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Pakistanischer Minister: Ehrung für Rushdie ist Grund genug für Selbstmordattentate

 

Da braut sich was zusammen: Nach den erneuten iranischen Todesdrohungen gegen Salman Rushdie meldet sich nun auch die pakistanische Regierung.

Der Religionsminister wird im Guardian mit folgenden, unfasslichen Worten zitiert:

„This is an occasion for the 1.5 billion Muslims to look at the seriousness of this decision,“ Mohammed Ijaz ul-Haq, religious affairs minister, told the Pakistani parliament in Islamabad. „The west is accusing Muslims of extremism and terrorism. If someone exploded a bomb on his body he would be right to do so unless the British government apologises and withdraws the ’sir‘ title.“

Es wird Zeit, dass entweder die Briten oder die Europäische Union offiziell etwas zu diesen unglaublichen Vorgängen sagt.

Die Briten haben allerdings im eigenen Land Leute, die kaum besser reagieren. Der Muslim Council of Britain etwa, der mit der Rushdie-Affäre erst richtig groß geworden ist, ließ durch seinen Vorsitzenden Muhammad Abdul Bari Folgendes verlauten:

„Salman Rushdie earned notoriety amongst Muslims for the highly insulting and blasphemous manner in which he portrayed early Islamic figures,“ Dr Bari said.
„The granting of a knighthood to him can only do harm to the image of our country in the eyes of hundreds of millions of Muslims across the world. Many will interpret the knighthood as a final contemptuous parting gift from Tony Blair to the Muslim world.“

Islamische Organisationen in Europa – die im fall des MCB dummer Weise jahrelang von der Regierung als Dialogpartner gepäppelt wurden – hetzen unisono mit Iran und Pakistan gegen einen europäischen Intellektuellen. Wenn wir uns das bieten lassen, machen wir uns zum Gespött der Welt.

Salman Rushdie hat sehr schön gesagt, worauf es in unserer Nach-9/11-Welt ankommt:

The fundamentalist believes that we believe in nothing. In his worldview, he has his absolute certainties, while we are sunk in sybaritic indulgences. To prove him wrong, we must first know that he is wrong. We must agree on what matters: kissing in public places, bacon sandwiches, disagreement, cutting-edge fashion, literature, generosity, water, a more equitable distribution of the world’s resources, movies, music, freedom of thought, beauty, love. These will be our weapons. Not by making war but by the unafraid way we choose to live shall we defeat them.

Besser kan man es nicht sagen. Küssen in der Öffentlichkeit, jawohl.
salman_rushdie.jpg
Rushdie und seine Frau Padma Lakshmi beim Verteidigen des Westens

0 Kommentare

  1.   Riccardo

    @Jörg Lau: Welche Maßnahmen schlagen sie vor?

  2.   Wachtmeister

    Ein weiteres Beispiel dafür, wie unscharf die Trennung zwischen „radikalen“ Islamisten und „moderaten“ Muslimen in der Realität häufig ist. Die pakistanische Regierung gilt als Beispiel für eine relativ säkulare, „moderate“ Regierung. Wie sinnvoll kann der Begriff „moderat“ jedoch sein, wenn er Aufrufe zu Selbstmordattentaten gegen säkulare muslimische Intellektuelle einschließt?

  3.   maynard

    „Islamische Organisationen in Europa – die im fall des MCB dummer Weise jahrelang von der Regierung als Dialogpartner gepäppelt wurden – hetzen unisono mit Iran und Pakistan gegen einen europäischen Intellektuellen. Wenn wir uns das bieten lassen, machen wir uns zum Gespött der Welt.“

    Ja, aber päppeln wir den nicht genauso Organisationen und religiöse Befindlichkeiten der Muslime?

    Oft ist halt ein Kopftuch doch nicht nur ein folkloristisches Bekleidungsstück oder die Moschee ein Ort der spirituellen Besinnung oder gar ein Beitrag zur besseren Integration und Verständigung.

  4.   Peter.

    Sehr schön beschrieben, von Salman Rushdie.
    Die Äußerung des pakistanischen Ministers sind allerdings höchst kritisch zu beurteilen. Man könnte dabei aber durchaus ein Motiv sehen, nämlich die weitere emotionale Aufpeitschung zu Selbstmordattentaten im Nachbarland Afghanistan. “ Moderat “ war die Regierung Pakistans meines Erachtens nie, sondern nur auf machtpolitisches Kalkül aus und es ist durchaus in ihrem Interesse, religiösen Aufruhr gegen die Briten zu fördern.
    Trotzdem ist es natürlich bedenklich, wenn nach dem Iran jetzt auch Pakistan sich solcher Wortwahl bedient. Es deuted darauf hin, daß unter anderem Pakistan sich der Mithilfe bei der Bekämpfung der Taliban entziehen möchte, im Gegenteil eher noch eine Haltung Richtung “ positiver “ Duldung einnimmt.

  5.   J.S.

    „die Regierung Pakistans“? Gibt es sowas denn? Muscharaf hat in weiten Teilen des Landes doch gar nichts zu sagen und der pakistanische Geheimdienst macht sowieso was er will.

  6.   docaffi

    @JS
    Und die haben schon die A-Bombe.
    Na Prima!!

  7.   tati

    Was für eine menschenverachtende Geisteshaltung diese Kerle in ihren Köpfen haben. Nicht die Queen und die Briten haben sich zu entschuldigen, sondern der pakistanische Minister muss nach so einer verbalen Entgleisung sofort schärfsten Konsequenzen entgegensehen. Dieser Mohammed Ijaz ul-Haq ist auch einer von dieser Sorte Mensch, bei denen der Mastdarm in die Speiseröhre mündet. Für sowas darf es KEIN pardon geben. UNERTRÄGLICH.
    Ich schlage den Briten vor:
    Ultimatum zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen an Pakistan.
    Einreiseverbot für pakistanische Staatsbürger.
    Abschiebung jeder Person pakistanischer Herkunft, die sich weigert, grundsätzliche Menschenrechte anzuerkennen.

  8.   Boccanegra

    @Jörg Lau: Wie Riccardo schon fragte, welche Maßnahmen schlagen Sie denn vor? Vor allem gegenüber dem MCB, über dessen Radikalität Sie wohl mehr wissen als ich – dessen hier zitierter Satz aber meiner Meinung nach durchaus unter die Kategorien „disagreement“ und „freedom of thought“ fällt?

    Sehr schön ist das Rushdie-Zitat! In diesem Zeichen werden wir siegen…

  9.   tati

    @Boccanegra

    Lesen Sie einfach noch das zum Thema Rushdie und MCB.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Iqbal_Sacranie

  10.   Boccanegra

    @tati:

    Thanks! Das sind schon ganz andere Töne…