Ein freier Kopf

Von 24. April 2007 um 09:59 Uhr

Neidvoll blicken wir heute auf die Kollegen der WELT, die einen sehr bewegenden und erhellenden Text von Emel Abidin-Algan, der Tochter des Gründers von Milli-Görüs Deutschland, dokumentieren. Frau Abidin Algan schildert ihre Erfahrungen mit dem Ablegen des Kopftuchs und mit der Entwicklung eines neuen, innerlich freien Gottesbezugs.

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Emel Abidin-Algan

Das Ablegen des zur Selbstverständlichkeit gewordenen Kopftuchs war nicht einfach, weil ich damit ein Selbstbild entwickelt hatte, das mit moralischen Werten verknüpft war. Es hat mich zwei Jahre des Forschens und Experimentierens gekostet, bevor ich mich davon trennen konnte, weil ich jemand bin, der keine halben Sachen macht. Mein Leben ohne das Kopftuch ist jetzt nicht etwa besser geworden, weil es schon immer gut war, es ist vielmehr ganz anders geworden, aufregender und vielseitiger. Die Freiheiten, die ich jetzt habe, denen bin ich auch jetzt erst gewachsen. Vor allem hat sich meine Wahrnehmung meinen Mitmenschen gegenüber verändert. Kein Kopftuch mehr zu tragen bedeutet in der Praxis für mich zunächst: nicht mehr aufzufallen und keinem Verhaltensdruck mehr ausgesetzt zu sein, mehr Bewegungsfreiheit im Kennenlernen der Welt von Männern zu haben und keinen möglichen Einschränkungen mehr auf dem Arbeitsmarkt ausgeliefert zu sein.

Sie beharrt aber darauf, dass dies ein freiwilliger Prozess ohne Druck sein muss. Ihre Tochter, sagt sie, fühle sich derzeit mit der Verhüllung wohl.

Zugleich bestreitet sie, dass die religiöse Begründung des Kopftuchs heute noch Bestand habe:

Eine wichtige Erfahrung war festzustellen, dass der Koran im historischen Kontext verstanden werden kann. Heute zum Beispiel, im Gegensatz zur damaligen Zeit des Propheten, braucht kein Mann mehr ein Unterscheidungsmerkmal wie eine Verhüllung, um Frauen nicht zu belästigen. Interessanterweise war gerade das einer der Gründe für die Bedeckungsverse im Koran. Das Problem mit der Verhüllung heute wäre auch einfach gelöst, wenn Männer über ihre Wahrnehmungen reden würden. Denn um die Männer geht es ja, wenn sich eine Frau verhüllt.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Leider werden solche Ereignisse zu schnell in folgende Gleichung gebracht:

    Muslimin + Kopftuch=negativ

    Muslimin ohne Kopftuch=positiv

    Der Spiegel versucht immerhin, hinter die Fassade des Kopftuchs bei angehenden Akademikerinnen zu schauen:
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,467450,00.html

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    • 24. April 2007 um 14:14 Uhr
    • zahiruddin
  2. 2.

    @ zahiruddin: Steht nicht in dem Text von Frau Abidin-Algan, lesen Sie doch bitte mal!

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  3. 3.

    Als Langzeitperspektive eines “aufgeklärten”, “modernen” und “liberalen” Islam ist es aber durchaus programmatisch.

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    • 24. April 2007 um 14:31 Uhr
    • zahiruddin
  4. 4.

    @ zahiruddin: Absolut, und da stehe ich auch zu, ohne anderen ihre Praxis verbieten zu wollen, wenn es denn eine freiwillige und apolitische (rein fromme) Praxis ist. Das sagt der Spiegel-Artikel doch: Deutschland bietet diesen jungen Frauen die Religionsfreiheit, die ihr Herkunftsland ihnen versagt. Und wenn wir das beide schätzen (bei unterschiedlicher Bewertung des Kopftuchs), dann würde ich mich freuen, auch einmal ein paar Sätze zur Religionsunfreiheit für Christen in der islamischen Welt zu hören.

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  5. 5.

    Leider gibt es für Muslime in der BRD keine Religionsfreiheit. Wozu also über die Situation der Christen in anderen Ländern diskutieren, wenn wir es in der BRD selbst auch nicht besser können. Als Stichworte, der Nichtgewährung der Religionsfreiheit für die Muslime seien hier eben der nicht endende Streit um das Kopftuch und hier eben die “Privilegierung” von Symbolen aus Christentum und Judentum beispielsweise im Schulbereich sowie die elendigen Diskussionen über Moscheeneubauten zu nennen.
    Ein Beispiel hierzu aus der bayerischen Landeshauptstadt:
    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/special/537/87450/

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    • 24. April 2007 um 14:46 Uhr
    • zahiruddin
  6. 6.

    @ zahiruddin: Angesichts tausender – jawohl! – Moscheen in Deutschland wollen Sie doch nicht im Ernst die Religionsfreiheit in Abrede stellen! Das Kopftuch ist nur in einigen Ländern im Staatsdienst verboten – nicht für Schüler, nicht für Studentinnen, nicht für Ärztinnen etc.
    Wenn Sie das ernst meinen, dürften Sie als Muslim gar nicht in Deutschland leben. Alle islamischen Verbände halten die Religionsfreiheit in Deutschland für gegeben, trotz Kritik am Kopftuchurteil. Sind das Abtrünnige?

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  7. 7.

    … angesichts tausender Hinterhofmoscheen …

    … angesichts des Kopftuchverbots bzw. Berufsverbots für muslimische Lehrerinnen in deutschen Schulen …

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    • 24. April 2007 um 15:00 Uhr
    • zahiruddin
  8. 8.

    ist von wirklicher Religionsfreiheit für die Muslime in der BRD noch nicht zu sprechen. Erst wenn beispielsweise bekopftuchte muslimische Lehrerinnen in den Klassenzimmern unterrichten dürfen, wenn Moscheeneubauten keine Kulturkämpfe mehr auslösen, wenn Halalfood ohne Probleme vorhanden ist, um nur drei Beispiele zu nennen, dann haben wir Muslime Religionsfreiheit.

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    • 24. April 2007 um 15:25 Uhr
    • zahiruddin
  9. Kommentar zum Thema

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