Druck auf Israel – ein Zeichen der Hilflosigkeit

Von 14. Mai 2009 um 17:55 Uhr

Ingo Way meint:

Was meinen Sie mit weiter so? Etwa die Politik des einseitigen Rückzugs aus Gaza, die bekanntlich zu vermehrten Raketenangriffen der Hamas geführt hat? Die meisten Israelis waren offenkundig der Meinung, dass eine Politik des Immer-weiter-so tatsächlich nicht zielführend ist und haben folgerichtig eine etwas weniger konziliante Regierung gewählt. Dazu war gar kein Druck von Freunden nötig.

Aber der Druck geht ja sowieso in eine ganz andere Richtung. Und da frage ich mich schon, wie man darauf kommt, die derzeitige Situation im Nahen Osten sei eine Folge davon, dass bislang zu wenig Druck auf Israel ausgeübt worden ist, so dass jetzt auch Israels “Freunde” glauben, zu diesem Druck noch ein wenig beitragen zu müssen. Da wird die Zweistaatenlösung wie eine Monstranz vor sich hergetragen, als sei es Israels Schuld, dass die Palästinenser es vorziehen, Israel und einander zu bekämpfen, anstatt endlich damit anzufangen, funktionierende staatliche Strukturen aufzubauen (was die Juden schließlich auch schon Jahrzehnte vor der eigentlichen Staatsgründung geschafft haben), und zwar ohne sich hinter Popanzen wie “Mauer”, “Besatzung” und “Siedlungen” zu verstecken. Würden die Palästinenser das nämlich tun, anstatt Waffen zu kaufen und Selbstmordattentäter auszubilden, sie hätten ihren Staat schon längst.

Da man an die Palästinenser aber nicht herankommt – vom Iran zu schweigen, der das ganze Theater schließlich subventioniert -, übt man den Druck, den jene nötig hätten, eben auf die Israelis aus – nicht weil das richtig wäre, sondern weil man es kann. Eine klassische Übersprungshandlung. Erinnert ein wenig an den Witz von dem Betrunkenen, der sein Portemonnaie im Lichtkegel der Straßenlaterne sucht, obwohl er weiß, dass er es anderswo verloren hat. Aber anderswo ist es zu dunkel zum Suchen.

Jemand wie Liebermann bietet sich natürlich als Buhmann und Sündenbock an, für die Europäer eh und anscheinend jetzt auch für die Obama-USA. Man hat den Schuldigen ausgemacht und an den Pranger gestellt, und wenn’s dann mit dem Nahostfrieden immer noch nicht klappt, hat man wenigstens was getan, nämlich Druck gemacht.

Leser-Kommentare
  1. 17.

    Der Kampf zwischen beiden Ethnien endet, wenn eine gesiegt hat; langfristig haben vermutlich die Araber die besseren Karten.

    Israel sollte frühzeitig lernen, eine tragfähige und emanzipierte Lösung des Problems mit den Arabern zu suchen, die längst aufgrund der geografischen Realität keinen eigenen Staat mehr bilden können.

    Israelische Juden sollten Arabern die gleichen Rechte gewähren, die sie als Juden in Deutschland oder den USA beanspruchen.

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    • 14. Mai 2009 um 20:49 Uhr
    • Krähling
  2. 18.

    @ Samuel
    “die Armee zieht ab und die 400.000 Deppen können sehen wo sie in Palästina bleiben”

    Die Sache ist viel komplizierter. Fuer jeden Israeli, der sich da tatsaechlich in den Siedlungen niederlaesst und den Arsch riskiert, gibt es soundso viele Israelis, die das gar nicht schlecht finden, dass da Land “gewonnen” wird. Die Mehrheit denkt ohnehin, dass das “eigentlich” alles “Israel” ist. Wenn die israelische Armee sich aus den Westbanks einfach zurueckziehen wuerde, dann wuerde das den Staat Israel zerreissen. Vor 20 Jahren waere das wohl noch gegangen, jetzt wahrscheinlich nicht mehr.

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    • 14. Mai 2009 um 20:58 Uhr
    • WB
  3. 19.

    Was Israel ebensowenig wie seine Atomwaffen offen anspricht, weil seine ‘Freunde’ es partout nicht hören und akzeptieren wollen: Solange Palästinenser, genau so wie die anderen arabischen Gesellschaften -und nicht nur die der direkten Nachbarn!-, auch in absehbarer Zeit unfähig sind, die zivilisatorische Mindestleistung einer bürgerlich-demokratisch saturierten Gesellschaftsordnung zu erbringen, bleiben sie eine einzudämmende und zu parzellierende (divide…) Gefahr für den israelischen Schlauch mit seiner 15km messenden Engstelle. Schon die 60km zw. Küste und der jordanischen Grenzen wären nur unter Schweizer Verhältnissen -innen stabil, außen EU- an der Grenze des Machbaren, nicht unter nahöstlichen – innen volatil, außen auch.

    Selbst wenn die Palästinenser auf ihre Mutterkreuzpolitik verzichten würden -so wie ihre Nachbarn aus Mangel an UN-Finanzierung und politischem Nutzen-, blieben die üblichen regressiven und repressiven Verhältnisse arabischer und islamischer Staaten. Es gibt keinen Frieden, nur abwarten und containment. Im besten aller Fälle könnte Israel seine religiösen und großisraelischen Spinner aus der Westbank entfernen und das militärisch Nötige belassen – ob dies innenpolitisch durchsetzbar ist, bleibt zweifelhaft.

    Mit der wachsenden arabischen und ultraorthodoxen Minderheit steht Israel vor einer demographischne Katastrophe. Wenn seine ‘Freunde’ sich schon zu effektiver Hilfe nicht durchringen können, also die UN-Finanzierung von Terror und großpalästinensischer Bevökerungspolitik nicht einstellen und eine Föderation mit Jordanien sowie israelisch/palästinensicshen Gebietstausch erzwingen, dann sollten Sie Israel wenigstens ungestört um sein Existenz kämpfen lassen. Hey, that’s what friends are for!

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  4. 20.

    @ Krähling

    “Israelische Juden sollten Arabern die gleichen Rechte gewähren, die sie als Juden in Deutschland oder den USA beanspruchen.”

    Juden beanspruchen in den USA und Deutschland gar nichts. Sie sind dort nämlich ohnehin Staatsbürger mit allen Rechten. Auf ihren Pässen steht nicht “Israel” oder “Sarah”. Und sie bilden auch keine ethische Minderheit.

    ’33 ist schon ne Weile her.

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    • 14. Mai 2009 um 21:13 Uhr
    • Samuel
  5. 21.

    …die Föderation von Westbank und Gaza mit Jordanien war gemeint.

    Das Problem der europäischen Intelligenzija mit Israel: Während Euroland sich appeasement noch geraume Zeit leisten kann, da viel Tafelsilber stückweise zu verscherbeln ist, verfügt Israel über keinen derartigen Puffer. Deswegen ist das Verhalten gegenüber Israel so bezeichnend – es ist naiv, anzunehmen, die appeaser würden in Europa noch rechtzeitig zur Besinnung kommen.

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  6. 22.

    #15, Neumann, interpretieren Sie lieber nicht so viel.
    Ansonsten stimme ich Ihnen zu. DIe wenigsten der Siedler sind natürlich religiös-ideologisch orientiert. Aber die Armee schützt natürlich alle Siedlungen, nicht nur “bewaffnete Irre”, die übrigens so zu nennen Ablenkung ist.

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    • 14. Mai 2009 um 21:23 Uhr
    • Andreas
  7. 23.

    N.Neumann Für einen Siedlungsblock könnte es eine territoriale Kompensation geben, für bewaffnete Irre auf Hügeln (die teilweise auch von der Armee geschützt werden müssen) wohl kaum.

    Ja. Wobei die (friedlichen) Enklaven und Korridore, die Sie, scheint’s, für zumutbar halten, einen zwischenstaatlichen Umgang auf enormen Niveau voraussetzen. Woher das (wann? plötzlich?) kommen soll, ist mir nicht ganz klar.

    Da es auf der einen mehr, auf der anderen weniger, in jedem Falle aber zu viele Deppen gibt, wäre auch das noch eine hoch riskante, aus meiner Sicht kaum tragfähige Konstruktion – es sei denn, sie würde durch langfristig vor Ort stationierte Garantiemächte geschütz.

    Wie wahrscheinlich ist es, dass die Konfliktparteien sich darauf – einvernehmlich – überhaupt einlassen, und auf wen als Garantiemacht/ Garantiemächte? Und wer wäre, zumal auf die zweifellos nötige lange Dauer, zu solchen Garantieleistungen (unter welchen Bedingungen, gegen welche Kompensationen) bereit?

    Wie dem aber sei: Beide Seiten sehe ich zu einer solchen Konstruktion noch nicht bereit. Zynisch gesagt: Dafür ist noch nicht genug Blut geflossen. Soll heißen: Die Lösung, die Sie vorschlagen, kann nur “von außen” kommen. Nach Lage der Dinge – von den Ingo Way beklagten falschen Freunden Israels.

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    • 14. Mai 2009 um 21:30 Uhr
    • xNWO
  8. 24.

    “von den Ingo Way beklagten falschen Freunden Israels.”

    Korrektur:

    von den von Ingo Way beklagten falschen Freunden Israels.

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    • 14. Mai 2009 um 21:32 Uhr
    • xNWO
  9. Kommentar zum Thema

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