Ein Blog über Religion und Politik

Zukunftsneid. Warum glaubt niemand mehr an den Fortschritt?

Von 23. September 2008 um 00:16 Uhr

 Mein Beitrag aus dem aktuellen Heft des Merkur:

Wenn ich die Selbstauskunft der britischen Zeitschrift The Economist lese, packt mich jedes Mal der Neid: »Diese Zeitung«, steht da, wird seit dem Jahr 1843 veröffentlicht, »um teilzunehmen an dem harten Wettstreit zwischen der Intelligenz, die vorwärts drängt, und einer unwerten, ängstlichen Ignoranz, die unseren Fortschritt verhindert«. Das altliberale Bekenntnis des Economist mit seiner in 165 Jahren ungebrochen kämpferischen Fortschrittsidee, die sich in großer Selbstverständlichkeit gegen »ängstliche Ignoranz« stellt, macht mich eifersüchtig.

Warum es solche progressiv-liberale Selbstgewissheit hierzulande – jedenfalls als bedeutsame politische Strömung – nie gegeben hat und vielleicht auch niemals geben kann, muss an dieser Stelle nicht erklärt werden. Nur so viel: Im selben Jahr 1843, in dem der schottische Hutmacher und spätere Parlamentsabgeordnete James Wilson den Economist gründete, um Freihandel und gesellschaftlichen Liberalismus zu propagieren, reiste Heinrich Heine durchs winterliche Deutschland, dessen Rückständigkeit er im darauffolgenden Jahr sein sarkastisches Denkmal setzte. Der erste Economist und Deutschland. Ein Wintermärchen sind Gründungsdokumente zweier Gestalten des Liberalismus: offener Kampf für den Fortschritt dort, elegisch-bittere Klage über seine Verhinderung hier.

Wer in den ängstlichen und am Ende zunehmend verbitterten siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts aufgewachsen ist, für den wird das Wort »Fortschritt« wohl für immer einen verbotenen und leicht frivolen Klang behalten. Merkwürdig ist das allerdings: Denn man legte damals ja eigentlich großen Wert darauf, als »progressiv« zu gelten. Doch zu den »Progressiven« zu gehören bedeutete, auf den Fortschritt in Wissenschaft und Technik herabzuschauen und sich über den »Fortschrittsglauben« der Zeit zu mokieren.

Das war nicht immer so gewesen. In den ersten Nachkriegsjahrzehnten glaubte man eine Weile lang an die Unteilbarkeit der Moderne als ästhetisches, gesellschaftliches und technisch-industrielles Projekt. Irgendwo in der Mitte der siebziger Jahre war dieser Glaube abhanden gekommen. Das war mehr als eine Zeitgeistwendung. Denn auf eine unheimliche Weise haben wir diese siebziger Jahre nie mehr verlassen. Die verschiedenen Stränge der Moderne konnten, einmal aufgedröselt, nicht wieder zusammengeführt werden. Und was als Fortschrittsskepsis einer kleinen Avantgarde begann, ist zum gesellschaftlichen Mainstream geworden. Es geht dabei nicht nur um deutsche Mentalitätsgeschichte, auch wenn sich in dem Land, das mit der Geschichtsphilosophie auch den Kulturpessimismus hervorgebracht hat, die Dinge zweifellos besonders verdichten.

Denn in den siebziger Jahren fand überall in der westlichen Welt parallel eine folgenreiche Entwicklung statt – die Entkopplung des Wohlstands vom Wohlbefinden. Der amerikanische Publizist Gregg Easterbrook nennt dies »das Fortschrittsparadox«: Die Menschen fühlen sich schlechter, obwohl sie ein besseres Leben führen.(1) Mit dem Wohlstand nimmt der Pessimismus zu.

Wir haben von allem immer mehr in unserem Leben, mit einer Ausnahme: Glück. In den westlichen Industrieländern hat sich der materielle Lebensstandard in den letzten fünf Jahrzehnten, gemessen an den inflationsbereinigten Einkommen, verdoppelt bis verdreifacht. Und nicht nur die gesteigerte Kaufkraft spricht für eine allgemeine Verbesserung der Lebensbedingungen. Auch der Gesundheitszustand, die Lebenserwartung, die Bildungschancen, die soziale und physische Mobilität sowie die Sicherheit des durchschnittlichen Menschen der westlichen Welt sind auf einem historischen Höchststand. Zwischen den Geschlechtern geht es gerechter zu als je zuvor. Die überwältigende Mehrheit in den westlichen Ländern kann bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben führen. Und so weiter, und so fort. Doch warum übersetzt sich all dies nicht in das Gefühl des Fortschritts? Im Gegenteil: Das Goldene Zeitalter, von dem frühere Generationen träumten, ist hier und jetzt. Doch in den letzten fünf Jahrzehnten hat der Anteil der Bevölkerung, der sich als glücklich beschreibt, nicht weiter zugenommen. Im Gegenzug werden immer mehr Depressionserkrankungen und stressinduzierte Krankheiten verzeichnet.

Easterbrook führt eine Reihe brauchbarer Theorien an, um das Fortschrittsparadox aufzulösen. Da wäre zunächst die »Revolution der befriedigten Erwartungen«: Die meisten Menschen beurteilen ihre Lage nicht nach dem Stand der Dinge, sondern auf der Grundlage ihrer Hoffnungen oder Ängste. Das mag erklären, warum bei vielen Meinungsumfragen heute die Mehrheit der Aussage zustimmt, die Eltern hätten es »zu ihrer Zeit besser gehabt« und die eigenen Kinder würden wohl in einer noch schlechteren Gesellschaft aufwachsen müssen. Die Nachkriegsgesellschaften des Westens waren guten Mutes, dass die Kinder es einmal besser haben würden. Und sie hatten recht: Die Kinder haben es tatsächlich besser. Nicht zuletzt dies freilich macht sie verzagt. Sie haben im Vergleich zu ihren Eltern (nicht zuletzt durch deren Vorarbeit) so vieles erreicht, dass es ihnen schwerfällt, zu erwarten, die Zukunft könnte abermals mehr bringen.

Dies führt zur zweiten Erklärung des Fortschrittsparadoxes: »Zusammenbruchsangst«. Die Kinder der Aufsteiger, die es unbedingt einmal besser haben sollten, haben gelernt, sich vor dem Mehr zu fürchten, das ihren Eltern ungebrochen erstrebenswert schien. Der Verdacht, dass sich ihr hoher Lebensstandard und die große persönliche Freiheit auf Dauer nicht aufrechterhalten lassen, sitzt tief in den Köpfen und Herzen der Bewohner des Westens. Wir fürchten globale Erwärmung, Terrorismus, entfesselte Gentechnik, neue Seuchen, den Aufstieg Chinas und die Dekadenz der eigenen Gesellschaft. »Nachhaltigkeit« ist das dunkle Wort, in dem sich die Ängste vor dem Kollaps verdichten. Es ist auch das Codewort für die Gegenstrategie. Ein beflügelndes Wort der Hoffnung und des Aufbruchs ist es nicht.

Ein Hauptfaktor des Unbehagens im fortschrittlichen Alltag ist die Selbstwertobsession. Eine Kultur wie unsere, deren Programm es ist, den Selbstwert der Menschen zu heben, macht sie gerade dadurch anfälliger für Depressionen. Selbsthilfeliteratur und eine ganze Industrie von Therapeuten predigen das vollkommen unrealistische Ideal eines Lebens in permanenter ausgeglichener Zustimmung zu sich selbst. Die Menschen werden angehalten, alles und jedes in Bezug zu ihrem Selbstwert zu setzen. Eine Gehaltserhöhung, ein Misserfolg, ein Liebesunglück, eine Ablehnung, ja auch das neue Auto – alles muss im Hinblick auf die Selbstachtung beobachtet, bewertet, eingeordnet werden: Was macht das mit mir, was sagt das über mich? Und wer dabei nicht dauernd zufrieden strahlt, hat nicht einfach einen schlechten Tag erwischt. Er hat ein Selbstwertproblem und wird ermuntert, sich zu fragen, ob etwas grundlegend mit seinem Leben falsch läuft.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Vermutungen, wie sich die schlechte Laune im Schlaraffenland erklären lässt. Erstens scheint es eine evolutionäre Selektion zugunsten des Negativismus zu geben. Die Genügsamen und Selbstzufriedenen bringen es meist nicht weit. Das Glück ist mit den Unzufriedenen, die allerdings mit Gereiztheit und Gestresstheit für ihre Erfolge bezahlen müssen. Aus dem gleichen Grund scheint uns eine alte Konditionierung zu treiben, den Überfluss zu leugnen, in dem wir im Vergleich zu unseren Vorfahren leben. Statt uns an ihnen zu messen, vergleichen wir uns mit den Nachbarn, die an uns vorbeizuziehen drohen. Vergleichsstress ist einer der wichtigsten Gründe für die Entkopplung von Wohlstand und Wohlergehen. Bei steigenden Einkommen tritt bei jeder Anschaffung tendenziell der Vergleichsgesichtspunkt in den Vordergrund. Die Leute fragen sich immer weniger, ob ihr Haus ihren Bedürfnissen entspricht. Es kommt jetzt mehr darauf an, ob es schöner als das der Nachbarn ist. Dieses Spiel hat notwendigerweise viele Verlierer. Der erste BMW in einer Straße zieht noch alle Augen auf sich. Der zehnte fühlt sich für seinen Besitzer schon so alltäglich an wie ein VW Käfer in den sechziger Jahren.

Vergleichsstress ist auch einer der Hauptgründe für die ostdeutsche Misere. Er vergällt selbst noch denen die eigenen Erfolge, die nicht als Arbeitslose durch das Selbstachtungsraster gefallen sind. Die Lebensumstände der meisten Menschen in Ostdeutschland haben sich nach der Wiedervereinigung objektiv verbessert. Aber weil man sich nun nicht mehr mit Polen und Russen, sondern mit den Westdeutschen vergleicht, hält sich der Gewinn an subjektivem Wohlbefinden in engen Grenzen. Mancher sieht sich dann gar, obwohl er besser dasteht als zuvor, als Verlierer.

Aber auch ganz ohne frustrierende Vergleiche mit dem Nachbarn stellt sich bei steigendem Wohlstand recht bald ein Grenznutzen ein. Der Aufstieg von der Armut in die Mittelschicht erhöht das Glücksgefühl erheblich. Ist das Niveau einer hinreichend abgesicherten Mittelschichtsexistenz einmal erreicht, bringen weitere Zuwächse nur unmerklich mehr Lebenszufriedenheit. Fazit: Geldmangel verursacht Unglück, immer mehr Geld bedeutet aber, wer hätte es gedacht, nicht automatisch immer mehr Glück. (Allerdings: Wenn man schon unglücklich sein muss, dann wohl doch lieber mit Geld – im Taxi weint es sich einfach besser als in einer vollen U-Bahn.)

Es gibt einen eigenen Forschungszweig in den Humanwissenschaften, der sich am Fortschrittsparadox abarbeitet: Die Glücksforschung wendet viel Scharfsinn auf, um zu erklären, warum viele Menschen nicht so glücklich sind, wie sie womöglich sein könnten, und viele andere geradezu unverschämt grundlos glücklich. Doch nicht genug damit, sie will uns auch Tipps geben, wie wir glücklichere Menschen werden können, möglichst alle auf einem gleichmäßig hohen Niveau. Ihre Rezepte sind von einnehmender Schlichtheit: mehr Zeit mit der Familie oder Freunden verbringen, weniger Fernsehen, Dankbarkeit für die Segnungen des Alltagslebens entwickeln, (sich selbst) vergeben lernen, Freunden etwas Gutes tun. Verheiratete, heißt es, seien durchschnittlich glücklicher als Singles, was nicht zuletzt ihrem aktiveren Sexleben zuzuschreiben sei. Religiosität ist eine ziemlich wirkungsvolle Zutat fürs Wohlbefinden. Kinder tragen nach Erkenntnissen der Glücksforschung leider nur in den ersten zwei Jahren (und dann erst wieder nach Verlassen des elterlichen Hauses) wesentlich zum Glück bei.

Alles hochinteressant! Aber man fragt sich doch, was man mit diesen Erkenntnissen praktisch anfangen soll. Man sollte ja wohl nicht heiraten oder einen Glauben annehmen, nur um sich endlich besser zu fühlen. Und wer nimmt die Kinder in den sechzehn langen Jahren, in denen sie nur magere Glückseffekte produzieren?

Die Glücksforschung träumt davon, die Lücke zwischen Wohlstand und Wohlgefühl zu schließen. Vielleicht sollte man sich lieber fragen, ob das Glück wirklich immer eine so gute Sache ist. Die Datenbestände der Glücksforscher bergen da so manchen Grund zur Skepsis. Denn nirgendwo auf der Welt – dies hat der World Values Survey ergeben, der weltweit die Lebenszufriedenheit durch umfangreiche Befragungen erfasst – haben sich so viele Menschen für »glücklich« erklärt wie in Nigeria.

Wer jemals im angeblich »glücklichsten Land der Welt« war, wird Schwierigkeiten haben, an diese Pointe zu glauben. Teile der Hauptstadt Lagos sind in den Händen mordgieriger Banden. Die Regierung zählt zu den korruptesten weltweit. Nichts funktioniert. Der Staat kann niemanden vor Gewalt, Armut und Umweltzerstörung schützen. Die Stammesgesellschaft bleibt darum der Referenzpunkt im Leben der meisten. Sechs Prozent der Bevölkerung sind an Aids erkrankt, jedes zehnte Baby stirbt vor seinem ersten Geburtstag. Die Einheimischen kommentieren denn auch den nigerianischen Sieg bei der Glücksweltmeisterschaft voller Sarkasmus. Reuben Abati, Kommentator der führenden nigerianischen Tageszeitung Guardian, schreibt: »Leichen liegen bei uns an den Straßenrändern und verwesen vor sich hin, während nebenan ein Imbissstand seine Geschäfte macht. Wir müssen wirklich ein sehr glückliches Land sein, dass uns dieser Geruch nicht zur Verzweiflung bringt.« Abati sieht in seinen unerschütterlich glücklichen Landsleuten das eigentliche Problem. Das Geheimnis ihres Glücks sei womöglich »die Gelassenheit, die sich einstellt, wenn ein Menschenleben nichts mehr zählt«.

Ein Land voller subjektiv glücklicher Menschen muss keineswegs eine lebenswerte Umgebung sein, wie die enorm hohen Auswanderungszahlen Nigerias zeigen. Kann es nicht sogar sein, dass eine hedonistische Kultur wie die nigerianische, die jedermann ermutigt, sich vom allgemeinen Zerfall die Laune nicht vermiesen zu lassen, gerade durch ihre Orientierung auf das Instantglück allgemeines Unglück produziert? Anders gesagt: Kann es sein, dass Glück manchmal schlecht für uns ist?

Ein gutes Leben ohne Glück ist schwer vorstellbar. Aber offenbar sind subjektives Wohlbefinden und gutes Leben auch nicht einfach ein und dieselbe Sache – ja sie können sogar bittere Feinde sein. Umgekehrt muss man vielleicht auch die schlechte Laune als Ressource wiederentdecken. Ein italienischer Freund, der lange Jahre in Deutschland verbracht hatte, hat es einmal so gesagt: »Wenn ihr Deutschen nicht so abgrundtiefe Pessimisten wärt, hättet ihr nicht so viele gute Ingenieure. Was glaubt ihr, warum die italienische Technik so schlecht funktioniert? Weil wir in unserem Optimismus annehmen, dass die Sache schon irgendwie hinhauen wird.«

Glückliche Leute sind nicht nur durch einen Hang zu Schlamperei und Selbstzufriedenheit gefährdet, sie neigen auch zu Vorurteilen, wie man aus Untersuchungen amerikanischer Psychologen weiß: Je zufriedener die Probanden mit ihrem Leben waren, umso höher ihre Neigung, einen Verdächtigen eines Verbrechens für schuldig zu halten, bloß weil er einer Minderheit zugehört. Glück kann denkfaul und bigott machen. Ambrose Bierce, der große Spötter, definierte »Glück« als »jene angenehme Empfindung, die sich beim Betrachten des Elendes anderer einstellt«. Nun, so zynisch muss man nicht sein. Aber wenn heute die »glückliche Gesellschaft« zum Ziel der Politik erklärt wird, gibt es allemal Grund zur Skepsis. Staatliche Herstellung von Glück – wer so etwas fordert wie der britische Ökonom Richard Layard, überfordert die Politik und unterfordert die Menschen.(2)

Leider ist irgendwie der Sinn dafür verlorengegangen, welch ein Privileg es ist, in einer Gesellschaft zu leben, die das Unglücklichsein nicht stigmatisiert wie die totalitären Regime des letzten Jahrhunderts, in denen alle (Volks-)Genossen als Zeichen ihres Einverstandenseins stets gute Miene zu machen hatten. Statt über die Entkopplung von Wohlstand und Wohlgefühl zu klagen, sollte man vielmehr eine Gesellschaft preisen, in der so viele Menschen wie nie zuvor ihr – im historischen Vergleich recht behagliches – Unglück pflegen können.

Die ersehnte »glückliche Gesellschaft« muss keineswegs eine gute Gesellschaft sein. Eine freie Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie ihren Mitgliedern die Verfolgung des Glücks zwar ermöglicht, sie aber nicht dazu nötigt. Das Glück ist eine zu flüchtige und scheue Sache, als dass es zum Staatsziel taugen würde. Wer kennt nicht das merkwürdige Gefühl beim Blick aus dem Zugfenster auf eine verschlafene Ortschaft in der Heide, wo sich die Fachwerkhäuser gemütlich um den Kirchturm schmiegen: »Ach ja, hier wohnt das Glück!« Und wer kennt nicht die Panik, die einen überfällt, wenn der Zug dann auf einmal ebendort zum Halten kommt?

Die Fixierung auf das Glück und die Diskreditierung des Neuen scheinen zusammenzuhängen. Das Neue und der Fortschritt werden bei uns vor allem unter dem Begriff des Risikos beobachtet und debattiert. Hier gibt es allerdings bemerkenswerte neue Wendungen. Man kann sie etwa an der jüngsten Neuauflage der Kernenergiedebatte erkennen. Die Verwendung des Risikobegriffs ist im Wandel. Ulrich Beck, der Theoretiker der »Risikogesellschaft«, fasste in der Zeit vom 3. Juli 2008 die Lage folgendermaßen zusammen: »Beginnt hier eine Realsatire, ergötzlich und schreckensvoll? Ihr neospenglerisches Motiv lautet: Klimakatastrophe und Ölkrise killen Atomkraftrisiko. Die ums Grüne bemühte CDU-Kanzlerin und Physikerin Angela Merkel hat plötzlich etwas überraschend Missionarisches. Sie will die Paranoia der Deutschen im Umgang mit der Tschernobyl-Energie überwinden und Atomkraft, umgetauft in >Öko-Energie<, auf dem sich im Zeitalter des Klimawandels und der Ölnot radikal verändernden Macht-Schachbrett der Energiepolitik neu ins Spiel bringen . . . Die unkalkulierbaren Gefahren, die vom Klimawandel ausgehen, sollen mit den unkalkulierbaren Gefahren, die mit neuen Kernkraftwerken verbunden sind, >bekämpft< werden. Bei vielen Entscheidungen über Großrisiken geht es nicht um die Wahl zwischen sicheren und riskanten Alternativen, sondern um die Wahl zwischen verschieden riskanten Alternativen, oft um die Wahl zwischen verschiedenen Alternativen, deren Risiken qualitativ unterschiedliche Dimensionen betreffen und kaum vergleichbar sind.«

Beck gesteht zu, dass heutige globale Risiken sich der Kalkulation nach wissenschaftlichen Methoden entziehen und darum »der kulturelle Glaube an die Wirklichkeit oder Unwirklichkeit des jeweiligen Weltrisikos« entscheidend sei. Wir haben es mit einem »Zusammenstoß der Risikokulturen« zu tun: »So wird die Tschernobyl-Erfahrung in Deutschland anders bewertet als in Frankreich oder Großbritannien, in Spanien oder Italien.« Das ist noch zu kurz gegriffen: Es sind nämlich längst nicht mehr nur unsere unmittelbaren Nachbarn, deren Blick auf Technologie und Wissenschaft den unsrigen beeinflusst. Die Globalisierung in ihrer heutigen Phase – gekennzeichnet durch den Aufstieg der nichtwestlichen Mächte der vormals »Dritten Welt« wie China, Indien und Brasilien – relativiert nämlich nicht nur die Macht des Westens, sondern auch seine Risikokultur. Eine kulturelle Verschiebung hin zu mehr Risikotoleranz ist schon auf dem Weg.

Eine erstaunliche Wende. Wer in den letzten Jahrzehnten »Risiko« sagte, wollte warnen und zur Beschränkung aufrufen. Nun geht es um das Gegenteil: Die Bereitschaft zum Risiko wird manchmal geradezu zur Bürgerpflicht erhoben. Wie vorher die Warner, sprechen heute die Propagandisten des neuen Wagemuts die Sprache der moralischen Erziehung. Das Wort »Risiko« ist ein zentraler Begriff der gesellschaftlichen Selbstverständigung hierzulande. Der Risikobegriff markiert eine Schnittstelle zwischen Technik, Politik und Gesellschaft. An seinem veränderten Gebrauch lässt sich der Beginn eines Mentalitätswandels ablesen.

Während der siebziger und achtziger Jahre wurde in den westlichen Ländern über Ressourcenknappheit, Großunfälle und Umweltschäden gestritten. In Deutschland erwuchs aus der erregten Debatte eine Theorie, die das Gefahrenpotential der modernen Gesellschaft als ihr definierendes Moment zu begreifen suchte. Als im Jahr 1986 die Welt auf Tschernobyl und die Challenger-Katastrophe starrte, brachte der damals wenig bekannte Soziologe Ulrich Beck das Gefühl allgemeiner Bedrohung durch technischen Fortschritt auf den Begriff: »Risikogesellschaft«.(3) Beck beschrieb Risiken als »Ausdruck hochentwickelter Produktivkräfte«. Den Ursprung der Gefahren ortete er nicht mehr im Äußeren, im Nichtmenschlichen, »sondern in der historisch gewonnenen Fähigkeit der Menschen« zur Veränderung und Vernichtung der Reproduktionsbedingungen allen Lebens auf der Erde. Das hieß aber: »Die Quelle der Gefahren ist nicht Ignoranz, sondern Wissen, nicht fehlende, sondern perfektionierte Naturbeherrschung.«

Für Beck hatte die entfesselte Technik in der Risikogesellschaft »die Zerstörungskraft des Krieges absorbiert, generalisiert und normalisiert«. Das war eine sehr finstere Sicht der Dinge. Beck machte unübersehbar (ohne dies zu konzedieren) Anleihen bei Heideggers Technikphilosophie, die keinen Fortschritt, sondern nur die »Vernutzung« der Welt durch das technische »Gestell« zu sehen vermochte. Die Technik führt auch in Becks Sicht einen steten Krieg gegen Gesellschaft und Natur. Heute erscheint diese Bildsprache fast als frivol. Doch angesichts der vielen Toten in Tschernobyl fand man sie seinerzeit nicht übertrieben.

In dieser Risikogesellschaft hatten Wissenschaft und Technik den letzten Rest Unschuld eingebüßt, Beck konstatierte das »Versagen der wissenschaftlich-technischen Rationalität«. Seine Anklage kam in Form eines Double-bind. Wer den technischen Fortschritt propagierte, sollte fortan die Beweislast der Unschädlichkeit tragen. Das Problem war: Wie sollte der Beweis möglich sein, wenn die wissenschaftlichen Verfahren samt ihres »Wahrheitsmonopols« selbst den Schaden verursacht hatten?

Wer der Wissenschaft misstraute, durfte sich in der Risikogesellschaft a priori im Recht fühlen – Beck gab der politischen Angstkultur der Alternativbewegung die sozialwissenschaftlichen Weihen. Mit Blick auf aktuelle Bedrohungen reaktivierte er in der Sprache der Soziologie auch ein Element des Antirationalismus aus der deutschen Ideengeschichte. Wo das Wissen selbst gefährlich geworden war, musste Furcht zur Tugend werden. Hatte schon Martin Heidegger in Sein und Zeit behauptet, dass »In-der-Welt-Sein wesenhaft Sorge ist«, so entdeckte sein Schüler Günther Anders, Vordenker der Anti-Atom-Bewegung, im Schatten der Bombe die Angst als Organ der Wahrheit: »Wir haben unsere Angst zu erweitern«, schrieb er 1959 in seinen Thesen zum Atomzeitalter, »habe keine Angst vor der Angst, habe Mut zur Angst. Auch den Mut, Angst zu machen. Ängstige deinen Nachbarn wie dich selbst.«

Dieses Gebot wurde in Deutschland bereitwillig befolgt. Weite Bereiche des gesellschaftlichen Lebens – von der Großtechnologie zur Babymilch, vom Sexualverhalten zu den elektromagnetischen Feldern der Handys – wurden unter dem Risikoaspekt wahrgenommen. Heute aber wird die Risikogesellschaft sich selbst verdächtig. Die Katalysatoren dieses Prozesses sind die wirtschaftliche Krise, der Klimawandel und die absehbare Energieknappheit. Mancher nutzt die Gelegenheit, sich alter Feinde zu entledigen: Wir können uns Bedenkenträgerei nicht mehr leisten! Weg mit den lästigen Ökohysterikern! Dass wir auch ihrer Beharrlichkeit den hohen Standard der Reaktorsicherheit oder die dioxinlose Müllverbrennung verdanken, passt nicht mehr ins Bild. Beck diagnostiziert eine »Regression in die konventionelle Fortschrittspolitik der fünfziger und sechziger Jahre«. Er hat nicht völlig unrecht damit.

Aber es ist doch nicht die ganze Geschichte. Denn es gibt auch gute Gründe zur Kritik der Risikoaversion. Mag sein, dass interessierte Lobbyisten für riskante Technologien eine Chance für angstgetriebene Bedenkenlosigkeit wittern. Doch auch in wissenschaftlichen Debatten wird um einen pragmatischeren Risikobegriff gestritten. Ulrich Beck selber fordert heute einen »neuen Pakt der Unsicherheit«, in dem Konsense über akzeptable Risiken gefunden werden sollen. Und die Ökonomen erholen sich vom großen Rückschlag für die Risikotoleranz der Wirtschaftsbürger – dem Crash der New Economy. Sie versuchen, »dem Risikobegriff etwas Konstruktives abzugewinnen«. Die Autoren eines neueren Werks mit dem Titel Risikoökonomie, Birger Priddat und Felix Lowinski, wollen »dem herrschenden Risiko-Trübsinn« eine »größere Fehlerfreundlichkeit« entgegensetzen.

Der Bielefelder Soziologe Klaus Peter Japp gibt zu bedenken, dass ein »Risikoausschaltungsprogramm alle Sorten von kontraproduktiven Effekten generieren« würde. Eine »generalisierte Innovationsblockade wäre äußerst riskant. Denn woher soll die Gesellschaft dann noch die für die Bekämpfung von Krankheiten, Hunger, Armut und Katastrophen nötigen Innovationen beziehen, die sie vorher nicht kennen kann?« Die »relative Verantwortungslosigkeit« der Wissenschaft sei »die Grundlage ihres Erfolgs, und niemand sollte sich anheischig machen, verantwortungsethisch begründete Kriterien zu kennen, mit denen in der Gegenwart bereits zwischen >schlechten Risiken< und >guten Innovationen< unterschieden werden könnte«.(4)

Einen Schritt weiter noch geht der britische Soziologe Frank Furedi von der University of Kent. In einem furiosen Pamphlet rechnet er mit der »Kultur der Angst« ab. Die Unterscheidung von »guten« und »schlechten« Risiken sei durch die negative Besetzung des Begriffs nahezu unmöglich geworden. Ein Risiko einzugehen gelte heute schon per se als unverantwortlich.

Wenn aber das Risiko als etwas angesehen werde, »das aus eigenem Recht existiert und nur in minimaler Weise von menschlicher Intervention abhängt, dann ist es am vernünftigsten, es von vornherein zu vermeiden. Wie einst die griechischen Götter, so existieren heute die Risiken in einer eigenen Welt.«(5)

Diese Risikomythologie möchte Furedi entzaubern. Vergeblich sei aber der Versuch, unaufgeklärten Laienmeinungen über vermeintliche Risiken die rationale Expertensicht über wirkliche Risiken gegenüberzustellen. Dieses Spiel ist sehr oft, allerdings ohne ermutigende Ergebnisse, gespielt worden. Immer wieder hat man die Irrationalität der Gefahrenwahrnehmung des gewöhnlichen Verbrauchers herausgestellt, der sich partout vor den falschen Dingen fürchtet, ohne damit ein Umdenken zu bewirken. Der Rationalismus der Experten mit ihren Wahrscheinlichkeitstabellen geht ebenso an der Sache vorbei wie die Nobilitierung der Angst zum höheren Erkenntnisorgan durch die Alarmisten. Wer die Bereitschaft zur Risikoabwägung befördern will, muss erst verstehen, warum bestimmte Gefahren akzeptabel erscheinen und andere als zu riskant abgelehnt werden. Furedi fragt: »Wie sucht sich eine Gesellschaft ihre Probleme aus?«

Diese Frage treibt auch den Soziologen Ortwin Renn von der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Stuttgart um. Renn hat in dem Papier Risiken und ihre Rolle in der Gesellschaft für die EU-Kommission eine ganze Mythologie der Risikowahrnehmung ausgearbeitet.(6) Wie sehr bestimmte Risiken die Menschen beunruhigen, hängt nicht nur von objektivierbaren Größen wie Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenspotential ab, sondern auch von anderen Charakteristiken: Ungewissheit, Ubiquität, Dauerhaftigkeit, Spätfolgen, Verletzung des Rechtsempfindens und Mobilisierungspotential. Mit diesen Kriterien fasst Renn Risikotypen zusammen. Er hat ihnen Namen aus der griechischen Sagenwelt gegeben: Damokles, Zyklop, Pythia, Pandora, Cassandra, Medusa.

Das Risiko vom Typ Damoklesschwert zeichnet sich durch geringe Eintrittswahrscheinlichkeit und wenig Ungewissheit bei großem Schadenspotential aus. Kernkraftwerke sind das beste Beispiel. Bei allem Wissen über die Funktion der Sicherheitssysteme und die Wahrscheinlichkeiten: Allein das Ausmaß der möglichen Zerstörung erregt Furcht und Schrecken. Die Cassandrakategorie, benannt nach der berühmten Schwarzseherin, kombiniert ein großes Schadenspotential mit hoher Eintrittsaussicht. Weil zwischen Ursache und Wirkung jedoch ein langer Zeitraum liegt, sind viele Menschen persönlich nicht beunruhigt und bleiben schwer mobilisierbar. Beispiel: die globale Klimaveränderung. Im Gegenzug dazu bietet der Typ Medusa – nach der Gorgonenkönigin, deren Anblick alle Menschen zu Stein erstarren ließ – eher geringe Eintrittswahrscheinlichkeit und niedriges Schadenspotential, allerdings bei Allgegenwart der Gefahrenquelle. Elektromagnetische Felder sind ein Beispiel: Experten versichern mehrheitlich deren Unschädlichkeit, die Menschen sind wegen der Kombination aus Unsichtbarkeit und Ubiquität trotzdem hochbesorgt und mobilisiert.

Diese Typologie lässt sich noch erweitern. Ulrich Beck spricht gar vom »Kampf der Risikoreligionen«, um zu erklären, warum in bestimmten Kulturen gefürchtet wird, was man anderswo achselzuckend hinnimmt: Risiken sind Glaubensfragen. Wenn die Politik Risiken erfolgreich managen will, darf sie diese Dimension nicht ignorieren. Ortwin Renn beschreibt das Dilemma der Politik so: Folgt sie beim Risikomanagement den Prioritäten von Laien, nimmt sie womöglich mehr Leiden in Kauf als nötig. Folgt sie bloß dem Rat der Experten, riskiert sie den Verlust öffentlicher Unterstützung. Renns Untersuchung der Einstellungen zur grünen Gentechnik ergibt: Die Ablehnung hat wenig mit dem Glauben zu tun, man werde nach dem Genuss einer modifizierten Tomate tot umfallen. Das Nein der Gegner speist sich aus der Furcht vor unabsehbaren Späteffekten, Zweifeln am gesellschaftlichen Nutzen, Angst vor der Irreversibilität der Veränderungen, Aversion gegen menschliche Hybris und dem allgemeinen Verdacht gegen Konzerninteressen. Aufklärungskampagnen über die Unschädlichkeit solcher Produkte laufen also ins Leere, wenn den Institutionen, die ihre Entwicklung vorantreiben, nicht vertraut wird. Wo Vertrauen fehlt, so Renn, fordert der Verbraucher »Nullrisiko«.

Schwer zu glauben, dass dieses Vertrauen wachsen wird, wenn hierzulande genmanipulierter Mais auf unmarkierten Feldern ausprobiert wird. Damit will die Industrie ihre radikalen Gegner daran hindern, die Versuchsfelder zu verwüsten. Sie hat wohl keine andere Wahl. Dennoch haben wir es hier mit zwei Typen von Risikoscheu zu tun, die sich wechselseitig steigern: Der Gentechlobby ist das offene Experiment vor aller Augen zu riskant, die Gegner erklären schon jeden kontrollierten Versuch zum Beginn der Katastrophe. Die Feldverwüster und die heimlichtuerische Industrie stützen sich gegenseitig in diesem Bund der Risikoverweigerer. Was tun? Mit drohendem Unterton mehr Risikofreude einzufordern ist so sinnlos wie ein Befehl zum Lachen. Eine neue »Kultur der Unsicherheit« (Beck) braucht nicht bedenkenlose, sondern »risikomündige« (Renn) Akteure.

Risikomündigkeit – die Fähigkeit und Bereitschaft, Gefahren abzuwägen und aus gescheiterten Kalkülen zu lernen, kann sich ohne transparente Verfahren und weitgehende Partizipation nicht bilden. Das Unbehagen am Risiko lässt sich durch Standortappelle nicht abschaffen, höchstens steigern. Die Sehnsucht nach dem Nullrisiko verstellt Optionen, von denen wir gar nicht wissen können, ob wir sie nicht doch noch brauchen. Es geht beim Abschied von der Kultur der Angst aber auch um unser Selbstbild. Um die Frage, wie wir gerne leben und wie wir uns sehen wollen. Der Bewohner der Risikogesellschaft wurde stetig ermutigt, angesichts des drohenden Verhängnisses präventiv geduckt umherzulaufen – gewissermaßen wie ein Opfer auf Abruf. Wer aber möchte sich auf Dauer schon gerne so sehen?

Nirgendwo habe ich die Last der deutschen Risikoreligion so bedrückend empfunden wie bei einem Besuch im westchinesischen Chongqing, einer der großen Boomregionen des Landes. Die »regierungsunmittelbare Stadt« Chongqing rühmt sich, mit ihren über dreißig Millionen Einwohnern auf einem Verwaltungsgebiet so groß wie Österreich die größte Metropole der Welt zu sein. Auf dem reißenden Jangtse fahren abends grell erleuchtete Vergnügungsdampfer auf und ab. Die Stadt mit ihrer immer noch wachsenden, an Manhattan erinnernden Skyline ist sich dann selbst das Spektakel. Eines der markantesten Hochhäuser ist eine ziemlich dreiste Kopie des Chrysler Building. Es wirkt merkwürdig beruhigend für das irritierte westliche Auge, das sonst nicht viele Orientierungspunkte in diesem unglaublichen Moloch findet. An dem kopierten Chrysler Building findet man Halt. Man beruhigt sich: So lange sie uns noch nachahmen, wird der Aufstieg der Nichtwestler schon nicht so schlimm werden. Aber in Wahrheit ist diese Stadt, in der kaum ein Gebäude noch aus der Zeit vor 1980 stammt, keine Kopie westlicher Vorbilder mehr. Sie sieht mit ihren stets regennassen Leuchtreklamen in den Hochhausschluchten so aus, als käme sie aus der Zukunft. Sie erinnert unheimlich an das imaginäre Los Angeles des Jahres 2019 aus Ridley Scotts Science-fiction-Film Blade Runner.

Schwitzend und ein warmes Dai-Lang-Shian-Bier in der Hand, mit Blick auf die vergnügungslustigen Einheimischen, während das Ausflugsschiff mit voller Kraft gegen die schlammigen Fluten des Yangtse arbeitet, erwischt man sich bei schwarzen Gedanken: »Wartet nur! Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man sauren Regen nicht trinken kann.« Aber das könnte auch einfach ein Anfall von Zukunftsneid sein: Eifersucht auf den unbändigen Optimismus der Chinesen und ihre beneidenswerte Gewissheit, dass das Neue für sie auch das Gute sein wird.

Anmerkungen
Kategorien: Debatte, Wer sind wir?
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Starker Beitrag!

    • 23. September 2008 um 01:00 Uhr
    • word
  2. 2.

    >Nirgendwo habe ich die Last der deutschen Risikoreligion so bedrückend empfunden wie bei einem Besuch im westchinesischen Chongqing

    Da sind sie mit Sicherheit nicht der einzige, so eine Reise hat schon so manchen deutschen Politiker regelrecht „umgedreht“

    • 23. September 2008 um 01:30 Uhr
    • PBUH
  3. 3.

    @Jörg Lau
    Am besten sollten wir uns in einem Jahr wiedersprechen, wenn wir mitten in der allerschönsten Weltwirtschaftskrise stecken.
    Wieviel wird dann von dem Optimismus noch übriggeblieben sein?

    Im übrigen richtet der Optimismus oder die Zukunftszuversicht insbesondere der Amis ja inzwischen die Wirtschaft zugrunde. Denn Spekulationsblasen wie die Immobilienblase in den USA entstehen ja aus optimistischen Gewinnerwartungen.
    Optimismus ist immer auch eine Anleihe auf die Zukunft.
    Aber vor lauter Optimismus wurden soviele Anleihen gemacht, dass die Zukunft uns nur noch als schwarzes Loch entgegengähnt.

    Optimismus ist Feigheit (Spengler)

    • 23. September 2008 um 09:28 Uhr
    • lebowski
  4. 4.

    Als notorischer Optimist widerspreche ich Ihnen, Lebowski.

    Die amerikanische Immobilienblase kam nicht in erster Linie aufgrund überoptimistischer Gewinnerwartungen (die sind bei Zockern, angefangen beim einfachen Lottospierel, normal), sondern aufgrund eines Mangels an Kontrolle.

    Gott sei Dank sind wir in Deutschland nur peripher in diese Krise involviert und Gott sei Dank werden wir dank des Euro weniger von der Inflation infolge der Krisenbehebung mittels Dollardruckmaschine abbekommen.

    • 23. September 2008 um 10:59 Uhr
    • Joachim S.
  5. 5.

    Wissen Sie, Joachim S., was ich immer wieder spannend finde: immer dann, wenn meiner Ansicht nach ein strukturelles Systemversagen vorliegt, ist von der Schuld einzelner oder mangelnder Kontrolle die Rede, und immer dann, wenn mal über die Schuld einzelner sprechen sollte, wird gerne von strukturellen Problemen gefaselt.

    Mit der ganzen Immobilienblase in den USA konnte man eine Menge Geld verdienen und das ist schließlich die Aufgabe einer Bank und sie glauben ja wohl nicht, dass Manager, Banker und Anleger freiwillig auf Kohle verzichten, nur weil es irgendwo ein popeliges Kontrollorgan gibt. Bei der Sachsen-LB hat mans ja auch versucht, die hat aber flugs eine Gesellschaft oder Bank in Irland gegründet, wo es keine Kontrollen gab.
    Kontrollen lassen sich umgehen.

    Das ist das Blöde an Spekulationsblasen. Jeder weiß, dass sie irgendwann platzen, aber jeder möchte noch schnell vor dem Platzen die Knete mitnehmen.

    Um mal zum Thema zurück zu kommen:
    Die Deutschen gruseln sich halt gerne, aber sie können sich auch freuen, zB wenn sie mit 15000 Leuten 50 Nazis aufgehalten haben. Der Ami glaubt immer an die Zukunft, yes he can, obwohl eigentlich wenig Anlass dazu besteht.

    • 23. September 2008 um 11:46 Uhr
    • lebowski
  6. 6.

    Das wird noch lustig werden, wenn die Immobilienblase in Deutschland platzt. Trotz Kontrolle!
    Die einfachste Antwort ist nämlich nicht immer die richtige, obwohl sie selbst von 89 jährigen Altkanzlern gepredigt wird.
    Es kommt natürlich auch auf die Perspektive an, denn Politiker und einfache Antworten gehören nun mal zusammen.

    • 23. September 2008 um 11:53 Uhr
    • J.S.
  7. 7.

    @ J.S.

    „Das wird noch lustig werden, wenn die Immobilienblase in Deutschland platzt…“

    Welche Immobilienblase?
    Die Bauwirtschaft in Deutschland befindet sich seit über 10 Jahren im Sinkflug und stabilisiert sich derzeit auf niedtigem Niveau.
    Außerdem sind die deutschen Banken übervorsichtig, was die Kreditvergabe betrifft.

    @ Lebowski

    Kontrollen durch nicht am Geschäft beteiligte Fachleute funktionieren durchaus, wie die US-amerikanische Börsenaufsicht beweist.
    Dass unsere staatlichen und Landesbanken versagt haben, liegt u.a. auch daran, dass deren Aufsichtsorgane von z.T. fachfremden Politikern besetzt sind, denen man leicht ein x für ein u vormachen kann.

    • 23. September 2008 um 12:12 Uhr
    • Joachim S.
  8. 8.

    @lebowski

    Ja, das wird noch interessant, Asien wird aber stark weiterwachsen und möglicherweise die europäische und die US-Wirtschaft „retten“. Indien kommt ja z.B. gerade erst richtig in Fahrt.

    Allerdings hat die weltbekannte German Angst hier die Wirtschaft schon des öfteren ohne wirklichen Grund runtergedrückt.

    Der Vorteil der Amis, keiner hat Interesse an einem schwachen Dollar.

    • 23. September 2008 um 12:39 Uhr
    • PBUH
  9. 9.

    @Joachim S.
    Sie können tausend Einzelfälle aufzählen, wo angeblich ein Managementversagen oder Kontrollversagen vorliegt. Aber das ist eben der Punkt. Diese Häufung der Einzelfälle beweist eben den Systemfehler.
    Sie können nicht in einem Wirtschaftssystem, das ganz auf Gewinn angelegt ist, erwarten, dass alle diesen Gewinn sausen lassen.
    Der ganze Kapitalismus kann nur noch durch Spekulationsblasen am Leben gehalten werden.
    Kein Konzern hätte diese astronomischen Gewinne in den letzten Jahren erzielen können, wenn er nicht auch an der Börse gezockt hätte.
    Die Trennung zwischen raffendem und schaffendem Kapital ist eine gefährliche Illusion.

    • 23. September 2008 um 13:45 Uhr
    • lebowski
  10. 10.

    Wer in den ängstlichen und am Ende zunehmend verbitterten siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts aufgewachsen ist, für den wird das Wort »Fortschritt« wohl für immer einen verbotenen und leicht frivolen Klang behalten. Merkwürdig ist das allerdings: Denn man legte damals ja eigentlich großen Wert darauf, als »progressiv« zu gelten. Doch zu den »Progressiven« zu gehören bedeutete, auf den Fortschritt in Wissenschaft und Technik herabzuschauen und sich über den »Fortschrittsglauben« der Zeit zu mokieren.

    @ Jörg Lau

    Ergänzend, als Fußnote: Ich vermute, dass die Wurzeln dieses Denkens unter deutschen Intellektuellen historisch tiefer liegen.

    Wobei Sie weiter unten, in Verbindung mit Beck, Heidegger erwähnen:

    Beck machte unübersehbar (ohne dies zu konzedieren) Anleihen bei Heideggers Technikphilosophie, die keinen Fortschritt, sondern nur die »Vernutzung« der Welt durch das technische »Gestell« zu sehen vermochte. Die Technik führt auch in Becks Sicht einen steten Krieg gegen Gesellschaft und Natur.

    Anlässlich einer Diskussion mit einer Bekannten über die vergleichsweise schlechten deutschen PISA-Ergebnisse in den Naturwissenschaften und den entsprechenden Mangel an Begeisterung von Schülern kam mir vor einiger Zeit folgendes in den Sinn:

    Ich bin mir jedenfalls nicht sicher, dass eine vergleichsweise geringe Begeisterung für Naturwissenschaften unter deutschen SchülerInnen kausal allein dem hiesigen Bildungssystem zugeschrieben werden kann. Zwei- oder dreimal stolperte ich im Rahmen soziologischer Lektüre darüber – blöderweise fällt mir jetzt nicht mehr ein wo -, dass Naturwissenschaften bzw. personifiziert: Naturwissenschaftler in Deutschland im Vergleich zu den USA ein geringeres gesamtgesellschaftliches Renomée hätten (während dort und in anderen Ländern german engineering – semantisch nicht deckungsgleich mit „deutscher Wertarbeit“ – ein positiv besetzter Begriff ist).

    Möglicherweise lässt sich der besagte Mangel mittelbar auch auf den Hang von vielen Deutschen zum Wahren, Guten und Schönen zurückführen. Wobei eben Naturwissenschaften und Naturwissenschaftler, also paradoxerweise etwas, das Deutschlands Ruf in der modernen Welt neben dem Dichten und Denken mitgeprägt hat, in der Binnenperspektive traditionell nicht oder kaum zur „deutschen Kultur“ gezählt wurden. In der deutschen Geistesgeschichte, von der deutschen Romantik bis zu Heidegger, Adorno, Habermas, Marcuse* oder Gehlen, finden sich vergleichsweise massenhaft Belege für Desinteresse, Skepsis und Feindschaft gegenüber Technik im weiten Sinne. Um nur ein vergleichendes Beispiel aus der Tradition der europäischen Gegenaufklärung anzuführen: Während sich die Konservative Revolution in der Weimarer Zeit zumindest nicht für Technik und wissenschaftlichen Fortschritt (deren ideologischer Stellenwert erst unter den Nazis stieg) interessierte**, waren zeitgleich viele italienische Faschisten wahre Technikfreaks.

    Daraus folgt natürlich nicht, dass die Deutschen ein Volk von Naturwissenschaftsskeptikern sind oder es in anderen Ländern etwa keine Naturwissenschaftsskeptiker gegeben hätte oder geben würde. Eine vergleichsweise starke Reserviertheit gegenüber Technik im weiten Sinne unter deutschen Intellektuellen im 19. und 20. Jahrhundert ist jedoch evident. Und man kann sagen, dass dies völlig losgelöst etwa von den genannten Autoren des 20. Jahrhunderts (die sich wiederum nicht außerhalb Deutschlands oder voraussetzungslos ans Werk gemacht haben) breit diffundiert ist und bis heute indirekte Nachwirkungen hat.

    * Sowohl Marcuse als im Anschluss an ihn auch Heidegger-Afficionado Habermas („Technik und Wissenschaft als Ideologie“) beziehen sich affirmativ auf den Begriff „Resurrektion der verlorenen Natur“ bei Johann Gottlieb Fichte!

    ** Mit Ausnahme vielleicht von Ernst Jünger, den man zum losen, heterogenen Verbund der KR zählt. Seine nietzschenianisch geprägten Fortschrittsvisionen zur Weimarer Zeit taugen jedoch wenig dazu, sich für Naturwissenschaften zu erwärmen.

    • 23. September 2008 um 13:46 Uhr
    • N. Neumann
  11. 11.

    @PBUH
    Wohin sollen denn die Asiaten und Inder ihren Krempel verkaufen, wenn die Amis kein Geld mehr für Konsum haben?
    Die ganze Weltwirtschaft hängt von den Amis ab. Gehen die Amis den Bach runter, dann auch der Rest der Weltwirtschaft. Außerdem horten alle aufstrebenden Staaten ihre Gewinne in Dollars.

    • 23. September 2008 um 13:51 Uhr
    • lebowski
  12. 12.

    L’enfer, c’est nous.

    • 23. September 2008 um 14:30 Uhr
    • AM
  13. 13.

    @ Neumann

    Gute Analyse!

    @ PBUH

    „Asien wird aber stark weiterwachsen und möglicherweise die europäische und die US-Wirtschaft “retten”.“

    Zumindest die deutsche Exportwirtschaft profitiert (noch?) vom anhaltenden Boom zwischen Dubai und Shanghai.
    Die Frage ist, wie lange noch.

    Lebowski hat recht:
    Falls die US-Wirtschaft einen stärkeren Einbruch erleidet als bisher angenommen, wird das auch in Asien tiefe Spuren hinterlassen. Zumal die chinesische Börse eine Riesenblase entwickelt, die bald platzen dürfte und das dortige Bankensystem gravierende Schwächen aufweist. Ein akuter Schwächeanfall des Dollar (der aufgrund der astronomischen amerikanischen Staatsverschuldung – die ja zur Rettung der Bankenkrise um weitere 700 Mrd. $ anschwellen wird – mehr als wahrscheinlich ist) würde auch die chinesischen Finanzreserven schwer belasten.

    @ Lebowski

    Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist sehr wohl reformier- und kontrollierbar.
    Wie sonst könnten die europäischen Sozialstaatsmodelle funktionieren?

    • 23. September 2008 um 14:32 Uhr
    • Joachim S.
  14. 14.

    Das schönsten Beispiele für Fortschrittsfeindlichkeit findet man doch regelmäßig auch auf diesem Blog. Die stark wachsende Lebenserwartung, die im Kern einen gewaltigen Fortschritt widerspiegelt, nutzen die Fortschrittsfeinde regelmäßig, um die demografische Katastrophe auszuschmücken. Der alte, verknöcherte, unbelehrbare und trotz allem Fortschritt gehbehinderte Deutsche ist dann nur noch das Treibgut in der islamischen Flut. Dabei handelt es sich ohne jeden Zweifel um eine fortschrittspessimistische Vision in der schlechtesten der deutschen Traditionen.

    • 23. September 2008 um 14:38 Uhr
    • AM
  15. 15.

    @Joachim S.
    „Wie sonst könnten die europäischen Sozialstaatsmodelle funktionieren?“

    Um den Preis einer gigantischen Staatsverschuldung, also einem Wechsel auf die Zukunft.

    „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist sehr wohl reformier- und kontrollierbar.“

    Lesen sie kurz, was Schirrmacher von der FAZ dazu sagt:

    „Eine sogenannte „Finanzkrise“ kann in einer Gesellschaft, wo Finanzen die Synonyme für gesellschaftliche Rationalität geworden sind, nichts anderes sein als eine brutale Vernunftkrise. Es müssen irgendwo Verrückte herumlaufen, die bis Montag nicht aufgefallen sind, weil ihr Wahn identisch war mit der Logik des etablierten Systems. […] Für strukturelles Versagen und institutionelle Verbrechen gilt, dass die Verantwortung zunimmt, je weiter man sich von der eigentlichen „Tat“ entfernt. Das soll für Chefs der Finanzhasardeure aber nicht gelten. Sie sagen nicht, dass sie Handlungen angeordnet oder unterbunden haben, sondern – und das lässt eine längst mit allem sich abfindende Gesellschaft ihnen durchgehen – sie sagen, wie die Chefs der IKB, dass sie die Praxis, die Handlungen und Verfahren nicht verstehen und nie verstanden haben. Sie haben es nicht verstanden! Man muss sich erinnern, dass dies uns über Jahre hinweg in Talkshows und auf Foren als „Rationalität“ angepriesen wurde. “

    Diejenigen also, die das System kontrollieren sollen, müssen leider zugeben, dass sie es gar nicht verstehen.
    Verstehen tun es anscheinend auch nicht die ganzen Bankiers wie Kopper und Co, sonst hätten sie ja den Absturz verhindert.
    Interessant ist, wer das System versteht: Zb Stefan Frank, der für „Konkret“ schreibt. Um das mal böse zu formulieren: ein kleiner schlecht bezahlter linker Publizist versteht mehr vom Kapitalismus als die Creme de la Creme aus Bankiers, Manager, Aufsichtsräten, Börsenexperten usw usf..
    Vielleicht sollte man tatsächlich mal bei Gremliza anfragen, ob er nicht die Kontrollorgane für die Wirtschaft stellen will.

    • 23. September 2008 um 14:45 Uhr
    • lebowski
  16. 16.

    @lebowski

    An sich selbst, die Märkte in Asien sind mittlerweile entwickelt genug.

    Der Handymarkt als Beispiel ist in Westeuropa und den USA schon vor Monaten in die Knie gegangen ohne grossartige Auswirkungen auf den Gesamtmarkt, zumindest was die Stückzahlen betrifft. Bei praktisch der gesamten Konsumerelektronik sieht es genauso aus.

    • 23. September 2008 um 14:49 Uhr
    • PBUH
  17. 17.

    @ lebowski
    „Interessant ist, wer das System versteht: Zb Stefan Frank, der für “Konkret” schreibt.“
    Na ja, die Systemversteher schießen jetzt wie die Pilze aus dem Boden. Sie werden uns bald genauso auf die Nerven gehen wie bis vor kurzem die neoliberalen Systembejaher, die der Welt mit der Rationalität der Märkte bis zum Erbrechen im Ohr hingen. DAS ist die ewige Wiederkehr Desselben, bei der absolut kein Fortschritt erkennbar ist, dieses ewige Totreiten der Erkenntnisse von gestern. Man kommt kaum dazu, den Schocktod der Marktgläubigen bzw. ihre demütigende Rettung durch den allmächtigen Staat (man lese die Ermächtigung, die sich Hemry Paulsen ins Gesetz schreiben lassen will, Lol!) so zu genießen, wie man es sich jahrelang erträumt hat. Nein, schon steht die nächste Generation von nervensägenden Gläubigen auf der Matte.

    • 23. September 2008 um 14:57 Uhr
    • AM
  18. 18.

    @lebowski

    >Kein Konzern hätte diese astronomischen Gewinne in den letzten Jahren erzielen können, wenn er nicht auch an der Börse gezockt hätte.

    Das ist kompletter Unsinn, in vielen grossen Firmen wird real viel Geld verdient, die sind einfach enorm effizient geworden.

    • 23. September 2008 um 15:08 Uhr
    • PBUH
  19. 19.

    @AM
    Die Systemversteher sind die Systemkritisierer. Um das System verstehen bzw. kritisieren zu können, muss man seine grundlegenden Mechanismen und Kräfte verstehen.
    Das sind eben die Leute, die sich den Wald anschauen und nicht die einzelnen Bäume.
    Die meisten sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht.

    • 23. September 2008 um 15:09 Uhr
    • lebowski
  20. 20.

    @ PBUH
    „… n vielen grossen Firmen wird real viel Geld verdient, die sind einfach enorm effizient geworden.“
    Effizienz ist eine differenzielle Größe (effizient im Vergleich zur Konkurrenz) und als solche nicht beständig. Deshalb melde ich vorsorglich schon mal Zweifel an an der Beständigkeit der Gewinne vieler großer Firmen. Keine Sorge, damit kann ich gar nicht falsch liegen am Anfang eines Abschwungs.

    • 23. September 2008 um 15:15 Uhr
    • AM
  21. 21.

    @ Lebowski

    Frank Schirrmacher ist ein ausgewisener Wirtschaftsfachmann, nicht?

    (Germanisten und Philosophen mögen zwar ihre Daseinsberechtigung haben, aber mit handfesten Tatsachen haben die eher weniger am Hut – sage ich als Naturwissenschaftler, dem die Kollegen von der „Geistes“-Fraktion schon immer suspekt waren.)

    • 23. September 2008 um 15:15 Uhr
    • Joachim S.
  22. 22.

    @ Joachim S.
    „…sage ich als Naturwissenschaftler, dem die Kollegen von der “Geistes”-Fraktion schon immer suspekt waren.)“
    Ach, Sie auch?

    • 23. September 2008 um 15:19 Uhr
    • AM
  23. 23.

    @Joachim S.
    Haben ausgewiesene Wirtschaftsfachmänner die Krise verhindern können?

    Ich bin übrigens auch Naturwissenschaftler.

    • 23. September 2008 um 15:27 Uhr
    • lebowski
  24. 24.

    Natürlich wird die Finanzkrise nun von den ewig Vorgestrigen in Deutschland instrumentalisiert um ihren 100 Mal gescheiterten Ideen wieder mehr Gehör zu verschaffen, das ist doch ganz normal, aber es ist auch todlangweilig.

    • 23. September 2008 um 15:30 Uhr
    • PBUH
  25. 25.

    @ JL
    „Das Geheimnis ihres Glücks sei womöglich »die Gelassenheit, die sich einstellt, wenn ein Menschenleben nichts mehr zählt«.“
    Das ist wunderbar gesagt.

    „Eifersucht auf den unbändigen Optimismus der Chinesen und ihre beneidenswerte Gewissheit, dass das Neue für sie auch das Gute sein wird.“
    Haben sie die Chinesen eigentlich mal persönlich gefragt, ob sie so optimistisch sind, wie man ihnen andichtet? Vielleicht ist es bei vielen auch nur Fatalismus. Die Panscher, die Melamin in die Milch gepanscht haben, waren wohl auch sehr optimistisch, dass es so schlimm schon nicht sein wird.

    • 23. September 2008 um 15:31 Uhr
    • AM
  26. 26.

    @ PBUH
    „Natürlich wird die Finanzkrise nun von den ewig Vorgestrigen in Deutschland instrumentalisiert um ihren 100 Mal gescheiterten Ideen wieder mehr Gehör zu verschaffen..“
    100 Mal ist wahrscheinlich zu viel gesagt und in der Finanzkrise sind wohl auch ein paar Ideen einmal mehr gescheitert, deren Vertreter irgendwann ihr sunbelehrtes Haupt wieder heben werden. Solche Argumente bringen niemanden weiter.

    • 23. September 2008 um 15:34 Uhr
    • AM
  27. 27.

    @PBUH
    Ich bin auch gegen die Ewiggestrigen wie Bush, Bernanke und Co , die glauben, der Staat könne den Markt stützen. Das ist Sozialismus, das haben wir schon hinter uns.
    Eigentlich müsste die Wall Street doch gegen diese Eingriffe des Staates Sturm laufen.

    • 23. September 2008 um 15:43 Uhr
    • lebowski
  28. 28.

    @AM

    Jenseits des Finanzsektors sind die meisten grossen Firmen sehr Gesund, die meisten haben soviel Gewinnreserve aufgebaut, dass sie die Krise ohne jeglichen Verluste und grossen Arbeitsplatzabbau überstehen werden.

    Leiden werden die Dividendenempfänger, da die Firmen nun ihre Eigenkapitalbasis stärken werden.

    Das ist dann übrigens auch die Lehre, die der Markt aus der Krise zieht. Firmen die sich dem Trend der minimalen Eigenkapitalbasis bei maximaler Verschuldung und maximaler (Sonder-)Dividendenausschüttung nicht gebeugt haben stehen nun besonders gut da und können mit ihrem Cash in der Bank und vorhandener Kreditwürdigkeit nun schön billig andere Firmen aufkaufen.

    • 23. September 2008 um 16:00 Uhr
    • PBUH
  29. 29.

    @AM

    Nur der Deutsche verwechselt Schlaglöcher auf der Strasse des Fortschritts mit dem Grand Canyon.

    • 23. September 2008 um 16:05 Uhr
    • PBUH
  30. 30.

    „Firmen die sich dem Trend der minimalen Eigenkapitalbasis bei maximaler Verschuldung und maximaler (Sonder-)Dividendenausschüttung nicht gebeugt haben stehen nun besonders gut da“
    Das freut mich als Konservativen sehr. Endlich sind die Zeiten (vorübergehend) vorbei, wo derjenige am besten dasteht, der mit dem Geld anderer Leute und faulen Visionen das große Rad dreht. Es soll ein Heulen und Zähneklappern geben, auf das das Wahre und Solide triumphiere über den leeren Schein!

    • 23. September 2008 um 16:07 Uhr
    • AM
  31. 31.

    @PBUH
    Und nur der Ami verwechselt einen gähnenden Abgrund mit einem Schlagloch auf der Straße des Fortschritts.
    Aber wir können ja abwarten, wer Recht hat.

    • 23. September 2008 um 16:15 Uhr
    • lebowski
  32. 32.

    @lebowski

    Ist ja nicht das Geld der Wall Street, was Bush und Co. hier einsetzen wollen :-)

    • 23. September 2008 um 16:16 Uhr
    • PBUH
  33. 33.

    @ PBUH
    Jetzt wo Genosse Bush den Staat für uns alle wiederentdeckt hat, wird mit Steuergelden nicht mehr gekleckert, sondern geklotzt:
    http://www.ftd.de/unternehmen/autoindustrie/:Regierung-schn%FCrt-Rettungspakete-US-Autobauern-winkt-Milliarden-St%FCtze/417276.html
    Ich bin ja so gespannt, wer dem Markt die Treue hält und wer dem „starken“ Mann mit dem vielen Geld, das ihm nicht gehört.

    • 23. September 2008 um 16:46 Uhr
    • AM
  34. 34.

    @ Alle: Ich sollte klarstellen, dass ich ein Anhänger des Modells Wüstenrot bin und den amerikanischen Kreditkarten-Wohlstand immer schon für irrsinnig gehalten habe. Das war die Paradoxie der Bush-Zeit: Unilateralismus in der Aussenpolitik – aber den eigenen Wohlstand von Chinesen und Europäern finanzieren lassen. Nun ist das erst mal vorbei. Und die Trennung der Sphären wird man nicht aufrecht erhalten können. Das Debakel der Finanzmärkte wird insgesamt einen andere Haltung zur Welt mit sich bringen.

  35. 35.

    @ JL
    „Das Debakel der Finanzmärkte wird insgesamt einen andere Haltung zur Welt mit sich bringen.“
    Und eine andere Haltung DER Welt, nicht zu vergessen. Der Lack ist ab: They payed VISA with American Express.

    • 23. September 2008 um 17:10 Uhr
    • AM
  36. 36.

    @AM

    Na bei Bush kann das nun wirklich nicht überraschen, der Mann hat noch nie zu den Fiskalkonservativen gehört.

    Der mehr als umstrittene Peter Bofinger, der nur auf Empfehlung der Gewerkschaften zum „Wirtschaftsweisen“ berufen wurde möchte übrigens gleiches wie in den USA sehen. Der Staat soll den Banken ihre faulen Kredite abkaufen.

    • 23. September 2008 um 17:31 Uhr
    • PBUH
  37. 37.

    @ PBUH
    Tja, wäre Bofinger etwas früher mit seinen Ideen aufgetaucht (und das ohne die Unterstützung der Gewerkschaften natürlich), wäre er bestimmt ein ganz großer Held der freien Marktwirtschaft geworden. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

    • 23. September 2008 um 17:42 Uhr
    • AM
  38. 38.

    Warum redet ihr denn schon wieder so einseitig ueber Geld und Märkte?

    Zum Glueck gehört doch schlicht, dass man einen Weg findet, der Aufgaben bereithält, die herausfordern und mehr oder minder zu bewältigen sind.

    Viele Gruesse aus dem oeffentlich zufriedenen Schweden.

    • 23. September 2008 um 18:43 Uhr
    • Sebastian Ryll
  39. 39.

    @AM

    Lafontaine ist offenbar auch dabei, sehr lustig.

    • 23. September 2008 um 19:26 Uhr
    • PBUH
  40. 40.

    @Sebastian Ryll
    „Viele Gruesse aus dem oeffentlich zufriedenen Schweden.“

    Sie Glücklicher. Wo sind Sie denn gerade?

    • 23. September 2008 um 20:53 Uhr
    • lebowski
  41. 41.

    @lebowski No15

    „Interessant ist, wer das System versteht: Zb Stefan Frank, der für “Konkret” schreibt. Um das mal böse zu formulieren: ein kleiner schlecht bezahlter linker Publizist versteht mehr vom Kapitalismus als die Creme de la Creme aus Bankiers, Manager, Aufsichtsräten, Börsenexperten usw usf..
    Vielleicht sollte man tatsächlich mal bei Gremliza anfragen, ob er nicht die Kontrollorgane für die Wirtschaft stellen will.“

    Ja, verblueffend, wie Stefan Frank immer treffsicher die wirtschaftliche Situation analysiert und mit seinen Voraussagen Recht behaelt.
    Sie koennen ja mal bei Gremliza anfragen, ob er nicht…der wird sie so was von eiskalt abfahren lassen und abwatschen. Allerdings wird er auch seine Genugtuung ueber Ihr Ansinnen kaum verhehlen koennen. G. ist Kommunist, also Utopist und urteilt von einer superhohen moralischen Warte herab und stellte letztens Merkel auf eine Stufe mit Mugabe.

    • 23. September 2008 um 21:06 Uhr
    • Vanfontheweg
  42. 42.

    @Vonvorneweg
    Ja, ganz furchtbar. Der Mann ist nicht Ihrer Meinung. Wie konnte das passieren?

    Wählen Sie jetzt!

    a. Alles Nazis außer Mutti
    b. Alles Kommunisten außer Mutti

    • 23. September 2008 um 21:48 Uhr
    • lebowski
  43. 43.

    Der berechtigte frage hier lautet

    woher nimmt der ami Staat plötzlich 700,000,000,000 frei mittel?? wenn nicht umsonst gedruckt!!

    • 23. September 2008 um 22:27 Uhr
    • kayvan
  44. 44.

    Ganz einfach, er verkauft Staatsanleihen.

    Gegenfrage: Wie finanziert sich der iranische Staat?

    • 23. September 2008 um 22:40 Uhr
    • Joachim_S
  45. 45.

    @Joachim-S

    Aus Öl-, Waffen,- und Drogengeschäften dazu Enteignungen!!!

    • 23. September 2008 um 23:32 Uhr
    • docaffi
  46. 46.

    Kayvan, altes Haus, auch wieder dabei? Wie steht’s in Berlin, endlich eine Ziege im Hinterhof? Sie wissen schon.

    • 23. September 2008 um 23:46 Uhr
    • Bergpalme
  47. 47.

    Um einer vorschnellen Totsagung Uncle Sams vorzubeugen, empfehle ich einen Artikel von Artikel von Simone Boehringer in der Süddeutschen Zeitung.
    Kayvans Frage wird da schon im Titel aufgegriffen mit: „Woher kommen die 700 Milliarden?“
    http://www.sueddeutsche.de/finanzen/309/311232/text/

    Darin schreibt Boehringer:

    „Die USA gelten aber immer noch als einer der sichersten Schuldner der Welt, Experten rechnen daher nicht mit Absatzschwierigkeiten bei den Anleihen…“

    Erschrecken klingt dann der Befund:

    „Von 1776 bis zum Jahr 2000 haben die Amerikaner eine Gesamtverschuldung von 5660 Milliarden Dollar aufgebaut. Die Bush-Regierung hat es binnen acht Jahren vermocht, das Defizit um 70 Prozent auf 9660 Milliarden Dollar auszuweiten.“

    Etwas weiter dann:

    „Derzeit macht die Zinslast des US-Staates etwa acht Prozent des Bundeshaushalts aus. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 15 Prozent. Die Gesamtverschuldung der USA im Vergleich zur Wirtschaftsleistung liegt bei etwa 40 Prozent, in Deutschland bei 60 Prozent.“

    Ich finde, wir sollten uns besser fragen, was bei uns schon alles falsch gemacht wurde.

    • 24. September 2008 um 07:35 Uhr
    • iceman
  48. 48.

    @iceman
    Naja, schon mal was von der deutschen Einheit gehört? Die hat ein bisschen gekostet.

    • 24. September 2008 um 07:49 Uhr
    • lebowski
  49. 49.

    @lebowski
    Und die USA haben die Absetzung mehrerer Diktatoren bezahlt.
    Ich denke eher das die Araber ihr Geld aus den USA abgezogen haben und verstärkt in Europa investieren. Das hat die Krise bei uns abgefedert und den Euro im Vergleich zum US-Dollar hochgedrückt.
    Bei uns in Europa kriselt es auf dem Immobilienmarkt auch seit längerem. Spanien hat es schon seit 2 Jahren hinter sich. Bei uns die Hedgefonts im Osten. Pleiten iun der Bauindustrie (Holzmann).

    • 24. September 2008 um 09:09 Uhr
    • J.S.
  50. 50.

    Sorry, Spanien hat es wohl auch noch nicht hinter sich. Es hat nur schon etwa 2005 bei denen begonnen.

    • 24. September 2008 um 09:17 Uhr
    • J.S.
  51. 51.

    Sorry, lebowski, aber die angeblichen Riesen-Kosten der deutschen Einheit halte ich für eine Schimäre, eine typische Inszenierung der desorientierten deutschen Linken, die – oder besser: deren politische Führung – nicht die Traute hatte, das skandinavische Modell konsequent umzusetzen (hätte man ja machen können).
    Schaust du mal hier rein:
    http://www.jupol.net/53403896e80c8bd01/534038976a086e201/534038976a0a83742/index.html

    Aus dem obigen Schaubild ergibt sich, dass der Schuldenstand Deutschlands von 1980 (also von zehn Jahren VOR der deutschen Einheit) bis zum Jahre 2004 von 31,4% auf 66% gestiegen ist.
    In etwa eine Verdoppelung.
    Remember Artikel von Boehringer, in den USA gab es in den sieben Jahren unter homicidal maniac Dubya einen Zuwachs von satten 70%.

    Trotzdem diese Diskrepanz!
    Das zeigt doch, dass der geringste Anteil des deutschen Defizits auf der Wiedervereinigung beruht (auch wenn man Belastungen wie den Soli-Beitrag noch zurechnen muss, den man aber wieder mit den steuerlichen Rückflüssen aus dem Osten verrechnen muss – die es ja auch gibt).

    Nein, die Fehler lagen ganz woanders, nämlich in (relativ) zu hohen Ausgaben bei einem viel zu geringen Steueraufkommen.
    Schlimmer noch: die Steuereinnahmen wurden auch noch planlos in Form von Wahlgeschenken und Abschreibungen in Hülle und Fülle verbraten, anstatt sie wenigstens zukunftsträchtiger in Bildung, Forschung und v.a. Kinderbetreuung zu investieren.

    Unter langfristiger Prognose haben die Amerikaner bessere Voraussetzungen, um ihr System zu erhalten.
    Neben dem vorhandenen höheren Kreditspielraum (s.o.) liegt ihr Vorteil in einer stabilen demografischen Entwicklung und sowieso in einer über Jahrzehnte besser gesteuerten Zuwanderung.
    Das Argument des größeren und geschlossenen Marktes der Amerikaner lasse ich nicht gelten, weil man nicht auf der einen Seite mantrahaft behaupten kann, die kleinen Länder (Irland, Holland, Skandinavier) hätten es leichter, und dann wieder behaupten, dass die Blue Chips der Amerikaner den Unterschied ausmachten.
    Deutschland war immerhin groß genug, um auf dem Automobilmarkt ähnlich stark zu sein wie die USA, auch in vielen anderen Branchen wie Maschinenbau, und ganz allgemein verfüg(t)en wir über einen vorzüglichen Mittelstand.

    Richtig „lecker“ wird´s ja, wenn man Deutschland mit Irland vergleicht, einem Land, das zur Zeit von Bölls „Irischem Tagebuch“ noch das Armenhaus Europas war, vom Sozialstandard her vergleichbar mit Ländern wie Rumänien oder Ex-Jugoslawien.
    Die haben ebenfalls eine Kinderquote von 2, weshalb die keine Probleme bezüglich Finanzierung Renten- oder Gesundheitssystems bekommen werden.
    Gleichzeitig beläuft sich die irische Staatsverschuldung, die niedrigste in Europa, und gemessen am BIP, auf lediglich 25% (Deutschland siehe Boehringer über 60%).
    Eine jetzt schon um den Faktor 2,5 höhere deutsche Staatsverschuldung trifft also in etwa 30 Jahren auf eine Erwerbsbevölkerung (und nur die zählt!), die im Vergleich um ein gutes Drittel geschrumpft sein wird!

    Wir Deutschen werden dann kaum mehr wettbewerbsfähig sein zu Angloamerikanern oder auch Skandinaviern, denen man eine ähnlich positive Prognose ausstellen kann.
    Ich erinnere hier auch an den Artikel „Der wankende Staat“, den die ZEIT-Autoren Rudzio und Uchatius schon vor knapp zweieinhalb Jahren geschrieben haben.
    Darin wird sehr anschaulich das Dilemma eines ausgebauten Sozialstaats aufgezeigt, der unter Unterfinanzierung leidet (wie gesagt, bei gleichzeitiger Fehlsteuerung der eingesetzten Mittel).
    http://www.zeit.de/2005/22/Wieviel_Staat

    Na ja, schwierige Zeiten haben immer einen großen Vorzug, regen die Gemüter zum Nachdenken an, und damit eröffnen sich vielleicht neue Möglichkeiten.
    Bekanntlich ist es nie zu spät.
    Den großen Hebel, um umzusteuern, gibt es noch.
    In der demografischen Misere liegt ja auch eine gewisse Chance, weil sich das Ganze zumindest für die künftigen Beschäftigten, Azubis oder Studenten positiv auswirken wird, aufgrund knapper Arbeitskräfteressourcen.

    Ein solcher Entschlackungsprozess bedingt aber zunächst eiserne Haushaltsdisziplin, kluge Improvisation und Streckung bei den Angeboten der sozialen Dienstleister, und einen radikalen Abbau der Bürokratie.
    Notwendig scheint mir, man muss es wohl so sagen, auch der „Opfergang“ mindestens zweier Generationen (*am besten alle geburtenstarken Rentner erschiessen – Ironie off!*).
    Jede Rechnung muss irgendwann bezahlt werden, und nur über eine bitteren Umweg, der auf den ersten Blick wie ein Rückschritt aussieht, wird es der deutschen Zivilgesellschaft möglich sein, sich zu erhalten.

    Daneben sollten verstärkt an andere, amaterielle „Glücksversprecher“ kultiviert werden – auch darin liegt eine gewisse Chance.
    Allerdings wäre es verkehrt, und ich lese das so ein bisschen bei Herrn Lau raus, nur die unselige – und unglücklich machende – materialistische Interpretation von Glück als „Status“ (oder, am unteren Ende, auf „Verteilungsgerechtigkeit“) zu beklagen, weil geistige Werte nicht mehr genug gewürdigt würden.
    Denn zum einen sind diejenigen, die nicht wissen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen, tatsächlich zu beklagen, und zum anderen:
    Wenn man wie wir in einer Informationsgesellschaft lebt (und wollen wir etwa darauf verzichten???), dann liefert die Beobachtung und Beurteilung der materiellen Versorgungsströme zwar einen wichtigen Indikator für den ALLGEMEINEN Zusammenhalt eines Gemeinwesens.
    Deswegen erneut die Empfehlung des skandinavischen Modells, dessen Wesenskern darin besteht, dass die privaten Einkommen – anders als die Gewinne der im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen – sehr unterschiedlich besteuert werden.
    Verbindet sich ein solches System mit klugen Investitionen in öffentliche Einrichtungen für Frühförderung und Bildung (und wird dadurch wiederum der Unsitte des Abgreifens von sozialen Leistungen vorgebeugt), so ist ein solches System höchst vital und lebensfähig – weil es, allgemein als erfolgreich und gerecht anerkannt, von den Mitgliedern der Gemeinschaft mitgetragen wird.
    Ich fürchte nur, wir können es uns für sehr lange Zeit nicht mehr leisten!

    Die Hinwendung zu mehr „Geist“ und weniger „Konsum“ wäre also eine aus der Not geborene Tugend – und auch die BILD-Zeitung strickt ja fleissig dran, wenn sie ihren Lesern das hehre Bild des tapferen Billiglöhners anpreist.
    Mir ist eigentlich nicht nach Zynismus zumute, aber na ja, man muss sich eben auf die Möglichkeiten konzentrieren, die man künftig noch hat.
    Ist doch ganz nett, nach schonungsloser und deprimierender Analyse des Ist-Zustandes plötzlich neue gesellschaftliche Visionen präsentiert werden, die Tugend des Verzichts gepredigt, und an die Aufbruchstimmung der Nachkriegsjahre erinnert wird, eine Nachkriegsära, die mit einemmal gar nicht mehr so sehr unter Verdrängungsmechanismen litt, denn so verklemmt war sie doch gar nicht, die Elterngeneration der heutigen Mittvierziger und -fünfiziger, oder?

    Gelobt sei der Optimismus der 50er und 60er, und ungerecht wäre es, diesem kecken Zeitgeist, diesem etwas verspielten und koketten „Doris-Day-Charme“ die Etikette des Nur-Naiven, Unbedarften oder Spiessbürgerlichen anzuheften, hm?
    Der Mensch ist ja immer komplexer als sein blosses Abbild nach aussen, und liegt nicht auch in der etwas strengeren Konvention etwas Heimeliges und Sicherheit vermittelndes, das man nicht unterschätzen sollte?

    Ob es wirklich stimmt, dass die damalige Zeit besser, sprich optimistischer war, weiss ich nicht, aber ich fürchte, dass sich da manch einer an das Bild an bessere Tage klammert – sie könnten ja wiederkommen.

    Den Glauben an eine fröhlichere, freudvollere, und unbeschwertere Gesellschaft kann man sich nicht herbei wünschen, der muss auf erreichbaren Zielsetzungen beruhen, und dafür muss man etwas tun.
    Gerne eine Stärkung der „inneren Werte“, sehr gerne – das ist besser als nichts!
    Und wo, wie beschrieben, auf der kürzeren Zeitachse Verwirklichungshemmnisse bezüglich (materieller) gesellschaftlicher Verbesserungen bestehen, da bietet sich als Ausweg ja nur die Projektion an.
    Also die selbstlose Übertragung eigener Bedürfnisse – eben die der Alten – auf die jüngere Generation, die es einmal besser haben soll.
    Das ist gar nicht verkehrt, weil ohne eine solche Projektionsfähigkeit jede Gemeinschaft in harten Zeiten zugrunde geht, ob es sich nun um eine Familie, einen Firmennachlass, oder eine ganze Gesellschaft handelt.
    (Umgekehrt setzt die Degeneration immer dort ein, wo die handelnden Akteure gewissenlos alles verfressen – das hatten wir gerade!).
    Ich glaube tatsächlich, dass ohne die Reanimation der Tugend „Bescheidenheit“ kein (deutscher) Staat mehr zu machen oder zu erhalten ist, frage mich aber, woher dieser Sinneswandel herkommen soll bei einer künftigen Generation von Alten, die im Zeichen der „Spassgeneration“ sozialisiert wurden.
    Wie realistisch ist das?
    Oder sind die Jüngeren gemeint, will man denen was predigen?
    Die werden uns was husten, und alles was ein Hirn und zwei Beine hat das weite suchen.

    Die Kultivierung des Verzichts bedingt, damit es nicht zu Unruhen kommt, ein gewisses Klima geistiger Homogenität und Selbstvergewisserung – eben eine eigene Identität – und auch daran sind wir Deutschen grandios gescheitert.
    Mit Homogenität meine ich keine Zwangskollektivierung, keine weltanschauliche Verengung, und schon gar keinen Knigge.
    Sondern schlicht und ergreifend so etwas wie Gemeinsinn, ein Empfinden von Zugehörigkeit und Verantwortlichkeit für das Ganze.
    Ob man eine solche geistige Erneuerung (die keine „geistig-moralische Wende“ im Kohlschen Sinne, also keine blosse Worthülse sein kann), dann als sozialdemokratisches oder als konservatives Projekt veräussert, das wäre egal.
    Raum findet sich für beides, und selbst das Liberale findet hier seinen Platz, sofern Liberalismus – auch das hatten wir gerade und allzu lange – nicht nur als ökonomisierter Vulgärliberalismus verstanden wird, sondern stattdessen als echter Freiheitsbegriff, verbunden mit der Forderung nach aktiver politischer Mitgestaltung durch den Bürger (wir bräuchten dringend den Ersatz, oder zumindest die Einhegung des Parteienmonopols durch mehr Basisdemokratie).

    Jörg Lau nannte das Beispiel Nigerias, und zeigte die Bedeutung der dortigen Stammesgesellschaft als Wesenskern des Zusammenhaltes.
    Das ist glaubwürdig.
    Und es zeigt, dass das Fundament, auf dem gemeinsame Werte beruhen, von Kultur zu Kultur sehr variieren kann.
    Als Mitteleuropäer muss man sich Nigeria deshalb ebenso wenig als Gesellschaftsmodell zum Vorbild nehmen wie bspw. die dem Islam implizierte Stammestradition.
    Aber es zeigt doch eines, nämlich dass der Wesenskern jeder funktionierenden Gruppe im Teilen gemeinsamer Werte liegt.
    Die Staffelübergabe nicht zu versemmeln, und den Stab erfolgreich weiterzureichen an die nachfolgende Generation, darin liegt eigentlich die elementarste und würdigste Aufgabe, der sich ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen stellen kann, wobei das Bedürfnis nach Geben, Fördern und Mitfühlen mit anderen auch pervertieren kann, und eine der übelsten Auswüchse ist der Selbstmordattentäter oder Ehrenmörder.
    Aber, ganz grundsätzlich, es gibt dieses Bedürfnis nach einem Sich-Einfinden in einem gemeinsamen Raum und unter ein gemeinsames Dach.
    Darin liegt ein menschlicher Urtrieb, letztlich die Antriebskraft aller Evolution, und in einer materialistischen Kunst- und Konsumwelt muss diese Triebkraft zwangsläufig verkümmern, und ein schlagender Beweis dafür ist die erbärmliche deutsche Kinderquote.

    Ein anderes Beispiel für den natürlichen Trieb nach gegenseitiger Fürsorge und Absicherung, dem Streben nach Harmonie in der Gemeinschaft, fand ich vor einigen Tagen in einem Buch mit dem Titel „Markt und Macht in der Geschichte“, das Helga Breuninger – eine gute Idee übrigens – bereits vor mehr als zehn Jahren für ihren verstorbenen Vater, den Unternehmer Heinz Breuninger, in Auftrag gab.
    In einem Kapitel des Buches, geschrieben von Helmut Altrichter (Titel: „Zwischen Staatszielen und Konsuminteresse. Zur historischen Einordnung der Wirtschaftsreformen Gorbatschows“) wird da auf einigen Seiten der Verlauf der nach-revolutionären Phase der Sowjetunion beschrieben – vor allem die Suche nach der besten Wirtschaftsordnung unter der Führung Lenins.
    Da gab es hohe Unsicherheiten bei den handelnden Protagonisten, was denn nun der richtige Weg sei, mehr Dirigismus oder mehr Eigenverantwortung, oder wieviel von beidem jeweils.
    Sehr beeindruckt hat mich die Tatsache, dass der parteiinterne Streit so gelöst wurde, dass man die Bauern nach Einführung des „Bodendekrets“ (der Enteignung von Adel, der Großgrundbesitzern, Kirchen und Abteien) SELBST frei entscheiden liess, unter welcher Wirtschaftsform sie arbeiten wollten.
    Die hatten da die Wahl zwischen:
    a. System von Einzelbauern
    b. Gemeindeverband, und
    c. Kollektivwirtschaft.
    Klugerweise entschieden sich die Bauern, in deren Augen sich die Gemeindeverfassung über Jahrhunderte erfolgreich bewährt hatte … für die Gemeinde!
    Damit erreichten sie zweierlei:
    Erstens fühlte sich der Einzelne aufgehoben in der Gruppe, seinem vertrauten Milieu.
    Und zum anderen wurde das – von den Bolschewiki propagierte – Kollektivsystem, das ja zweifellos die Eigeninitiative lähmt, von den Bauern abgelehnt.

    Hier zeigt sie sich erneut: Die Intelligenz der Masse!

    Leider, und wie so oft in der Geschichte, wurde der gesunde Menschenverstand mißachtet durch den später immer weiter um sich greifenden Zentralismus, durch Enteignungen, Zwangszusammenschlüsse von Betrieben, die Installation unqualifizierter Arbeiterkontrollorgane, einer Hundertschaft von „Volkswirtschaftsräten“, die gesteuert wurden durch die Pläne eines allmächtigen „Obersten Volkswirtschaftsrates“.
    Zum Kotzen, und die späteren Folgen sind bekannt:
    Hungersnöte, Stalinismus, und am Ende der verdiente Zusammenbruch des „Sozialismus“.

    Ich bin der Meinung, dass – natürlich auf sehr viel weniger dramatischem Niveau – auch die politischen Systeme der meisten westlichen Länder unter einem Übermass an politischer Willkür leiden, und dass dadurch zu häufig Entscheidungen getroffen wurden und werden, die nicht im Sinne der Allgemeinheit liegen.
    Sei es aus Naivität, persönlicher Ideologisierung, politischem Gruppen- und Fraktionszwang, oder aus schlichter Doofheit.
    In der Folge werden Gemeinschaften immer wieder auf´s Neue gespalten, und ihre Potentiale nicht genügend ausgeschöpft.
    Das Individuum Wähler (Stimmvieh) wird entpolitisiert, diminuiert, und mit Titti-TV verdummt – und allein schon aus Gründen der Selbstachtung sollte das jedem (denkenden) Menschen zu denken geben!
    Vielleicht gibt es ja noch ein paar davon.
    Auf jeden Fall gibt´s noch jede Menge Stoff für „Gesellschaftskritik“, wobei ich mir wünschen würde, dass sie auf eine bessere Grundlage gestellt wird, ohne die ausgelatschten Trampelpfade und dem Gehabe der tradierten Parteien.
    Ein Zeichen der Hoffnung:
    Unsere Jugend ist NICHT „charakterlos“ – sondern mental genau auf dem richtigen Weg!

    • 24. September 2008 um 10:10 Uhr
    • iceman
  52. 52.

    @ iceman

    „Sorry, lebowski, aber die angeblichen Riesen-Kosten der deutschen Einheit halte ich für eine Schimäre…“

    Klaro, die DDR-Fabriken waren ja sooo gesund!

    Im übrigen: Fragen Sie den damaligen Finanzminister Waigel!

    http://www.celebrity-speakers.de/de/content/redner/theodor-waigel.php

    • 24. September 2008 um 10:44 Uhr
    • Joachim S.
  53. 53.

    @ iceman
    „Das zeigt doch, dass der geringste Anteil des deutschen Defizits auf der Wiedervereinigung beruht“
    Sie sollten mal darüber nachdenken, ob sie von Verschuldung oder von Defizit sprechen wollen, denn der Satz ist so gänzlich sinnlos. Im Jahr 2007 gab es übrigens in Deutschland kein gesamtstaatliches Defizit, sondern einen kleinen Überschuss. Ich hoffe, dass die weiteren Darlegungen zu Demografie etwas fundierter sind. Demografie ist seit mindestens 100 Jahren das Lieblingsthema der deutschen Kulturpessimisten. Ich wollte es nur nochmals anmerken, weil doch der Anfangsbeitrag von Zukunftsneid und Fortschrittsglauben handelte. Wer will schon noch Kinder in die Welt setzen, wenn er (wie Sie) die Zukunft immer andernorts sieht?

    • 24. September 2008 um 10:50 Uhr
    • AM
  54. 54.

    @iceman

    >Ich finde, wir sollten uns besser fragen, was bei uns schon alles falsch gemacht wurde.

    Richtig, wir haben in der Tat genug eigene Probleme die wir lösen müssen.

    Und leider besteht die Gefahr, dass Deutschland die falschen Schlüsse aus der Finanzkrise zieht und sich weiter selbst schwächt.

    Unser Hauptproblem ist nämlich nach wie vor der teure Sozialstaat, der die die Hilfeempfänger nicht ausreichend aktiviert und der jeden Tag, mittlerweile völlig unabhängig von der Konjunktur, mehr Sozialleistungsempfänger produziert.

    Offene Arbeits- und Lehrstellen nutzen gar nix, wenn es dafür keine motivierten Bewerber gibt.

    • 24. September 2008 um 11:22 Uhr
    • PBUH
  55. 55.

    @ PBUH
    „..der teure Sozialstaat, der die die Hilfeempfänger nicht ausreichend aktiviert“
    Wir haben auch noch das Problem, dass zu viele Leute, die fleissig arbeiten, durch miese Bezahlung demotiviert werden. Für leistungsgerechte Bezahlung reichte es bisher nicht, weil für unnütze Banker zu hohe unverdiente Boni abgezweigt werden mussten. Vielleicht kommt das ja mal wieder ins Lot, wenn die Banker (endlich) verhungert sind.

    • 24. September 2008 um 11:47 Uhr
    • AM
  56. 56.

    Würden Analysen über den Zustand Deutschlands oder den USA etwas differenzierter in Bezug auf Gruppeninteressen vorgenommen, kämen weniger falsche Schlussfolgerungen zu Stande. Dennoch muss ich zugestehen, dass es auf mich einen großen Eindruck macht, wie mit großen Geistern der Welt souverän jongliert wird, um die eigenen Mutmaßungen zu untermauern.

    In China ist zurzeit deshalb alles anders, weil die überwiegende Mehrheit wenig oder nix zu verlieren hat. Man setzt leicht auf einen höheren Einsatz, so lang es für alle bergauf geht.

    • 24. September 2008 um 14:22 Uhr
    • Krähling
  57. 57.

    Ein wahrhaft beeindruckender Artikel!

    Doch hat er ein Grundproblem – er passt als Analyse der mentalen Grundlagen unserer Zukunftslosigkeit allein

    auf die DEUTSCHE Situation!

    Trotz ähnlicher Grundprobleme und einem insgesamt verbreiteten Bewußtsein für die Umweltproblematik hat sonst kaum eine, und schon gar nicht die englischsprachige Welt,

    eine solche ideologisierte Zukunftsangst und Hoffnungslosigkeit entwickelt wie Deutschland!

    Die Umweltdebatte in Deutschland ist wesentlich ERSATZDEBATTE

    für ausbleibende politische Auseinandersetzungen.

    Man muß keineswegs „arm, unterentwickelt, vorindustriell und vorurteilsbeladen“ sein, um glücklich sein zu können.

    • 24. September 2008 um 14:48 Uhr
    • DonQuixote
  58. 58.

    Erzene Worte vom Götterboten

    Schon im angeführten einleitenden Economist-Zitat steckt der Teufel der Vermessenheit und die Chance zur katastrophalen Fehlinterpretation und Selbstüberschätzung.

    „Harter Wettstreit der Intelligenz mit unwerter, ängstlicher Ignoranz „, stimmt das, oder passen solche Floskeln nur in eine allzu einfache rhetorische Linie? „Vorwärts drängen“? Wo ist vorn, und wen drängt es wohin? Wo und was ist Fortschritt? Und „unwert“ ist so leicht als eine der teuflischen Vokabeln der Fortschrittsgläubigkeit entlarvbar, dazu braucht es nicht einmal einer akademischen und/oder bildungs-bürgerlichen Grundierung. Wer Unwerte und Unwertes feststellt, der hat sein festes Schema im Kopf und in der Folge handelt er unerbittlich.

    Diejenigen, die sich auf die Leitidee des „Economist“ berufen, wollen gerne „sortieren“ dürfen und geben es nachträglich als freies und unbeeinflussbar notwendiges Geschehen des stets fortschreitenden Marktes, der westlichen Zivilisation und der Wissenschaft aus. – So macht man sich unverwundbar und frei von personaler Verantwortung.

    Ist z.B. ein Journalist Teil des Fortschritts, will er es partout sein, oder ist er eher ignorant? – Nach dem amerikanischem Bürgerkrieg, aus dessen Vorfeld auch die traditionsreichen aktuellen Pleitiers „Lehmann Brothers“ ihre Gründungsgeschichte herschrieben, – sie begannen, zunächst mit Baumwolle reich und dann börsentauglich geschäftstüchtig zu werden-, nach zwei Weltkriegen, dem fünfzigjährigen kalten und warmen Krieg der Ideologien, angesichts der heutigen globalisierten Situation, wäre statt Neid und allzu offensichtlichem Wunsch weiter gerade dabei zu sein, eher Demut angesagt.

    „Vorwärts drängen“, das heisst im eigentlichen Hauptteil des „Economist“, er ist durchaus so lesenswert wie das knapp gehaltene Feuilleton, Gewinnziele und Interessen festlegen und dann auf diese Ziel los gehen. Nach vorn und immer weiter, mit liberalem Eifer, oder vielleicht doch eher und besser beschrieben als, „the ego-nomist´s way to the pursuit of happiness“, als gute Nachfahren Adam Smiths, vielleicht auch noch im Glauben, man spüre, auserwählt die heilend-helfende, unsichtbare Hand auf der Schulter.

    Heines Vorstellungen haben mit dem Leitgedanken des Economists tatsächlich wenig zu tun, weil der Dichter um den Schein und das Dekorum des mächtigen „Fortschritts“ der ökonomischen Spielart Liberalität wusste. – Trotzdem lebte Heine auf Rothschilds und Campes Kosten, so wie Marx sich an Geldgeschäften versuchte. – Welche unterschiedlichen Welten des Liberalismus zugrunde gegangen sind, was am Ende als reine Reklametafel übrig blieb, dazu finden sich sehr anschauliche Bilder schon früh bei Alexander Herzen, später z.B. bei Isaiah Berlin und Zigmunt Baumann. Sie alle liebten, wie Adorno, Habermas, Marcuse und Co., Heinrich Heine. – Heutzutage genügt es ja schon mit dicken Hosenträgern im Fernsehen aufzutreten und dreist mehrfach zu behaupten, man bewege sich gedanklich auf dessen Spuren.

    Die Skepsis ist in ihrer Urbedeutung fast immer eine philosophische Weisheitshaltung, die verhindert, den eigenen Begriffen und Kategorien, in der Politik, der Gesellschaft und der Wissenschaft, einen unbedingten, absolut gültigen, fortschrittlichen und erfolgreichen Anstrich zu verpassen. Das gilt für Theorie und Praxis.
    Ein Atommüll-Lager darf eben nicht undicht sein und die „egonomistischen“ Lügen bekommen kurze Beine, wenn der Fortschritt dazu führt, dass wenige fast Alles besitzen und bestimmen. – Einige Leute werden natürlich auch in modernen Zeiten bei Hofe gebraucht, die schreiben dann über „Glück“ als Privatum und den „Neid“ der Unglücklichen.

    Somit lässt sich „zweifellos“ fast nichts postulieren und das wäre ein Anstoss für Götterboten, die immer noch Liebeslieder auf Theorien trällern, die heutzutage mehr hinterfragt werden müssen. Aus Affirmation wächst weder das Rettende, noch ein kluger neuer Gedanke. – Bewegt sich da das Denken nicht auf ein vorkritisches Niveau zurück, das spätenstens 1944 mit dem Erscheinen von Adorno/Horkheimers „Dialektik der Aufklärung“ hätte überwunden sein müssen? – Aber darin steckt ja auch Dialektik.

    Deshalb passt Ihr Absatz zum Wohlstand und dem BMW vor der Türe viel besser zur „Vanity Fair“.
    Es geht schon lange nicht mehr um das Paradigma der Fünfziger und Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts, die das Bauprinzip des „keeping up with the Joneses“ zur Grundlage der „affluent society“ erklären wollte.

    Ulrich Beck mag mit Vielem schief liegen. Aber der Gedanke der „Vernutzung“, des „Durcharbeitens“ der gegebenen Welt, in der manche Leute mittlerweile so auftreten, als sei Alles nur noch ein gigantischer persönlich nutzbarer Joystick, der ist heute aktueller als je vorher. – Marx und Heidegger geraten berechtigt in gedankliche Nähe zueinander.

    Gestandene ordo- und neoliberale Theoretiker versuchen sich an einer marktorientierten Preistheorie der humanen und sachlichen Ressourcen dieser Welt. Sie glauben, die eigentliche ökonomische Hintertür sei das Einpreisen, der vorgeblich damit verbundene Zeitgewinn ein rettender Weg, um dann auf das technisch Rettende, das zukünftige „Superwissen“ zu setzen. – Schön, dass Sie den Begriff des „Grenznutzens“ anführen. – Er gilt für diese Art Versuche einfach zu glaubender Auswege, angesichts der tatsächlich schwer prognostizierbaren und erkennbare Zukunft, ganz besonders.

    Nun, ganz hofnungsvoll mutet es an, wenn sich plötzlich sogar Ähnlichkeiten und Analogien aufzeigen lassen, zwischen Raimund Poppers „piecemeal“-Theorie der Sozialtechnik (ebenfalls ausgedacht in finsteren Zeiten) und z.B. den Frankfurter Sozialforschern und ihren Schülern in Europa und Südamerika. Denn die Rückholbarkeit und Skalierbarkeit von wissenschaftlichen und sozialen Experimenten spielt tatsächlich heute eine große, vielleicht entscheidende Rolle.

    Risiken einzugehen lohnt, wenn man die Folgen des Scheiterns und die Folgewirkung für andere antizipiert. Das ist für Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler heute Common sense, oder sollte es zumindest sein. In moralischer Hinsicht ist es eine Vorbedingung für die „Macher“, die „wir“, die so unscharf definierte Öffentlichkeit, beständig einfordern sollten. Denn die werden in den allermeisten Fällen von den Folgen ihres Verhaltens nicht persönlich betroffen.

    Was passiert, wenn es schief geht, mit wem wird experimentiert, mit was wird ein „Fortschrittsversuch“ angestellt, bin ich selbst beteiligt, Herr des Geschehens oder Erleidender? Das sind die Fragen die lauern und beantwortet werden müssen.

    So wenig es „dioxinlose Müllverbrennung“ gibt, es wurde nur der Ausstoß pro Tonne Müll erstaunlich drastisch reduziert und damit Zeit gewonnen, so wenig bei uns ein atomares „Endlager“ in Sichtweite gerät, so wenig sicher der Glaube an das Bruttosozialprodukt und an den Durchschnitt der Einkommen noch sein kann, so wenig helfen eben auch jene unverbesserlichen Optimisten, die ja meist nur ihren durchgesetzen Willen und ihre eigene
    Vita „vergöttern“.

    Fortschrittsparadoxa:

    Tatsächlich wächst der materielle Reichtum, die Lebenserwartung und die Chance auf lang anhaltende Gesundheit in der westlichen Welt und auch in einigen Schwellenländern. Aber der Ressourcenbverbrauch nähert sich, mitlerweile auch von eher monokausal denkenden Zeitgenossen eingeräumt, dem „peak“, immer noch mit viel Hoffnung verknüpft, die Technik fände rechtzeitig eine neue schier unendliche Quelle, aus Materie und Strahlung Energie zu erzeugen.

    Ja, das goldene Kalb „Selbstwert“, die beständige Selbstattribuierung, wie Psychologen und Soziologen sagen, entlarvt. Wir halten uns an Maßstäben und Vergleichen fest, um glücklich zu sein. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn in den bisher wirksamen und dominierenden Theorien von Wachstum, mehr Reichtum und „Glück“ findet sich, in der Umkehr der Selbstattribuierung auch die andere Formel der Gesellschaft: „Wer nicht selbst reich, materiell gesichert und zufrieden ist, der hat selbst schuld.“ Der zweite Teil begründet die derzeitige poliltische Passivität, das Hinnehme-Verhalten ganzer Bevölkerungsteile und die massiven Abgrenzungswünsche derjenigen, die es „geschafft“ haben. Denn längst gilt nicht mehr generell der Satz aus des Bischof Willigis Legende: „Willigis, Willigis, denk´ woher du ´kommen bist.“

    Es gibt eine seriöse „Glücksforschung“. Leider verkaufen sich deren Ergebnisse nicht so gut, wie die Pseudoergebnisse der Meinungsbefragung, z.B. aus dem von Marketing Experten mitentwickelten „World Values Survey“, der zwar die Presse glücklich mit Scheinobjektivität versorgt, die ZEIT recherchierte zum Thema, aber unter den Feld-Forschern eher Kopfschütteln auslöst. So haben seriöse „Glücksforscher“ gefunden, dass individuelles Glücksempfinden wesentlich von der Erfahrung lebt, im engeren Umkreis der Familie und der Freunde Liebe, Zuwendung und Annahme zu finden. Schmilzt der Kreis vertrauter und vertrauenswürdiger Personen, dann löst oftmals schon der Verlust eines Bezugspartners oder einer haltgebenden Institution die Katastrophe, das Unglück aus. Das ist von Einkommen und Reichtum relativ unabhängig, ja sogar von der Vorstellung , die sich ein Mensch von seiner persönlichen Unabhängigkeit und Freiheit macht.

    Sie haben völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass es unseren höchsten Zweifel hervorlocken sollte, wenn der in der Sozialforschung heftig umstrittene „World Values Survey“ Nigeria als das Land mit den glücklichsten Menschen indiziert. Die Befragungen des Instituts arbeiten übrigens nur auf der statistischen Seite mit Validierungen, eben nicht auf der inhaltlichen Seite.

    Sie behaupten „unglücklich sein“ werde bei uns nicht stigmatisiert. Das glatte Gegenteil ist der Fall. Ein Verkäufer, eine Bedienung, die, aufgrund persönlicher oder äußerer Bedingungen die Produkte oder Dienstleistungen nicht lächelnd präsentieren, anbieteten, fliegen. Ein Manager der signalisiert er sei unglücklich, wird zum „Risikopotenzial“ seiner Firma und ein Journalist oder Publizist der aus ähnlichen Gründen eine „Schreibhemmung“ entwickelt, ist raus aus dem Geschäft.

    Die Anleitungen zum Glück (Ratgeber) spiegeln aber überhaupt nicht die realen Stigmata, sondern eher die Anpassung an die heute vor allem medial vorgegebenen Standards, die über Glück und Unglück mit entscheiden. – Wenn Sie bei ihrem Arbeitgeber drei Tage den Eindruck machen, nicht freudig leistungswillig zu sein, brauchen Sie eine Krankschreibung und ihr Unglück wird allenfalls als reaktive, neurotische und/oder endogene Depression, stigmatsiert akzeptabel. – Bitte Herr Lau, einige Gedanken mehr muss man sich schon machen, wenn man über Stigmatisierungen in diesem Bezug schreibt.

    Ihre Vorurteile gegenüber Leuten die unglücklich sind, nach ihrer Haltung haben sie ja ein Recht darauf „unbehelligt“ unglücklich zu sein, keiner Zwangsbeglückung unterworfen zu sein, haben Sie sublimiert in die Vorstellung, der Staat, oder Politiker mit dem Willen zur Macht, machten derzeit wieder unmäßige „Glücksversprechen“. – Ihre heimliche Botschaft ist jedoch, machen wir uns nicht zu viele Gedanken um „Unglückliche“, geben wir dafür keine Ressourcen her, denn „Glück“ und „Unglück“ sind hauptsächlich privat.

    Hierin besteht aber gar kein wirkliches Anliegen der aufgeklärten Gesellschaft. Die spricht nämlich von Freiheit, Gleichheit und Solidarität, nicht von „Glück“. Die Freiheit besteht nur, wenn Chancengerechtigkeit herrscht und die diffuse Angst oder reale Furcht vor Stigmatisierung und Ausgrenzung selbst bei denen gering bleibt, die nicht gerecht behandelt wurden, es nicht schaffen, aus welchen Gründen auch immer, nicht mittun. Dafür steht der soziale Staat und nicht, wie Sie, mit Verweis auf totalitäre Systeme anmerken, in einer staatlichen Glücksgarantie oder gar einem Glückszwang.

    Ganz interessant ist, dass die neuen „Fortschrittsjünger“ aus den Sozialwissenschaften, der Politologie und Politikberatung und aus dem weiten, schwammigen Umfeld der Medienelite stammen. Bei gestandenen Naturwissenschaftlern findet man solchen überschwenglichen Mut, vielleicht auch, weil man viel kleinschrittiger Fortschritt und Erfolg definiert, höchst selten. Auch von den Praktikern der großen Zwischenreiche, von den Medizinern, Psychologen und Pädagogen, kommen kaum solche Glücksrufe eines soeben wiedergefundenen, eitel besonnten Optimismus, sehen wir einmal über das Gerede von „Eliten“ gnädig hinweg.

    Gerade Herr Renn hat sich an der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Stuttgart seit Jahr und Tag abgearbeitet. Trotzdem blieb er ein ganz besonders beglücktes Forscherindividuum und wurde dann, 2002/2003 folgerichtig oder nicht, abgewickelt. Die Akademie ist heute keine wissenschaftliche Forschungseinrichtung mehr, sondern eine an das Land Baden-Württemberg gebundene Institution für die Folgenabschätzung der Risiken des Mittelstandes in BW!

    Was können kritische Journalisten und Intellektuelle aus der Diskussion lernen. Es gilt wie ehedem, jeden Stein umzudrehen und bei jeder Behauptung zu überprüfen, ob der „Erfinder“ sich Mühe gab, oder aber einfach nur mal so loslegte. Weitab davon, persönlich in der Lage zu sein alle Thesen selbst prüfen zu können, egal ob nun als Wissenschaftler, Intellektueller oder als Verbraucher, sollten wir immer dann skeptisch bleiben, wenn uns Experten ins Gewissen reden wollen, die sich bisher oder jetzt, zu sehr mit der Erzeugung von Vertrauen und Glaubwürdigkeit abmühten, ohne sich je selbst Gedanken um eine wirklich Neuerung oder eine Erfindung gemacht zu haben.
    Diese Leute glauben nämlich, es ginge letztlich nur um die Herrschaft der Glaubwürdigkeit und nicht um den Nachweis, etwas sei nützlich, sinnvoll, eventuell aber auch wieder rückholbar und aufgebbar. Wissenschaftler die die größtmögliche Transparenz ihrer Ergebnisse und die Wiederholbarkeit ihrer Forschung in den Vordergrund rücken, die können wir eher ernst nehmen. Die sind dann aber auch die Vorsichtigen und Leisen im Lande.

    Grüße
    Christoph Leusch

    • 24. September 2008 um 15:06 Uhr
    • Christoph Leusch
  59. 59.

    Herr Leusch, wie lange brauchen sie eigentlich für so einen Text ?

    • 24. September 2008 um 15:16 Uhr
    • PBUH
  60. 60.

    @ Leusch

    *gähn*

    Dieses alt-grüne 68er-Geschwafel habe ich so was von satt…

    • 24. September 2008 um 15:58 Uhr
    • Joachim S.
  61. 61.

    @ Joachim S.

    Seien Sie bloß froh, dass Sie keinen seiner Texte im Blog von Bittner zum Themenbereich Russland, Georgien und Nato gelesen haben. Das liest sich nicht nur wie „Von der K-Gruppe in die Friedensbewegung“, sondern auch wie „RIA-Novosti selbstgemacht“.

    • 24. September 2008 um 16:11 Uhr
    • N. Neumann
  62. 62.

    ad Kommentar von PBUH | 24.09.2008 | 3:16
    ad Kommentar von Joachim S. | 24.09.2008 | 3:58
    ad Kommentar von N. Neumann | 24.09.2008 | 4:11

    Werter PBUH,

    Das Thema „Fortschritt“ fand ich interessant. – Endlich mal ein wenig weg, vom Thema aller Themen.- Bemerkenswert auch die Verknüpfung mit dem Begriff „Neid“. Herrn Laus Thesen teile ich nicht, fand aber die Art der Aufbereitung, bis auf einen Punkt, s.o., sehr lesenswert und schön geschrieben. Ansonsten: Damit es schnell geht, immer konsequent am Text bleiben und den befragen.

    Ging schnell von der Hand, weil ich den „Economist“ lese und mich zudem an einen Artikel aus der ZEIT zu Herrn Renns Akademie erinnerte. Der war davor auch einmal in Jülich tätig und das verband sich zwanglos mit der Frage von Risikoabschätzungen, z.B. bei der Müllverbrennung (thermische Verwertung) und bei der Kernenergie. Das geht dann schnell, weil ich ein gutes Gedächtnis habe.

    Heine Vita und Werk seit Schulzeiten und das Andere ist Bildungsweg auf den Spuren des Willigis-Spruchs

    Warum fragen Sie?

    Grüße

    C. Leusch

    Werter Joachim S.,

    Muss schmunzeln, weil selbst denkend und ohne Anbindung an 68er. – „Economist“ eben.

    Bsp.: http://www.economist.com/science/displaystory.cfm?story_id=12052171

    An Ihrer Müdigkeit kann ich nichts ändern.

    Grüße
    C.Leusch

    ad Kommentar von N. Neumann | 24.09.2008 | 4:11

    Ich versichere, das kommt selten vor. Aber z.B. in der New York Times, beim Independent und beim Economist findet man auch kritische Anmerkungen und man kann sich ja, teilweise zumindest, auf unsere omnipräsenten Alt-Kanzler Schmidt und Schröder berufen und ab und zu
    verwenden, was man einst las und nicht vergessen hat.

    Ein wenig schmunzeln muss ich auch noch, weil offenbar ohne persönliche Einordnung eines Kommentators nichts läuft auf diesem Blog. Da muss man dann immer im Fegefeuer neben vermeintlich Bösen, vermeintlich Ungläubigen oder vermutet Unglaubwürdigen sitzen.

    An gläsernen Kontroll- und Kampfbienen hätten wir beide sicher keine Freude und heutzutage kann man sogar als Investmentbankern und Dollarmilliardären innerhalb weniger Tage zum „Salonsozialisten“ mutieren.

    Grüße
    C. Leusch

    • 24. September 2008 um 19:45 Uhr
    • Christoph Leusch
  63. 63.

    Ganz einfach, er verkauft Staatsanleihen.

    Joachim_S | 23.09.2008 | 10:40
    das ist ja nur eine lach nummer was nur ihr glaubt .wer möchte staatsanleihen von einen verschuldetet staat erwerben?bereits stehen der usa mit 1000,000,000,000 im soll seite auf der handelsbilanz. weis du was das bedeutet??

    ich sag es ihnen wenn der erste $ von dieser vorhaben geflossen wird ist es wie bei der fall von berliner mauer von der udssr. ( im wirtschaftlichen sinn) die usa werden keinen einfluss mehr für die nachfolgenden erignisse haben

    Gegenfrage: Wie finanziert sich der iranische Staat?
    mein lieber hast du nicht gehört dass der iran viert grösste öl importur der opec ist??!!!
    öl preis je barrel 135

    • 25. September 2008 um 00:16 Uhr
    • kayvan
  64. 64.

    @Jörg Lau
    Den Vergleich von Heine und Wilson finde ich insofern sehr interessant, als Heine ja auch das Elend der Weber beklagt hatte. Ich möchte also bezweifeln, dass Heinrich Heine ein Liberaler im wirtschaftlichen Sinne gewesen ist.
    anden, was der Zwang, seine Haut zu Markte zu tragen,
    Die Frage ist, ob Fortschritt und Marktwirtschaft pattefest zusammenhängen.
    Der Fortschrittsglaube eines Wilson ist ein ganz anderer als der, auf den Heine setzt.

    • 25. September 2008 um 08:17 Uhr
    • lebowski
  65. 65.

    „anden, was der Zwang, seine Haut zu Markte zu tragen,“

    Sorry, die Zeile muss weg.

    • 25. September 2008 um 08:18 Uhr
    • lebowski
  66. 66.

    @kayvan

    Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet der Iran als einziges Öl-Land aber wohl immer noch keine, daran sieht man auch wie strukturell verkrustet der Iran wirklich ist.

    Zum Vergleich, der Irak erwartet dagegen $50 Milliarden Haushaltsüberschuss.

    Was glauben sie, kauft der Irak dafür iranische oder amerikanische Staatsanleihen ?

    • 25. September 2008 um 10:21 Uhr
    • PBUH
    • 25. September 2008 um 11:55 Uhr
    • PBUH
  67. 68.

    „Holocaust an deutschen Schulen

    Kommentar von PBUH“

    Wie meinen Sie denn das wieder?

    Daß ein Kopftuchverbot an einer deutschen Schule dem Judenmord gleichkommt?

    • 25. September 2008 um 12:38 Uhr
    • DonQuixote
  68. 69.

    Er bezieht sich auf die durchaus heraus zu lesende Befürchtung von Ekrem Senol, seines Zeichens Schreiberling für die Islamfaschisten der Milli Görüs, dass dieses Beispiel Schule macht. Für IGMG und Co. sind dies gefährliche Exempel und werden mit aller Macht bekämpft werden. Im Hintergrund wird schon sicherlich an Kontakten zu betroffenen Moslems gearbeitet und die Klage formuliert.

    Denn wenn das Schule macht, sic, wird die kopulative Stigmatisierung des weiblichen Geschlechts im Islammodell ungleich schwieriger und das Aufbegehren von Frauen gegen die Machos von Mohammeds Gnaden ungleich wahrscheinlicher. Dies bedeutet, ein Stück aus der lebenslangen Kettung von Frauen im Islam bricht heraus. Nicht umsonst beliebt Senol in seinem Propagandablog, gerne weibliche Themen anzusprechen, von frühkindlicher Prägung, Schwimmunterricht, präpubertärer Scham, Kopftuch und späteren Zwangsheiraten. Dieser lebenslange Zyklus, in den die Frauen eingemeißelt werden sollen, droht zu wanken.

    Mit den Frauen stirbt oder überlebt das Islammodell. Das weiß Senol ganz genau.

    Islam ist Patriarchat.

    • 25. September 2008 um 13:01 Uhr
    • Bergpalme
  69. 70.

    Da haben Sie einfach Recht, Bergpalme

    • 25. September 2008 um 13:11 Uhr
    • DonQuixote
  70. 71.

    http://www.fatih-moschee.de/news/news_archiv/September07/1909_bremen.htm

    Man beachte die reverse Logik von Senol.

    Und:

    http://muslime.wordpress.com/2008/04/25/neues-bka-gesetz/ bringt einen Artikel von Senol, mit folgendem Kopf:
    „Neues BKA-Gesetz
    Verfasst von alime am April 25, 2008
    Von Ekrem Şenol (igmg)“
    .

    • 25. September 2008 um 13:58 Uhr
    • Bergpalme
  71. 72.

    @ PBUH und Bergpalme

    Vielen Dank für die Senol-Links. Kein Wunder, dass er wegen des Schulbriefes auf die Barrikaden geht, denn, wenn das Verbot Schule machte, würde es IGMGs Ziel gefährden, zuerst die eigene Community und dann Europa auf demokratischem (Klage-)Weg zu islamisieren. (IGMGs Logo – ein grünes Europa – ist durchaus Programm.) Das Kopftuch ist das zentrale Symbol des Kampfes um Anerkennung und der gottgewollten islamischen Sozialordnung. Auch wenn die einzelnen Trägerinnen mit dem Islamismus nichts am Hut (bzw.Tuch) haben, bleibt die islamische Kopfbedeckung die Flagge der islamistischen Bewegung. Und die gilt es in den Schulen zu hissen bzw zu verteidigen. Sonst wird ein grünes Europa in noch weitere Ferne rücken.

    Eins muss man Herrn Senol lassen: Er kann Empörung verbreiten wie kein zweiter. Aber nicht alle (dem Anschein nach) türkeistämmigen Kommentatoren stimmten in die „wir sind Opfer eines 2. Holocausts“-Klage ein:
    Mitbloggerin Nala, z.B., schreibt:
    „Wenn die Schule keine Kopftücher, sondern Schuluniformen haben will, dann ist das ihr gutes Recht. Eltern die damit nicht zurecht kommen, können für ihre Töchter andere Schulen aussuchen. Hier von einem absolutistischen Staat zu sprechen ist Unsinn, denn auch in der Türkei gibt es ein Kopftuchverbot. Zurecht! Denn das Kopfttuch ist ein Abgrenzungssysmbol und das offene Bekenntnis zum Fundamentalismus. Die Schule schützt die Rechte moderner Musliminnen, die oftmals in Schulen in denen Kopftücher erlaubt sind, von Mitschülern unter Druck gesetzt werden.
    Das Kopftuch sagt nichts über die Religiösität aus, sondern demonstriert, dass Muslimas eine untergeordnete Rolle haben.“
    http://www.jurblog.de/2008/09/24/kopftuch-ein-elternbrief-einer-realschule/#comment-31987

    Dass Muslimas, die kein Kopftuch tragen von Mitschülerinnen unter Druck gesetzt werden, belegt Necla Kelek in ihrem Buch „Die Fremde Braut“. Sie berichtet
    von einer Veranstaltung der katholisch-sozialen Akademie in Münster zum Thema „Kopftuch“, an der sie 2004 teilnahm. Die Leiterin einer Gesamtschule im Ruhrgebiet, an deren Schule neun von zehn Kindern aus muslimischen Migrantenfamilien stammen, gab an, dass diese mit den deutschen Kindern nahezu keine Probleme hätten – wohl aber untereinander: „Eine immer größer werdende Zahl von Mädchen würde inzwischen mit Kopftuch in die Schule kommen und ihre nicht Kopftuch tragenden Mitschülerinnen als Schlampen beschimpfen, als Unreine. Das Kopftuch, so die Schuldirektorin, und die Unkenntnis der deutschen Sprache stellten ein ernstes Integrationshindernis im Schulalltag dar.(…) “(2005:40f.).

    Was mich bei Herrn Senol und den anderen IGMG-Juristen fasziniert, ist deren Überzeugung, dass sie – und nur sie – die wahren Hüter des Grundgesetzes sind. Senol schreibt:

    „Kann ein Rechtsstaat auf Dauer überleben, wenn die Legislative seine Arbeit nur noch an den äußersten Grenzen des verfassungsrechtlich Machbaren orientiert, in der Hoffnung, vielleicht und mit viel Glück bei der nächsten Sitzung vor der Judikative durchzukommen? Gäbe es Erziehungscamps und Warnarrest für Serienverfassungsbrüche, so müssten einige für eine lange Zeit weggesperrt werden.“
    http://muslime.wordpress.com/2008/04/25/neues-bka-gesetz/

    • 26. September 2008 um 12:05 Uhr
    • Miriam
  72. 73.

    Was mich bei Herrn Senol und den anderen IGMG-Juristen fasziniert, ist deren Überzeugung, dass sie – und nur sie – die wahren Hüter des Grundgesetzes sind.

    @ Miriam

    Ja, drunter machen sie es nicht. Lustig daran ist, dass Herr Senol in einem anderen Zusammenhang dem lupenreinen Demokraten Vladimir Putin neulich seine Hochachtung ausgeprochen hat.

    Wobei der Elternbrief der Realschule wirklich ein gefundenes Fressen für sie ist. Schülerinnen sind eben keine Lehrerinnen und können daher nicht zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet werden, die Erklärung des Lehrerkollegiums ist rechtlich gesehen null und nichtig. Zumindest dann, wenn eine Schülerin dieser Schule Kopftuch trägt und ihre Eltern dagegen protestieren, stellt der Rundbrief einen Verstoß gegen das Antidiskrimierungsgesetz dar.

    Es ist alles andere als hilfreich, Senol und Co. einen Elfmeter aufzulegen. Vor Gericht würden sie sich in diesem Fall nicht lächerlich machen.

    • 26. September 2008 um 12:37 Uhr
    • N. Neumann
  73. 74.

    @N. Neumann

    Na selbst wenn „die Grünen“ vor Gericht gehen und gewinnen, dann wird man eben diskutieren, die entsprechenden Gesetze zu ändern. In Frankreich ist das ja schliesslich auch kein Problem.

    BTW: Schrammers Köln hat offensichtlich ein akutes Islamismus Problem, jeden Tag ein neuer Fall:

    Köln – Grund für Polizei-Attacke
    Sie wollten den Heiligen Krieg

    http://www.express.de/nachrichten/region/koeln/sie-wollten-den-heiligen-krieg_artikel_1222361836109.html

    Köln – Terror-Alarm in Köln
    Polizei holt Verdächtige aus Flugzeug – 2 Festnahmen

    http://www.express.de/nachrichten/region/koeln/polizei-holt-verdaechtige-aus-flugzeug—2-festnahmen_artikel_1222361837685.html

    • 26. September 2008 um 12:47 Uhr
    • PBUH
  74. 75.

    Na selbst wenn “die Grünen” vor Gericht gehen und gewinnen, dann wird man eben diskutieren,

    @ PBUH

    Diskutieren würde man.

    die entsprechenden Gesetze zu ändern.

    Aber die entsprechenden Gesetze würde man nicht ändern.

    In Frankreich ist das ja schliesslich auch kein Problem.

    In Frankreich hat man keine Gesetze geändert, sondern ein Gesetz gegen das Kopftuch bei Schülerinnen erlassen. Und zwar auf Basis der französischen Laizität, einer Verfassungstradition, die die Bundesrepublik Deutschland (und zuvor schon das Deutsche Reich) mit ihrer unvollkommenen Trennung zwischen Staat und Kirche nie hatte.

    Und sofern Sie sich ein institutionelles Arrangement zwischen Staat und Kirche nach französischem Muster wünschen, sollten sie als jemand, dem nach eigenen Bekunden eine Rechristianisierung Deutschlands vorschwebt, bedenken, dass dies das Ende jedweden Religionsunterrichtes an deutschen Schulen wäre und für die Kirchen auch sonst einige Nachteile zur Folge hätte.

    • 26. September 2008 um 13:06 Uhr
    • N. Neumann
  75. 76.

    @ N. Neumann

    Würden sie aufmerksam meine Beiträge lesen, dann wäre ihnen nicht entgangen, dass ich für die Abschaffung des Religionsunterichts eintrete,, zugunsten eines Faches ReligionsKUNDE/Staatsbürgerkunde.

    Ich bin übrigens ziemlich sicher, dass sich mein Wunsch erfüllt.

    • 26. September 2008 um 13:39 Uhr
    • PBUH
  76. 77.

    Miriam: „Auch wenn die einzelnen Trägerinnen mit dem Islamismus nichts am Hut (bzw.Tuch) haben, bleibt die islamische Kopfbedeckung die Flagge der islamistischen Bewegung. „

    Dies ist eine wichtige Anmerkung. Viele Kopftuchfrauen mögen im alltäglichen Leben, also an den Schnittstellen mit der Außenwelt, durchaus als freundlich, naiv oder auch (pseudo-)fromm erscheinen. Im Kindergarten, in der Schule, beim Bäcker werden Sie niemals einer begegnen, die Hassparolen gröhlt. Im Gegenteil, sie werden als Nachbarn wahrgenommen, die sich mit dem ganz normalen alltäglichen Geschäft abgeben, wie es jeder von uns tut. Für die meisten normalen Menschen ist das erstmal ein nicht lösbarer Widerspruch. „Wie können solch liebe Menschen Terror-Protegées sein?“

    Man sollte sich im Klaren sein, dass die Frau im Islammodell eine wichtige Funktion hat. Sie ist öffentliches Symbol, Vermittlerin an den Schnittstellen, wenig bis garnicht islamistisch geschult und in ihre Rolle als Gebär- und Edukativmaschine konditioniert. Solche Menschen sind nicht aggressiv, wirken allenfalls befremdlich durch das Stoffstigma, aber niemals gefährlich.

    Das Hardcore Geschäft übernehmen die Männer. Es gibt in europäischen Moslemzirkeln, besser gesagt in deutschen, keine Frauen, die als Marianne installiert werden. Dies würde auch nicht zugelassen. (Anders als in den völlig entmoralisierten Soziologien des Irak, Iran oder Palästinas). Den Männern, die diesen Hardcore-Part übernehmen, werden Sie als normaler Bürger niemals begegnen. Dieser Part ist latent. Und exakt dies erzeugt die Diskrepanz. Und exakt dies ist die enorm wichtige Funktion der Frau auf dem Weg zur Installation des Islamismus – eben die Außendarstellung i.S. von „Islam ist Frieden“.

    Männer, die über den latenten Kampf hinaus gehen, also den öffentlichen Kampf übernehmen (solche wie Senol und seine Kumpane der Milli Faschistös), halten sich an ähnliche Spielregeln. Nach außen der nette umgängliche Moslem. Sie meiden jeden Konflikt und weichen gefährlichen Diskursen aus, stehen über vielfältige Schnittstellen mit der normalen Gesellschaft in Verbindung und akzeptieren auf dem Plateau dieser Gesellschaft auch deren Regeln. Was im Stübchen dahinter aber parolisiert wird, wird nicht nach außen getragen. Hinter dem Ganzen steht eine Schulung, die auf durchaus effektive Weise ein demokratisches Fundament vorspiegeln soll, aber die Abschaffung unserer Gesellschaft und deren Islamisierung zum Ziel hat. Nicht umsonst sind es gerne Juristen, die in den publizistischen Sektor der Islamfaschisten eingearbeitet werden.

    • 26. September 2008 um 14:10 Uhr
    • Bergpalme
  77. 78.

    Würden sie aufmerksam meine Beiträge lesen, dann wäre ihnen nicht entgangen,

    Sorry, dass ich nicht jeden Ihrer Beiträge gelesen habe.

    dass ich für die Abschaffung des Religionsunterichts eintrete,, zugunsten eines Faches ReligionsKUNDE/Staatsbürgerkunde.

    Wo kämen wir auch hin, wenn Religion eine Privatangelegenheit wäre.

    Ich bin übrigens ziemlich sicher, dass sich mein Wunsch erfüllt.

    Ja, wünschen können Sie ziemlich gut.

    • 26. September 2008 um 14:12 Uhr
    • N. Neumann
  78. 79.

    @ pkdu

    „Ich bin übrigens ziemlich sicher, dass sich mein Wunsch erfüllt.“

    Viel Erfolg beim Abschaffen von 7.3 GG!

    Staatsbürgerkunde ist an schon ziemlich obsolet, da der Staat in den Schulen einen Erziehungsauftrag wahrnimmt, der keines weiteren spezifischen Faches bedarf. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Sie bei den LINKEN einen Ansprechpartner in Sachen Staatsbürgerkunde finden.

    @ miriam

    Ihre Beiträge waren auch schon einmal ausgewogener.

    • 26. September 2008 um 14:15 Uhr
    • emcee
  79. 80.

    Off Topic – oder auch nicht?

    Herr Lau –

    Sie hatten vor einiger Zeit die Türkei als vorbildlichen islamischen Wirtschaftsmotor bezeichnet, an dem die Möglichkeit eines alternativen Islammodells ablesbar sei –

    auf die Kritik, daß der Wirtschafsaufschwung in der Türkei wesentlich über ausländisch-westliche Subventionen zurückzuführen ist, haben Sie verschnupft reagiert.

    Hier nun die Wiederholung des oben genannten Argumentes aus dem Mund einer Frau, die Sie „als liebe Freundin“ zu titulieren nicht müde werden:

    „Die Türkei braucht die EU. Die Wirtschaft des Landes wird zum größten Teil von internationalem Kapital finanziert und existiert zu 50 Prozent nur als Schattenwirtschaft. Mehrfach ist das Land knapp an einem Staatsbankrott vorbeigeschrammt, zuletzt im Jahr 2000. Nur die internationale Hilfe, der Internationale Währungsfonds IWF, die Unterstützung der Islamischen Entwicklungsbank, die Strukturhilfen der EU, die Zollunion, die Einbindung in den europäischen Markt versetzen die türkische Wirtschaft in die Lage, mittelfristig stabile Strukturen zu entwickeln. Die Wachstumsraten der vergangenen Jahre signalisieren keine Produktivitätsfortschritte, sondern verdanken sich größtenteils Korrekturen an den lähmenden Weichenstellungen der Vergangenheit. Es sind „Struktureffekte“, die durch die Deregulierung staatlicher Warenwirtschaft, durch die Legalisierung von Schattenwirtschaft und die Öffnung der Märkte entstanden sind. Real ist die aktuelle Lage der türkischen Wirtschaft durch mangelnde Kaufkraft, Kapitalflucht und eine wieder zunehmende Inflation bestimmt“

    Vgl.

    http://www.cicero.de/97.php?ress_id=1&item=2933

    Diesen Beitrag nur zur Dokumentation….

    • 26. September 2008 um 14:22 Uhr
    • DonQuixote
  80. 81.

    Staatsbürgerkunde ist an schon ziemlich obsolet, da der Staat in den Schulen einen Erziehungsauftrag wahrnimmt, der keines weiteren spezifischen Faches bedarf.

    @ emcee

    Genauer: Politik bzw. Sozialwissenschaften sind normale Fächer.

    Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Sie bei den LINKEN einen Ansprechpartner in Sachen Staatsbürgerkunde finden.

    Au ja :-)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsb%C3%BCrgerkunde

    • 26. September 2008 um 14:27 Uhr
    • N. Neumann
  81. 82.

    @N. Neumann, emcee

    Gähn, den „Witz“ habe ich hier schon vor Wochen gemacht.

    • 26. September 2008 um 14:41 Uhr
    • PBUH
  82. 83.

    @ PBUH

    Kennen Sie den schon? – Ich trete für die Abschaffung des Religionsunterrichtes zugunsten eines Faches WünschKUNDE/Kunst ein.

    • 26. September 2008 um 14:54 Uhr
    • N. Neumann
  83. 84.

    @Bergpalme #77
    In ihrem Buch „Zwischen Pop und Dschihad“ schreibt Julia Gerlach:
    „Um glaubwürdig zu sein, mussten die islamischen Organisationen Frauen zu den Diskussionen um die Kopftuchfrage schicken. Aus den Alibi-Frauen wurden Rednerinnen, die klar und deutlich ihre Meinung sagen. Allerdings darf sich das – um Himmels willen – nicht anhören wie bei den deutschen Emanzen. (…) Die Stellung der Frau im Islam (…) ist anders als die der westlichen Frau. Ganz anders. Besser natürlich, in ihren Augen. Sie ist aber auch anders als die Stellung der Frau in der real existierenden islamischen Welt, viel besser, auch das ist klar. Die Abgrenzung von beiden Extremen ist den Frauen wichtig.“ (S. 198)
    (…)
    Muslimische Frauen in Deutschland sind durch die Debatte um das Tuch ins Zentrum der Aufmerksamkeit geraten. Sie sind die Hauptleidtragenden der Verbote. Viele müssen sich nach neuen Berufen umschauen. Andererseits wurde durch die öffentliche Debatte ihre Position innerhalb der Community gestärkt. Sie sind es, die den Islam sichtbar nach außen präsentieren.“ (S. 190)

    • 26. September 2008 um 16:33 Uhr
    • Miriam
  84. 85.

    zu #84
    Korrigendum: die erste Seitenangabe müsste 188 lauten, nicht 198.

    • 26. September 2008 um 16:36 Uhr
    • Miriam
  85. 86.

    @N. Neumann

    Ich komme nicht aus Köln, hier in Düsseldorf lacht man nur über Sachen die lustig sind.

    Kulturelle Unterschiede halt.

    • 26. September 2008 um 16:39 Uhr
    • PBUH
  86. 87.

    Auch wenn austauschbar, aber genial ist der:

    „17 Kölner stehen vorm Kino und gehen nicht rein. Warum?
    Der Film ist erst ab 18.“

    • 26. September 2008 um 17:01 Uhr
    • Bergpalme
  87. 88.

    OT – in Ösiland sieht es anders aus

    http://www.zeit.de/online/2008/40/oesterreich-wahl-salzburg

    • 26. September 2008 um 18:24 Uhr
    • PBUH
  88. 89.

    @Neumann #73

    „Es ist alles andere als hilfreich, Senol und Co. einen Elfmeter aufzulegen. Vor Gericht würden sie sich in diesem Fall nicht lächerlich machen.“

    Auch Elfmeter kann man halten. Mit guten Argumenten. Schauen wir uns die folgende gängige Erklärung für die Notwendigkeit des Hijabs an, hier geliefert von Hadayatullah Hübsch von den Ahmaddis:
    „(…) Indes wird oftmals die Frage gestellt, warum die muslimische Frau sich, was ihre Bekleidung betrifft, einschränken muss, nur weil sie dadurch unsittliche Männerblicke abwehren möchte. Wäre es denn nicht Sache des Mannes, sich zu zügeln? Und, umgekehrt, gibt es nicht auch Frauen, die Männern hinterher schauen? Sollten deswegen nicht auch Männer einen Schleier oder eine Kopfbedeckung tragen?
    
Was die Empörung darüber betrifft, dass Frauen eine gewisse Freiheit aufgeben sollen, nur weil manche Männer sich unverschämt benehmen und Frauen oftmals als Freiwild betrachten, so scheint sie berechtigt. In der Tat wäre kein Schleier, kein Kopftuch von Nöten, wenn alle Männer sich anständig benehmen würden. Und bei einem so heiligen Anlass wie der Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch) brauchen Musliminnen auch keine Kopfbedeckung zu tragen, weil jegliche Aufmerksamkeit der Pilger darauf gerichtet ist, Allahs Vergebung und Wohlgefallen zu erlangen.

Im Alltag aber ist die Realität leider nicht so, wie sie wünschenswert wäre. Leidenschaft und Gier sind nicht so leicht aus der Welt zu schaffen. Deswegen muss die islamische Gesellschaft Maßnahmen ergreifen, auftretende sexuelle Reize einzudämmen. (Hervorhebung durch den Autor.)
    (http://www.kopftuch.info/frauimislam/warum_muslima_kopftuch.html

    Unsere moderne Gesellschaft ergreift andere Maßnahmen, um ihre weiblichen Mitglieder vor sexueller Belästigung zu schützen, z.B. eine entsprechende Jungenerziehung, Gesetze und Normen. Deswegen brauchen Muslimas an deutschen Schulen keinen Hijab. Würden sie einen brauchen, hätte die betreffende Schule versagt. Die Schule ist in Deutschland ein Raum, wo Mädchen und junge Frauen die volle Bewegungsfreiheit genießen können. Für manche Muslimas ist sie vielleicht der einzige Raum, wo sie eben nicht gezwungen sind, „eine gewisse Freiheit aufzugeben“. Diesen Raum, und diese Freiheit, gilt es zu verteidigen.

    • 26. September 2008 um 19:56 Uhr
    • Miriam
  89. 90.

    Ist ja laecherlich. Zum Schutze der liberalen Musliminnen werden die kopftuchtragenden Musliminnen ihrer Religionsfreiheit beraubt.

    Ich bevorzuge die Religionsfreiheit!

    Religionsfreiheit ist Menschenrecht.

    • 26. September 2008 um 19:59 Uhr
    • AUSSIE
  90. 91.

    In dem Punkt stimme ich voll zu. Religionsfreiheit heißt nicht, dass ein zur Debatte stehendes Kopftuchverbot am Durchschnitt der gläubigen Muslime gemessen werden soll, sondern an dem, was auch Minderheiten praktizieren. Niemand kommt durch ein Kopftuch zu Schaden. Andere möchten aber gerne eines tragen. Was spricht also dagegen? Der Christ wird bei der Arbeit schließlich auch nicht gebeten, seine Kette mit Gold-Kreuz abzulegen.

    • 26. September 2008 um 20:19 Uhr
    • Wessi-man
  91. 92.

    Was allen fehlt – hier wie überall – ist eine vollständige Evolutionsprozesstheorie. Nur wenn sie bekannt ist, kann man die Subsysteme und ihre Wechselwirkungen, d.h. die Details des Ganzen, richtig einordnen. Das gilt für die Wissenschaften, für gesellschaftliche Gestaltung (= Politik) wie für menschliche Lebenskategorien.

    Für die Diskussion und Einordnung dessen, was wir als ‚Fortschritt‘ oder ‚Stillstand‘ oder ‚Rückschritt‘ bezeichnen, gilt dies ganz besonders.

    Übrigens steht ein globaler Fortschritt von globaler Dimension an: der Exodus aus der Weltordnung der Konfliktkämpfer, dessen letzte Stufe das aktuell herrschende Wachstumszwang–Regime war, und der Übergang in die Weltordnung des Schöpferischen (= machtsystemfreie Gesellschaft allseits sich entwickelnder Menschen).

    Das Evolutionsprojektwissen für diese kulturrevolutionären Prozess ist unter dem Suchbegriff ‚Evolutionsprojektwissen‘ nachzulesen.

  92. 93.

    @ Miriam

    Auch Elfmeter kann man halten.

    Im gegebenen Fall nur dann, wenn sich kein Kläger findet oder der Passus gestrichen wird.

    Mit guten Argumenten. Schauen wir uns die folgende gängige Erklärung für die Notwendigkeit des Hijabs an, hier geliefert von Hadayatullah Hübsch von den Ahmaddis:

    Nichts gegen deine schlüssigen Argumente, aber der Punkt ist, dass ein deutsches Gericht nur eingeschränkt über Sinn/Unsinn/Funktion/symbolischen Gehalt einer religiösen Kopfbedeckung befinden kann.

    So können die Bundesländer Kopftücher bei Lehrerinnen, da sie als (angehende) Beamtinnen zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet sind, verbieten. Aber eben diese weltanschauliche Neutralität in Verbindung mit der Religionsfreiheit ist es, die unseren liberalen Rechtsstaat dazu verpflichtet, in Bezug auf die Bewertung religiöser Inhalte, sofern sie nicht eindeutig und unzweifelhaft gegen geltende Rechtsnormen verstoßen, sehr zurückhaltend zu sein. Die Pflicht zur Teilnahme am Unterricht oder der ordungsgemäße Ablauf des Unterrichtes (Vermummung durch Burka oder Niqab) wird nicht durch das Kopftuch beeinträchtigt.

    Du müsstest vor Gericht schon nachweisen, dass es sich beim Kopftuch um ein verfassungsfeindliches Symbol handelt – wovon du schon selber zumindest nicht ganz ausgehst, wenn du sagst, dass nicht jede Muslimin, die ein Kopftuch trägt, Islamistin ist bzw. damit ein verfassungsfeindliches Ziel verfolgt. Beim Hakenkreuz fällt diese Argumentation einfacher.

    Der schlüssige Nachweis einer – wenn man so will – funktionalen Obsolezenz hingegen, wäre vor Gericht gar kein Argument, sondern ein Eigentor. Gerade weil das Kopftuch gemessen an den Sitten der modernen Gesellschaft funktional obsolet ist, würde dir (sinngemäß) mit hoher Wahrscheinlichkeit beschieden werden, dass es juristisch gesehen unerheblich ist.

    Andernfalls könnte man z.B. jeden katholischen Religionslehrer verklagen, der die Jungfräulichkeit Marias und andere Wunder als Tatsachen verkauft. Auch dieser Mumpitz stellt einen groben Verstoß gegen moderne Gepflogenheiten dar und leistet bei Lichte betrachtet keinen vernünftigen praktischen Beitrag zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Schlimmer noch: Dieser Hokuspokus wird nicht nur, wie das Kopftuch von Schülerinnen, vom liberalen Staat geduldet, sondern auch noch von ihm gefördert.

    • 26. September 2008 um 21:38 Uhr
    • N. Neumann
  93. 94.

    @ N. Neumann

    Sie machen sich nicht zufaellig lustig über Dogmen der Katholischen Kirche, oder?

    • 26. September 2008 um 22:00 Uhr
    • AUSSIE
  94. 95.

    Den Elfmeter sehe ich auch nicht unbedingt, aber weniger wegen der soziologischen Implikation, sondern mehr aus juristischer Perspektive. Die Installation von Schuluniformen könnte höherrangig beurteilt werden.

    • 26. September 2008 um 22:40 Uhr
    • Bergpalme
  95. 96.

    Die Installation von Schuluniformen könnte höherrangig beurteilt werden.

    Klar, und um das Kopftuch in der Schule zu vermeiden, würden Sie theoretisch sogar Kölner Karnevalsuniformen als Schuluniformen in Kauf nehmen.

    • 26. September 2008 um 23:25 Uhr
    • N. Neumann
  96. 97.

    @ Aussie

    Wo denken Sie hin, ich würde nie die religiösen Gefühle anderer Menschen beleidigen.

    • 26. September 2008 um 23:39 Uhr
    • N. Neumann
  97. 98.

    >Niemand kommt durch ein Kopftuch zu Schaden

    Klar, ein Kopftuch ist offensive, weil nicht zu übersehende, Islamistenwerbung, ich fühle mich dadurch belästigt.

    Kinder mit NPD Baseballcaps will ja auch keiner in der Schule ertragen müssen.

    • 26. September 2008 um 23:44 Uhr
    • PBUH
  98. 99.

    Wo gibt es denn „dioxinfreie Müllverbrennung“? Wenn es gut geht, landen die Dioxine in der Asche und im Filterstaub. Wenn es schlecht geht, werden diese und weitere giftige Stoffe mit den vorgeschriebenen Messverfahren gar nicht erfasst und wandern unerkannt, z.B. an den Feinstäuben anhaftend, in die Umwelt.

    Warum glaubt niemand mehr an den Fortschritt? Weil zu wenige echten Fortschritt wollen! Viel wichtiger ist denen, die die Macht haben, Entscheidungen zu beeinflussen ihr eigenes Geschäft. Und wenn eine bessere Idee dieses Geschäft bedroht, werden alle erdenklichen Wege eingesetzt, diese Idee zu blockieren. Und wenn man Politiker durch z.T. legale Spenden dazu bewegen kann, wird der größte Mist mit unseren Steuergeldern gefördertund Gegner dieser Verschwendung als Fortschrittsfeinde diffamiert. Ein Beispiel für echten Fortschritt, der so verhindert wird, ist das Kryo- Recycling:
    http://buendnis-zukunft.de/phpBB2/viewtopic.php?t=165

    Auch der FCKW und FKW- freie Kühlschrank von Prof. Dr. Harry Rosin konnte nur gegen größte Widerstände der Konzerne durch einige glücklichen Umstände zusammen mit Greenpeace umgesetzt werden. Die Konzerne wollten weder den Schutz der Ozonschicht (FCKW), den geringeren Stromverbrauch oder den Schutz der gesamten Biosphäre (Abbauprodukte des FKW) und hatten nur ihr kurzfristiges Geschäft im Auge!
    Echter Fortschritt ist m.E. so nicht möglich.

  99. 100.

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    • 1. Juni 2012 um 14:12 Uhr
    • Nakul
  100. Kommentar zum Thema

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