Grüne Geschäfte

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Kalifornien experimentiert mit Pop-Up-Vogelschutzgebieten

Von 19. April 2014 um 09:09 Uhr

Ich habe ja einen gewissen Hang zu Crowdsourcing-Aktionen, nachdem ich mit meiner Kollegin Nadine Oberhuber mit Hilfe unserer Leser eine Recherche zu Dispozinsen gestemmt habe. Jetzt bin ich über ein ungewöhnliches Crowdsourcing-Projekt aus Kalifornien gestoßen, von dem nicht nur Landwirte, sondern auch die Natur profitieren. Die Naturschutzorganisation The Nature Conservancy hat es sich zum Ziel gesetzt, die Vogelzugstrecke Pacific Flyway wiederzubeleben. Die Strecke entlang der Westküste Amerikas ist eine der wichtigsten Flugrouten für Falken, Milane, Gänse oder Adler.

Es gibt nur ein Problem: Inzwischen gibt es kaum noch gute Landestätten für die Vögel. 95 Prozent der Feuchtgebiete, wo die Tiere üblicherweise einen Zwischenstopp einlegen, sind inzwischen verschwunden. Sie wurden für Agrarland umgebrochen, sind oder wurden ausgetrocknet. Und hier genau kommt eine App mit ins Spiel: eBird heißt sie und setzt auf die Mithilfe von Vogelliebhabern, die in den USA “Birders” genannt werden. Sie melden mit der App, wo sie gerade welche Vögel beobachten. Das Cornell Lab of Ornithology, eines der angesehensten Institute in der Vogelforschung, wertet diese Daten aus und ermittelt so, wo es noch mehr Landbedarf für die Vögel gibt.

Und dann kommt die Ökonomie mit ins Spiel. Salopp gesagt organisiert The Nature Conservancy eine “umgekehrte Auktion”. Welcher Farmer ist bereit, sein Land mit Wasser zu fluten und so den Vögeln neuen Nistraum zu bieten? Der Landwirt, der den geringsten Preis verlangt, bekommt den Zuschlag. Er erhält Geld und eröffnet im Gegenzug auf seinen Äckern ein Pop-Up-Vogelschutzgebiet.

Die Aktion kann schon erste Erfolge vermelden. Südlich von Sacramento, im Cosumnes River Preserve, fluteten Reisbauern gegen Cash ihre Felder. Mehr als 120.000 Vögel wurden daraufhin im vergangenen Dezember in der Region gesichtet – so viele wie seit Langem nicht mehr. Zurzeit werten die Wissenschaftler die Aktion aus. Im Herbst soll es weitere Pop-Up-Gebiete geben.

Gentechnik verdrängt Biobaumwolle

Von 9. April 2014 um 15:59 Uhr

Mode aus Biobaumwolle ist zu teuer? Wer das denkt, war lange nicht mehr bei C&A – und ja, ich gehöre auch dazu. Der Modekonzern hat sich der Biobaumwolle verschrieben und verkauft Textilien aus Biofasern zum gleichen Preis wie aus konventionellem Anbau. Inzwischen ist C&A der weltweit größte Einkäufer von Biobaumwolle und Anbieter von “Bioklamotten”. Wer hätte das gedacht. Der Biobaumwoll-Anteil an der gesamten Kollektion liegt bei 38 Prozent. Spätestens im Jahr 2020 will C&A komplett auf Biobaumwolle umstellen. Schließlich können Landwirte ihr Saatgut selbst produzieren, müssen keine Kredite aufnehmen, benötigen keinen Kunstdünger und erzielen auf den Märkten im Schnitt dank Prämienzahlungen höhere Preise. Auch die Böden profitieren, weil sie weniger ausgelaugt werden.

Alles wunderbar? Mitnichten, wenn man C&A glaubt. 2012 hat das Unternehmen seine Nachfrage um 78 Prozent gesteigert. Jetzt warnt das Unternehmen vor Lieferengpässen: Das Angebot von Biobaumwolle könne die Nachfrage nicht mehr decken. Allein in 2012 (aktuellere Zahlen sind noch nicht verfügbar) ging laut Textil Exchange das weltweite Biobaumwollangebot um acht Prozent zurück, während die Nachfrage weiter gestiegen ist. Landwirte, die umstellen wollen, brauchen einen langen Atem: Mindestens drei Jahre dauert es, bis ein Betrieb von konventionell auf Bio umgestellt hat. Gerade der richtige Umgang mit Dünger und die besten Anbaumethoden zu lernen ist anspruchsvoll und dauert Jahre. Viele Bauern scheuen genau diesen Aufwand.

Syrien fällt als Bio-Produzent weg

Die Knappheit hat viele Gründe. Syrien ist beispielsweise als wichtiger Lieferant aufgrund des Bürgerkriegs weggefallen. Zu Hochzeiten produzierte das Land jährlich rund 20.000 Tonnen Biobaumwolle, jetzt exportiert es überhaupt keine Biobaumwolle mehr. Dazukommen Dürren in den USA, gerade die Baumwollhochburg Texas ist von Ernteausfällen schwer getroffen.

Der wichtigste Player aber ist Indien, das inzwischen 74 Prozent der weltweiten Biobaumwolle bereitstellt. Das Land beliefert die Modekonzerne dieser Welt – doch am liebsten mit Gentechnik-Baumwolle. Der Anteil gentechnisch veränderter Baumwolle steigt dort seit Jahren, inzwischen liegt er laut Datenbank transGEN bei 92 Prozent. Das indische Textil-Fachmagazin Tecoya Trend schreibt, dass man bei der Biobaumwolle allein bis zum kommenden Jahr in Indien mit einem ein Mengeneinbruch von 50 Prozent rechne.

“Die Situation in Indien ist sehr wackelig, vor allem der Zugang zu gutem, gentechnikfreiem Saatgut ist kritisch”, warnte bereits Liesl Truscott von Textil Exchange im vergangenen Frühjahr. Das Problem ist nicht nur die Versorgung mit Saatgut, sondern eben auch die Verunreinigung von Biofeldern mit gentechnisch verändertem Material. “Das ist ein großes Risiko”, betont auch C&A. Biobauern trafen sich daher erst vergangene Woche in Indien und gründeten – mit Unterstützung von C&A – ein Gremium, dass unter indischen Bauern für die Umstellung auf Bio werben soll und an der Verbesserung von gentechnikfreiem Baumwollsaatgut. Da gibt’s noch genügend Potenzial nach oben: Biobaumwolle kommt bislang nur auf einen Marktanteil von gerade einmal ein Prozent.

Kirsten Brodde, eine Ökomode-Expertin und gern gesehene Mitautorin hier im Blog, ist sich nicht so sicher, wie clever die C&A-Warnung vor Lieferengpässen war. Wieder würde der Eindruck erweckt, dass Bio nicht aus der Nische käme und zu wenig Ertrag erwirtschafte. Das könnte die aktuellen Biobauern demotivieren.

Ich halte mal diese Statistik entgegen, die Roland Stelzner von der Biobaumwollmarke Cotonea in Eigenarbeit und etwas provisorisch erstellt hat.

Erträge von Baumwollbauern © Roland Stelzner mit Daten von ICAC

Erträge von Baumwollbauern © Roland Stelzner mit Daten von ICAC

 

 

 

 

 

 

 

 

In welchem Land erwirtschaften Baumwollbauern die höchsten Erträge je Hektar? Und siehe da: Biobaumwollbauern halten locker mit konventionellen Bauern mit. Die kleinen lokalen Biobaumwoll-Initiativen in Kirgistan und Uganda kommen fast auf einen ähnlichen Output wie die konventionellen Baumwollbauern in hochindustrialisierten Landwirtschaften wie Australien und übertrumpfen sogar die Türkei und China.

Die Energiewende passiert – im Ausland

Von 25. März 2014 um 12:55 Uhr

So viel Euphorie ist man ja beim Thema Energiewende gar nicht mehr gewohnt: Siemens investiert im großen Stil in eine Fabrik für Offshore-Windräder in Großbritannien. Sogar Premier David Cameron gratuliert: “Das ist ein riesiger Vertrauensbeweis in unsere langfristige Wirtschaftsstrategie”, sagt er. Das Projekt gebe den Familien vor Ort eine Perspektive und mache die britische Wirtschaft widerstandsfähiger. Was für ein Überschwang.

Rund 1.000 direkte Arbeitsplätze will Siemens zusammen mit einem Hafenbetreiber in Hull und einem Nachbarort an der Ostküste Großbritanniens schaffen. Rund 190 Millionen Euro investiert der Münchner Konzern. In dem Nachbarort Paull wird eine Rotorblattfabrik entstehen, in denen Siemens Sechs-Megawatt-Anlagen bauen will. Es sind die modernsten und leistungsfähigsten Windkraftanlagen auf dem Markt, allein ein Rotorblatt misst 75 Meter. Die Hafenlage ist für Siemens perfekt, schließlich sollen hier vor der Küste gleich mehrere Offshore-Windparks entstehen. In zwei Jahren soll die Produktion beginnen, 2017 soll sie komplett ausgelastet sein. Seit Jahren schon wird über das Investment verhandelt, immer wieder war auch im Gespräch, ob Siemens nicht Dänemark den Zuschlag für den Standort gibt.

Mit seiner Produktion vor Ort könne Siemens Kostenvorteile heben, sagt Energiespezialist Roland Vetter von CF Partner in London. Siemens spart sich den aufwändigen Arbeitsschritt, die Megaanlagen andernorts zu bauen und dann nach Großbritannien zu verschiffen. Zwar ist Offshore-Strom immer noch teurer als Onshore-Windkraft. “Doch Großbritannien hat Probleme, große Onshore Windanlagen zu bauen, da es viel Widerstand in der lokalen Bevölkerung gibt.” Um seine Ökostromziele zu erreichen, verstärke Großbritannien daher sein Offshore-Engagement (und seine Investitionen in Atomstrom). Allein bis 2020 sollen auf See Windräder mit einer Kapazität von 14 Gigawatt entstehen, das entspricht etwa 14 großen Atommeilern.

Die Bundesregierung sollte sich die Pressemitteilung aufmerksam durchlesen. Denn indirekt bekommt sie auch ihr Fett weg: “Wir investieren in Märkte mit verlässlichen Konditionen, die gewährleisten, dass unsere Fabriken ausgelastet sind”, schreibt Siemens da.

Glaubt man den Verbänden der deutschen Offshore-Branche, dann ist genau das in Deutschland zurzeit nicht der Fall. Die aktuellen Überarbeitungspläne zum wichtigsten Förderinstrument, dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, würden vielmehr dafür sorgen, dass es noch mehr Unsicherheiten und Investitionsstau geben wird, warnen sie in einer Stellungnahme.

Siemens Entscheidung vor allem in Großbritannien zu investieren, ist offenbar eine direkte Folge der aktuellen Verunsicherung. Zwar stand nie zur Debatte, die Fertigung an der deutschen Nordseeküste
aufzuziehen. Aber die aktuellen Debatten über Strompreisbremsen und Ökostromausnahmen sorgen bei Öko-Investoren für Unbehagen.

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Deutschland importiert Giftmüll – und zwar gerne

Von 21. März 2014 um 08:42 Uhr

Dieser Container hatte gefährliche Ladung: Gleich 20 Tonnen giftige Blei-Säurebatterien sind vergangene Woche via Schiff in Deutschland angekommen, meldet das Öko-Institut. Auf den ersten Blick habe ich, wie Sie vielleicht auch, gedacht: So what?

Der Clou ist: Eigentlich wären diese Batterien aus alten Autos und Lastwagen auf irgendwelchen illegalen Müllkippen in Ghana entsorgt worden. Die Säure wäre einfach in den Boden abgelassen worden, über dem offenen Feuer hätten Menschen versucht, noch Metalle herauszulösen. Das ist der typische Umgang mit Altbatterien in Afrika – mit all seinen fatalen, gesundheitlichen Folgen für Menschen und Umwelt.

Das Pilotprojekt “Best of two worlds “zwischen der Bundesregierung und Ghana will das ändern. Zum ersten Mal wurde der Batterieschrott in Afrika eingesammelt, sorgfältig verpackt und nach Europa, genauer: ins rheinland-pfälzische Krautscheid, zum Recycling geschafft. Sicher, man sorgt sich um Umwelt und Gesundheit in Afrika. Aber vor allem geht es auch um die wertvollen Ressourcen, die in den Plastikkästen stecken. In Deutschland hat Johnson Controls, ein großer Hersteller von Autobatterien, den Giftschrott aus Afrika umweltgerecht entsorgt – und das Blei zu fast 100 Prozent zurückgewonnen. Man könne die Batterien insgesamt zu 99 Prozent recyceln, wirbt das Unternehmen.

Am Ende soll es eine klassische Win-win-Situation sein: Afrika schont seine Umwelt, Europa gewinnt Rohstoffe. Und vor allem soll in Afrika die lokale Wirtschaft beim Einsammeln und Verschicken eingebunden sein, bislang passiert viel ja auf improvisiertem Weg. Die Idee ist, dass hochgefährliche Substanzen wie Blei und Säure am Ende in den Hightech-Industrien in Europa entsorgt werden.

Was Batterien angeht, macht das zumindest Sinn. Denn sicherlich stammt ein Großteil des Giftschrotts auch aus Europa. Gerade unsere Schrottautos sind ein beliebtes Importgut für Afrika. Jedes Jahr exportiert Deutschland laut Umweltbundesamt eine Million Autos. Der Großteil von ihnen landet zwar in der EU, aber ein Teil geht eben vor allem auch nach Afrika, wird dort ausgeschlachtet oder repariert. Wenn nun also Giftmüll-Batterien wieder in Deutschland zum Recycling landen, dann ist das eigentlich nur vor allem ein Beispiel für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft.

 

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Weniger Strom, weniger Netz, weniger Kosten

Von 19. März 2014 um 15:31 Uhr

Leider ist mir immer noch kein besseres Wort für Energieeffizienz eingefallen. Stromsparen? Hmpf! Energieeffizienz killt ja leider jegliches Leserinteresse gnadenlos (Danke, dass Sie es bis hierhin schon geschafft haben).

Die Politik agiert leider ähnlich: In Berlin und Brüssel scheint es inzwischen Usus zu sein, dass sämtliche Vorschläge zu einem effektiveren Einsatz von Energie im Papierkorb laden. Zu Unrecht, wie heute eine Studie der Agora Energiewende zeigt. Der Think Tank in Berlin ist einflussreich, der ehemalige Chef Rainer Baake ist inzwischen als Staatssekretär einer der engsten Berater von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Das Agora-Team kommt zu dem Schluss, dass Deutschland Milliarden sparen könnte, wenn es seine Energie sorgsamer einsetzt. Eine Reduktion des Stromverbrauchs um zehn bis 35 Prozent gegenüber heute, senke die Kosten im Jahr 2035 um zehn bis zwanzig Milliarden Euro. Deutschland spart Geld, weil es weniger für Öl und Gas ausgeben muss und daher weniger neue Kraftwerke braucht – egal ob fossil oder erneuerbar. Erstmals beziffert das Team auch die Effizienz in Euro: Eine eingesparte Kilowattstunde kann die Kosten des Stromsystems um elf bis 15 Cent im Jahr 2035 senken.

Spannend sind vor allem die Folgen für den Netzausbau. Denn die Kausalkette ist ja klar: Wird weniger Strom verbraucht, muss auch weniger transportiert werden – also kann man sich den Netzausbau sparen. (Das wird sicherlich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer gern hören, der ja bekanntlich gegen jeden neuen Netzmeter wettert.)

Zieht man die bisherige Energiewendepolitik weiter durch, dann benötigt Deutschland bis zum Jahr 2050 rund 8.500 Kilometern neue Leitungen im Übertragungsnetz. Je nach Einsparehrgeiz lässt sich der Bedarf mehr als halbieren, teilweise auf sogar nur 1.750 Kilometer, wenn man von einer Reduzierung des Strombedarfs um bis zu 40 Prozent in 2050 ausgeht.

Das ist natürlich ein Extremszenario. Wenn sich die Bundesregierung allein an ihr bislang selbst gesetztes Ziel hält und das Stromsparziel aus dem Energiekonzept umsetzt (zehn Prozent weniger Stromverbrauch im Jahr 2020 und 25 Prozent weniger im Jahr 2050) spart sich Deutschland im Jahr 2035 rund zwölf Milliarden Euro, im Jahr 2050 sogar 21 Milliarden Euro.

Das Problem ist nur: Gerade die EU verpasst zurzeit die Chance, das Thema auf die Agenda zu setzen und im Rahmen der neuen Energie- und Klimaziele 2020 gesetzlich verbindliche Ziele zu setzen. In den aktuellen Entwürfen sind wieder keine gesetzlich verbindlichen Ziele genannt. Die schwarz-gelbe Vorgänger-Bundesregierung hatte das Thema ebenfalls erfolgreich verbaselt, weil das damals noch FDP-geführte Wirtschaftsministerium sämtliche Ambitionen in diesem Bereich immer abgeblockt hatte. Jetzt hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die Energieeffizienz geerbt. Sie wird vor allem auf das Thema Stromsparen im Bausektor achten, schließlich lässt sich vor allem beim Heizen in deutschen Häusern noch viel Energie einsparen.

Verrückterweise bekommt das Thema aber zurzeit eine aktuelle Brisanz. Das Krisenland Ukraine belegt in Europa einen der letzten Plätze, wenn’s um den sparsamen Einsatz von Energie geht. Hier ließen sich Milliarden sparen, wenn das System reformiert wird. Viel mehr noch als in Deutschland.

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Die dünnste Solarzelle der Welt

Von 14. März 2014 um 09:37 Uhr
Mikroskopbild von Wolframdiselenid, mit Elektroden-Anschluss © TU Wien

Mikroskopbild von Wolframdiselenid, mit Elektroden-Anschluss © TU Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

Bislang gehörte Wolframdiselenid nicht zu meinem aktiven Wortschatz. Das könnte sich jetzt ändern, denn das Material hat dieser Tage für eine kleine Sensation gesorgt. Wissenschaftlern der TU Wien ist es gelungen, aus dem Material eine ultradünne Solarzelle herzustellen.  Sie ist nur drei Atome dick: Eine Schicht Wolfram-Atome, die oberhalb und unterhalb mit Selen-Atomen verbunden ist. Das entspricht nur winzigen 0,7 Nanometern. Dünner geht´s bislang nicht, sagen die Forscher: Ihr Wolframdiselenid wäre die dünnste Solarzelle der Welt.

Das Material absorbiert Licht, das sich in elektrische Leistung umwandeln lässt. 95 Prozent des Lichts lässt es zwar durch – doch von den verbleibenden fünf Prozent kann ein Zehntel in elektrische Leistung umgewandelt werden. Der interne Wirkungsgrad des Materials ist also relativ hoch.

Der Charme: Weil das Material so lichtdurchlässig ist, könnte man es auf Glasfassaden aufbringen, die dann Solarstrom erzeugen könnten. “Das Material ist günstiger als das bisher eingesetzte Silizium und man braucht weniger davon”, sagt Thomas Müller vom Institut für Photonik. Die Solarzelle wäre zudem viel leichter. Außerdem sei das Material nicht spröde wie Silizium, sagt Müller. Daher ließen sich auch flexible und biegsame Solarzellen herstellen.

Und es gibt noch einen Clou: Wolframdiselenid  kann nicht nur Sonnenlicht in Strom umwandeln. Es geht auch in die andere Richtung: Das Material selbst kann auch mit Strom zum Leuchten gebracht werden. So könne man eines Tages dünne, flexible Displays herstellen oder gar leuchtende Wände oder großflächig-diffuse Raumbeleuchtungen, sagt Müller.

Bis es allerdings die ersten Wolframdiselenid-Solarzellen im Baumarkt gibt, wird es wohl noch einige Jahre dauern. Bislang forschen die Wissenschaftler im Labor und können nur winzige Flocken herstellen. Nächstes Etappenziel: Ein ein Quadratzentimeter großes Stück Wolframdiselenid. Vom Solarmodul ist man also noch weit entfernt.

 

Schwimmendes Windrad soll Kosten senken

Von 11. Februar 2014 um 11:28 Uhr
© Gicon

© Gicon

Die ersten Tests sind erfolgreich geschafft, nun soll in den kommenden Monaten vor Stralsund die erste Pilotanlage gebaut werden: Das Ingenieurbüro Gicon aus Dresden hat ein schwimmendes Offshore-Windrad entworfen, das die Kosten der Windenergie auf See senken soll. Das Windrad wird nicht in den Meeresboden gerammt, sondern treibt mithilfe von Schwimmkörpern auf dem Wasser und ist nur auf dem Meeresboden vertäut.

Die Idee hat einen gewissen Charme, denn im Unterschied zu den bisherigen Systemen muss man das Windrad nicht erst auf hoher See und im Zweifelsfall bei schlechtem Wetter installieren, sondern kann die Türme und Turbinen bereits an Land zusammenbauen und es dann aufs Meer hinausziehen. Bisher werden erst die Fundamente in den Meeresboden gerammt und später dann die Turbinen oben installiert. Das würde nun wegfallen.

Man habe wegen des “niedrigeren Installations- und Wartungsaufwands” großen Wettbewerbsvorteil, sagt ein Gicon-Sprecher. Und je tiefer die Gewässer, desto größer der Kostenvorteil. Mit einer 6-Megawatt-Turbine könne man eines Tages die Kilowattstunde Ökostrom für neun Cent produzieren – und in der Serienproduktion sei noch eine Kostenersparnis von bis zu 30 Prozent drin. “Das ist ein internationaler Spitzenwert”, so der Sprecher. Zum Vergleich: Zurzeit wird Offshore-Windstrom im aktuellen Stauchungsmodell mit rund 19 Cent vergütet – das wäre also ein gutes Geschäft, wenn ein solches Windrad sofort ans Netz gehen könnte.

Für Deutschland kommen solche Ideen wohl zu spät, auch wenn das Interesse von Offshore-Windplanern groß sei. Die bisherigen Projekte draußen auf der Nordsee sind angestoßen, die Fundamente – ob als Turm oder Stahlgestell oder Dreibein – sind schon lange bestellt. Solche Projekte, die schnell ein Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro umfassen, haben eine extrem lange Anlaufzeit. Und nun streicht der neue Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes die Ausbaupläne auf See zusammen. Dass wir in den kommenden zehn Jahren noch schwimmende Offshore-Windräder vor Helgoland sehen, ist unwahrscheinlich.

Seit einigen Tagen hat Gicon nun auch ein Patent für den US-Markt – und hofft dort vor allem auf ein gutes Geschäft. Bislang gibt es dort keinen einzigen großen kommerziellen Windpark, doch einige Unternehmen arbeiten mit Hochdruck an Projekten. Das bekannteste ist Cape Wind, eine Offshore-Windfarm mit 130 Turbinen vor der Ostküste, die kürzlich eine wichtige Genehmigungshürde nahm. Was die geologischen Voraussetzungen angeht, seien die US-Küsten perfekt für die schwimmenden Windräder, so Gicon: Nach Angaben des National Renewable Energy Laboratory würden mehr als zwei Drittel der guten Windstandorte an Ost- und Westküste in Wassertiefen von mehr als 60 Metern liegen.

Die besseren Smartphones

Von 31. Januar 2014 um 09:22 Uhr

Ich gestehe: Auch in meinen Schubladen und Bücherregalen lagern in den hintersten Ecken diverse ungenutzte Handys. Zu alt, zu langsam, keine Kamera. Das Problem ist offensichtlich: Wir alle wechseln viel zu oft unsere Mobiltelefone aus. Die Vereinten Nationen schätzen, dass allein im Jahr 2012 jeder Bürger weltweit im Schnitt sieben Kilogramm Elektroschrott produziert hat.

Im vergangenen Jahr hat daher das Fairphone aus den Niederlanden für Furore gesorgt. Es kostet rund 325 Euro – im Gegenzug kann sich der Käufer sicher sein, ein fair und ökologisch produziertes Smartphone in der Hand zu halten. Das Gerät wird zu sozialverträglichen Arbeitsbedingungen, ökologisch und mit fairen Löhnen produziert. Und am Ende soll es im besten Fall gar vollständig recycelt werden, in den wichtigsten Elektroschrottländern will das Unternehmen Recyclingkapazitäten aufbauen. Dafür sind etwa der Akku und das Display-Glas austauschbar.

Weiter…

Verwirrung ums Fischstäbchen

Von 23. Januar 2014 um 11:56 Uhr

Wer Fisch essen will, ohne zur Überfischung beizutragen, hat es schwer. Die richtige Auswahl zu treffen, wird immer komplizierter. Das zeigt der am Donnerstag von Greenpeace vorgestellte Fischratgeber 2014. Einmal im Jahr präsentiert Greenpeace diesen Einkaufsführer, der Verbrauchern die Entscheidung für möglichst nachhaltig gefangenen Fisch erleichtern soll.

Die gute Nachricht: Manche Bestände erholen sich. Zum Beispiel die von Kabeljau. Der galt bisher als gnadenlos überfischt, doch jetzt empfiehlt Greenpeace den Kauf von Kabeljau aus dem Nordostatlantik wieder – unter der Voraussetzung, dass der Fisch dort mit Grundlangleinen gefangen wurde. Auch Kabeljau aus dem Nordostpazifik ist okay. Von Kabeljau aus anderen Regionen sollten die Verbraucher aber weiterhin die Finger lassen.

“Nur eine differenzierte Betrachtung ermöglicht Empfehlungen”, schreiben die Macher des Fischführers, “Pauschale Ja- oder Nein-Urteile pro Art sind weder korrekt, noch tragen sie zum Schutz der Fischbestände bei.” Weiter…

Winzige Windräder fürs Handy

Von 14. Januar 2014 um 10:38 Uhr
Mikro-Windrad auf einem US-Penny © Universität Arlington

Mikro-Windrad auf einem US-Penny © Universität Arlington

Smitha Raos Leidenschaft misst sich in Millimetern. Die Wissenschaftlerin an der Universität Texas in Arlington hat stromproduzierende Mikro-Windräder erfunden, die nicht einmal 1,8 Millimeter groß sind. Ihre Idee: Wer Hunderte dieser Windräder etwa auf einer Handyhülle installiert, könnte den Handy-Akku damit aufladen, indem er das Telefon für einige Minuten in der Luft schwenkt. Die Windräder sind so klein, dass auf einem Reiskorn etwa zehn Stück Platz finden könnten.

Noch steckt die Idee in der Anfangsphase, aber die Mini-Windräder wurden im vergangenen Jahr bereits erfolgreich im Labor getestet. Rao hat als Material eine Nickel-Legierung gewählt, weil sie besonders widerstandsfähig ist. “In der Regel haben solche mikro-elektronischen, mechanischen Systeme das Problem, dass das Material zu spröde ist”, zitiert die Uni Rao in einer Pressemitteilung. Das sei bei ihrem Material nicht der Fall.

Schon jetzt hat ein taiwanesisches Unternehmen Interesse an der Technologie angemeldet. WinMEMS ist spezialisiert auf die Produktion von winzigen 3-D-Strukturen, etwa im medizinischen Bereich, und hat zusammen mit der Uni in einem Pilotprojekt gezeigt, dass sich so kleine Windräder tatsächlich auch drehen. Hier das Beweisvideo:

Fragt sich nur, wie realistisch der Einsatz solcher Windräder im Alltag ist. Wahrscheinlich ist es praktikabler, sie etwa an geschützten Hauswänden für die Stromherstellung zu installieren als auf einer Handyhülle, die ständig in Handtaschen herumrutscht. Entscheidend wird natürlich auch sein, wie viel Energie diese kleinen Flügel tatsächlich produzieren können, leider gibt es bislang keine Angaben. Ein Kostenproblem sehen die Macher nicht, die kleinen Windräder seien optimal für die Massenfertigung. Na, mal schaun.