Felix Lee über Roten Kapitalismus und chinesische Online-Phänomene
Kategorie:

Roter Kapitalismus

China erobert den Schweinefleisch-Weltmarkt

Von 11. April 2014 um 08:48 Uhr

Vor noch nicht allzu langer Zeit war Fleisch Mangelware in China. Bis Mitte der achtziger Jahre erhielt jeder chinesische Stadtbewohner spezielle Lebensmittelmarken, die er beim Fleischkauf vorlegen musste. Jedem standen nur wenige Hundert Gramm pro Monat zur Verfügung, den Menschen auf dem Land noch weniger. Das Schweinefleisch wurde daher meistens in kleine Streifen geschnitten, sparsam etwa unter gedünsteten Kohl gemischt und dann mit sehr viel Reis aufgetischt.

Von dieser Mangelwirtschaft ist heute nicht mehr viel übrig.  Eine Mahlzeit ohne Schweinefleisch ist kaum mehr denkbar. Ganze Gerichte werden ausschließlich mit Fleisch und diversen Innereien vom Schwein serviert. Das früher bei chinesischen Gerichten übliche Gemüse als Beilage fällt inzwischen häufig weg. Der Reis zur Sättigung ebenso. China ist in den vergangenen Jahren nicht nur zum weltgrößten Fleischkonsumenten aufgestiegen, sondern auch zum Fleischproduzenten Nummer eins. Nun will der größte chinesische Fleischkonzern den Weltmarkt erobern. Weiter…

Kategorien: Roter Kapitalismus

China räumt seine Sex-Hochburg

Von 8. April 2014 um 10:46 Uhr

Das chinesische Staatsfernsehen scheut das Thema Sexindustrie nicht. Anfang Februar zeigte CCTV zur Hauptsendezeit eine Fernsehreportage über die Sexindustrie in Dongguan, einer Acht-Millionen-Einwohner-Großstadt in Südchina. Nur wenige Stunden später startete in Dongguan eine Großrazzia gegen das Rotlichtmilieu. Mehr als 6.500 Polizisten durchsuchten insgesamt 2.000 Bordells, Stundenhotels, Saunas und Karaoke-Bars. Sie nahmen mehr als tausend Menschen fest, darunter Dutzende Polizeichefs und Parteisekretäre. Ihnen wird vorgeworfen, gegen das Prostitutionsgewerbe zu nachlässig vorgegangen zu sein. Die Anti-Rotlicht-Kampagne läuft noch weiter.

Prostitution ist in China offiziell verboten. Doch schon seit vielen Jahren nehmen es die meisten Behörden mit den Vorschriften nicht ganz so genau. Auch in der Hauptstadt Peking finden sich Bordelle, Sexshops und Massagesalons, die auch “besonderen Zusatzservice” bieten.

Mehr als eine Viertel Million Prostituierte

Doch keine Stadt in China hat sich binnen kurzer Zeit zu einer so großen Hochburg der Sexindustrie entwickelt wie Dongguan. Anfang 2009 schlug hier die Weltfinanzkrise voll zu. Das Perlflussdelta, wegen seiner vielen Fabriken als “Werkbank der Welt” bekannt, war besonders betroffen, Millionen Jobs gefährdet. Damals legten die Stadtoberen die Prostitutionsvorschriften besonders lax aus. Zwar gibt es keine genauen Zahlen. Doch Fachleute vermuten, dass die Stadt in den Jahren 2010 und 2011 mehr als 250.000 Prostituierte zählte.

Nun, nur wenige Wochen nach der Razzia, zeigen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen. Laut Yangcheng Evening News sei der gesamte Dienstleistungssektor in der Stadt zusammengebrochen. Die Razzien sollen Umsatzverluste von rund 50 Milliarden Yuan (rund sechs Milliarden Euro) verursacht haben.

Besonders betroffen sind die Luxushotels. Die insgesamt 23 Fünfsternehotels mussten nach dem Wirtschaftseinbruch von 2009 schon einmal herbe Verluste hinnehmen, nachdem Zehntausende Geschäftsleute aus aller Welt wegblieben. Ihre Auslastung sank damals auf unter 60 Prozent. Die Umsatzeinbußen konnten sie nur kompensieren, weil wohlhabende Männer aus dem ganzen Land und dem nahe gelegenen Hongkong nach Dongguan kamen und die Zimmer für Sex nutzten. Das Geschäftsmodell steht nun vor dem Aus.

Auch Geschäfte, Schönheitssalons, Lokale und sogar Supermärkte klagen über heftige Einbußen, weil ihnen die Kundinnen wegbleiben. Prostituierte haben in Scharen Dongguan verlassen. Viele bemühten sich in den Nachtclubs der Nachbarstädte Foshan und Huizhou um ein neues Auskommen, zitiert die South China Morning Post eine Frau aus dem Gewerbe. Sie berichteten jedoch von sehr viel raueren Umgangsformen ihrer Kunden bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. In Dongguan hatten sich Frauen und Freier eine Infrastruktur aufgebaut, die sie vor Gewalt schützte.

Wirtschaftswachstum durch Prostitution

Kenner der Region gehen davon aus, dass die Behörden die Rotlicht-Kampagne schon bald beenden werden. Im vergangenen Jahr habe die Region das von der Zentralregierung landesweit vorgegebene Wachstumsziel von 7,5 Prozent unterschritten und lag bei nur noch bei etwas mehr als sechs Prozent, zitiert die South China Morning Post den in Dongguan beheimateten Unternehmer und Blogger Xiao Gongjun. Das sei zu wenig für eine Region, die sich mitten im Strukturwandel befindet. “Ich denke, wenn die Regierung anständiges Wirtschaftswachstum will, wird die Kampagne nicht lange dauern.”

Kategorien: Roter Kapitalismus

China revolutioniert sein Finanzsystem

Von 12. März 2014 um 09:46 Uhr

Was im Rest der Welt selbstverständlich ist, kommt in China einer Revolution gleich: die Liberalisierung der Zinsen. Am Rande des jährlichen Nationalen Volkskongresses hat der chinesische Zentralbankchef Zhou Xiaochuan verkündet, dass Banken und andere Finanzdienstleister schon bald den bislang staatlich festgelegten Zinssatz selbst bestimmen dürfen. Zhou geht davon aus, dass eine Liberalisierung innerhalb der nächsten zwei Jahre umgesetzt wird – sehr viel schneller als bislang angenommen. Weiter…

Kategorien: Roter Kapitalismus

Chinas Yuan-Poker

Von 28. Februar 2014 um 10:54 Uhr

Der Yuan fällt und fällt. Diesen Anschein hat er zumindest in den vergangenen Tagen gemacht. Tatsächlich hat die chinesische Währung seit Anfang vergangener Woche 1,2 Prozent an Wert eingebüßt. Die Abwertung kommt überraschend. Denn noch vor wenigen Wochen hatte die chinesische Zentralbank angekündigt, dass sie den Yuan schon bald völlig freigeben werde – was nichts anderes als Aufwertung heißt. Doch genau das könnte der Grund für die Abwertung der vergangenen Tage sein.
Weiter…

Kategorien: Roter Kapitalismus

China gefährdet sich, aber nicht die Welt

Von 18. Februar 2014 um 14:38 Uhr

Wieder einmal machen Horrormeldungen über den Zustand von Chinas Wirtschaft die Runde: Überschuldung, faule Kredite, Schattenbanken – am Dienstag entzog die chinesische Zentralbank dem Geldmarkt 48 Milliarden Yuan (rund 5,8 Milliarden Euro) und befeuerte damit weltweit die Sorge vor neuen Turbulenzen. Nach der Finanzkrise in den USA und Schuldenkrise in Europa mehren sich die Befürchtungen, dass nun auch das chinesische Finanzsystem zusammen brechen könnte – mit Auswirkungen auf die ganze Welt.

Vor einigen Tagen hatte bereits die Societé Générale vor einer möglichen Krise in China gewarnt: Chinas derzeitiges Schuldenproblem würde dazu führen, dass das Wachstum von zuletzt 7,7 auf unter fünf Prozent einbrechen könnte. Der Weltwirtschaft drohe ein massiver Schock, sagte die China-Analystin Michala Marcussen der französischen Großbank. Das globale Wachstum würde dann um 1,5 Prozentpunkte geringer ausfallen. Derzeit geht die Weltbank für das laufende Jahr noch mit einem Anstieg um 3,2 Prozent aus. Schon gehen einige Analysten von einer neuen weltweiten Krise wie nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank 2008 aus.

Die Lage ist ernst – aber bei Weitem nicht so dramatisch. Weiter…

Kategorien: Roter Kapitalismus

China giert nach Gold

Von 15. Februar 2014 um 09:48 Uhr

Schon die alten Römer kannten das Problem des Goldabflusses nach Fernost. Sie liebten Seide, Porzellan und Bronzegegenstände aus Asien. Umgekehrt zeigten Inder, Perser und Chinesen jedoch nur wenig Interesse an Waren aus Europa. Sie ließen sich ihre Güter daher im glänzenden Edelmetall auszahlen, das dann irgendwo in den chinesischen und indischen Fürstenhöfen zu Schmuck verarbeitet oder zur Zier ihrer Paläste verbaut wurde. Der Westen sah das Gold nie wieder. Nun scheint sich dieser Vorgang zu wiederholen. Weiter…

Kategorien: Roter Kapitalismus

Mehr Geld, mehr Innovation

Von 11. Februar 2014 um 10:37 Uhr

Um Chinas Wirtschaft nach den Wirren der Kulturrevolution in Schwung zu bringen, hatte der große Reformer Deng Xiaoping zu Beginn der achtziger Jahre es zugelassen, dass die “einen eben erst reich werden sollen”. Davon würde irgendwann das ganze Land profitieren. Damit outete sich Chinas damaliger Oberkommunist ausgerechnet als Anhänger der Trickle-Down-Theorie, einer wirtschaftspolitisch äußerst liberalen Denkweise. Deng war sich sicher, dass ein zunehmender Wohlstand der Reichen nach und nach die unteren Schichten der Gesellschaft erreichen würde.

Heute gehört China zu den großen Volkswirtschaften mit den höchsten Einkommens- und Vermögensunterschieden überhaupt. Weiter…

Kategorien: Roter Kapitalismus

China – ein Hort der Stabilität?

Von 5. Februar 2014 um 11:46 Uhr

Die Aktienkurse fallen und fallen. Auf der ganzen Welt sind in den vergangenen Tagen die Kurse eingebrochen. Schwellenländer wie Indien, Indonesien, Brasilien und die Türkei trifft es besonders hart. Neben einer schlecht laufenden Konjunktur macht ihnen zusätzlich ein starker Kapitalabfluss und damit ein Verfall ihrer Währungen zu schaffen. Allein in den vergangenen Wochen haben Anleger der Bank of America zufolge weltweit 6,4 Milliarden Dollar aus Schwellenländer abgezogen, ihre Währungen haben binnen weniger Tage um mehr als 20 Prozent an Wert verloren.

Nur ein Schwellenland scheint sich mal wieder als Hort der Stabilität zu erweisen: China. Der chinesische Yuan bleibt konstant zum Euro und Dollar. Und auch der Kapitalabfluss hält sich in Grenzen. Dabei sehen auch Chinas Wirtschaftsdaten nicht rosig aus.
Weiter…

Kategorien: Roter Kapitalismus

Wenn die Wanderarbeiter einfach nach Hause gehen

Von 28. Januar 2014 um 10:45 Uhr

Die Aktienkurse fallen. Die Baustellen stehen still, viele Maschinen in den Industrieanlagen sind ausgeschaltet. Wie schlecht steht es um die chinesische Wirtschaft? Jüngster Indikator: der Einkaufsmanagerindex der chinesischen Industrie. Er fiel im Januar auf 49,6 Punkte. Ein Wert unter 50 Punkten heißt zwar nicht, dass die Wirtschaft schrumpft, signalisiert aber, dass die befragten Einkaufsmanager die wirtschaftlichen Aussichten für die nächste Zeit schlechter beurteilen als momentan.

Die miserablen Daten aus China werden sogar schon als Hauptursache für die jüngsten Turbulenzen auf den Weltfinanzplätzen gesehen. Zahlreiche Währungen der Schwellenländer sind vergangene Woche ins Trudeln geraten. Dax, Nikkei, Hang Seng und Dow Jones sind um mehrere Prozentpunkte gefallen. Schon wird der Niedergang der chinesischen Wirtschaft befürchtet. Ist es wirklich so schlimm, wie die Zahlen suggerieren? Ja, das ist es. Aber das war in den vergangenen Jahren um diese Zeit auch schon so. Weiter…

Kategorien: Roter Kapitalismus

China wollte zu schnell zu viel

Von 20. Januar 2014 um 11:00 Uhr

Die deutsche Exportwirtschaft dürfte über diese Zahlen wenig begeistert sein. Mit 7,7 Prozent ist Chinas Wirtschaft 2013 genauso schwach gewachsen wie im Jahr zuvor. Die Volksrepublik erlebt damit ihre längste Wachstumsschwäche seit Beginn der Reformen vor 35 Jahren. Und diese Schwäche soll anhalten. Ökonomen gehen davon aus, dass das chinesische Wirtschaftswachstum 2014 noch geringer ausfallen wird. China ist außerhalb der EU der größte Abnehmer deutscher Waren. Trotzdem ist die Entwicklung gut – für China und den Rest der Welt. Weiter…

Kategorien: Roter Kapitalismus