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Autoren Archiv von Marlies Uken

Walfleisch für Japan

Von 3. September 2015 um 16:04 Uhr

Es ist eine zweifelhafte Weltpremiere, die der isländische Walfangunternehmer Kristján Loftsson, Chef des Unternehmens Hvalur, am vergangenen Wochenende aufstellte. Er ließ mehr als 1.800 Tonnen Walfleisch von Island durch die Nordostpassage in der Arktis nach Japan bringen, wie Newsweek berichtet. Nicht nur, dass diese Route bislang kaum von der kommerziellen Schifffahrt genutzt wird. Es ist das erste Mal, dass über diese Route ein so umstrittenes Gut transportiert wurde.

Als Transportschiff diente der Frachter Winter Bay, laut Japan Times wurde er von russischen Eisbrechern begleitet. Die Querung ist nur dank des Klimawandels möglich, im Sommer sind große Teile der Strecke eisfrei. Umweltschützer hatten gewarnt, dass das Schiff nur die niedrigste Eisklasse habe und extrem gefährliche Gewässer durchfahre, ein Unfall in der entlegenen Region lasse sich kaum händeln. Am Sonntag erreichte die Winter Bay die japanische Hafenstadt Osaka, dort soll der Frachter nach Informationen der Wal- und Delfinschutzorganisation WDC entladen worden sein. Laut dem Portal Marine Traffic, auf dem sich Schiffe live verfolgen lassen, ist das Schiff inzwischen auf dem Weg nach Russland.

Die Fahrt der Winter Bay haben Tier- und Umweltschützer heftig kritisiert – und mit ihren Protesten dafür gesorgt, dass die Überfahrt nach Japan einer Odyssee gleichte. Normalweise wäre das Schiff entlang Afrikas und dann quer durch den Indischen Ozean Richtung Asien gefahren. Doch nachdem es Anfang Juni Island verlassen hatte und Kurs auf Afrika nahm, änderte es seinen Kurs und fuhr nach Norwegen. Dort protestierten Umweltschützer von Sea Sheperd gegen den Walfleischtransport. Erst mit Verzögerung setzte das Schiff seine Reise fort.

"Loftsson ist mit dieser Reise ein trauriges Meisterstück gelungen", muss auch Walschützerin Astrid Fuchs von WCD attestieren. Denn eigentlich ist laut internationalem Artenschutzabkommen CITES der Transport von geschützten Tierarten verboten. Das Walfleisch stammt von Finnwalen, die bis zu 22 Meter lang werden können und deren Bestand offiziell als gefährdet gilt. Sie stehen auf der roten Liste. Island, Norwegen und Japan haben allerdings Einspruch eingelegt und umgehen so das Transportverbot. Indem Loftsson die arktische Route gewählt hat und Russland sich nicht beschwerte, konnte das Fleisch also legal nach Japan gelangen.

In Island geht die Nachfrage nach Walfleisch seit Jahren zurück, daher exportiert Loftsson, der einzige übriggebliebene Walfänger Island, das Fleisch nach Japan. Dort ist der Konsum gesellschaftlich akzeptiert. Die Regierung hat ihn jahrelang sogar unterstützt, indem etwa öffentliche Kantinen auch Walfleisch anboten. In Europa dagegen ist Walfang ein No-Go. Erst vor zwei Wochen hatten die Kreuzfahrtunternehmen Aida und Hapag-Lloyd angekündigt, wegen der blutrünstigen Grindwalabschlachtung die Färöer Inseln zu boykottieren.

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Dann mach auch was Sinnvolles draus

Von 17. August 2015 um 16:26 Uhr

Keine Frage, an Selbstbewusstsein fehlt es Boyan Slat aus den Niederlanden nicht. Der 20-Jährige hat vor zwei Jahren via Crowdfunding mal eben zwei Millionen Dollar eingesammelt für eine Idee, die er selbst als "verrückt" bezeichnet: Mit riesigen, kilometerlangen Fangarmen will er schwimmenden Meeresmüll einfangen und zu einer Auffangplattform geleiten, wo er eingesammelt wird. Sogar von den Vereinten Nationen wurde Slat für sein Ocean Cleanup Projekt vergangenen Herbst ausgezeichnet.

In diesen Tagen ist nun Slats "Mega-Expedition" angelaufen. Rund 30 Schiffe nehmen an der – nach eigenen Angaben – größten Forschungsexpedition der Geschichte auf dem Meer teil. Sie wollen drei Wochen lang ein riesiges Areal im Pazifik durchkreuzen, mehr über die Schwimmbewegungen von Meeresmüll erfahren und zugleich große Müllteile herausfischen. Beeindruckend, dass die Idee tatsächlich Konturen annimmt.

Fragt sich nur, wie es mit dem Müll an Land weitergeht. Keine Frage: Es ist sinnvoll, den Meeresmüll einzusammeln. Die Bilder von Fischen und Vögeln, die qualvoll an Meeresmüll verenden, bewegen fast jeden. Was aber wichtig ist: An Land müssen die Reinigungs- und Recyclingkapazitäten entstehen. Und da existiert noch eine Lücke. Vor einigen Wochen präsentierte zwar Adidas den ersten Sportschuh aus Meeresmüll.

Prototyp-Schuh aus Meeresmüll © Adidas

Prototyp-Schuh aus Meeresmüll © Adidas

Das Obermaterial, im schicken, türkisfarbenen Wellenlook, wurde aus einem Garn hergestellt, das aus Meeresmüll gefertigt wurde. Von dem Schuh gibt es aber bislang allerdings weltweit nur zwei Paar und den Rohstoff hat die Organisation Parley for the Oceans selbst gesammelt. Think big, davon ist man noch weit entfernt.

Der Naturschutzbund, der seit einigen Jahren mit dem Projekt Fishing for Litter Küstenfischer überzeugt, Plastikmüll als Beifang an Land zu bringen, betont, wie wichtig es sei, sinnvoll zu recyceln.  Die Naturschützer erhalten bereits zahlreiche Anfragen von Unternehmen, die ihnen gerne den Plastikmüll abkaufen würden, um ihn wiederzuverwerten. Ihn aber beispielsweise zur Herstellung von schwarzen Plastikflaschen zu verwenden, wie es etwa ein Bio-Reinigungsmittelhersteller gemacht hat, hält man beim Nabu für falsch: Schließlich lasse sich schwarzes Plastikmaterial nicht erneut recyceln. "Schwarzer Kunststoff ist in der Regel nicht recycelbar und wird aussortiert und verbrannt", sagt Nabu-Fachmann Kim Detloff. Die Flasche werde maximal noch einmal verwendet, das sei nicht sehr nachhaltig und entspreche nicht dem Nabu-Verständnis von Ressourceneffizienz. "Die meisten praktischen Anwendungen sind bisher Pilotprojekte oder eher Marketing als ein wirklicher Stoffrückstrom."

Beim Cleanup Projekt wollen sie den Plastikmüll, salopp gesagt, erst einmal einfach wieder erhitzen, verflüssigen und so Öl herstellen – den Rohstoff für Plastik. Das sei bislang recht vielversprechend, so das Team rund um Boyan Slate.

Kategorien: Allgemein

Nutella gehört diesmal zu den Guten

Von 17. Juni 2015 um 16:15 Uhr

Diesmal hat die französische Umweltministerin Ségolène Royal sich wohl vergriffen. In einer Talkshow auf Canal Plus rief die Ex von Frankreichs Staatspräsident Hollande am Montagabend dazu auf, künftig auf Nutella zu verzichten. Das hat sicherlich nicht nur den Moderator zwischenzeitlich schockiert, der entrüstet entgegnete: "Mais c'est bon, Nutella" ("Aber Nutella ist doch gut"). Weiter…

Norwegens Ölmilliarden gegen den Klimawandel

Von 28. Mai 2015 um 15:50 Uhr

Mit den Profiten aus Öl und Gas haben die Norweger ihren Pensionsfonds zum weltweit finanzstärksten Staatsfonds gemacht, 900 Milliarden US-Dollar schwer. Ihr Reichtum basiert auf fossilen Energien, doch in einen fossilen Energieträger wollen sie jetzt nicht mehr investieren: in die Kohle. Gerade hat der Finanzausschuss des Parlaments eine einstimmige Empfehlung getroffen, dass der Fonds nicht mehr in Firmen investieren soll, deren Geschäftsmodell zu mehr als einem Drittel auf Kohle basiert (gemessen entweder am Gewinn oder der Energieproduktion).

Anfang Juni soll das Parlament definitiv entscheiden. Seine Zustimmung gilt als abgemacht. Die Regierung indes hatte für eine weniger extreme Entscheidung plädiert und gewarnt, dass zu viele Investmentbeschränkungen am Ende geringe Ausschüttungen des Fonds bedeuten könnten.

Was für ein Erfolg für die Aktivisten der weltweiten Divestment-Kampagne, die seit Monaten für den Abzug von Investmentmilliarden aus den fossilen Energien wirbt und schon die legendäre Rockefeller-Familie überzeugen konnte! Der britische Guardian unterstützt die Aktivisten von 350.org mit der eigenen Kampagne Keep it in the Ground und will die Gates-Stiftung und den Wellcome Trust dazu bewegen, sich ebenfalls von Kohleinvestments zu verabschieden. Weiter…

Kategorien: Energiewende, Fossile, Klima, Kohle

Pssst, Energiewende

Von 16. April 2015 um 12:21 Uhr

Rund um die Energiewende ist es gerade auffällig still. Das heißt aber nicht, dass nichts passiert: Im Bundeswirtschaftsministerium wird über eine Klimaabgabe für besonders dreckige Braunkohlekraftwerke philosophiert. Zudem erwägt die Bundesregierung, die milliardenschweren Rückstellungen der Atomkraftwerksbetreiber in einen Fonds zu übertragen, damit sie geschützt sind, falls die Stromkonzerne pleitegehen. Energiekonzerne wie E.on spalten sich auf und sind sind verzweifelt auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen in der neuen Energiewelt.

Und bei den Erneuerbaren? Aktuell lohnt ein Blick raus auf Nord- und Ostsee. Denn in den vergangenen Monaten sind dort zahlreiche Offshore-Windparks ans Netz gegangen. Nach jüngsten Zahlen der Stiftung Offshore Windenergie sind inzwischen elf Windparks vollständig oder zum Teil mit einer Kapazität von rund 2.700 Megawatt am Netz. Das entspricht etwa mehr als zwei großen Atomkraftwerken – die allerdings auch im Gegensatz zu Windenergie grundlastfähig sind.

© Stiftung Offshore Windenergie

© Stiftung Offshore Windenergie

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Prinzipienreiter Greenpeace

Von 4. März 2015 um 10:57 Uhr

Keine Frage, das Anliegen von Greenpeace Energy, der Ökostrom-Tochter von Greenpeace, klingt sympathisch. Das Unternehmen aus Hamburg hat heute angekündigt, gegen die britischen Subventionen für das geplante Atomkraftwerk Hinkley Point C klagen zu wollen. Öko gegen Atom, David gegen Goliath – das ist die Botschaft.
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Der Härtetest für die Energiewende

Von 3. März 2015 um 13:20 Uhr

Der Worst Case für den 20. März? Bei einem Netzbetreiber klingt das so: ein wunderbarer Sonnenscheintag. Deutschland räkelt sich in Frühlingssonnenstrahlen.

An diesem Tag wird Europa vormittags von einer Sonnenfinsternis bedeckt. Und während man ja so als Normalbürger auf klaren Himmel und Sonnenschein hofft, um das Ereignis in seiner vollen Pracht mitzuerleben, hätten die Stromnetzbetreiber am liebsten Novemberwetter: bedeckten Himmel, möglichst viele Wolken, möglichst wenig Sonnenschein.
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Windmüller übertreffen alle Rekorde

Von 29. Januar 2015 um 11:34 Uhr

Die deutsche Windbranche hat einen neuen absoluten Rekord verzeichnet: Im vergangenen Jahr wurden Windräder mit einer Leistung von 4.750 Megawatt installiert. Vor langer Zeit, im Jahr 2002, hatte die Windbranche schon einmal mehr als 3.000 Megawatt installiert. Das war der bisherige Spitzenwert.
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Her mit einer Steuer auf Öl

Von 15. Januar 2015 um 15:46 Uhr

Was für ein Preisverfall: Seit Juni 2014 ist der Preis für ein Barrel Öl um 60 Prozent eingebrochen. In Deutschland, aber noch viel mehr in den USA freuen sich Autofahrer über billigen Sprit. Windfall profits nennen Ökonomen diesen unverhofften Geldsegen. Er gleicht einem Konjunkturprogramm für Verbraucher, die sich über mehr Geld im Portemonnaie freuen können und für Unternehmen, deren Energiekosten sinken.
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Such die Gentech-Milch mit deinem Handy

Von 6. Januar 2015 um 18:10 Uhr

Es ist, mit Verlaub, ein lausiges Angebot: Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat jüngst erzählt, welche Kennzeichnungsstandards für Gentechnik sich die US-Regierung im Freihandelsabkommen TTIP vorstellen könnte. Die Idee des US-Agrarministers Tom Vilsack, die während eines informellen Gesprächs aufkam: Verbraucher scannen einfach mit ihrem Handy den Barcode des Produkts – und wenn das Lebensmittel gentechnisch veränderte Bestandteile enthält, wird das via App angezeigt. Der Fairness halber muss man sagen: Es ist bislang kein offizieller Vorschlag. Der deutsche Agrarminister hat mit seinem amerikanischen Kollegen darüber gesprochen, am Ende aber verhandelt die EU-Kommission mit der US-Regierung.
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