Scheich Karadawi: Musliminnen müssen kein Kopftuch tragen – wenn sie sich in die Luft sprengen

Von 3. Juni 2007 um 16:17 Uhr

Ist das Kopftuch obligatorisch für Musliminnen?
Zu dieser auch hier immer wieder aufflammenden Debatte ein interessantes Zitat des wohl berühmtesten sunnitischen Gelehrten unserer Tage – Jussuf El-Karadawi. Im vergangenen November hat Karadawi sich mit der Anfrage beschäftigt, ob Palästinenserinnen, die eine “Märtyreroperation” (also ein Selbstmordattentat) verüben wollen, aus strategischen Gründen gegen die islamischen Bekleidungsregeln verstossen dürfen.

qaradawi.jpg

Der Scheich (rechts) mit seinem Bewunderer, dem Londoner Bürgermeister Ken Livingstone 

Frauen, die einen solchen Akt begehen wollen, haben das Recht, das Haus ohne männlichen Beistand (Mahram) zu verlassen. Sie müssen auch nicht ihren Ehemann oder Bruder oder Vater um Erlaubnis fragen. Und sie haben auch das Recht, wenn nötig zur Täuschung des Feindes ihr Haar zu zeigen, weil sie es ja nicht tun, um “ihre Schönheit zu zeigen”, sondern um für Gott zu töten.
Diese Logik muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Das Haar zu zeigen ist für Karadawi haram, wenn es um der Schönheit willen geschieht. Wird es aber heimtückisch mit Mordabsicht getan, tut er seinen halal-Stempel drauf:

As for the point that carrying out this operation may involve woman’s travel from place to another without a Mahram, we say that a woman can travel to perform Hajj in the company of other trustworthy women and without the presence of any Mahram as long as the road is safe and secured. Travel, nowadays, is no longer done through deserts or wilderness, instead, women can travel safely in trains or by air.

Concerning the point on Hijab, a woman can put on a hat or anything else to cover her hair. Even when necessary, she may take off her Hijab in order to carry out the operation, for she is going to die in the Cause of Allah and not to show off her beauty or uncover her hair. I don’t see any problem in her taking off Hijab in this case.

To conclude, I think the committed Muslim women in Palestine have the right to participate and have their own role in Jihad and to attain martyrdom.

Niemand soll sagen, islamischer Feminismus sei ein Widerspruch in sich. Im Zeichen des Terrors kommt er mit mächtigen Schritten voran, und Scheichs, die sonst gerne schlaflose Nächte über der Frage verbringen, wie sie die Frauen im Haus und unter dem Hijab halten, werden plötzlich sehr pragmatisch.

Leser-Kommentare
  1. 9.

    @iceman:
    Sehe ich genauso.

    Antworten

    • 3. Juni 2007 um 19:28 Uhr
    • Wachtmeister
  2. 10.

    @Wachtmeister

    Die CIA operiert in Pakistan sogar mit Predator Drohnen die bekanntlich “tödlich bewaffnet” sind.

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    • 3. Juni 2007 um 21:14 Uhr
    • Tuotrams
  3. 11.

    Posted: 5/30/2007

    Operation ‘Targeted Killings’ – U.S. shows signs of emulating controversial Israeli anti-terrorism policy

    http://www.publicintegrity.org/militaryaid/report.aspx?aid=862

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    • 3. Juni 2007 um 21:21 Uhr
    • Tuotrams
  4. 12.

    @Tuotrams:
    OK, ich bin überzeugt, es gibt doch noch Zeichen der Hoffnung.

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    • 3. Juni 2007 um 21:40 Uhr
    • Wachtmeister
  5. 13.

    Huhu Jörg Lau,

    wen Sie öfters solche Beiträge bringen, kriegen Sie Ärger mit Watchblog Islamophobie. Denn schließlich ist das Zitat entweder aus dem Zusammenhang gerissen worden, falsch übersetzt oder der Autor hat etwas ganz anderes gemeint.

    Im übrigen zum Vorgehen gegen Terroristen: anscheinend fallen der libanesischen Armee auch keine besseren Methoden ein als die, die Israel benutzt.

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    • 3. Juni 2007 um 22:49 Uhr
    • lebowski
  6. 14.

    @Wachmeister
    “Nach einer oder zwei Bomben unter seinem Autositz wäre er vielleicht etwas zurückhaltender.”
    Ich kann Ihnen versichern nach einer oder zwie Bomben unter seinem Aurositz ist er bestimmt zurückhaltender!!!

    Spaß bei Seite! M.E bringt die Tötung solcher Hohlköpfe gar nichts, da die Nachfolger wie Pilze aus dem Boden wachsen. Außerdem hat das Beispiel Hamas gezeigt, dass solche Tötungsaktionen nur die Motivation der Anhänger verstärkt.
    Viel effektiver bleibt weterhin die ideologische Bekämpfung! Ohne Anhänger werden solche Idioten einfach zur Witzfigur!

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    • 3. Juni 2007 um 23:14 Uhr
    • docaffi
  7. 15.

    @docaffi:
    Mir ging es in erster Linie darum zu sagen, daß entsprechende Ideologen zur Zeit einfach keinerlei Konsequenzen zu befürchten haben, wenn sie zu Anschlägen aufrufen. Es muß ja nicht direkt eine Bombe sein, aber gewisse Sanktionen erscheinen mir angemessen. Und wenn diese nichts helfen, dann muß man notfalls auch kämpfen. Qaradawi hat in meinen Augen definitiv die rote Linie überschritten.

    Ganz davon abgesehen ist es selbstverständlich besser, Auseinandersetzungen jeglicher gewaltlos zu führen. Terrorismus ist ja nur ein kleiner Teil islamistischen Handelns. Bei der Masse der Themen ist Gewalt als Reaktion mit Sicherheit nicht angebracht.

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    • 3. Juni 2007 um 23:42 Uhr
    • Wachtmeister
  8. 16.

    In Deutschland ist es jetzt ja auch legal fuer den Krieg gegen die Feinde des Islams Propaganda zu machen .So langsam steckt der Wahnsinn an.

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    • 4. Juni 2007 um 00:26 Uhr
    • Lill-Karin Bryant
  9. Kommentar zum Thema

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