Hebron – oder das Heilige als Fluch
Während der Ministerreise letzte Woche gab es die Gelegenheit, die Stadt Hebron im Westjordanland zu besuchen, einen der Brennpunkte des israelisch-palästinensischen Konflikts. Hebron ist eine der ältesten dauerhaft bewohnte Städte der Menschheitsgeschichte und beherbergt Heiligtümer, die für alle abrahamitischen Religionen von hohem Wert sind. In der “Höhle der Patriarchen” werden die Gräber Abrahams, Saras, Isaaks, Jakobs, Rebekkas und Leas verehrt.
König David wurde hier gesalbt, Herodes baute eine Mauer um die Höhle der Patriarchen, die Muslime eroberten Hebron 638, der Kreuzfahrer Gottfried von Bouillon steckte 1099 seine christliche Fahne auf und benannte die Stadt um. Es folgten Saladin 1187 und kurz darauf Richard Löwenherz.
1929, die Stadt war unter britischem Mandat, ermordeten Araber 67 Juden in Hebron. Darauf wurden alle Juden aus Hebron evakuiert. Nach der Besetzung des Westjordanlandes im Gefolge des Sechtagekrieges von 1967 nutzten jüdische Siedler die Gelegenheit zur Rückkehr nach Hebron. Zunächst waren sie im Osten der Stadt in der Siedlung Kirjat-Arba untergebracht, 1979 stießen sie ins alte Zentrum vor, wo sie mehrere Gebäude besetzten.
1994 erschoss der radikale Siedler Baruch Goldstein 29 muslimische Beter in der “Höhle der Patriachen”. Seit 1997 ist Hebron in zwei Teile – H1 und H2 – geteilt. In H1 leben etwa 120000 Palästinenser unter Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde. In H2 leben etwa 30000 Palästinenser und 500 Siedler. Die Siedler mitten im Zentrum von Hebron werden von der gleichen Zahl israelischer Soldaten beschützt. Sie verfolgen gegenüber den Arabern ganz offenbar eine Politik der Demütigung und Vertreibung. Von den höher gelegenen Siedlungen aus werfen sie Unrat auf die Gassen des alten Sukhs von Hebron. Schulkinder werden auf dem Weg zur Schule beschimpft und mit Steinen beschmissen. Die Armee konfisziert Autos und Wohnraum und verhängt Ausgangssperren. 2001 wurde im Zuge der “Intifada” ein jüdisches baby von einem palästinensischen Sniper erschossen.
Viele arabische Bewohner haben H2 unterdessen verlassen. Der Markt, einst das belebte Zentrum der Stadt, ist ausgestorben. Einige junge Soldaten, die in Hebron Dienst getan haben, haben eine Organisation (“Breaking the silence”) gegründet, die die israelische Öffentlichkeit über die unterträglichen Lebensumstände der Palästinenser in Hebron (H2) informiert.
Ein paar Photos aus dem historischen Zentrum von H2:

Verödete Marktstrassen im alten Zentrum, gegenüber einer jüdischen Siedlung.

Israelischer Posten zur Bewachung einer Siedlung auf dem Dach arabischer Geschäfte.

Eine Strasse in der Altstadt wurde mit Drahtnetzen gegen Unrat geschützt, den die Siedler von ihren Wohnungen aus auf die arabischen Fussgänger werfen.

Dieser Ladenbesitzer klagt, der Stein im Zentrum des Bildes sei von Siedlern auf sein Geschäft hinunter geworfen worden. Die Tür (unteres Bild) zu seinem Warenlager im ersten Stock des Gebäudes wurde von der israelischen Armee zugeschweißt.


Unrat in den Drahtnetzen, mit denen die arabischen Altstadtbewohner sich vor den Siedlern schützen

Vom israelischen Militär bewachte Siedlung im Zentrum von Hebron

Arabische Jungs in “H2″ vor dem Panorama Hebrons – von Süden aus gesehen
Hier heißt es „Aufgepasst”! Nicht die Siedlung an der Machpelah (dort, wo Abraham bestattet wurde) mit der Siedlung inmitten der Stadt verwecheseln. Natürlich gibt es an der Machpelah eine jüdische Siedlung und die Siedler stellen dort die jüdische Präsenz am Grabe Abrahams (1. Moses 23,9). Die Zukunft dieser wichtigen Stätte in die Hände der Siedler zu legen, halte ich für etwas kurzsichtig.
Das Israelische Informationszentrum für Menschenrechte (B’Tselem) veröffentlichte schon im Januar Videomaterial, auf dem die Siedlerin Efrat Alkobi (aus der Siedlung in der Stadt) ganz unorthodox auf eine Palästinenserin einschimpft und dabei mehrer Phrasen verwendet, die jüdische Menschen zu überhaupt niemandem sagen sollten… dieser Vorfall wurde übrigens untersucht und auch die Medien haben darüber berichtet. Es ist also mitnichten so, als wäre die Herabsetzung der palästinensischen Bevölkerung dort eine Art „Regierungsziel”… das ist doch ein wenig vereinfacht…
Übrigens: für die „Performance” des Blogs wäre es besser, man verkleinerte die Bilder anstatt die großen Bilder im Blog in der Anzeige zu reduzieren… die Bilder sind alle um die 900 KB groß…
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@ Chajm: Danke, habe die Fotos reduziert, sollte jetzt besser laufen. Ich habe nicht behauptet, die Herabsetzung und Demütigung der Paläsinenser sei “Regierungsziel” (wohl aber ist es das Ziel der Siedler in Hebron). Unzweifelhaft aber ist die Herabsetzung der Palästinenser das Ergebnis der israelischen Regierungspolitik. Das Ziel ist die Sicherheit der Siedler, das Ergebnis ist ein miserables Leben für die übergroße Mehrheit der Bevölkerung, die das Pech hat, arabisch zu sein. Darüber gibt es auch in Israel ein Bewußtsein, aber es nimmt ab in dem Maß, in dem die Palästinenser zusehends hinter dem “Zaun” verschwinden und unsichtbar werden. Man hat die Siedler viel zu lange gewähren lassen, man hat ihre fanatische Entschlossenheit unterschätzt – und nun weiss man keinen Ausweg mehr.
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Ausgezeichnet. Jetzt läuft auch das Scrollen ein wenig flüssiger…
OK. Ich hatte den Text so interpretiert. Es ist tatsächlich so, dass die Siedler in, nennen wir es mal so, „Hebron City” von der Armee beschützt werden müssen und sich aber die meisten darüber einig sind, dass dies keine besonders glückliche Situation ist, wenn man den Aktionen der Hardliner ausgeliefert ist, so hat die Armee im Januar zumindest versucht eine Ansiedlung zu räumen. Die Siedler dort haben erheblichen Widerstand geleistet und viele ihrer Techniken offenbar „auf der anderen Seite” gelernt. Auf beiden Seiten verhindern Fanatiker also das Weiterkommen und auf beiden Seiten kann nur ein entschlossenes Vorgehen gegen den Fanatismus zu einem kleinen Erfolg führen.
Die genannte Organisation (und andere, wie Be’Tselem http://www.btselem.org/English/index.asp ) arbeiten aktiv daran, zu zeigen, dass die Siedler nicht nur sich selber gefährden…
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