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Der Autor der Kamel-Fatwa als Ausbilder islamischer Religionslehrer in Deutschland?

 

Die Universität Osnabrück plant einen neuen Masterstudiengang “Islamische Religionspädagogik”, um den künftigen Bedarf an islamischen Religionslehrern decken zu helfen. (Pressemitteilung hier.)

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Amir Zaidan

Osnabrück kooperiert dabei unter anderem mit der “Islamischen Religionspädagogischen Akademie Wien”. Das von der Akademie unterhaltene “Islamische Religionspädagogische Institut” wiederum wird von Amir Zaidan geleitet, dem Gründer und langjährigen Vorsitzenden der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen.
Herr Zaidan ist in dieser Eigenschaft zu Berühmtheit gelangt duch ein religiöses Gutachten, mit dem eine Klassenfahrt-Teilnahme muslimischer Mädchen als religiös bedenklich bescheinigt werden sollte. Es ist unter dem Namen “Kamel-Fatwa” bekannt geworden. Muslimische Frauen dürften sich nur um die Strecke von zu Hause entfernen, die ein Kamel in einem Tag zurücklegen könne (81 Kilometer).
Laut einem Artikel in der Wiener Stadtzeitung Falter steht Zaidan bis heute zu dieser Fatwa.
In einem Wikipedia-Artikel wird dies wiederum etwas mau bestritten (die Fatwa habe nur für einen bestimmten Fall gegolten…).
Wie dem auch sei: Man wüßte gerne, ob die Uni Osnabrück sich im Klaren ist, mit wem sie da kooperiert. Ob sie Amir Zaidan zu der umstrittenen Fatwa befragt hat. Und warum sie es für pädagogisch wünschenswert hält, dass die deutsche Religionslehrer-Ausbildung von einem, vorsichtig gesagt, ultraorthodoxen Muslim, mitbestimmt wird, der jahrelang vom Verfassungsschutz beobachtet wurde.
(Dank an Stephanie Sellier.)

31 Kommentare

  1.   Tuotrams

    Schöner Artikel Herr Lau!

    Von solche “Ungereimtheiten” erfährt man ja immer wieder. Die Zuständigen Stellen an Unis und in der Politik sind einfach völlig naiv.

    Dabei ist doch klar das gerade Extremisten versuchen sich hier Einfluss zu sichern. Nix ist schliesslich geiler als mit Staatsknete den Staat von innen zu bekämpfen, das wussten schon die 68er.

    BTW: Haben Sie sich schon den Unsinn hier durchgelesen ->
    http://www.zeit.de/online/2007/12/verwandtenehe

    Liest sich wie ne Satire über das deutsche Hochschulwesen.

    Dort erklärt uns die Autorin unter Verweis auf eine typisch Doppelnamige “Migrationsforscherinen” das Zwangsheiraten eigentlich gar keine sind.

    Besagte “Forscherin” plädiert sogar dafür, „arrangierte Ehen als der Liebesheirat gleichwertige Heiratsstrategie zu betrachten“.

    Da wundert einen doch nix mehr.

  2.   iceman

    So langsam setzt sich – jedenfalls bei mir – die Erkenntnis durch, dass der koranbasierte Islam ein Problem AN SICH ist, und keines, das nur in Kombination mit Bildungsferne oder kultureller Unterentwicklung zum Tragen kommt.
    Das Gedankengut eines orthodoxen Muslim kann man nicht anders als extremistisch (islamistisch) bezeichnen, wenn man seine eigene Intelligenz nicht ständig verleugnen will.
    Die deutschen Gesetze und speziell das Grundgesetz wurden aber nicht geschaffen für Millionen geistiger Verfassungsfeinde.
    Die deutsche Demokratie wird durch eigene Gesetze und eigenes Rechtsempfinden gefesselt und wehrlos gemacht gegenüber der zunehmenden islamistischen Zersetzung.

    Ein gutes Beispiel hierfür ist auch das Thema islamischer Religionsunterricht an deutschen Schulen, das wirklich sehr komplex ist:
    Nach dem deutschen “Staatskirchenrecht” kann der Staat mit den Religionsgemeinschaften Verträge abschliessen, die die Religion betreffen.
    Das gilt z.Bsp. auch für Vereinbarungen über Religionsunterricht an den Schulen.
    In einer solchen Vereinbarung werden dann üblicherweise auch die Inhalte des Unterrichts besprochen (also der Lehrplan).

    Das Problem bezüglich des Islam ist, das er keine übergreifenden Organisationsstrukturen (Pendants zu den Kirchen) hat.
    Deshalb ist es nicht so einfach, die Inhalte des Religionsunterricht mit einer halbwegs repräsentativen Vertretung (Islamverband) zu definieren. Kein deutscher Islamverband repräsentiert mehr als 10% der Gläubigen, und die Vorstellungen der unterschiedlichen Interessenvertreter divergieren teils deutlich.

    Nun ist es dem Staat leider nicht möglich, das oben angeführte Staatskirchenrecht einfach abzuschaffen, und die Lehrinhalte – zum Beispiel die Auslegung von Koranversen oder die Bedeutung der Hadithen – völlig alleine zu bestimmen, weil das dem Grundgesetz (Religionsfreiheit) widersprechen würde.

    Gleichzeitig gibt es in Deutschland aber auch ein RECHT auf Religionsunterricht.
    Diese schwer zu lösende Situation, verbunden mit der Tatsache, dass es keine staatlich ausgebildeten islamischen Lehrer gibt (auch für deren Ausbildung müssen einvernehmliche Regelungen gefunden werden!), hat in Berlin dazu geführt, dass der Religionsunterricht kapitulativ an die Islamverbände übergeben wurde.
    In anderen Bundesländern wurde versucht, das Problem zu umgehen, indem man keinen Religionsunterricht angeboten hat, sondern lediglich eine “religiöse Unterweisung”, oft kombiniert mit muttersprachlichem Unterricht.
    Von den Eltern wird diese Kurzfassung aber nicht akzeptiert, und deshalb werden muslimische Kinder sehr häufig ausserschulisch in Koranschulen unterrichtet – ohne die notwendige staatliche Aufsicht.

    Möglicherweise waren die Verantwortlichen der Uni Osnabrück auf politischen Druck hin aktiv, und haben einen Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik geschaffen, ohne auf diesem Gebiet die nötige Kompetenz bei der Auswahl der Fachkräfte zu haben.
    Gut möglich ist aber auch, dass ganz einfach kein besserer Kandidat vorhanden war.
    Ein guter Kandidat kann nur einer sein, der den Koran nicht orthodox interpretiert, sondern historistisch.
    Wenn das muslimische Glaubenssystem diesen Spielraum aber von vornherein nicht glaubwürdig zulässt, dann braucht man sich auch nicht über die grosse Leere bzgl. passender Kandidaten zu wundern.
    Der Geist der westlichen Demokratien ist mit dem Spirit of Islam nicht vereinbar.

  3.   Tuotrams

    @iceman

    IMHO muss man dahin kommen den Islam von der politischen Komponente zu trennen und alles Politische repressiv bekämpfen.

    Vor allem sollte der Staat aufhören im Islam irgendwas positives für unser Land zu sehen. Jegliche staatliche Förderung muss eingestellt werden weil es einfach Fakt ist das sich Leute mit islamischen Hintergrund schlechter integrieren als Leute ohne.

    Religionsuntericht sollte man vielleicht sogar ganz abschaffen und durch Verfassungskunde ersetzen wo man den Leuten schon in der Grundschule das Grundgesetz und die Grundrechte einhämmert, das würde den Migrantenkindern auch helfen sich aus ihren traditionellen archaischen Strukturen zu lösen.

    Sarkozy in Frankreich wird uns den Weg weisen.

  4.   Wachtmeister

    Einer Einrichtung, die solchen Schwachsinn verbreitet, sollte der Titel “Universität” aberkannt werden. Universitäten sind Orte der Wissenschaft und nicht Orte des Aberglaubens. Problematisch genug, daß Theologie als Wissenschaft anerkannt ist. Welche Erkenntnisse hat die Theologie hervorbracht?

    Der britische Biologe Richard Dawkins hat einen kurzen, aber m.E. treffenden Artikel darüber verfasst, warum Theologie keine Wissenschaft ist.
    http://hpd-online.de/node/1472
    Das gilt für katholische, protestantische, jüdische, buddhistische, islamische und jede andere Form von Theologie.

    Der Kamel-Unfug Zaidans gehört höchstens als Forschungsobjekt, aber nicht als Gegenstand von Lehre an eine Universität, die diesen Namen verdient.

    Wenn Osnabrück wirklich ernst macht: Warum nicht auch lehren, die Erde sei 6000 Jahre alt?

    Schande über jede “Universität”, die trotz besserem Wissens den Weg zurück ins Mittelalter wählt. Osnabrück war ja noch nie als Zentrum des Geistes bekannt, aber von intellektuellen Landkarten ist der Ort ab heute für mich getilgt.

  5.   Mastodon

    Wieso probieren wirs nicht einfach einmal? Wenn das ganze so lächerlich und verfassungsfeindlich ist, gegen jede Vernunft, dann müsste sich das Problem doch von selbst lösen, oder?

    Muslimische Schüler/innen, die dem Unterricht dieses Herrn beiwohnen werden vielleicht genug Verstand besitzen, um eine Kamelfatwa als das zu erkennen, was sie wirklich ist, nämlich blanker Unsinn.

    Wo ist ihr Vertrauen in eine freie liberale Gesellschaft mit autonomen Individuen die für sich selbst bestimmen können und wollen?


  6. @ Mastodon: Vertrauen in eine liberale Gesellschaft heisst doch nicht, dass der Islamunterricht – den ich befürworte – von Reaktionären geprägt wird, die ich auch in jeder anderen Religion nicht am Ruder sehen will!

  7.   Wachtmeister

    Ich rege mich gar nicht so sehr über Zaidan auf. Von solchen Leuten erwarte ich nichts anderes.

    Ich bin wütend darauf, daß eine Universität bereit ist, alle Standards aufzugeben, sobald es um das Thema Religion geht. Zwar sind Universitäten längst nicht mehr die säkularen Klöster der Vernunft, die sie vielleicht einmal waren, aber “Kamelfatwas” gehen wirklich zu weit. Konsequenterweise dürfte man auch auf Astrologie, Kreationismus und Ufologie nicht verzichten, wenn man diesen Müll einer Universität für würdig hält.

    @Mastodon:
    Ihrer Logik nach könnte man auch falsche Mathematik lehren. Ein paar Studenten hätten ja genug Verstand, um die Fehler zu erkennen. Ihren Liberalismusbegriff teile ich nicht. Liberalismus bedeutet nicht Dummheit, sondern freien Wettbewerb zwischen Ideen auf der Grundlage universeller Vernunft. Die Ideen Zaidans hat dieser Wettbewerb längst erledigt.

  8.   Tuotrams

    @Mastodon

    Handelt es sich bei ihrem Beitrag um Ironie ?

    Das sich die Probleme in den muslimischen Bevölkerungsteilen nicht von selbst auflösen müsste mittlerweile doch eigentlich jeder gemerkt haben.

    Sollen muslimische Mädchen jetzt auch noch in der Schule lernen sie seien nur halbsoviel wert?

    Was sie hier als “freie liberale Gesellschaft” bezeichnen ist in Wirklichkeit eine “Scheissegalgesellschaft” in der (nicht nur) Muslime jeden Tag ihre Kinder “vergewaltigen” Dinge zu tun/lernen die gegen eine liberale Gesellschaft gerichtet sind.

  9.   Intern

    Es gibt i.Ü. noch mehr einschlägige IRPA-Mitarbeiter (vgl.: http://www.sicherheit-heute.de/gesellschaft,251,Wiener_Imam_Ein_Liberaler_der_mit_doppelter_Zunge_spricht.htm), wie ohnehin über die IRPA und die IGGiÖ mal ernsthafter diskutiert werden sollte. Immerhin gibt es nicht wenige, die in dieser Organisation ein Vorbild für Deutschland sehen. So erntete ich auf politischen Veranstaltungen zu dem Thema nur erstaunte Blicke, als ich kritische Nachfragen an den Präsidenten der IGGiÖ (u.a. zu Amir Zaidan) richtete. Die Logik: Wenn Österreich diese Gruppen akzeptiert, dann können wir das doch auch. Den Vertretern der Österreichischen Botschaft freilich war das Ganze wohl ein wenig peinlich; sie hatten offensichtlich zum ersten Mal von Amir Zaidans Vorgeschichte gehört.

  10.   Mark

    Lieber Herr Lau, liebe Diskutanten,
    da offensichtlich noch niemand die tatsächliche Rolle von Amir Zaidan in Osnabrück hinterfragt hat, möchte ich an dieser Stelle etwas richtig stellen:
    Die Kooperation der Univ. Osnabrück mit der IRPA in Wien ist eher virtueller Art, in der Form, daß deren Leiter Al-Sayyed Al-Shahed in den vergangenen sechs Semestern der Weiterbildung von islamischen Religionslehrern/innen etwa dreimal einen Vortrag gehalten hat. Darüber hinaus bestehen kaum Kontakte zwischen der Univ. Osnabrück und der IRPA, gescheige denn der IRPI, und sind auch für die Zukunft nicht zu erwarten. Bedauerlicherweise wird aber von Seiten mancher an der Univ. Osnabrück auf die IRPA als erste Ausbildungstätte für muslimische Religionlehrer/innen im deutschsprachigen Raum verwiesen, in der falschen Hoffnung, aus dieser Bezugnahme an Credibility unter Muslimen gewinnen zu können.
    Jedoch betrachten fast alle im Feld der muslimischen Religionslehrerausbildung in Deutschland die beteiligten Personen in Österreich, an IRPA, IRPI und an Univ. Wien, mit großer Skepsis und z.T. Unbehagen.
    In Deutschland sind solche Personen in den Ausbildungsgängen für Islamlehrer bislang – und wohl auch demnächst – nicht zu finden.