Jeder dritte junge Muslim in England befürwortet die Scharia

Von 2. Februar 2007 um 18:10 Uhr

Die Journalistin und Sozialforscherin Munira Mirza ist die Hauptautorin einer umfassenden neuen Studie, die Meinungen und Haltungen britischer Muslime untersucht. Download hier.
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Munira Mirza

Die Entfremdung vor allem der jungen Muslime in England ist höchst beunruhigend. Ein paar interessante Daten aus dem Bericht “Living Apart Together” (“Getrennt miteinander leben”) des britischen Thinktanks “Policy Exchange”, der auf der Studie beruht:

  1. 86 Prozent der Muslime sagen: “Religion ist das Wichtigste in meinem Leben”
  2. 62 Prozent der zwischen 16 und 24 jahre Alten sagen, sie haben mit Nichtmuslimen ebensoviele Gemeinsamkeiten wie mit Muslimen (bei den über 55 jährigen sind es immerhin 71 Prozent)
  3. 60 Prozent würden ihre Kinder lieber zu einer gemischten staatlichen Schule schicken, gegenüber 35 Prozent, die eine islamische Schule befürworten. Bei den Jüngeren sind es 37 Prozent, bei den Älteren (über 55 Jahre) nur 19 Prozent
  4. 59 Prozent würden lieber unter dem britischen Recht leben, 28 Prozent unter der Scharia. Auch hier bezeichnend der Altersunterschied: 37 Prozent der 16-24jährigen wollen die Scharia, gegenüber 15 Prozent der über 55jährigen
  5. 36 Prozent der 16-24jährigen glauben, die Konversion eines Muslims zu einer anderen Religion solle mit dem Tode bestraft werden, gegenüber 19 Prozent der über 55jährigen
  6. 7 Prozent “bewundern Organisationen wie Al-Kaida, die bereit sind, gegen den Westen zu kämpfen”. (13 Prozent der Jüngeren, 3 Prozent der Älteren)
  7. 74 Prozent der 16-24jährigen würden es bevorzugen, wenn Frauen das Kopftuch tragen, gegenüber 28 Prozent der über 55jährigen
  8. 21 Prozent der Muslime haben schon einmal Alkohol konsumiert
  9. 65 Prozent zahlen (islamisch verbotene) Zinsen auf einen Immobilienkredit
  10. 19 Prozent haben schon einmal Glücksspiele getrieben
  11. 9 Prozent geben zu, schon einmal Drogen genommen zu haben
  12. 41 Prozent nennen “Aussenpolitik wichtig” für Muslime. Doch nur 18 Prozent kennen den Namen des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, 14 Prozent der Namen des Premierministers von Israel
  13. 84 Prozent sagen, trotz grosser Befürchtungen über “Islamophobie”, sie seien in der britischen Gesellschaft fair behandelt worden
  14. 75 Prozent finden es falsch, aus Angst vor Spannungen christliche religiöse Symbole zu vermeiden
  15. Auf die Frage, wer die Interessen der Muslime in Grossbritannien öffentlich vertrete, nannten nur 6 Prozent den “Muslim Council of Britain”, der sich selbst als zentraler Ansprechpartner versteht. 51 Prozent sagte, sie fühlten sich von keiner Organisation vertreten

Als ich kürzlich mit einem der Verantwortlichen für die Deutsche Islam Konferenz sprach und diese Studie erwähnte, bekam ich zu hören, dass die deutsche Regierung keine vergleichbaren Kenntnisse über Meinungen und Haltungen der deutschen Muslime hat. Warum nicht?

Ich möchte wetten, dass wir bei einer umfassenden Studie ähnlich überraschende Ergebnisse zu erwarten hätten.

Munira Mirza hat im Guardian eine eigene Deutung des Reports vorgelegt, die auch die vielen Überschneidungen zwischen der muslimischen Bevölkerung und der Mehrheit betont.

Kategorien: Integration
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Sehr geehrter Jörg Lau, wir hätten natürlich ähnliche oder schlimmere Ergebnisse zu erwarten. Würde Sie das erschrecken?
    Wahrscheinlich ist die Bundesregierung an weitergehenden Kenntnissen nicht interessiert. Dann müßte sie nämlich etwas unternehmen, eine unangenehme Vorstellung für die Herrschaften.

    Antworten

    • 2. Februar 2007 um 19:20 Uhr
    • Riccardo
  2. 2.

    @Riccardo

    Das gleiche wollte ich auch schreiben.

    Die Zahlen würden hier aber wohl etwas besser ausfallen, reines Glück – in D-Land haben wir ja wenig Pakistani und Araber und dafür viele Türken.

    >74 Prozent der 16-24jährigen würden es bevorzugen, wenn Frauen das Kopftuch tragen

    So krass, aber nix zeigt deutlicher – die Typen kommen hier nicht klar.

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    • 2. Februar 2007 um 19:37 Uhr
    • Tuotrams
  3. 3.

    Die Radikalisierung der jüngeren gegenüber der älteren Generation ist schon erschreckend. Aber diese Dinge hier:

    62 Prozent der zwischen 16 und 24 jahre Alten sagen, sie haben mit Nichtmuslimen ebensoviele Gemeinsamkeiten wie mit Muslimen
    60 Prozent würden ihre Kinder lieber zu einer gemischten staatlichen Schule schicken
    59 Prozent würden lieber unter dem britischen Recht leben
    84 Prozent sagen, trotz grosser Befürchtungen über “Islamophobie”, sie seien in der britischen Gesellschaft fair behandelt worden
    75 Prozent finden es falsch, aus Angst vor Spannungen christliche religiöse Symbole zu vermeiden

    klingen doch eigentlich eher ermutigend, oder? Die Mehrheit scheint doch noch ganz vernünftig zu ticken. Zwei Drittel wollen die Scharia schließlich nicht haben.

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    • 2. Februar 2007 um 22:05 Uhr
    • Ingo Way
  4. 4.

    @ Ingo Way: ja, es ist eine gemischte Bilanz. Doch in den Unterschieden der Generationen zeigt sich, dass da etwas gewaltig schiefläuft: Die Jungen koppeln sich ab. Wenn es so weitergeht, hat die Scharia bald eine Mehrheit.

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  5. 5.

    @ Jörg Lau | 2.02.2007 | 10.43

    Die Scharia wird nicht nur bald eine Mehrheit haben, sondern sie wird auch eingeführt werden, wie man gerade in Kanada sieht.

    Antworten

    • 3. Februar 2007 um 00:32 Uhr
    • Riccardo
  6. 6.

    @Riccardo
    Was ist in Kanada los?

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    • 3. Februar 2007 um 00:34 Uhr
    • J.S.
  7. 7.

    Im traditionellen islamischen Umfeld findet sich in ganz Europa zwar eine deutliche überproportionale Zustimmung zu islamisch-extremistischen Positionen, aber nur eine geringe Bereitschaft selbst Gewalt anzuwenden.

    Jugendliche Muslime sind weitaus seltener durch traditionelle islamische Positionen gekennzeichnet als die Generation ihrer Eltern und Großeltern. Der Islam dieser Generation beschränkt sich häufig auf ein allgemeines Überlegenheitsgefühl gegenüber Nichtsmuslimen und die ausgeprägte Bereitschaft, das eigene Selbstwertgefühl durch die Demütigung von Nichtmuslimen zu steigern. In der großen Mehrzahl der Fälle äußert sich dies in kriminellem Verhalten. Auf sehr sichtbare Weise und in großem Umfang geschah dies in Frankreich 2005, Z.B. während der Ramadan-Unruhen und bei einem Angriff eines Mobs von mehreren hundert Muslimen auf eine Demonstration meist ethnisch französischer Gymnasiasten. In Deutschland äußert sich der Wille zur Demütigung u.a. im Bereich der Vergewaltigungen. In Großstädten sind häufig 50-70% der Täter Muslime (in Berlin z.B. Libanesen und Türken) die sich vor Gericht häufig damit rechtfertigen, die Opfer seien “Schlampen” gewesen.

    Ausnahmslos alle in Europa aufgewachsenen muslimischen Terroristen weisen ein ähnliches Profil auf. Die Demütigung der “Ungläubigen” ist ein zentrales Motiv für das Engagement in militanten islamischen Organisationen. Jüngst ist eine Publikation erschienen, die auf Interviews mit in Frankreich inhaftierten militanten Islamisten beruht. Diese äußerten, daß es sehr befriedigend sei, daß die Kuffar Angst vor Muslimen hätten und diese somit als überlegen anerkennen würden.

    (Farhad Khosrokhavar: Quand Al-Qäida parle: Témoignages derrière les barreaux, Paris 2006)

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    • 3. Februar 2007 um 00:38 Uhr
    • Wachtmeister
  8. 8.

    @Jörg Lau

    Nachdem der Versuch , die Scharia in bestimmten Bereichen der Rechtsordnung in Kanada einzuführen, im Oktober 2005 zunächst
    durch erheblichen Widerstand in Quebec und Ontario gescheitert war, versuchen muslimische Verbände nun erneut über den Schiedsgericht- Akt von Ontario aus dem Jahr 1991 einen Fuß in die Tür zu bekommen. Eine größere Zahl von Abgeordneten des Regionalparlaments soll mit diesem Vorhaben angeblich sympathisieren. Es wird vor allem argumentiert, daß auch anderen religiösen Gemeinschaften durch den Schiedsgericht-Akt die Möglichkeit einer eigenständigen Gerichts-bzw. Schiedsgerichtsbarkeit ermöglicht wurde. (Diese Gerichte können in bürgerrechtlichen Streitfällen ihrer Mitglieder entscheiden) Aus Gründen der Gleichbehandlung müsse deshalb den Muslimen erlaubt werden, die Scharia einzuführen.Es wird eine erneute Abstimmung für das Jahr 2008 angestrebt.

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    • 3. Februar 2007 um 01:50 Uhr
    • Riccardo
  9. Kommentar zum Thema

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