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197 Kommentare

  1.   Molinocampo

    Auch wenn man hier zur Abwechslung lieber mal lachen würde,

    so möchte ich doch noch mal zu einem ernsteren Thema zurückkommen, auf das ich bisher nicht kommentiert hatte:

    der Beitrag „Ehrenmorde in Jordanien“ vom 8.1.08

    Dort heißt es:

    Whittaker weist darauf hin, dass Ehrenmorde eine prä-islamische Praxis seien. Allerdings setzt die gegenwärtige islamische Kultur in der arabischen Welt dieser Praxis zu wenig entgegen beziehungsweise ermuntert gar zu ihr, in der Konsequenz einer patriarchalen und patrilinearen Herrschaft.
    Whittaker zitiert einen kritischen palästinensischen Wissenschaftler, der die Ehrenmorde in den Kontext der Geschlechterverhältnisse in der arabischen Welt rückt:

    Then there’s the gender issue. According to Sharif Kanaana, professor of anthropology at Birzeit University in Palestine, “honour” killing is the product of a patriarchal and patrilineal society: “What the men of the family, clan, or tribe seek control of in a patrilineal society is reproductive power. Women for the tribe were considered a factory for making men. The honour killing is not a means to control sexual power or behaviour. What’s behind it is the issue of fertility, or reproductive power.”

    Wie ich schon wiederholt in früheren Kommentaren ausführlich schrieb, stimme ich der Aussage Whittakers voll und ganz zu, daß „Ehrenmorde“ eine prä-islamische Praxis sind.

    Doch Whittaker macht dann den Fehler, den natürlich gerne unsere Gender-Prinzessinnen und irre gegangenen Feministinnen nicht müde werden gebetsmühlenhaft zu wiederholen:

    daß „Ehrenmorde“ eine folge einer „patriarchalischen“, „patrilinearen“ Gesellschaft seien.

    Das ist einfacher Unsinn, den schon ein einfacher Kulturvergleich offenbart.

    Auch „unsere“ europäisch-christliche Gesellschaftsverfassung war (und ist!) eine patriarchalische, und sogar patrilineare.

    Dennoch ist die spezifische Idee wie die Praxis des Ehrenmordes unbekannt – egal, was irgend welche KulturrelativistIinnen zu behaupten versuchen.

    Der UNTERSCHIED liegt in der UNTERHALB der „patriarchalen“ Ordnung liegenden FAMILIENVERFASSUNG!

    Tatsächlich sind ALLE menschlichen Kulturen seit jeher PATRIARCHALE Ordnungen gewesen – MATRIARCHALE Ordnungen hat es auch historisch NIEMALS gegeben, sondern existieren nur in mythischer Form (Amazonen).

    Bliebt und häufig ist nämlich die VERWECHSLUNG von Patriarchalität mit PATRILINEARITÄT – MATRILINEARE Kulturen gab und gibt es nämlich durchaus, aber auch diese sind eben keine MATRIARCHALEN Systeme.

    Ich bitte diese Detail-Unterschiede selbst zu recherchieren, z.b. Wikipedia

    Doch wie gesagt, unterhalb der Ebene des Patriarchats, und auch der PATRILINEARITÄT gibt es noch einen weiteren WICHTIGE und für das Phänomen der EHRENMORDE entscheidenden Systemunterschied der Familienordnungen –

    nämlich ENDOGAME und EXOGAME Familienstrukturen.

    Im Westen, aber eben nicht nur hier, sogar in dem meisten Weltkulturen haben wir EXOGAME Familienstrukturen, d.h. Ehepartner werden AUßERHALB der eigenen Herkunftsfamilie gesucht, Verwandtenehen sind bestenfalls geduldet (Cousinenheiraten), sind aber eher verpönt.

    Dagegen herrscht im Raum der islamischen Kulturen SEIT JEHER in ENDOGAME Familienverfassung.

    Dort dominiert absolut die VERWANDTENEHE (vornehmlich Kreuz-Cousinenheiraten, d.h. der Mann heiratet seine Cousine der Bruderlinie seines VATERS).
    ALLEIN aus diesem Familienmodell erklären sich völlig logisch, ja fast zwanghaft, ALLE PHÄNOMENE die uns am Islam so befremdlich erscheinen.
    Die strikte INNENORIENTIERUNG der endogamen Familie führt zu einer scharfen Abschottung gegenüber einer als tendenziell „feindlich“ wahrgenommenen sozialen Umgebung. Dies gilt eben nicht nur für die Gesellschaften, in die Muslime in Europa und dem Westen eingewandert sind, sondern schon für ihre Herkunftsländer:

    – Dies führt zur „Verschleierung“ der Frauen in der Öffentlichkeit – denn wenn Frauen gezielte Verwandtenehen mit ihren Cousins eingehen sollen, müssen soziale Kontakte nach „außen“ möglichst unterbunden werden, um zu verhindern, daß anderweitige Bindungen bzw. Bindungswünsche („Verlieben“) entstehen. Dazu gehört auch die spezifische Vorstellung von Scham und Schande auf diesem Gebiet: sie sollen eben die Aufrechterhaltung dieser Ordnung garantieren, indem sie die notwendige Grenzziehung „nach außen“ in den Individuen „internalisieren“

    – Dies führt zu bestimmten Bauformen, bzw. Hausordnungen, mit einem „Harem“, also einem für „Fremde“ (d.h. Nichtverwandte – vor allem fremde Männer) unzugänglichen Teil der Wohnung

    – dies führt zu brutalen Sanktionierungen bei Übertretung dieser sozialen Grenzen („Ehrenmorde“), weil eben die regelmäßige Übertretung dieser sozialen Grenze eben diese Ordnung langfristig kollabieren lassen würde.

    Es reicht also nicht, in den Worten Whittakers, über Kontrolle der „fertility power“ zu sprechen, sondern in welche soziale „Richtung“ (Bindungsaufbau innerhalb von Verwandtenbeziehungen, oder Stiftung von sozialen Beziehungen außerhalb blutsverwandter Kreise) diese „Kontrolle über fertility power“ zielt….

    Dies nur als Nachtrag, weil ich die idiotische und irreführende Gleichsetzung von westlichem und vorderorientalischem „Patriarchat“ einfach nicht mehr ertrage…..

    da gehts mir wie Ihnen, Herr Lau, bei der „Pädofrage“….

  2.   Molinocampo

    In unteren Threads wurde z.T. über „Antisemitismus“ und angeblichen „Rassismus“ der Islamkritik debattiert.

    Hier nun eine Meldung, die ich heute morgen im Berliner Inforadio hörte, und von der ich ausging, daß sie von den Mainstreammedien geflissentlich ignoriert werden würde – denn bei den Tatverdächtigen handelt es sich offenbar nicht um „Nazis“, sondern PUNKS – also vermutlich linksfaschistischer Antifa-Pöbel – die mitten im touristischsten Berlin (Oranienburgerstraße) zugeschlagen haben. Jaja, die „No-Go-Areas“….

    Schüler der jüdischen Oberschule angegriffen

    Vier Männer haben gestern in Berlin-Mitte Schüler der Jüdischen Oberschule angegriffen und antisemitisch beschimpft.
    Nach Angaben der Polizei hetzten die Männer – bei denen es sich um Punks handeln soll – einen Hund auf die fünf Jugendlichen.
    Von Zeugen alarmierte Polizisten nahmen die mutmaßlichen Angreifer am Tatort fest. Zwei Hauptverdächtige sollen heute dem Haftrichter vorgeführt werden.

    Überraschend hat jetzt aber sogar der Spiegel diese Meldung gebracht, nicht ohne allerdings die Beschreibung der Täter als PUNKS gleich noch mal weiter zu relativieren –
    wenns halt nicht ins ideologische Schublädchen passt:

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,529193,00.html

  3.   sal0cin

    @ 2 | Molinocampo

    Ganz blöde Geschichte. Und ich bin meilenweit davon entfernt, übertriebenem Täterschutz das Wort zu reden.

    Aber – der grundsätzliche Unterschied zur häufigen Gewalt moslemischer Jugendlicher besteht doch hier im Fehlen des ideologischen Überbaus, bzw. der kulturellen Prägung.

    Wahrscheinlich war der Autoscheibenputzumsatz mies, das Bier alle und dann liefen ein paar Leute mit Kippa durch’s Bild.

    Nicht schön, aber gottseidank kein Trend. Behämmerte gebiert unsere Gesellschaft zur Genüge und ganz allein – auch darum verzichtete man gern auf importierte.

  4.   docaffi

    @Molinocampo
    „Im Westen, aber eben nicht nur hier, sogar in dem meisten Weltkulturen haben wir EXOGAME Familienstrukturen, d.h. Ehepartner werden AUßERHALB der eigenen Herkunftsfamilie gesucht, Verwandtenehen sind bestenfalls geduldet (Cousinenheiraten), sind aber eher verpönt.

    Dagegen herrscht im Raum der islamischen Kulturen SEIT JEHER in ENDOGAME Familienverfassung.“

    Wieder eine selbst erfundene Theorie von Ihnen, die natürlich Quatsch ist. Verwandtenehe und Konsanguinität ist z.B. unter vielen jüdischen Stämmen z.B. Aschkenasim (Juden ost-, mittel- und westeuropäischer Herkunft) und Sephardim (Juden spanischer oder portugiesischer Herkunft) weitverbreitet. Das erklärt z.B., warum viele Erbkrankheiten (z.B. Albinismus und Phenylketonurie) in diesen Stämmen gehäuft vorkommen.

  5.   Jörg Lau

    @ sal0cin: Fehlen des Überbaus, der kulturellen Prägung? Das kommt mir ein bißchen merkwürdig vor. Rechten und linken Antisemitismus haben wir in Deutschland doch wohl reichlich.

  6.   sal0cin

    @ 5 | Jörg Lau

    Verzeihen Sie bitte. Es ist mir offenbar nicht gelungen, herauszustellen, dass dies gerade bei dieser Tat wohl eher _nicht_ anzunehmen ist.
    Nach meiner Kenntnis der Szene, ist man eher wenig ideologisch aufgeladen, sondern kümmert sich um ‚handfestere‘ Probleme …

    Das macht’s für die Schüler natürlich nicht angenehmer und selbstverständlich ist es immer wieder zum Erbrechen, wenn es in der ehemaligen Reichshauptstadt zu antisemitischen Angriffen kommt.

  7.   Molinocampo

    @docaffi, dem Schlauberger…..

    und wo kommen die Juden (und ihre historische „Familienverfassung“) ursprünglich her?!?

    Aus dem vorderorientalischen Raum…..

    Im Übrigen habe ich mir diese „Theorien“ nicht aus den Fingern gesaugt, sondern beziehe mich dabei auf ganz einfach zu erhaltende ethnologische, historische und soziologische Literatur – wie gesagt, immer erst lesen, dann schreien….

    Kleiner Literaturtipp für Einsteiger (wenns fürs googeln und Wikipedia nicht reicht):

    A. Burguière, C. Klapisch-Zuber, M. Segalen, F. Zonabend (Hrsg.): Geschichte der Familie. 4 Bände, Campus, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-593-35557-4. (Original: Histoire de la famille. Armand Colin, Paris 1986)

    Ah, übrigens apropo Patriarchalität: Klapisch-Zuber und Zonabend sind international renommierte Gender-Forscherinnen (und nach eigenem Selbstverständnis wohl Feministinnen, auch wenn dieser französisch geprägte Feminismus mit dem deutschen völkisch-faschistischen Hausfrauenfeminismus nichts zu tun hat….)

  8.   Apoll

    Wo Molinocampo Recht hat hat er nun einmal recht!

    Man sollte hier nicht immer auf die Fehler anderer in der vERGANGENHEIT verweisen, wenn diese anderen ja inzwischen daraus gelernt und die Fehler weitgehend abgestellt haben.
    Endogamie und die daraus resultierenden Folgen gibt es HEUTE im westlichen Kulturkreis nicht mehr. Da hat man seine Schulaufgaben inzwischen gemacht.
    Aber der Islam toleriert oder fördert oft sogar die Endogamie.
    Er versagt wieder mal da, wo andere längst gehandelt und wie gesagt ihre Schulaufgaben gemacht haben.

  9.   Molinocampo

    @apoll

    Ihre Leidenschaft in Ehren, aber Sie haben da doch auch etwas klitzekleines mißverstanden –

    was ich (unter Bezug auf die erwähnten Quellen) deutlich zu machen suchte, war,

    daß die ENDOGAME Familienverfassung noch NIEMALS Grundlage europäischer Gesellschaften (schon nicht in vorchristlicher Zeit) gewesen war….

    Übrigens halte ich persönlich die VERTEIDIGUNG der endogamen Familienverfassung im vorderorientalischen Raum für eine wichtige, vielleicht sogar die wichtigste Ursache für die ENTSTEHUNG DES ISLAM

    – denn die christliche Botschaft, die sich an INDIVDUELLE Gläubige richtet und nicht an Kollektive, an individuelle Glaubens- und Gewissensbildung, Gotterfahrung, und die deshalb das archaische Stammesgesetz (ursprünglich erstmal der Juden, dann auch aller anderen zum Christentum bekehrten) in FRAGE STELLTE, bzw. RELATIVIERTE (also nicht mehr: du bist nichts, dein Stamm ist alles! – sondern: die persönliche BEKEHRUNG des Gläubigen bringt ihn in eine Sonderbeziehung – über Christus – zu Gott),
    wurde von den sich später zum Islam bekehrenden archaischen Stammesgesellschaften des vorderen Orients als Bedrohung ihrer Ordnung richtig erkannt – und deshalb abgewiesen.

    Wie ich an anderer Stelle schon schrieb: Islam ist eigentlich Anti-Christentum, eine Kritik am Christentum aus dem Geist der archaischen Stammesgesellschaft.

    Und jetzt die Preisfrage: warum aber akzeptierten germanische, keltische, slawische und andere europäische und außereuropäische Stammesgesellschaften diese RELATIVIERUNG der archaischen Ordnung (die sich dann in Folge der Christianisierung zu den uns bekannten europäischen NATIONSgesellschaften entwickelten), aber die vorderorientalische Gesellschaft eben nicht?

    Eben weil, so meine These, die exogame Gesellschaftsordnung seit jeher FLEXIBLER, in der SOZIABILITÄT offener, und damit der durch das Christentum ausgelösten Individualisierung aufnahmefähiger und aufnahmewilliger gegenüberstand als der Orient…..

  10.   docaffi

    @Molinocampo

    daß die ENDOGAME Familienverfassung noch NIEMALS Grundlage europäischer Gesellschaften (schon nicht in vorchristlicher Zeit) gewesen war….

    Wieder Quatsch. Diese Diskussion haben wir doch schon mal geführt, Sie lassen auch nicht locker.Schauen Sie sich doch die Stammbäume der europäischen Adelshäuser an, dann werden Sie sehen, dass dort Verwandtenehe sehr gewünscht war. Sie haben doch so z.B. die Bluterkrankheit immer weiter vererbt.