Das Fahrrad-Blog
Kategorie:

Räder

Nur mal eben mit dem Speedster ins Büro

Von 14. Juli 2014 um 11:18 Uhr
© Reidl

Velotraum Speedster © Reidl

Auf manche Räder steigt man – und will dann immer weiter fahren. Der Speedster von Velotraum ist so ein Modell. Gedacht ist das Rad für Pendler. Allerdings ist die Gefahr, dass Sie damit morgens einfach an Ihrem Büro vorbeifahren, ziemlich groß. Weiter…

Kategorien: Fahrstil, Leute, Räder

Die Familie nimmt Fahrt auf

Von 25. April 2014 um 13:40 Uhr
Schnell unterwegs und Spaß dabei © Reidl

Schnell unterwegs und Spaß dabei © Reidl

Geschafft! Nach gefühlten Jahrzehnten des Bummelradelns ist diese Episode nun vorbei. Unsere bald achtjährige Tochter hat ein Rennrad bekommen, und seitdem fegt sie nur so über den Asphalt. Vorbei die Zeiten des Trödelns und des Schultergriffs, um sie den Berg hoch zu schieben oder sie auf den letzten Kilometern heimwärts zu unterstützen.

So richtig glauben können wir es noch nicht. In den vergangenen Jahren haben wir viel von dem genutzt, was die Branche fahrradaffinen Eltern mit jungem Nachwuchs anbietet. Als Säuglinge haben wir unsere beiden Kinder im Anhänger in der aufgehängten Weberschale transportiert. Mehr als sieben Jahre war der Kinderanhänger Winther Dolphin eines unserer wichtigsten Fahrzeuge. Wir haben ihn gebraucht gekauft.

Im Gegensatz zu anderen Anhängern war er eher ein Schlachtschiff, dafür sehr robust und komfortabel. Für die Kinder war er ein Stück Zuhause. Sie haben darin geschlafen, gespielt und Geschichten gehört, während wir unsere Alltagsfahrten erledigten oder im Urlaub weite Strecken zurücklegten.

Später sind sie auf Ausflügen und im Urlaub 60 bis 70 Kilometer lange Tagesetappen selbst gefahren. Mit vielen Spiel- und Eispausen, immer wieder von uns geschoben, via FollowMe gezogen oder auf dem geliehenen Tandem oder Triplett in unserem Windschatten. Irgendwann fuhren sie dann komplett selbst und wir entsprechend langsam.

Dreieinhalb Jahre zuvor: Unterwegs auf einem Santana-Triplet © Reidl

Dreieinhalb Jahre zuvor: Unterwegs auf einem Santana-Triplett © Reidl

Das hat nun ein Ende. Wenn ich mit meinem Reiserad unterwegs bin und Smilla und Luis auf ihren Rennrädern, muss ich aufpassen, dass sie mich am Berg nicht abhängen. Die Kleine jagt mit 18 bis 20 km/h begeistert über die einsame Deichstraße und beklagt sich, dass ich ihr zu langsam bin. Aber meine Kombination aus Trekking- und Rennrad ist perfekt. Ich habe auf dem relativ schweren Rad Spaß und die beiden auf ihren Flitzern.

Dabei war der Kauf des Rennrads ein glücklicher Zufall. Smilla brauchte ein neues Rad. Eigentlich ein Alltagsrad. Das bisherige war von Anbeginn nur eine Zwischenlösung. Wie bei vielen Kinderrädern ist die Schaltung zu schwergängig für sie, ebenso die Bremsen.

Die schlechte Ausstattung zeigte schnell Wirkung: Smilla, die immer lieber Rad als Auto fuhr, wollte plötzlich nicht mehr Rad fahren. Sie maulte beim Fahren und fuhr weniger souverän.

Dann verkaufte eine ältere Freundin aus ihrem Sportverein ihr Rennrad – ein Schwinn Midi Fastback mit 24 Gängen. Sie fuhr damit Wettkämpfe, wie Smilla es ihr im Sommer gleichtun will. Nun war es zu klein geworden. 200 Euro haben dafür bezahlt. Für uns ist es viel mehr wert. Denn das Rad macht seit Tagen nicht nur unsere Tochter glücklich, sondern die ganze Familie.

Kategorien: Kinder, Räder, Tour

Der Mann für den feinen Unterschied

Von 18. April 2014 um 08:20 Uhr
© The Bike Book - Lifestyle. Passion. Design. published by teNeues

© The Bike Book – Lifestyle. Passion. Design. published by teNeues

Der Sattel ist aus Ziegenfell, Stierhörner ersetzen den Lenker und der Bremshebel kommt aus England und ist eigentlich eine Badezimmer-Armatur. Wer hinter dem Erbauer dieses ungewöhnlichen Fahrrads einen egozentrischen Macho vermutet, liegt falsch. Dirk de Günther ist unglaublich freundlich, zugewandt und neugierig auf sein Gegenüber. Das muss er auch sein. Denn der Wahlberliner baut seinen Kunden Traumräder. Dabei weiß er sogar häufig genauer, wovon sie eigentlich träumen, als die Kunden selbst.

Ein schönes Beispiel dafür ist seine Beratung eines Immobilienmaklers. Als dieser aus seinem Bentley stieg und auf die kleine Manufaktur in Berlin-Charlottenburg zusteuerte, wusste der Fahrraddesigner sofort, was der Kunde für ein Fahrrad brauchte: einen gemufften Rahmen aus den sechziger Jahren, ohne jegliches Plastik, dafür mit Pedalen, Griffen und einem Kettenschutz aus Leder.

Dem Bentley-Fahrer gefiel das – bis er mit de Günther über die Farbe diskutierte. Der Kunde wollte schwarz. Aber sein Gegenüber winkte ab. Das passe nicht zu ihm, er sei nicht so ein kantiger Typ, erklärte de Günther. Der Kunde war skeptisch. Als ihm der Fahrraddesigner dann jedoch erklärte, dass er sicherlich nie schwarze Anzüge trage, sondern dunkelblaue, dunkelbraune oder dunkelrote, hielt der Immobilienmakler inne. So genau hatte ihm ein Fremder noch nie seinen Kleiderschrank beschrieben. Das Rad wurde dunkelblau.

Es sind Nuancen, für Laien oft kaum erkennbar, die den Unterschied ausmachen zwischen schön und perfekt. De Günther ist Fachmann für den feinen Unterschied.

Dirk de Günther vor seinem Laden in Berlin Charlottenburg © Reidl

Dirk de Günther vor seinem Laden in Berlin-Charlottenburg © Reidl

© Deginder Cycle Manufactur

© Deginder Cycle Manufactur

Sein Technikverständnis verdankt Dirk de Günther zum Teil seinem Vater. Der hatte ein Fahrradgeschäft und sein Sohn dadurch Zugang zu den neuesten Modellen – von klein auf. “Meine Mutter sagte immer, dass ich erst Fahrrad fahren und dann laufen konnte”, erzählt er.

Schon als Knirps hatte er eine sehr genaue Vorstellung davon, wie sein Rad aussehen sollte. Nämlich “clean”, wie er sagt. Man könnte auch sagen, der Kleine war ein Purist. Licht, Schutzbleche und Klingel fand er überflüssig und baute sie regelmäßig ab. Zum Ärger seines Vaters, der stillschweigend alles wieder anschraubte. Darüber wunderte sich der Junge zwar, aber es hielt ihn nicht davon ab, es wieder abzuschrauben. “Es war das ein ständiges Hin und Her”, erinnert sich de Günther.

An sein erstes Kinderrad habe er Fußrasten montiert und mit dem Rad Tricks gemacht, erinnert er sich. 50 Meter sei er damit auf dem Hinterrad gefahren. “Ich war natürlich stolz wie Oskar, wenn die großen Jungs gestaunt haben, was ich Knirps alles kann”, sagt er heute.

Als Erwachsener geriet seine Liebe zu Fahrrädern zwischenzeitlich ein bisschen in Vergessenheit. De Günther wurde Kfz-Mechaniker, studierte BWL, arbeitete als Manager in Hamburg und sammelte Autos – englische Oldtimer. Dann machte er sechs Jahre Urlaub. Irgendwann hat er mit seiner Frau eine Modeboutique in Berlin betrieben.

© Deginder Cycle Manufactur

© Deginder Cycle Manufactur

© Deginder Cycle Manufactur

© Deginder Cycle Manufactur

In der Hauptstadt fand er in einer Hecke ein völlig eingewachsenes Rad aus den dreißiger Jahren. Da er sich schon lange wieder ein Fahrrad wünschte, nahm er es mit und putzte es heraus: Der Rahmen bekam einen neuen Lack, die Pedale überzog er mit Leder, ebenso die Griffe und den Sattel. Damit fuhr er durch die Stadt.

Was dann geschah, war für de Günther eine Überraschung: Die Leute auf der Straße sprachen ihn an. Ihnen gefiel das Rad, und sie wünschten sich ein ähnliches. De Günther hörte ihnen zu, machte Vorschläge und baute so erst in Gedanken, später dann in seiner Werkstatt neue Räder auf.

Seitdem hantiert er mit Fahrradrahmen aus dem vergangenen und dem neuen Jahrhundert. Er macht aus alten wie neuen Rädern etwas komplett anderes. Dafür wird geschraubt, gelötet, lackiert, genäht, überzogen, verziert, verchromt und auch mal vergoldet. Wenn die guten Stücke seinen Laden verlassen, sind sie für de Günther “Kunstwerke”.

Inzwischen ist die Deginder Cycle Manufaktur eine bekannte Marke. Seine Räder zieren Designbücher, sie stehen zu Werbezwecken auf Messen und vor Designergeschäften.

Aber unabhängig davon, für wen de Günther ein Rad fertigt: Entscheidend für ihn ist, dass seine Räder zu ihren Besitzern passen und sie glücklich machen. Jeden Tag, bei jeder Fahrt immer wieder ein kleines bisschen aufs Neue.

© Deginder Cycle Manufactur

© Deginder Cycle Manufactur

Kategorien: Fahrstil, Kultur, Leute, Mode, Räder, Stadt