Ein Blog über Religion und Politik

Ajatollah Christina

Von 30. März 2007 um 16:33 Uhr

Christina von Braun, Gender-Forscherin,
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sagt auf “Muslimische Stimmen“:

“Zum Beispiel das Bild von der unterdrückten Frau im Islam. Solche Behauptungen werden einfach in den Raum geworfen, und keiner hinterfragt sie. Und wenn man nachfragt: Wen meinst du genau? Heißt es als Antwort: Die Frauen mit Kopftuch. Und dann soll das Kopftuch als ‘eindeutige’ Symbolik diese Behauptung belegen. Man muss einfach mal in Erinnerung rufen, dass auch in deutschen und amerikanischen, wie natürlich auch in muslimischen, Haushalten Gewalt am weiblichen Körper verübt wird. Die Projektionen auf ‚Die Frau im Islam’ sind Ablenkungsmanöver von den Problemen in den westlichen Ländern.”

Das hätte der iranische Revolutionsführer nicht besser sagen können, dass der Westen bloss von eigenen Problemen ablenken möchte, wenn er immer auf die Lage der islamischen Frauen verweist.
Ich finde allerdings, man sollte das konsequent zuende denken: Nur das Kopftuch – nein, der Vollschleier, kann die Frau davor beschützen, zum Sexualobjekt degradiert zu werden, wie es im Westen gang und gäbe ist. Der Westen (i.e. der verhasste westliche Mann) mit seinem Fortschrittglauben und seinen kolonialen Eroberungen will nun auch noch die muslimische Frau befreien (und so genannte Feministinnen helfen ihm dabei!): Denn die muslimische Frau mit Kopftuch ist der letzte noch nicht kolonialisierte Flecken dieser Erde!

Unterm Dirndl wird gejodelt, doch unterm Schleier wächst der Widerstand!

Dies hier ist meine Lieblingspassage, schöner kann man es sich nicht ausdenken:

Der fremde Kontinent, der erobert werden musste, war ein weiblicher Körper, der schwarze Kontinent und natürlich auch die Kolonien waren weibliche Körper, die man imaginär befruchten, penetrieren und erobern musste. Diese Fantasie hat im Westen eine lange Geschichte. Wenn im Westen der weibliche Körper so rasant schnell und radikal entblößt worden ist, steckt keine Befreiung der Frau dahinter, sondern vielmehr ein Wunsch, auch hier am weiblichen Körper einen bestimmten Fortschrittsgedanken festzumachen. In dem Zusammenhang muss man auch über die weiblichen Essstörungen reden, die zuerst in den westlichen Industrieländern aufgetaucht sind. Magersüchtige Frauen wollen nicht – wie so oft behauptet – einem Schönheitsideal entsprechen, sondern wenn man mit ihnen spricht, sagen sie, sie wollen ‚leicht’, ‚dünn’ oder ‚unsichtbar’ sein. Das heißt, sie wollen sich einem Druck auf den weiblichen Körper entziehen, diesen als nackte Wahrheit – als entblößtes Fleisch – im öffentlichen Raum auszustellen.”

Wenn die Frauen im Westen also entweder “radikal entblösst” werden, oder sich nur durch Magersucht dem Sex-Terror entziehen können, folgt zwingend:

“Am Problematischsten (…) ist, dass so ein bestimmter westlicher Feminismus sich hinstellt und sagt: Ihr braucht nur so zu werden wie wir, dann seid ihr glücklich.

Wir schließen:
Magersucht und Kolonialismus – dagegen hilft nur Totalverschleierung.
Freiheit ist Sklaverei, Anpassung ist Widerstand, Kopftuchtragen ist der wahre Feminismus! Das Kopftuch ist der Aufstand gegen die Eroberungslust des westlichen Mannes!
Scheich Karadawi, übernehmen Sie!

Leser-Kommentare
  1. 1.

    @Jörg Lau: Besser und deutlicher kann man es m.E. nicht auf den Punkt bringen. Die Synthese zwischen Islamismus und mutierten ehemals progressiven Ideen ist leider mittlerweile weit verbreitet.

    • 30. März 2007 um 16:53 Uhr
    • Wachtmeister
  2. 2.

    ad Jörg Lau | 4:33

    Nein,Herr Lau, es genügt in Deutschland längst, wenn auf allen Kanälen und in allen Buchhandlungen mobbelige Ichs erscheinen. Die Geistestalibane sind längst unter uns und tragen Kostüm und Anzug. Die allgemeine Körperhaltung- und Formung bei Talkshows, Buchmessensofasitzern und Diplomaten der Arabischen Liga nähert sich übrigens, wie mir auffiel, rapide schnell an. Da wächst und wächst, was zusammen auf den Diwan gehört.

    Fröhlich an Ostern
    wünscht

    Christoph Leusch

    PS: Ein wenig Ernst, nach all´dem Schmock. Im “Kulturkampf” um “blaxploitation” (Erinnerung im TV:
    “Shaft”), gab es um die Afro-Frisur ähnliche Urstände.
    Dazu: Robin D.G. Kelley, Nap Time: Historicizing the Afro, in: Fashion Theory, Vol.I,Issue 4,1997

    Man kann natürlich auch eine CD oder LP auflegen und
    Nina Simones “Four Woman” andächtig lauschen. Das
    endigt so manche Debatten.

    • 30. März 2007 um 18:00 Uhr
    • Christoph Leusch
  3. 3.

    Die meisten linksliberalen Laberköppe, die plötzlich die Vorzüge des Schleiertragens preisen – bei anderen -, überraschen mich ja nicht. Aber Christina von Braun! Das schmerzt. Ich hatte sie für eine deutlich standfestere Feministin gehalten.

    • 30. März 2007 um 18:16 Uhr
    • Abla
  4. 4.

    “Leiterin des Zentrums für Transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität”

    Wie würde die deutsche Hochschullandschaft wohl ohne die Heerscharen von Migrations und Geschlechtsforschern aussehen?

    Ich möchte hier noch einmal auf die Realsatire “Verwandt, verlobt, verheiratet!” hinweisen, dort gewährt uns eine Frau Ursula Boos-Nünning, Migrationsforscherin an der Universität Duisburg-Essen, Einblicke in ihre **** Denke.

    http://www.zeit.de/online/2007/12/verwandtenehe

    • 30. März 2007 um 19:53 Uhr
    • Tuotrams
  5. 5.

    @lebeding @Emil Moritz Grattke

    Du liebes bisschen. Jetzt seien Sie doch beide nicht so empfindlich.
    Was denken Sie denn, wie oft in diesem blog schon üble und beleidigende Sprüche auf Herrn Lau und auch mitblogger hereingeprasselt sind. Wollen Sie sich beide mit Ihren Argumenten diesen PAUSCHALIERERN anschliessen, und mit Verlaub, Ihre Argumente machen auf mich diesen Eindruck!?
    Herr Lau hat diesen Artikel aggressiv angelegt und man kann ihm eine gewisse Polemik unterstellen. Aber was hat Ihre Erwiderung:

    “Wie klug Ihr Christen doch seid. In Wahrheit aber seid Ihr nur selbstgefällig und herrenmenschlich im Umgang mit Andersdenkenden!”

    in so einem Kontext zu suchen. Das ist Bulldozer-Rhetorik! Damit können Sie beleibe keine fruchtbare Diskussion führen.
    Und diese wollen wir doch alle, sonst könnten wir ja spazieren gehen anstatt hier zu bloggen.

    P.S.: Ich empfehle Ihnen auch gerne ein gründliches Studium der vielen Artikel hier. Sie werden schnell erkennen, dass Herr Lau nicht der Mensch ist, der so eine Antwort verdient.

    • 30. März 2007 um 22:00 Uhr
    • tati
  6. 6.

    Jörg Lau hat hier nur einen von mittlerweile in großer Zahl vorliegenden apologetischen Texten linker Intellektueller vorgelegt. Ich glaube Said und Foucault haben Ende der 70er angefangen, von links Islamisten zu verteidigen. Wer vor Islamisten warne, wolle entweder Feindbilder zur Rechtfertigung eigener Aggression legitimieren oder eine im islamischen Gewand daherkommende Befreiungsbewegung unterdrücken. Was Islamisten wirklich denken und anstreben, hat diese Intellektuellen nie interessiert. Man hat sich instinktiv mit Islamisten solidarisiert, weil man sie für Verbündete im Kampf gegen den Westen hält.

    Traditionellen Linke solidarisierten sich noch mit aufklärerischen Bewegungen gegen das, was Marx “Obskurantismus” nannte. Große Teile des Islam der Gegenwart würden ebenso wie Teile anderer Religionen unter diesen Begriff fallen.

    Die heutige Linke hat die Aufklärung verraten, wenn sie Verschleierung und Leugnung weiblicher Individualität verteidigt. Die Linken, die so handeln, sind faktisch Kollaborateure der Islamisten. Es ist legitim, darauf hinzuweisen, auch wenn das manche Linke natürlich stört. Anstatt den Überbringer der schlechten Botschaft zu verurteilen, sollten diese Linken aber lieber ihre Positionen überdenken.

    • 30. März 2007 um 22:01 Uhr
    • Wachtmeister
  7. 7.

    Unsere Islamfreunde sind recht dünnhäutig, das ist nix Neues.

    Man macht sich offenbar keine Vorstellungen von dem was da noch kommt. Fragt mal beim Papst nach was der sich schon alles in D-Land anhören musste. Und der Mann steht einer Religion vor die Gewalt schon lange hinter sich gelassen hat.

    Die Gesellschaft interessiert sich halt zunehmend für die Religion die überall da wo sie auftritt Unterdrückung, Tod und Zerstörung hinterlässt.

    Was “Emil Moritz Grattke” als Kulturkrieg beweint ist nix anderes als die Aufklärung. Falsche Rücksichtnahme hat der Vergangenheit lediglich dazu beigetragen die Islamisten zu stärken.

    Herr Lau outet hier eine Feindin der Aufklärung die mit Steuergeld eines freiheitlich verfassten Staates bezahlt wird. Es ist gut diese Leute der kritischen Öffentlichkeit auszusetzen.

    • 30. März 2007 um 22:58 Uhr
    • Tuotrams
  8. 8.

    @ Wachtmeister, Gratzke, Alle: Falls es interessiert, ich habe eine Analyse dieses Komplexes Linke/Postmoderne und Islamisten hier bereits anhand von Foucaults Schwärmerei für die Iranische Revolution durchgeführt: Lau, Jörg: Der Meisterdenker und der Ajatollah – Michel Foucaults iranisches Abenteuer, Merkur, Nr. 671, März 2005
    http://www.online-merkur.de (Text nicht online, gibts in jeder guten Bibliothek)

  9. Kommentar zum Thema

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