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Der Dschihad für die schwule Liebe

 

Der indisch-amerikanische Filmemacher Parvez Sharma hat eine erstaunliche Dokumentation geschaffen – über Menschen, die das Pech haben, zugleich homosexuell und gläubige Muslime zu sein.

Sharma – selbst ein frommer schwuler Muslim – ist durch viele Länder gereist und hat homosexuelle Muslime interviewt. Viele von ihnen kämpfen mit der Verdammung ihrer Art zu lieben durch die religiösen Autoritäten.

Manche lesen die islamischen Quellen neu und suchen nach einer Interpretation, die mit ihrem Leben vereinbar ist. Manche haben sich für ein Exil im Westen entschieden. Aber auch dort bleibt der Stachel, dass ihre Weise nzu lieben von der offiziellen Religion ihrer Väter und Mütter verdammt wird. Oftmals führt das zu dem Wunsch, die eigene sexuelle Identität ablegen zu können, sich durch Kasteiungen und Enthaltsamkeit “gesundbeten” und normalisieren zu können.

Das ist beileibe kein rein islamisches Thema. (Man denke etwa an Tony Kushners großartiges Stück (und Filmepos) “Angels in America”, in dem solche Konflikte unter schwulen Juden und konservativen Christen im New York der Achtziger dramatisiert werden.) Aber endlich ist es zum Thema geworden.

Die sexuelle Revolution im Islam hat begonnen.

Sie wird nicht morgen oder übermorgen siegen. Auch bei uns hat sie fast siebzig Jahre gebraucht – von der Veröffentlichung der “Traumdeutung” (1899) bis zur Aufhebung des Chatterley-Banns (1960).

Hier ein Ausschnitt. Hier ein Bericht in der Herald Tribune.

0 Kommentare

  1.   Rafael

    Gerade im Islam sollte es für schwule Männer doch möglich sein, ihre Sexualität privat zu leben. Die weitgehende Trennung von öffentlich und privat, die prinzipielle Nichteinmischung in den privaten Bereich. Heikel wird es nur, wenn diese Linien überschritten werden. Die sexuelle Orientierung in den öffentlichen Bereich getragen wird und schwule Männer neben ihren Ehen noch homosexuelle Beziehungen haben.

    Für lesbische Frauen in islamischen Gesellschaften stelle ich mir die Situation erheblich schwieriger vor. Das gilt allerdings auch für heterosexuelle Frauen.

  2.   Lebeding

    @ 1.
    Kommentar von Rafael | 22.11.2007 | 1:27

    Kürzlich gab es mal wieder einen Film über die Problematik von lesbischen/homosexuellen Paaren in Israel. Sehr schwierig dort! Ein anderer Film neulich zeigte eine Ehefrau, die keine Kinder bekommt, und von ihrem strenggläubigen jüdischen Gatten verprügelt wurde, weil sie als unrein dem Orthodoxen gilt > grauenvoll! Also Homosexualität und leider auch Frauenbild, finde ich, sind keine guten Beispiele, um die Toleranz und Freiheit einer Religion zu untersuchen. Da gibt es überall noch viel zu tun. Ob die Filme, die die Probleme der Homosexualität oder Kinderlosigkeit bei Juden repräsentativ sind, weiß ich nicht. Sicher aber ist, dass auch nicht alles koscher ist, was rein ausschaut.

    Evangelikale haben Umerziehungslager für Schwule eingerichtet – das ist pervers!

  3.   Rafael

    @Lebeding

    Nicht nur Evangelikale, sondern auch die atheistischen kommunistischen Kubaner haben diese Umerziehungslager für Homosexuelle. Wie Jörg Lau schon schreibt: Das ist beileibe kein rein islamisches Thema. Meiner Ansicht nach nicht einmal ein rein religiöses Thema. Die Verfolgung und Bestrafung von Schwulen im Iran halte ich ehr für einen Nebenaspekt der generellen Unterdrückung von nicht konventioneller Sexualität.

    In Mexiko haben Schwule es auch nicht sonderlich leicht. Dort werden sie aber nicht von fanatischen Christen, sondern von nationalistischen Extremisten mit übersteigertem Machismo attackiert. Wenn sie ganz viel Pech haben, werden sie in einen heidnischen Indianerstamm hineingeboren. Da wird ein Coming out dann schnell lebensgefährlich.

  4.   Lebeding

    also ist Homosex. genauso seperat von Religion zu betrachten wie Terror. Erklärungen, gegen Homos. zu sein, mag es sicher genügende (eine dümmer als die andere) geben. Neulich hörte ich aus dem Munde eines CDUlers: Homos. könne ja gar nicht gut, normal und richtig sein, denn wenn alle so wären, würde die Menschheit aussterben ….

    Dieses berühmte Wenn-alle-so-denken/wären-Argument!

    Das ist auch super argumentiert:
    ==Die einzige Homo-Gruppe des Landes [Nepal], die Blue Diamond Society, hatte sich zuvor mit dem obersten Kommunistenführer Dev Gurung getroffen. … “Unter sowjetischer Führung – und auch als China noch kommunistisch war – gab es dort keine Homosexuellen”, so Gurung. “Im Kapitalismus blüht auch die Homosexualität auf, wie man in diesen Ländern sieht. Es ist ein also ein Nebenprodukt des Kapitalismus.== http://www.queer.de/news_detail.php?article_id=6227

  5.   augs

    An der Unaufgeregtheit gegenüber Homosex. in ihren tausendfachen Erscheinungsweisen zeigt sich endgültig, ob eine Gesellschaft tatsächlich modern ist. Ein interessantes Beispiel ist das einst urkatholische Spanien. Dort gibt es Homoehe, selbstgeoutete schwule Politiker und hohe Richter ebenso wie Drag Queens, Bären, Transen, Gay Proud Day und wie die schrillen Phänomene alle heißen. Die Bischöfe beklagen regelmäßig diese Dekadenz, aber keiner hört auf sie. Es fragt sich natürlich, ob das alles möglich ist allein weil die meisten Spanier in Wohlstand und Frieden leben. Ob eine im großen und ganzen arme und/oder unbefriedete Gesellschaft sich solche Permissivität “leisten” kann.


  6. Lebeding: “also ist Homosex. genauso seperat von Religion zu betrachten wie Terror. ”

    Wird Gleichgeschlechtlichkeit durch eine der Weltreligionen hervorgebracht? Lassen wir mal manche Tribalkulturen außen vor.

  7.   Lebeding

    @Wird Gleichgeschlechtlichkeit durch eine der Weltreligionen hervorgebracht? Kommentar von Chamaedorea | 22.11.2007 | 7:44

    Wohl nicht! Aber bzgl. Ablehnung entsteht doch so oft der Eindruck, als seien besonders islamische Länder und Muslime so aggressiv eingestellt gegen Homosex. Dabei findet man Aversionen überall, völlig unabhängig von soz. Stand oder Glauben, Haar- oder Hautfarbe.

    Ich fand hier aber eine interessante Analyse aus marxistischer Sicht:
    ==Die Lebenssituation Homosexueller ließ sich mit marxistischen Begriffen als entfremdet beschreiben. Homosexuelle konnten als eine Klasse und politisch bewusste Schwule und Lesben sogar als leninistische Avantgarde dieser Klasse betrachtet werden, die vorerst nur eine Klasse an sich, aber noch nicht für sich, war, da sie noch ein falsches Bewusstsein besaß.== http://www.etuxx.com/diskussionen/foo199.php3
    Dass also ausgerechnet eine Ideologie, bei der sich Schwule wohl fühlten und sogar verstanden glaubten, derart gegen sie in praxi agieren würde … wer hätte das gedacht?

    Es sind eben immer wieder Menschen, die Lebensformen definieren und zu verallgemeinern versuchen. Gilt im Negativen wie im Positiven.


  8. Ja, sehe ich auch so. Homosexualität wird von fast allen Religionen oder Gesellschaftsystemen als Risiko eingestuft, egal ob sie Karl, Papst oder Muhammed als Helden feiern. Je archaischer die Gesellschaft/Religion ist, desto aggressiver.

    In jedem Menschen schlummert ja der archaische Fundus, dass der Lebenspartner, Ehepartner oder Freund/in in Wahrheit homosexuell ist und einen Verlassen kann. Also eine Urangst. Auch bei Homosexuellen, vice versa.

    In Sozialstrukturen gegossen ergibt sich dann fast immer eine geuine Aversion gegen ungewohntes Sexualverlangen. In beide Richtungen.

    Je archaischer nun die Sozialstruktur, umso geringer die Duldung der Homosexualität und umso stärker die Sanktionierung. Je fortgeschrittener die Sozialstruktur, umso höher die Duldung und desto egringer Sanktionierung. Die Urangst wird aber bleiben.

    Das Einfrieren des familiären Status quo (Clan, etc.) ist im Islam deutlich ausgeprägter und damit auch die Sanktionierung höher. Dies führt wohl eher zu einer weniger sichtbaren Homosexualität und damit auch zu einer statistisch geringeren Auffälligkeit. Die Leute trauen sich halt nicht und damit gibt es auch weniger Fälle.

    Mal von den iranischen Exzessen öffentlicher Folter abgesehen (da sind ja sowieso alle moralischen Barrieren verfallen), die dann Schlagzeilen machen.

  9.   emcee

    Homosexualitaet ist voll daneben.

  10.   emcee

    Widerlich! Wie war das noch mal mit Sodom und G…?