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Die Crowd entdeckt die Solarstraße

 

Okay, manche Amerikaner lieben es wirklich schrill.
Ich sage nur: “Solar FREAKIN’ Roadways” und empfehle die ersten Minuten dieses Videos:

Hinter Solar Roadways steckt ein kleines Start-up aus Idaho, das mal eben die Straßen revolutionieren will. Es baut kleine, sechseckige Solarpanelen unter extra hartem Spezialglas, das sogar das Gewicht von LKW aushalten soll.

Die Idee: Statt Straßen aus Beton zu bauen, wollen Scott und Julie Brusaw Solarpanele verlegen. Diese produzieren Ökostrom (wenn alle Straßen in den USA mit Solarpanelen gebaut würden, ließe sich dreimal so viel Strom produzieren wie die USA gerade verbrauchen, will Scott Brusaw überschlagen haben). Außerdem sollen die Straßen auch noch sicherer sein, weil sie beheizt und mit LED-Leuchten ausgestattet sind. So sollen keine Unfälle mehr bei Glatteis oder mit Tieren passieren. In dem Straßenpaket ist zugleich auch noch ein Kanal für Datenkabel und ein Abwassersystem integriert. Die Brusaws sprechen von smarten Straßen.

Seit Ende April präsentiert das Paar auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo seine Idee. Eine Million US-Dollar wollen die beiden von Investoren einsammeln, um aus dem Prototypen-Stadium herauszukommen. Und die Crowd? Ist komplett fasziniert und hat bereits mehr als 1,8 Millionen Dollar spendiert (vielleicht lag das auch daran, dass es für eine Spende von 100 US-Dollar eine selbstgebastelte Lampe aus Solarzellen-Bruchstücken aus der Produktion gab). Solar Roadways ist damit die vierterfolgreichste Kampagne auf Indiegogo. Wegen des Erfolgs haben die Brusaws das Projekt auf der Plattform jetzt verlängert.

Was mir an der Idee gefällt, ist der Gedanke, dass wir wirklich noch mehr aus Straßen rausholen können. Der niederländischen Designer Dan Rosegaard experimentiert ja auch gerade mit schlauen Straßenmarkierungen. Das Konzept der Brusaws geht noch einen Schritt weiter, hier geht es nicht nur um Markierungen, sondern in den Solarpanelen sind eben auch gleich Mikroprozessoren verarbeitet.

Was leider nicht wirklich klar wird: Wie viel kostet denn nun eines dieser sechseckigen Solarpanele? Sicherlich ist es noch weit davon entfernt, sich in irgendeiner Weise zu rechnen. Und ergibt die Idee überhaupt in der Gesamtbilanz Sinn? Die Solarzelle muss ja erst einmal die Energie produzieren, die für ihre Beheizung und für die Mikroprozessoren gebraucht wird. Und dass sich jetzt Parkplätze anbieten als Installationsorte, auf denen ja am Ende Autos stehen und so die Solarzelle beschatten, ist auch nicht sofort überzeugend.

Kaum überraschend, dass die Community im Netz die Solar Roadways kontrovers diskutiert. “Why the Solar Roadways Project on Indiegogo is Actually Really Silly“, ist da noch ganz freundlich formuliert.

Hier übrigens ergänzend – Danke an die Kommentatoren unter diesem Blog – das Video der Kritiker: U.a. Wie bremst man überhaupt auf dem Belag?

27 Kommentare


  1. Ja allerdings.

    Der entscheidende Punkt in unserem Energiemix ist der Energtische Nettogewinn.

    Nah verwand damit der EROEI (Energie return on Energie invested.

    Bei solar lliegt man dort “Ungepuffert” !!! bei 5:1 bis 10 : 1.

    Der Aufwand für mechanisch belastbare Solarzellen dürfte energetisch und Finanziell deutlich höher liegen.

    Ich halte das so schon solar energie auch sein mag, für eine nicht zuendegachte Idee.

    Ganz nett für spezielle gimicks, aber nicht im Ansatz energetisch tragfähig.

    Dazu kommt, das dann da drauf überall die Autos als verschatter stehen. Und das ich grooße Zweifel habe ob überhaupt für größere Solarpaneelinstalationen die Seltenen Erden und Stoffe wie Indium genügend verfügbar sind.

    Man Zeige mir eine nachvollziehbare Energiebilanz und danach kann man gerne WEiterdiskutieren.

    Bis dahin ist die einzige Weltweit mit Gewissheit verfügbare Massenenergiequelle,

    EINSPARUNGEN und Suffizienz.

  2.   pdp

    Und hier macht sich jemand die Mühe zu erklären
    was realistisch ist.

    https://www.youtube.com/watch?v=H901KdXgHs4

    Vielleicht partiell einsetzbar aber sonst auch nicht.


  3. Solange nur ein Bruchteil der Hausdächer Solarzellen trägt, muss man gar nicht darüber nachdenken, diese in den Straßen zu versenken und zuzusehen, wie die Lastwägen darüber hinwegdonnern.

  4.   nichtrostend

    Auf den zweiten Blick werfen Solarpanels auf den Straßen mehr Probleme auf, als sie lösen. Glas ist kein geeignetes Material für Straßenbeläge, LEDs sind zu dunkel für Tageslicht, die Infrastruktur würde Billionen Dollar kosten usw.
    Eine kritische (aber unterhaltsam polemische) Bewertung:

  5.   Sven

    Ich könnte mir ja eher eine Stromgewinnung auf Straßen durch Induktion vorstellen. Ich glaube, dass ist günstiger in der Umsetzung und rechnet sich wohl eher, als wenn man dort Solarpanele verbaut, die dann auch Regelmäßig ausgetauscht werden müssen.

  6.   Zitronenfisch

    Die Idee der Solar-Straßen ist gelinde gesagt bescheuert.

    Auf Youtube gibt es ein exzellentes Video, das aufzeigt, welche technischen Probleme mit den fraglichen Solarstraßen verbunden sind. (https://www.youtube.com/watch?v=H901KdXgHs4)

    Um mal ein paar der genannten Punkte kurz zu umreißen:

    Bremseigenschaften:
    Der Plan ist es, Straßen durch Solarzellen zu ersetzen, die Straßenfläche wird dabei aus einem Recycling-Glas hergestellt. Und selbst wenn angepriesen wird, dass Bremsungen auf diesem Glas durchaus möglich sind, erstens wird ein bisschen geriffeltes Glas wohl kaum genug Halt bei Regen und Schnee geben und zweitens ist Glas relativ weich (Mohshärte) und wird schnell abgeschliffen.

    Energie-Effizienz und Übertragung:
    Vorneweg – erstmal muss man bedenken, dass sich ein Stromnetz nicht einfach aufbauen lässt. Sämtliche Straßen durch diese Solarfläche zu ersetzen, würde heißen, dass man ein vollkommen neues Stromnetz aufbauen, den Solarstrom erstmal in Hochspannung konvertieren und dann auch noch dahin bringen muss, wo er letzten Endes gebraucht wird. Und dazu gibt es auch keine anständigen Energiespeicher (sieht man von Pumpspeicherwerken ab), mit denen der Strom leicht gespeichert werden kann – denn den meisten Strom braucht man nunmal Nachts.

    Straßenbeleuchtung:
    Vollkommen ineffizient. Zum einen ist es sehr fragwürdig, dass man die verbauten LEDs bei Tageslicht überhaupt sehen kann. Und was die Nacht angeht … Autos haben ja nicht ohne Grund schon Scheinwerfer – es ist weitaus effizienter nur den Bereich zu beleuchten, in dem sich das Auto selber befindet, statt die ganze Straße.

    Kosten/Nutzen:
    Dafür müsste man sich das ganze Video anschauen, dort wird es im Detail berechnet. Im Endeffekt setzt man das Geld tausend Mal besser ein, in dem man auf freien Flächen (z.B. der Wüste) in denen es eine Menge Sonnenstrahlung gibt, einen Solarpark aufbaut. Oder von mir aus könnte man sogar sämtliche Straßen der Welt mit einem “Solartunnel” überdachen, auf dessen Oberseite sich Solarzellen befinden.
    Alles weitaus effizienter, als sich eine Straße aus Solarzellen zu bauen. Und selbst wenn man klein anfängt und einen Parkplatz mit diesem Solarzellenboden auspflastert …. es heißt nicht ohne Grund Parkplatz – sprich: Die dort stehenden Autos überdecken einen Großteil der Solarzellen bei Tag, sind aber Nachts frei.

    Das ganze war wiedermal ein Beispiel dafür, dass ein Crowdfunding-Projekt mit einer im ersten Moment nett klingenden Idee jede Menge Unterstützer findet – obwohl es technisch nicht wirklich möglich ist.
    Genauso hier (http://pando.com/2014/03/20/on-indiegogo-a-miracle-health-device-raises-730k-and-a-whole-load-of-red-flags/) geschehen. Eine IndieGoGo-Kampagne sammelt 730000 US-Dollar für ein dubioses Gerät, das angeblich durch die Haut die tägliche Kalorienaufnahme messen kann.


  7. Mir fehlt neben der Prognose über die wohl realitätsfernen Kosten auch eine Aussage wie gut sich es sich denn als Straße bewehren würde. Rollreibung, Trocken- und Nasshaftung, Aquaplaninggefahren, Geräuschentwicklung oder Instandsetzungsintervalle sind doch für den Straßenbau wesentliche Eigenschaften, welche man bestenfalls auf Parkplätzen ignorieren kann. Falls Glas dafür ein gutes Material wäre, ließe es sich ja auch ohne die restliche Technik einsetzen, aber da habe ich doch leichte Zweifel.

  8.   msknow

    Wieviel kostet denn nun eines dieser sechseckigen Solarpanele?

    Die Frage nach den Kosten ist eine Frage, um etwas zu verhindern. Nicht um es zu ermöglichen.
    Und volkswirtschaftlich ist die Frage nach den Kosten in der Regel sinnlos. Die Kostenseite ist sekundär, die Produktion ist entscheidend. Begleitet mit der Frage, wie Kosten entstehen? Hier möchte ich keinen Bullshit von Weltmarkt hören, sondern, warum jemand (denn es stecken immer Menschen dahinter) meint, er müsse diesen Preis dafür zahlen.

    Der Schlüssel, das ist schon angesprochen, ist die Energiebilanz. Nach herkömmlicher Produktion.
    Die entscheidende Frage?
    Wie sieht eine sinnvolle Alternative aus? Haben die Ideengeber von Solar Roadways in der Richtung was anzubieten? Die Idee selber ist eine Konkretisierung der allgmeinen Idee, alle vom Menschen versiegelten Flächen in irgendweiner Weise zur Energiegewinnung heranzuziehen. Wer sich darüber beschwert, muss auch was gegen den Gedanken haben, das Häuser nachhaltig gebaut werden…


  9. Ich empfehle das Gegenvideo und die Reddit posts die dazu linken. https://www.youtube.com/watch?v=H901KdXgHs4

    Ungefähr alle Punkte wurden mit der Realität abgeglichen, das sind leider nur Scharlatane. In der Branche sind sie wohl auch schon länger als Snake Oil bekannt.