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Isolieren mit Pilzen

Von 12. Juli 2013 um 14:53 Uhr
©mushroomtinyhouse

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Vor allem in den USA gibt es die Tiny-House-Bewegung: Die Anhänger haben Spaß daran, in winzigen Häusern zu leben und jeden Quadratzentimeter bis auf den Anschlag ausnutzen. Die Idee: wenig Haus, wenig Ressourcenverbrauch. Jetzt kommt der nächste Schritt.

Das kleine Unternehmen Ecovative aus New York hat sich ein ungewöhnliches Dämmaterial für einen Prototypen eines Tiny House ausgesucht: Es verwendet eine Pilzkultur, salopp gesagt:  Trockenschimmel.

Hier das Erklärvideo der jungen Macher von Ecovative und wie das Mushroom Tiny House entstand:

Pilze an der Hauswand? Eigentlich will ja jeder Hausbesitzer genau das Gegenteil. Schließlich entsteht im Fall von schlechter Dämmung und im Mix mit Feuchtigkeit Schimmel an der Wand. Diesmal aber werden Pilze gezielt als Dämmmaterial gezüchtet. Dafür verwenden die Macher Reste aus der Landwirtschaft, etwa Maisblätter oder Stängel, geben eine Pilzkultur dazu und lassen die Zucht dann eine Woche in Ruhe.

Es entsteht ein spinnfadenartiges Geflecht, das man vielleicht aus eigener Erfahrung kennt, wenn mal wieder im Kühlschrank der Orangensaft verschimmelt ist. Dann liegt obenauf eine Schicht weißer Fäden. Diese Pilzzucht wiederum trocknen die Macher, damit sie nicht weiter wächst und hart wird. Und fertig soll die neue Pilz-Isolation sein. Feuerfest, chemiefrei und recycelbar, werben die Erfinder.

Sicherlich ist noch vieles unklar, schließlich ist das Tiny House ein Prototyp. Was ist etwa, wenn das Material wegen Löchern in der Wand feucht wird? Dann hat der Hausbesitzer doch genau das Pilz-und Schimmelproblem, das er eigentlich vermeiden wollte (Man mag sich gar nicht vorstellen, wie das Häuschen auf einmal von Schimmelfäden eingerankt wird.)

Isolation ist übrigens nur eine neue Verwendungsart für die Trockenpilzplatte des Unternehmens. Das Material ist bereits seit mehr als drei Jahren auf dem Markt und ersetzt vor allem den Kunststoff Styropor als Verpackungsmaterial. Praxiserfahrung gibt es also bereits. Nur noch nicht in der Welt der Architektur.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Der Primärenergieverbrauch bei der Produktion von Hanfdämmmaterial ist relativ niedrig, die Trockenschimmeldämmung wird wohl noch weniger Ressourcen verbrauchen. Aber Hanf kommt bedeutend besser mit Nässe klar. Hier ein Beispiel für nasse Dachdämmung (http://www.hanffaser.de/uckermark/index.php/bauschaeden/nasse-daemmung)

    Wolf Niese; Berlin

  2. 2.

    Feuerbekämpfung

    Interessant ist der Aspekt der Feuerfestigkeit. Einige gängige Dämmungsmaterialien sollen ja spektakulär mitsamt dem Haus abrennen, wenn sie einmal Feuer gefangen haben.

    Apropo brennende Häuser. Ich habe von Feuerwehren gehört, die Häuser mit Solarpanelen kontrolliert abrennen lassen, da sie mit Wasser nicht löschen können. Wenn die Solarpanäle sich nicht abschalten lassen und weiter Strom produzieren, kriegen die Feuerwehrleute beim löschen den Strom ab. Also löschen die dann nicht. Wasser verträgt sich nicht mit Strom.

    Klimaretter-Häuslebauer sollten beide Problematiken verstehen und am besten vor der Investition diese Probleme ausschließen. Also dass sie Gefahr gehen können ihr Haus schwer bzw. unlöschbar umzugestalten.

    • 12. Juli 2013 um 20:11 Uhr
    • Paul Reiser
  3. 3.

    Feuerfest

    Wenn Reste aus der Landwirtschaft verschimmeln, wie sollen die dann feuerfest sein.
    Jedes Grünzeug besteht hauptsächlich aus Kohlehydrate, also Kohlestoff und Wasserstoff, wie soll das feuerfest sein ?

  4. 4.

    Hanf ist ziemlich feuerfest (http://www.wallstreet-online.de/ratgeber/haus-und-immobilien/aussenbereich/hanf-daemmung-als-moderne-methode-mit-langer-tradition) Zitat: “Außerdem gilt Hanf als schwer brennbar und bietet so einen optimalen Brandschutz.”

  5. 5.

    Die Gefahr des Schimmelns ist nicht das einzige Problem. Ich denke an all die Schimmelpilzallergiker – die haben dann einen ernsthaften Ansporn ins Freie zu gehen.

    • 13. Juli 2013 um 08:39 Uhr
    • gisela
  6. 6.

    “Was ist etwa, wenn das Material wegen Löchern in der Wand feucht wird?”

    Ja, bitte was ist dann? Bevor man nicht einmal ein paar Grundfragen gelöst hat, muss man nicht über jede Idee – oder ?

    Übrigens kann man auch mit Weißbrot dämmen, da kann man sogar prima Formsteine backen. Es sind nur noch ein paar Fragen zu klären, weil noch vieles unklar ist. Ist das jetzt auch eine Geschäftsidee?

  7. 7.

    @Paul Reiser #: “habe von Feuerwehren gehört, die Häuser mit Solarpanelen kontrolliert abrennen lassen, da sie mit Wasser nicht löschen können.”
    Ja, diese Mär kursiert spätestens seit einem Artikel in der Amberger Zeitung vom 21.11.2005 – und wird seitdem von interessierten Kreisen immer wieder gern wider besseres Wissen weiterverbreitet.

    Überall dort, wo Anlagen unter Spannung stehen, wenden die Feuerwehren die Regeln zur „Brandbekämpfung im Bereich elektrischer Anlagen“ an. Das einzige Problem (in der Ausbildung von Feuerwehrleuten) war wohl das damals nur rudimentär verbreitete Bewusstsein für die Tatsache, dass PV-Anlagen auf brennenden Häusern – auch wenn sie vom Netz getrennt sind – die Anwendung dieser Regeln erfordern.

    Inzwischen sollte dieses Bewusstsein auch bei der letzten Dorffeuerwehr angekommen sein… ;-)

  8. 8.

    “Was ist etwa, wenn das Material wegen Löchern in der Wand feucht wird?”
    Nach dieser (hoffentlich) rhetorische Frage würde ich gerne noch erfahren, welche Pilzart denn nun verwendet wird, um genau diesem Effekt vorzubeugen.
    Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass der Autor dieses Artikels sich nicht wenigstens darüber Informiert hat.
    Schließlich gibt es Außer Brotschimmel noch “ein Paar” weitere Pilzarten…

    • 30. September 2013 um 13:14 Uhr
    • Xexano
  9. Kommentar zum Thema

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