATEN; SEINE PFLICHT GETAN ZU HABEN ODER SEIN GEWISSEN ZU ERLEICHTERN UND DAS OHNE WORTE!
    Eine Stunde später werden die Soldaten nach einem harten Einsatz, auf dem Hinterhofgelände eines Fughafen ohne einen Wilkommensgruß abgesetzt! Danke

  6.   Christoph Leusch

    Kleine Ergänzung zu Afghanistan und “War on drugs”:

    In der New York Times kam ein länglicher Artikel, wie denn der Kampf in Afghanistan besonders schnell gewonnen werden könne. Der Schreiber, Thomas Schweich gibt sich als Antidrogenexperte.

    http://www.nytimes.com/2008/07/27/magazine/27AFGHAN-t.html

    Sein Vorschlag, im Einklang mit der Forderung der Bush-Regierung, der mit guten Gründen von der Karzai Regierung derzeit abgelehnt wird (Allerdings kann niemand sicher sein, ob nicht Bestechungsgelder ein spontanes Umdenken bewirken): Man besprühe die Mohnfelder flächenddeckend mit Glyphosat(Roundup,Basta), einem Totalherbizid. Dort entwickle sich dann eine blühende eigenständige und konkurrenzfähige afghanische Landwirtschaft.

    Zu dumm, dass dann nur genetisch gegen Glyphosat resistente Pflanzensaaten ein Chance auf ihr Gedeihen hätten.

    Diese Saaten wurden von Monsanto und Syngenta patentiert, nicht zufällig die gleichen Firmen, die Glyphosate anbieten , und müssten jedes Jahr neu von den Firmen eingekauft werden, weil ihre selbständige Weitervermehrung verboten ist und in einigen Fällen durch die genetische Mnipulation verhindert wurde. Bisher werden nur Hochleistungssorten angeboten, die extreme Bodenbearbeitung und Düngung beanspruchen und einen noch höheren Wasserbedarf aufweisen.

    Der Drogenexperte gibt dann noch eine Anekdote zum Besten. Sein Vater, landwirtschaftlich tätig, habe Glyphosat mit den Händen angefasst, da sei nichts passiert. Da muss Hirn und Glyphosat eingetrocknet
    sein, um einen Krümmel Wahrheit in der Geschichte zu lassen.

    Dreimal darf geraten werden, wer an dieser Art Aufbauhilfe Milliarden “In God we trust” verdienen würde.

    Grüße

    Christoph Leusch

  7.   Karl-Heinz Klaiber

    Vor vielen Jahren, vor dem allerersten Auslandseinsatz der Bundeswehr, als in etwa hunderttausend friedensbewegte Menschen in Bonn “GEGEN DEN KRIEG” demonstrierten, war schon abzusehen, dass die NATO im Laufe der Zeit von der Bundeswehr mehr fordern würde, als nur “Präsenz” zu zeigen. Jetzt bei der sogenannten “ISAF-Friedensmission im “Talibanland” werden die Forderungen, deutsche Soldaten für Kampfeinsätze zu stellen, bittere Realität. Und sie werden sich auch weiterhin, aus politischem Kalkül und ungeachtet des Gelöbnis-Spruches -“Bundesrepublik verteidigen”- in Afghanistan und anderswo “verheizen” lassen müssen. Es spricht Hohn, wenn da der evangelische Militärdekan Jens Hauschild kürzlich verkündete: “Ich glaube persönlich, dass die Anwesenheit der Bundeswehr in Afghanistan richtig und wichtig ist, weil sie dazu beiträgt, dass es dort friedlich bleibt.” Damals, in den 90er Jahren, formulierte das MONITOR-Urgestein und inzwischen WDR-Rentner Klaus Bednarz den Ratschlag -“Desertiert in Massen, bevor sie euch im Zinksarg nach hause fliegen lassen” –
    Doch dieser Ruf verhallte ungehört, obwohl das “menetekel” inzwischen schon mehrfach bittere Realität geworden ist. Doch offensichtlich bereitet es unseren Volksvertretern bei ihren Wahlkampf-Veranstaltungen weniger Sorge, daß immer mehr Soldaten in diesem dreckigen Krieg zu Tode kommen werden, als die Sorge, sie könnten wegen einer pazifistischen Haltung ihr Abgeordnetenmandat einbüssen.
    Karl-Heinz Klaiber (Jahrgang 1923)


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