Der Autor der Kamel-Fatwa als Ausbilder islamischer Religionslehrer in Deutschland?

Von 27. März 2007 um 18:23 Uhr

Die Universität Osnabrück plant einen neuen Masterstudiengang “Islamische Religionspädagogik”, um den künftigen Bedarf an islamischen Religionslehrern decken zu helfen. (Pressemitteilung hier.)

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Amir Zaidan

Osnabrück kooperiert dabei unter anderem mit der “Islamischen Religionspädagogischen Akademie Wien”. Das von der Akademie unterhaltene “Islamische Religionspädagogische Institut” wiederum wird von Amir Zaidan geleitet, dem Gründer und langjährigen Vorsitzenden der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen.
Herr Zaidan ist in dieser Eigenschaft zu Berühmtheit gelangt duch ein religiöses Gutachten, mit dem eine Klassenfahrt-Teilnahme muslimischer Mädchen als religiös bedenklich bescheinigt werden sollte. Es ist unter dem Namen “Kamel-Fatwa” bekannt geworden. Muslimische Frauen dürften sich nur um die Strecke von zu Hause entfernen, die ein Kamel in einem Tag zurücklegen könne (81 Kilometer).
Laut einem Artikel in der Wiener Stadtzeitung Falter steht Zaidan bis heute zu dieser Fatwa.
In einem Wikipedia-Artikel wird dies wiederum etwas mau bestritten (die Fatwa habe nur für einen bestimmten Fall gegolten…).
Wie dem auch sei: Man wüßte gerne, ob die Uni Osnabrück sich im Klaren ist, mit wem sie da kooperiert. Ob sie Amir Zaidan zu der umstrittenen Fatwa befragt hat. Und warum sie es für pädagogisch wünschenswert hält, dass die deutsche Religionslehrer-Ausbildung von einem, vorsichtig gesagt, ultraorthodoxen Muslim, mitbestimmt wird, der jahrelang vom Verfassungsschutz beobachtet wurde.
(Dank an Stephanie Sellier.)

Leser-Kommentare
  1. 9.

    Es gibt i.Ü. noch mehr einschlägige IRPA-Mitarbeiter (vgl.: http://www.sicherheit-heute.de/gesellschaft,251,Wiener_Imam_Ein_Liberaler_der_mit_doppelter_Zunge_spricht.htm), wie ohnehin über die IRPA und die IGGiÖ mal ernsthafter diskutiert werden sollte. Immerhin gibt es nicht wenige, die in dieser Organisation ein Vorbild für Deutschland sehen. So erntete ich auf politischen Veranstaltungen zu dem Thema nur erstaunte Blicke, als ich kritische Nachfragen an den Präsidenten der IGGiÖ (u.a. zu Amir Zaidan) richtete. Die Logik: Wenn Österreich diese Gruppen akzeptiert, dann können wir das doch auch. Den Vertretern der Österreichischen Botschaft freilich war das Ganze wohl ein wenig peinlich; sie hatten offensichtlich zum ersten Mal von Amir Zaidans Vorgeschichte gehört.

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    • 28. März 2007 um 14:44 Uhr
    • Intern
  2. 10.

    Lieber Herr Lau, liebe Diskutanten,
    da offensichtlich noch niemand die tatsächliche Rolle von Amir Zaidan in Osnabrück hinterfragt hat, möchte ich an dieser Stelle etwas richtig stellen:
    Die Kooperation der Univ. Osnabrück mit der IRPA in Wien ist eher virtueller Art, in der Form, daß deren Leiter Al-Sayyed Al-Shahed in den vergangenen sechs Semestern der Weiterbildung von islamischen Religionslehrern/innen etwa dreimal einen Vortrag gehalten hat. Darüber hinaus bestehen kaum Kontakte zwischen der Univ. Osnabrück und der IRPA, gescheige denn der IRPI, und sind auch für die Zukunft nicht zu erwarten. Bedauerlicherweise wird aber von Seiten mancher an der Univ. Osnabrück auf die IRPA als erste Ausbildungstätte für muslimische Religionlehrer/innen im deutschsprachigen Raum verwiesen, in der falschen Hoffnung, aus dieser Bezugnahme an Credibility unter Muslimen gewinnen zu können.
    Jedoch betrachten fast alle im Feld der muslimischen Religionslehrerausbildung in Deutschland die beteiligten Personen in Österreich, an IRPA, IRPI und an Univ. Wien, mit großer Skepsis und z.T. Unbehagen.
    In Deutschland sind solche Personen in den Ausbildungsgängen für Islamlehrer bislang – und wohl auch demnächst – nicht zu finden.

    Antworten

    • 28. März 2007 um 17:24 Uhr
    • Mark
  3. 11.

    Jeder Personalchef googelt….

    Hat die Personalabteilung der Uni Osnabrück keinen Internetanschluß???

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    • 28. März 2007 um 19:24 Uhr
    • Marty Hick
  4. 12.

    Zumindest hat die IRPA in Wien einen Internetanschluss (chello.at)…

    Mann, dieser Wikipedia Eintrag ist ja ein Witz! Wenn man in die Versionsgeschichte schaut, wurde der fast komplett geschrieben von einem User, der sich ausschliesslich für Zaidan und die IRH (Islamische Religionsgemeinschaft Hessen) interessiert und einem User mit einem chello.at-Anschluss…
    Haha!

    Und dann dieser Lebenslauf.

    Laut Wikipedia hat er von 1983 bis 2000 in Deutschland studiert (deutsche Sprache, Mathematik und Kunststofftechnik in Heidelberg, Karlsruhe und Darmstadt und von 1992 bis 2000 Islamologie (Islamische Wissenschaften auf Arabisch).

    Laut seines CV beim Islamologischen Institut jedoch
    http://islamologie.info/?Institut:Mitarbeiter&print

    Qualifikation:
    4-jähriges Studium der Schari’a und Usulud-din (auf arabisch) am „Institut Européen Sciences Humaines – Association d’enseignement de théeologie musulmane“ in Chateau Chinon in Frankreich mit Abschluß B. A.
    6 Seminare Aufbaustudium (auf arabisch) im „Internationalen Zentrum für islamische Wissenschaften“ in Deutschland unter Leitung von Prof. Dr. Hassan Hitou.
    2-jähriges Studium (auf arabisch) im Fachbereich „Tafsir und ‘Ulumul-quran“ an der JAMIA NIZAMIA/ Nizamia-Universität in Hyderabad/Indien mit Abschluß M. A.

    Und laut Udo Ulfkotte “Der Krieg in unsern Städten”, hat er da auch noch irgendwo einen oder mehrere (erfolglose) Asylanträge dazwischenquetschen können, von denen bei Wikipedia auch nichts erwähnt ist. Im übrigen hält Ulfkotte – und wohl nicht nur der – Zaidan für einen Muslimbruder. Aber das sagt man ja auch einem Großteil der IGGIÖ-Funktionäre nach…

    Auch noch interessant ist diese Amir-Zaidan-Zeitung “Muslimische Allgemeine”
    http://www.maz-online.net/
    (Chefredakteur, Geschäftsführer und Leitartikler: Amir Zaidan) in der man neben Beiträgen von Zaidans angeblich islamischer Zweitehefrau und Spendenaufrufen eines Hamasnahen Palästinenservereins auch noch Artikel von (Überraschung!) Amir Zaidan findet (“Germaniniserung gleich Vulgarisierung?”).

    Der Mann ist nach der Kamelfatwa-Affäre nicht so ganz ohne Groll aus Deutschland weggezogen… Und auf der Klaviatur der österreichischen Deutschland-Komplexe spielt er recht gekonnt.

    Huch, ich sehe gerade, der Amir Zaidan Wikipedia-Artikel wurde gerade zur Löschung vorgeschlagen…
    Also ich wars nicht!

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    • 28. März 2007 um 23:10 Uhr
    • Maria
  5. 13.

    >Mann, dieser Wikipedia Eintrag ist ja ein Witz! Wenn man in die Versionsgeschichte schaut, wurde der fast komplett geschrieben von einem User, der sich ausschliesslich für Zaidan und die IRH (Islamische Religionsgemeinschaft Hessen) interessiert und einem User mit einem chello.at-Anschluss…
    Haha!

    Ja, das ist mir auch aufgefallen, aber laut Wikipedia ist es ja ok Beiträge über sich selbst zu editieren/einzustellen

    Antworten

    • 29. März 2007 um 00:34 Uhr
    • Tuotrams
  6. 14.

    Ich versteh die Aufregung noch immer nicht. Ist der Typ ein Terrorist oder sowas?Oder, ist er so gefährlich, weil er Klassenfahrten für Mädchen für bedenklich hält?

    Und zynisch gesehen ja, in einer liberalen Gesellschaft ist einem vieles egal und wer zB. den katholischen Religionsunterricht kennt, der weiß das es der beste Weg ist die Kinder von der Religion abzubringen. Da sich die Religion damit den de facto Status eines Freifaches, “aneignet”. Wir haben zB in Religion immer Videos gekuckt oder Schiffe (auf dem Papier) versenkt.

    Und sieht man es weniger zynisch, im Sinne eines Vernunftdiskurse laut Habermas, dann ist gerade die verbale Auseinandersetzung in einem Konflikt die beste Lösung für alle Beteiligten. Die muslimischen Schüler bekommen einen Chance, sich im Unterricht, über ihre Religion zu äußern. Diese Chance bekommen sie in ihrem familiären Kreis, oder in der Moschee vielleicht nicht geboten.
    Die Schule bietet ihnen neutralen Boden, wo sie sich vielleicht auch trauen Kritik zu äußern. Die Jungs genauso wie die Mädchen, by the way, auch etwas was das soziale Umfeld der islamischen Jugendlichen ihnen vielleicht nicht bietet.

    Wie auch immer, sicher ist das der Diskurs über Herrschaft IMMER auch der erste Schritt hin zu Auflösung der selbigen ist.
    Und das wäre ja auch im Sinne einiger Poster hier =)
    Diskurse über Herrschaft stellen nämlich immer auch ihre Legitimation in Frage, das ist unausweichlich. So wird aus der Herrschaft, Macht. Macht die sich beweisen, rechtfertigen muß.
    Der nächste Schritt ist dann auch schon Partizipation.
    Das hat beim Christentum funktioniert, warum dann nicht auch beim Islam?

    Es ist sehr wahrscheinlich das Fragen entstehen werden, aber wie wahrscheinlich ist das die Lehrenden dann auch antworten und Interesse zeigen? Bzw. wie wahrscheinlich ist es, das sich der Lehrende auf die Schüler zubewegt, ihnen vielleicht sogar Recht gibt, in ihrer Kritik? Hmmm bei einem Fundamentalisten eher unwahrscheinlich.
    Deshalb will ich mit einem Brechtzitat (nur sinngemäß wiedergegeben) schließen: Das einzig, wirklich nützliche was man in der Schule lernt, ist das man sich daran gewöhnt von Arschlöcher regiert zu werden =)

    Antworten

    • 29. März 2007 um 13:22 Uhr
    • Mastodon
  7. 15.

    Angst hilft hier nicht weiter. Im Gegenteil! Wenn man die Muslime wirklich akzeptieren will, dann muss man auch mit Leuten wie Amir Zaidan reden. In der Alpenrepublik scheint man damit etwas entspannter umzugehen und auch Erfolg zu haben. Die Muslime sind als Religionsgemeinschaft seit fast 100 Jahren anerkannt und benutzen den Islamischen Religionsunterricht beileibe nicht, um eine ‘Parallelgesellschaft’ aufzubauen. Es wird ein Irrweg sein, zu glauben, dass man nur mit den wenigen modernen und liberalen Denkern des Islam auskommen kann, um einen modernen wie vom Bundesinnenminister Schäuble gewünschten Islam zu schaffen. Auch konservative Positionen wie die eines Amir Zaidan können und müssen im Spiele einer pluralistischen Gesellschaft berücksichtigt werden. Leider wird in Deutschland schnell und kurzäugig auf angebliche Gefahren reagiert. Die Hysterie angesichts der Vorgänge um das Frankfurter Scheidungsverfahren ist hier nur ein Beispiel.

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    • 29. März 2007 um 13:25 Uhr
    • zahiruddin
  8. 16.

    @Maria: Das mit dem Löschantrag war ich ;-) Geradezu exemplarisch ist die Antwort des Autors (“Linah” aus Wien) unter:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/28._M%C3%A4rz_2007#Amir_Zaidan
    Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Islamisten, aber das Staunen über ihre Chuzpe verliere ich wohl nie :( Der Artikel wird m.E. nicht gelöscht werden, nicht in dieser Wikipedia.

    @Jörg Lau: Wikipedia ist nicht zitierfähig. Wie wäre es denn mal mit einem ZEIT-Artikel über den Bereich Islam in der Wikipedia?

    Antworten

    • 29. März 2007 um 23:58 Uhr
    • 87.176.234.61
  9. Kommentar zum Thema

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