Eine tolle Idee zur Belebung des Friedensprozesses – Grabungen am Tempelberg in Jerusalem

Von 7. Februar 2007 um 19:23 Uhr

Man könnte meinen, die Israelis seien unglücklich mit der Situation, dass die Palästinenser angefangen haben, sich untereinander zu bekriegen.
Jedenfalls scheint irgendjemand auf eine geniale Idee verfallen zu sein, wie man sie wieder dazu bringen kann, ihren Hass ordnungsgemäss auf Israel zu richten. Und so wurden denn vor wenigen Tagen unter einem riesigen Polizeiaufgebot Bau- und Grabungsarbeiten am Tempelberg in Angriff genommen.
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Der Plan geht auf, schon hat der jordanische König protestiert, Hamas und Fatah haben die Grabungsarbeiten als Provokation verurteilt, der Iranische Revolutionsführer Chamenei hat die Muslime aufgefordert, Jerusalem zu verteidigen, und Jussuf Al-Karadawi, der grosse Tele-Scheich von AL-Dschasira, hat gleich mal eben eine Fatwa herausgegeben. (Volltext hier.)
Zitat:

Therefore, Jerusalem has come to enjoy a special place in the heart of every Muslim in the entire Arab world. The occupation of Jerusalem moves his heart and pains him, out of love, keenness and jealousy over it as well as his concern about it. It is mainly on account of Jerusalem that the Palestinian cause comes first on Muslims’ list of priorities. It is Jerusalem that Muslims fear for and are keen to preserve, defend and fight for. It is for the sake of Jerusalem that they willingly give their lives and all they hold dear. Jerusalem is the symbol of the cause of Palestine. It is the backbone and the very core of the problem. True are the words of the poet who once said,

Palestine is meaningless with no Aqsa or Jerusalem.
Without Jerusalem, it is like a body with no head.

Jerusalem is not for the Palestinians only, but for all Muslims, be they Arabs or not. It is a city for all Arabs, be they Muslims or Christians. Therefore it is incumbent on Muslims, wherever they may be, to shoulder their responsibility of defending Jerusalem and Al-Aqsa Mosque. This is an obligation for them all. They are to jointly defend it, offering in the process their lives, their money and all they possess, or else they will be subject to Allah’s punishment, for Allah says: (O ye who believe what is the matter with you, that when ye are asked to go forth in the cause of Allah, ye cling heavily to the earth? Do ye prefer the life of this world to the Hereafter? But little is the comfort of this life, as compared with the Hereafter ) (At-Tawbah 9:38).

Das letzte Wort zu diesem Irrsinn hat Ari Sarid in der israelischen Tageszeitung Ha’aretz vom 6.2.2007:

Were I to believe that this lame government were capable of conspiring, I would say the Israeli excavations show that Israel doesn’t stand aloof when Palestinian blood is spilled like water. After all, the Palestinians will now put an end to their violent internecine clashes and turn their anger – and perhaps also their arms – toward Israel.

Na, toll! Das Rennen ist eröffnet. Wer wird sich als erster in die Luft sprengen?

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Hier wird der nächste Karikaturenstreit vorbereitet. Die Bauarbeiten finden, wie auch das Bild zeigt, weit weg vom Tempelberg statt. Islamisten sind unglücklich darüber, daß die Palästinenser nicht mehr genug gegen Israel kämpfen, und versuchen mit einer neuen Geschichte die üblichen Reflexe hervorzurufen.

    Qaradhawi will sich wieder als Führer des Islam hervortun. Am Freitag wird das Thema wieder in den Moscheen gebracht, und dann gibt es die üblichen Demonstrationen.

    Wenn hier etwas Kritikwürdig ist, dann die islamischen Haßaufrufe. Der wesentliche Inhalt des Islam scheint die Schaffung von irrationalen Sensibilitäten zur Mobilisierung von Menschenmassen durch Erfindung fadenscheiniger Vorwände zu sein. Ich erwarte jetzt, daß Islamvertreter sich äußern und die Aufstachelung zum Haß klar und unmißverständlich verurteilen. Wo sind die “moderaten Muslime”? Wie bitte schön soll man Menschen glaubhaft machen, daß der Islam kein Problem darstellt, wenn Muslime sich scheinbar geschlossen so aufführen?

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    • 7. Februar 2007 um 19:47 Uhr
    • Wachtmeister
  2. 2.

    Die Arbeiten finden übrigens auf dem Platz vor der Klagemauer statt. Wenn hier irgendetwas untergraben werden sollte, dann ein jüdisches Heiligtum. Die islamischen Vorwürfe sind so fadenscheinig, daß es fast wehtut.

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    • 7. Februar 2007 um 19:49 Uhr
    • Wachtmeister
  3. 3.

    @Wachtmeister

    Sehr geehrter Wachtmeister, ich muß mich jetzt aber über Sie wundern. Als ich Sie vor einigen Tagen darauf hingewiesen habe, daß eine von Vernunft und Leidenschaftslosigkeit getragene Debatte mit Muslimen unmöglich ist, haben Sie das unter Hinweis auf sich ändernde Einsichten in den islamischen Gemeinschaften zurückgewiesen. Warum also jetzt dieser Gefühlsausbruch? Es handelt sich doch nur um diese ewigen Wiederholungen, sozusagen eine Zeitfalle, wie in:”Und täglich grüßt das Murmeltier.”Das Negative ist, daß einem die Vorurteile unentwegt bestätigt werden. Deswegen sind Sie wütend.

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    • 7. Februar 2007 um 21:07 Uhr
    • Riccardo
  4. 4.

    Hier ist der vollständige Artikel aus Haaretz:

    <The Temple Mount / Sullying the silence
    By Yossi Sarid

    The Temple Mount is indeed in our hands, rough though they may be, but that doesn’t mean it’s appropriate to act as though others have no stake in that territory.

    Were I to believe that this lame government were capable of conspiring, I would say the Israeli excavations show that Israel doesn’t stand aloof when Palestinian blood is spilled like water. After all, the Palestinians will now put an end to their violent internecine clashes and turn their anger – and perhaps also their arms – toward Israel.

    An overabundance of quiet has recently prevailed in Jerusalem, and for born Revisionists, “silence is mire,” as the Beitar anthem has it. So why not sully the relative quiet; why not provoke a bit of a confrontation if a good opportunity comes along?

    Sometimes it seems that if there is a dangerous tunnel in the Temple Mount compound and it is possible to thrust our way toward it, then sooner or later that is what will happen, shaking up the most sensitive site in the world. Prime Minister Ehud Olmert will show Benjamin Netanyahu that the Likud leader is not the only one who can rock the foundations of volatile coexistence.

    It’s symbolic that in the first phase of the excavations, earth is being removed ahead of the construction of a bridge. Until this one bridge is build, a dozen other bridges will be burned and the last of the people crossing from one side to the other will disappear.

    The Israel Antiquities Authority comes up with many damaging and unnecessary plans. When I was the minister responsible for deciding on such plans, I opposed them, even though they all seemed reasonable at the outset. If the works are not crucial or urgently needed to save lives, then it’s best to steer clear of the compound of conflagration.

    Yesterday it became clear that the work was being done without a legal permit, and archeologist Meir Ben-Dov, who has been running digs in the Temple Mount area for 39 years, argues that these excavations are unnecessary.

    The Association for the Development and Renovation of Jerusalem – The Jewish Quarter is behind the dig, and since when do these professional provocateurs need permits? After all, working within the law, responsibly and sensitively, is in complete opposition to their lifestyles and most fundamental principles.>

    Schon etwas seltsam, dass die Archäologen diese Ausgrabungen für unnötig halten.

    Aber wie Joerg Lau richtig sagt:

    Das Rennen ist eröffnet …….

    Bye the way

    Die Ausgrabungen sind genauso fadenscheinig wie die islamischen Vorwürfe.

    Antworten

    • 7. Februar 2007 um 21:11 Uhr
    • Jean-Luc Levasydas
  5. 5.

    @ Riccardo: Es sind hier nicht nur die Muslime, an denen man verzweifeln kann. Israelische Archäologen bestreiten die Notwenigkeit der Grabungen. Und es waäre möglich gewesen, die Reparaturen an dem Gehweg, die man auf dem Foto sieht, mit den palästinensischen Autoritäten abzusprechen.
    Es ist eine vollkommen verrückte Idee, ausgerechnet jetzt am Tempelberg herumzubuddeln. 2000 ging hier die so genannte 2. Intifada los, nachdem Ariel Sharon Lust verspürt hatte, einen Spaziergang auf dem Berg zu unternehmen. Warum will man die andere Seite wieder so ins Spiel bringen? Ich verstehe es nicht.

    Antworten

    • 7. Februar 2007 um 21:52 Uhr
    • Joerg Lau
  6. 6.

    @Riccardo:
    Als Muslim wäre es mir peinlich, von einer Schar machthungriger Geistlicher als hirnlose Mobilsierungsmasse betrachtet zu werden. Muslime sollten sich nicht daran stören, daß Bauarbeiten ihre “Religion beleidigen”, sondern daß ihre eigenen religiösen Führer täglich ihre Vernunft beleidigen in dem sie meinen, pawlowsche Reflexe mit hirnlosen Vorwürfen auslösen zu können. Bislang ist es ja ruhig; vielleicht sind die Geistlichen diesmal wirklich zu weit gegangen.

    @Jean-Luc Levasydas:
    Man kann rational über den Sinn der Ausgrabungen diskutieren. Das sollten Fachleute tun. Ich würde diese Frage nicht auf eine Stufe mit dem Wahn stellen, der von anderer Seite propagiert wird.

    Antworten

    • 7. Februar 2007 um 21:59 Uhr
    • Wachtmeister
  7. 7.

    @Jörg Lau:
    1996 wurde ein Tunnel für Touristen entlang der Westmauer des Tempelbergs eröffnet. Er führt durch mehrere archäologische Schichten und ist wirklich ein Erlebnis für jeden, der sich für das Thema interessiert. Arafat verbreitete damals, daß der Tunnel der Untergrabung des Tempelberges diese und rief zu gewaltsamen Protesten auf, die es dann auch (mit vielen Toten) gab. Rationale Darstellungen und Absprachen interessierten Arafat nicht. Jeder kann sich den Tunnel anschauen und sich davon überzeugen, daß Arafat schlicht gelogen hat, um Streit zu provozieren.

    Als Ariel Scharon 2000 den Tempelberg betrat, wurde der Besuch vorher mit palästinensischen Stellen koordiniert, die ihre Zustimmung äußerten. Marwan al-Barghuthi (damals Führer der Fatah Tanzim) erklärte später, man habe den Besuch als Gelegenheit zur Mobilsierung wahrgenommen. In palästinensischen Medien wurde verbreitet, der Besuch sei Teil von Geheimplänen, den Felsendom abzureißen und den jüdischen Tempel wieder zu errichten. Das Ergebnis war die gewünschten Proteste.

    Es geht auch diesesmal nicht um tatsächliche Fehler Israels. Es wird bewußt ein Vorwand konstruiert, um die palästinensische Bevölkerung auf ein gemeinsames Ziel zu fokussieren. Wer meint, daß die Reparatur einer Fußgängerbrücke mit oder ohne Absprache diese Reaktionen irgendwie begründet, irrt sich m.E.

    Es ist Zeit deutlich zu machen, daß das Ende des Zumutbaren erreicht ist. Das Nachgeben in der Vergangenheit hat nicht zur Beschwichtigung, sondern nur zur Entdeckung immer neuer Sensibilitäten geführt. Jetzt bin ich auch mal sensibel und fordere von Muslimen, meine Vernunft nicht weiter zu beleidigen.

    Antworten

    • 7. Februar 2007 um 22:12 Uhr
    • Wachtmeister
  8. 8.

    offtopic:

    Wie man mit Islamisten umgehen kann, ohne einzuknicken, zeigt die BBC: Nachdem in der britischen “King Fahad Academy” Juden und Christen in Schulbüchern als “Schweine” etc. bezeichnet wurde, lud die BBC die Direktorin zum Interview ein:

    http://www.youtube.com/watch?v=FY-vXw7XKzg

    Ab 4:10 beginnt das Interview. Es ist eine Freude zu sehen, wie der Moderator die Ausreden der Schulleiterin zerlegt.

    Die Schule hat mittlerweile die Bücher zurückgezogen. Es geht also, wenn man will.

    Antworten

    • 7. Februar 2007 um 22:38 Uhr
    • Wachtmeister
  9. Kommentar zum Thema

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