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Pakistanischer Taliban-Chef tot (vermutlich)

Von 7. August 2009 um 15:22 Uhr

Vorsicht ist geboten, denn es gab schon mehrfach Nachricht von seinem Tod: Baithullah Mehsud, der pakistanische Talibanchef, soll am Mittwoch bei einer Attacke von einer amerikanischen Drohne getötet worden sein. Bisher war nur der Tod seiner Frau bestätigt worden. Doch nun gibt es mehrere pakistanische Quellen, die seinen Tod für gegeben halten. Beweise gibt es freilich noch keine, denn die Gegend, in der ihn die Bombe traf, wird von den Taliban kontrolliert.

Baithullah Mehsud

Auch wenn es jetzt bereits Warnungen vor einer Rache der Taliban gibt, wäre dies eine gute Nachricht.

Sie würde erstens belegen, dass Pakistan den Kampf gegen die selbst geschaffenen Taliban-Monster ernst zu nehmen beginnt, statt sie nur taktisch als Mittel zur Einflußgewinnung zu sehen. (Islamabad hat die USA gebeten, diesen Schlag zu führen.)

Zweitens wäre damit auch den afghanischen Taliban ein herber Schlag zugefügt – denn die Unterstützung von deren Kampf von pakistanischer Seite aus ist eine Hauptfunktion Mehsuds gewesen.

Drittens würde dieser Schlag – auch wenn es auf den ersten Blick paradox klingt – die neue Politik der Verständigung mit den Teilen der Bewegung, die für Angebote überhaupt erreichbar sind, erleichtern (“Gespräche mit den moderaten Taliban”. Denn es wäre damit klar, dass die “ausgestreckte Hand” an einem starken Arm hängt, der auch zuschlagen kann. Verhandlungen sind ohnehin nur aus einer Position der Stärke denkbar. Und der Westen (inklusive Pakistan und die afghanische Regierung) hätten deutlich an Stärke gewonnen.

Viertens wird der Schlag – wenn sich sein Erfolg bestätigen sollte – Pakistan stabilisieren, weil deutlich geworden ist, dass Massenmord und politische Anschläge (Bhutto) nicht ungestraft bleiben.

Dies alles hängt aber auch daran, dass man sich von der Illusion frei macht, wir könnten “capture or kill our way to victory”. Die Drohnen sind offenbar ein wichtiges und probates Mittel – die Lösung sind sie nicht.
p.s.: Hier eine Einschätzung aus der Tageszeitung “Dawn” (Karatschi) zur Frage, on Mehsuds Tod im Kampf gegen den Terrorismus hilft.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Pakistan und die afghanische Regierung sind kein Teil des Westens.

    Und es ist auch kein Zeichen der Hoffnung, wenn der Westen selbst zu Methoden des politischen Mordes und des Terrors (starken Arm zeigen – Angst und Respekt verbreiten) greifen muss.

    Das solches Vorgehen leider manchmal nötig ist, sehe ich ein. Wir haben keine wirklichen lokalen Verbündeten, keine wirkliche Macht in der Region – bleibt also nur brutale technologische Überlegenheit. Bombe drauf und Schluss.

    Zumindest haben wir ihm schon mal seine Ehefrau gemeuchelt. Wenn er vielleicht nicht auch tot ist, wird ihm das wenigstens eine Lehre sein.

    • 7. August 2009 um 16:35 Uhr
    • Rafael
  2. 2.

    “capture or kill our way to victory”

    Was bei “capture” heraus kommen kann, hat man bei der “Schlacht von Mogadischu” (Black Hawk Down) 1993 gesehen.

    • 7. August 2009 um 16:58 Uhr
    • J.S.
  3. 3.

    >(Islamabad hat die USA gebeten, diesen Schlag zu führen.)

    Wirklich, aber nicht konkret oder ?

    @Rafael

    Ist doch human, die Zielpersonen haben erst in der Hölle gemerkt, sie sind getötet wurden.

    Allerdings hätte Herr Lau ruhig darauf hinweisen können, die gesamte deutsche Politik ist gegen diese gezielten Tötungen.

    Zum Glück hat Obama auf die richtigen Leute gehört.

    • 7. August 2009 um 22:18 Uhr
    • PBUH
  4. 4.

    Das Problem ist jetzt nicht so sehr eine Eskalation, u.a weil die Taliban in Afghanistan ohnehin am Maximum ihrer Fähigkeiten operieren und gar nicht eskalieren können. Das Problem ist, dass die pakistanische Regierung ihre angekündigte Offensive in Südwaziristan jetzt vieleicht ganz absagt. Eine Eskalation seitens der Taliban in Pakistan würde die Motivation zu einer Offensive vielleicht wieder herstellen und vor diesem Hintergrund eher noch positiv zu bewerten.

    Einige Gedanken dazu:
    http://weblog-sicherheitspolitik.info/2009/08/08/baitullah-mehsud-weitere-bewertung/

  5. 5.

    ISLAMABAD — A deputy to Baitullah Mehsud claimed Saturday that the Pakistani Taliban chief was not killed by a CIA missile strike, contradicting another aide who confirmed Mehsud’s death a day earlier.

    http://www.google.com/hostednews/ap/article/ALeqM5hkiMxbHNH0BqgpWA2ZG6VD6wVTmAD99UJRBG1

    • 8. August 2009 um 11:44 Uhr
    • PBUH
  6. 6.

    Die Drohnen sind offenbar ein wichtiges und probates Mittel – die Lösung sind sie nicht.

    Die Lösung müssen die Muslime selbst finden. Sie müssen aufhören, dem Schlächter Mohammed zu folgen. Der Westen sollte einstweilen darauf aufpassen, daß Muslime keinen allzu großen Unfug im In- und Ausland anrichten. Die Drohnen sind hierfür ein sehr humanes Mittel. Diktatoren- und Terroristen-Bemitleider sollten sich in der Historie kundig machen, wieviel Blutzoll bisher bei Auseinandersetzungen dieser Art üblich war.

    • 8. August 2009 um 13:51 Uhr
    • Black
  7. 7.

    Ihrer eigenen Ideologie zufolge müssten sich militante Islamisten eigentlich für die Drohneneinsätze bedanken: Sie werden dadurch zu “Märtyrern” und erhalten ihrem Glauben zufolge neben direktem Eingang in das Paradies weitere angenommene Belohnungen, die sie bei gewaltlosem Tod nicht erhalten würden.

  8. 8.

    Jetzt erledigen sich die Nachfolger Mehsuds möglicherweise gegenseitig:

    http://www.geo.tv/8-8-2009/47300.htm

  9. Kommentar zum Thema

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