Massenmorde an Arabern und Muslimen
Aus gegebenem Anlass: Da wir dieser Tage viel über die zivilen Opfer der israelischen Angriffe hören, sind folgende Zahlen vielleich interessant. Das folgende habe ich vor zwei Jahren bereits hier gepostet, noch unter dem Eindruck des Libanonkrieges.
Der israelische Journalist Ben Dror Yemini hat dieser Tage in der Zeitung Ma’ariv eine Serie veröffentlicht, die weit über Israel hinaus Aufsehen erregen sollte. Der Titel der drei Aufsätze lautet “Und die Welt schweigt” - über das Leiden der Muslime und Araber. Wenn in unseren Debatten über Terrorismus und Islamismus davon die Rede ist, man müsse endlich “die Ursachen” der islamischen Wut gegen den Westen bekämpfen, dann wird dabei meist an die Situation der Palästinenser unter der Besatzung gedacht.
Ben Dror Yeminis Forschungen erlauben es, das Leiden der Palästinenser in den Zusammenhang der muslimisch-arabischen Leidensgeschichte der letzten Jahrzehnte zu stellen. Der hoch respektierte Journalist hat etwas sehr naheliegendes getan: Er hat – so weit es die Zahlen von amnesty, der VN und anderer vetrauensvoller Quellen zulassen – einfach mal zusammengerechnet, in welchen Konflikten die meisten Araber getötet wurden. Seine Zahlen – er hat sich an die jeweils konservativste Schätzung gehalten, sind erschütternd:
- Algerien – ca. 600.000 Getötete, vor allem durch die französische Armee zwischen 1954-1962
- Sudan – zwischen 2.6 und 3 Millionen Tote in mehreren Bürgerkriegen und Völkermorden, die seit Mitte der fünfziger Jahre von arabischen Muslimen an schwarzafrikanischen Bewohnern des Südens begangen wurden, auch unter ihnen viele Muslime
- Afghanistan – 2 bis 2.5 Millionen Tote, davon mehr als die Hälfte durch die sowjetische Invasion, der Rest durch den anschließenden Bürgerkrieg
- Somalia – 400.000 bis 550.000 Tote in dem seit 1977 andauernden Bürgerkrieg
- Bangladesh – 1.4 bis 2 Millionen, nachdem das Land 1971 die Unabhängigkeit von Pakistan suchte. Nach einem Regierungsbericht Bangladeshs werden 1.247 Millionen Tote den systematischen Massakern der pakistanischen Armee zugeschrieben
- Indonesien – 400.000 Tote durch Massaker der Suharto-Armee in den Jahren 1965-1966
- Irak – 450.000 – 670.000 Tote im Krieg mit dem Iran zwischen 1980-88. (Auf Seiten des Iran starben 450.000 bis 670.000 Menschen.) Bis zu einer halben Million Toten durch “Säuberungen” aller Art unter Saddam Hussein. Bis zu 200.000 Schiiten wurden 1991-92 während des Aufstands durch die irakische Regierung getötet. Zwischen 200.000 und 300.000 Kurden wurden vom Bath-Regime ermordet. Eine halbe Million Iraker ging an den Folgen der UN-Sanktionen zugrunde. Täglich sterben sunnitische und schiitische Muslime im Bürgerkrieg nach der Besatzung des Irak. Etwa 100.000 Opfer soll die Besatzung nach manchen Schätzungen gekostet haben.
- Libanon – 130.000 Menschen, vor allem durch Landsleute anderer Religion und Ethnie getötet zwischen 1975 und 1990. 18.000 Opfer des libanesischen Bürgerkriegs gehen auf israelische Einmischung zurück.
- Jemen – 150.000 Tote im Bürgerkrieg zwischen 1962 und 1970
- Tschetschenien – 80.000 bis 300.000 Opfer zwischen 1994 und 2001
- Jordanien – 10.000 bis 25.000 Ermordete in den Massakern des “Schwarzen September” (palästinensische Schätzung), bei denen die jordanische Armee palästinensische Flüchtlinge tötete
- Kosovo – ca. 10.000 tote Muslime zwischen 1998 und 2000
- Syrien – ca. 20.000 Tote bei dem Massaker von Hama (1982), dem Gipfelpunkt der systematischen Verfolgung der Muslimbruderschaft durch Hafis El Assad
- Iran – zehntausende Tote nach der Revolution von 1978. Bis zu einer Million Toten im Krieg mit dem Irak
- Palästina – ca. 60.000 Tote im arabisch-israelischen Konflikt, die Mehrzahl davon nicht palästinensisch, sondern aus den umliegenden arabischen Staaten. 1378 Palästinenser wurden während der ersten Intifada getötet, 3700 seit Beginn der zweiten
Ben Dror Yemini schreibt, nachdem er diese furchtbaren Zahlen ausgebreitet hat, mit einiger Plausibilität, daß die Muslime und die Araber selber am meisten unter der Fixierung der Weltöffentlichkeit auf den Palästina-Konflikt leiden. Die wahren Ursachen ihres Leidens werden nicht thematisiert.
There are those that claim that Arab and Muslim states are immune from criticism, because they are not democratic, but Israel is more worthy of criticism because it has democratic pretences. Claims like this are Orientalism at its worst. The covert assumption is that the Arabs and the Muslims are the retarded child of the world. They are allowed. It is not only Orientalism. It is racism.
The Arabs and the Muslims are not children and they are not retarded. Many Arabs and Muslims know this and write about it. They know that only an end to the self-deception and a taking of responsibility will lead to change. They know that as long as the west treats them as unequal and irresponsible it is lending a hand not only to a racist attitude, but also, and mainly, to a continuation of their mass murder.
The genocide that Israel is not committing, that is completely libelous, hides the real genocide, the silenced genocide that Arabs and Muslims are committing mainly against themselves. The libel has to stop so as to look at reality. It is in the interest of the Arabs and the Muslims. Israel pays in image. They pay in blood. If there is any morality left in the world, this should be in the interest of whoever has a remaining drop of it in him. And should it happen, it will be small news for Israel, and great news, far greater news, for Arabs and Muslims.
Joachim S.: Hama fehlt nicht.
Stimmt. In der Aufzählung Punkt 13.
Danke!
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Was halten die werten Mitkommentatoren von diesen Aussagen, die ich persönlich – bei aller Wertschätzung dem alten Journalistenschlachtross gegenüber – für ziemlich bedenklich halte.
@ Joachim S.
Er reduziert den Konflikt auf seinen ökonomischen Aspekt (größtenteils: nomadisierende Hirten gegen sesshafte Bauern), eleminiert damit die ethnische Kompomente (Araber gegen Schwarzafrikaner) und wäscht die arabische Regierung weiß.
Da fehlt nur noch das Gewäsch, dass die Hautfarbe von Unterdrückern sowie Unterdrückten gleich schwarz ist und beide Muslime sind, und es sich daher nicht um einen Konflikt zwischen Arabern und Schwarzafrikanern handeln kann.
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@ tati (#16)
“Da ist der ICC ganz anderer Ansicht”
Und? Kröpelins Artikel ist ja in sich schlüssig und nennt die Anklage des ICC eine Posse.
Ich habe keine Ahnung von Darfur (großes Ehrenwort!) und weiss nicht, ob und wie weit Kröpelin richtig liegt. Ich bin mir aber sehr sicher, dass ein Haufen Leute über Darfur moralische Reden schwingt, der ebenso wenig darüber weiß wie ich (und Sie:-).
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@ tati
Bei http://www.zeit-fragen.de handelt es sich übrigens um das Zentralorgan der offiziell aufgelösten rechtsradikalen Schweizer Politsekte “Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis”. Ein Zeit-Fragen-Autor ist Querfrontler Jürgen Elsässer.
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Ich habe keine Ahnung von Darfur (großes Ehrenwort!)
@ AM
Dann halten Sie doch einfach mal die Fresse.
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Naja AM, ich persönlich halte die These für richtig.
These (anders formuliert): Verbrechen zwischen Moslimen werden medial anders bewertet als Verbrechen verbrechen von Nicht-moslimen gegen moslime.
Das mit dem “schweigen” ist zumindest absolut gesehen, eine überspitzung aber.
Das diese Verbrechen wahrgenommen werden – das ist auch klar (müssen ja, sonst wären die entsprechenden daten nicht so leicht zugänglich, wenn überhaupt).
Zuerst einmal: Medien sind nie neutral – geht auch nicht: alleine derjenige, der auszuwählen hat, was eine interessante (und somit berichtenswerte) nachricht ist oder nicht, tut es auch naxch dem, was seine Leser für interessant halten – und somit auch nach dem, welche politisch einstellung er bedienen will (bzw. beeinflussen). Vom Schreiberling, der seine Sichtweise, die halt immer auch voreingenommen ist, ganz abgesehen einmal.
Palästinenser. Vor nun einem guten Lebensalter haben diese das land in Israel verloren – exakter: die vorfahren, denn die meisten sidn schon tot der ursprünglichen ‘eigner’. Das ist primär unter Kriegseinwirkung geschehen.
In der Zwischenzeit ist nun viel passiert – auch mit den Palästinensern.
Wenn aber die palästinenser medienecho erzeugen, dann meist immer im zusammenhang mit Israel – syrien, Libanon usw… werden auch erwähnt, aber sind immer nur episoden, und danach interessiert es nicht mehr – Israel & Palästina sind aber ein dauerrenner – ob nun diese friedensverhandlung fehlschlug, jaht jenen überfall und jenen krieg. Das Ägypten ebenfalls seine grenzen zumacht zum gazastreifen findet erwähnung – ein leichtes unbehagen und das war es. Wer erinnert sich noch an den “schwarzen September” emotional? Was ist mit den palästinensischen Flüchtlingscamps, warum sind die nicht schon längst weg?
Afganistan war interressant, als die Russen dort waren – nun nur noch, wenn etwas bizzares geschieht (wie die zum tode verurteilung des jungen journalisten, der aus dem internet etwas antiislamisches heruntergeladen hat) oder wenn der böse wesen gegen die guten talibans kämpft – sonst: egal in den meisten Medien.
Die Dinge werden zu ihrer Zeit berichtet, ja – und anach ist es irgendwie nicht mehr vorhanden bei den meisten. Gerade wenn es innerislamische Konflikte sind – immer wieder kommt was, gerade, wenn viel geschieht, und das war es, nur Israel-palästina ist ein dauerrenner. Den Israelis werden verbrechen, ob eingebildet oder reale, die vor 50 jahren immer noch vorgehalten – die anderen sachen: shit happens, und gut ist es wieder.
Was medial gerne berichte, regelrecht ausgeschlachtet wird sind selbstanklagen – oder beschuldigungen.
Und ich denke, dass die meisten Nachrichten primär symbolische Bedeutung nur besitzen.
Die meisten einschließlich meienr selbst interessiert es einen Dreck ob ein Palästinensere oder ein israeli oder ein ägypter usw… erschossen wird oder nicht.
Warum? Einfach, weil wir mit diesen leuten nichts zu tun haben – wir haben es immer nur mit ein paar bildern und zeitungstexten über irgendetwas ganz weit weg von uns zu tun – und es betrifft uns alle idR. genauso sehr oder wenig, wie wenn in Papua neuguinea ein hochlandbewohner den anderen die Rübe einschlägt (was durchaus dort noch passiert).
Unserte Emotionen sind echt – aber: sie sind genauso echt wie unsere emotionen, wenn eine schönheit aus einem BMW steigt in einer Autowerbung. Sie können nicht viel mehr sein, denn viel mehr ist nicht da, auf das sie sich richten können. Und der einzige Unterschied ist nur ein wissen, dass das eine fixion ist und das andere eine weit entfernte realität , die doch nicht zu unserer lebensrealität gehört.
Alle Infos sind zugänglich: nur werden sie selektiert und unterschiedlich bewertet und ihre bedeutung ist die, die sie für uns haben, und nicht eine an sich selbst.
Über die innermoslimischen Morde regen sich irgendwie wenige Moslime derartig erkennbar auf, die nicht daran beteiligt sind – über palästina-israel aber dafür sehr viele. Was hat ein in Düsburg lebender und aufgewachsener ‘türke’ mit diesen Konflikt zu tun, dass irgednwie mehr wäre als der konflikt unter sunniten und schiiten im irak? Warum findet man aber so viele wegen dem einen auf der straße, wegen dem anderen sieht man keine demo?
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@ N. Neumann
“Dann halten Sie doch einfach mal die Fresse.”
Schön, Neumann, Sie sind ja auch ein Prolet.
Das mache ich sehr gerne, wenn alle den Mund halten, die keine Ahnung von Darfur und einer Lösung haben, und das sind die meisten, die darüber schreiben. Ich gehe kein großes Risiko ein, wenn ich behaupte, dass auch Sie nicht die geringste Ahnung von Darfur haben.
@ Zagreus
“Was hat ein in Düsburg lebender und aufgewachsener ‘türke’ mit diesen Konflikt zu tun, dass irgednwie mehr wäre als der konflikt unter sunniten und schiiten im irak?”
Gute Frage. Und was hat Andre Glucksman mit dem Konflikt in Tschetschenien zu tun? Und was mit Darfur? Und was haben Sie mit dem Palästina-Konflikt zu tun, dass Sie hier Ihre Zeit (so wie ich) vergeuden?
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@ Erol Bulut und Kayvan
Mich würde Ihre Meinung zu Ben Dror Yeminis Aufsätzen interessieren.
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