Ein Blog über Religion und Politik

Hat Obama die Demokratisierung aufgegeben?

Von 24. August 2009 um 16:17 Uhr

Die Neocons sind endlich wieder da, wo sie hingehören: in der Opposition. Und dort können sie vielleicht wieder wertvolle Beiträge leisten, indem sie die Regierung kritisieren. Augenscheinlich sind sie darin besser als im Regieren, wie die Bilanz der Regierung Bush zeigt.

Joshua Muravchik, eines der wenigen verbliebenen (intellektuellen) Neocon-Schwergewichte nimmt sich nun die Obama-Aussenpolitik vor und durchleuchtet sie auf den Status der Demokratie hin.

Obama habe einen Pfeiler der amerikanischen Aussenpolitik seit Carter, Reagan und Clinton aufgegeben, meint Muravchik – die Demokratisierungs-Agenda.

Muravchik

Seine Belege findet er in der neuen Weise, wie die Obama-Regierung mit China, Russland, Birma und Sudan umgeht – vor allem aber in der Nahost-Politik, aus der die Demokratisierung als Ziel nahezu völlig getilgt worden sei. (Was er nicht schreibt, ist allerdings, dass dieser Wandel bereits in den späten Bush-Jahren eingesetzt hatte – spätestens nach dem Sieg der Hamas in Gaza und dem Erfolg der Muslimbrüder bei den Wahlen in Ägypten. Und es wird natürlich auch nicht bilanziert, was Bushs Politik zum Niedergang der Demokratie-Agenda beigetragen hat. Aber geschenkt…)

Muravchiks Panorma ist recht beeindruckend und verlangt nach einer Antwort.

Besonders im Bezug auf das arabische Schlüselland Ägypten macht Muravchik einen Politikwechsel dingfest:

Perhaps the clearest shift in U.S. policy has been toward Egypt. By far the largest of the Arab states, and the most influential intellectually, Egypt has also been the closest to Washington. Thus, the Bush administration’s willingness to pressure the government of Hosni Mubarak was an earnest sign of its seriousness about democracy promotion.

For their part, Egyptian reformers urged the U.S. to make its aid to Egypt conditional on reforms. The Bush administration never took this step, but the idea had support in Congress, and it hung like a sword over the head of Mubarak’s government. Obama has removed the threat.

Und in der Kairoer Rede fällt Muravchik besonders stark die merkwürdige Betonung des Kopftuchs auf:

At three different points in the speech, Obama defended a woman’s right to wear the hijab, apparently as against the restrictions in French public schools or Turkish government offices or perhaps in the U.S. military, which insists on uniform headgear. But he said not a word about the right not to wear head covering, although the number of women forced to wear religious garments must be tens of thousands of times greater than the number deprived of that opportunity. This was all the more strange since he had just arrived from Saudi Arabia, where abbayas—head-to-toe cloaks put on over regular clothes—are mandatory for women whenever they go out. During Obama’s stop in Riyadh, the balmy spring temperature was 104 degrees; in the months ahead it will be twenty or thirty degrees hotter. The abbayas must be black, while the men all go around in white which, they explain, better repels the heat.

Nor did Obama mention either directly or indirectly that all Saudi women are required to have male “guardians,” who may be a father, husband, uncle or brother or even a son, without whose written permission it is impossible to work, enroll in school or travel, or that they may be forced into marriage at the age of nine. Speaking on women’s rights in Egypt, he might—but did not—also have found something, even elliptical, to say about genital mutilation, which is practiced more in that country than almost anywhere else.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Oh, der böse Obama hat gar nichts über die üblen Zustände in Saudi-Arabien und Ägypten gesagt. Gerade so als wären Bush und Wolfi zu ihrer Zeit regelmäßig in diese Länder gefahren, um dort fette Prinzen, geifernde Mullahs und heuchlerische Diktatoren wegen ihrer perversen Moral in die Eier zu treten.
    Sowas war damals nur Opium für die Heimatfront (z.B. in diesem Blog), und das ist es auch heute noch im Feuilleton von abgehalfterten und deshalb moralinsauren NeoCons.

    • 24. August 2009 um 16:41 Uhr
    • AM
  2. 2.

    Diese Art der Kritik an Obama kommt aber nicht nur von den Reps sondern auch von hier:

    http://www.huffingtonpost.com/peter-daou/let-women-wear-the-hijab_b_211226.html

    Außerdem dient sie verschiedenen Kampfbloggern u.a. als Beweis dafür, dass Obama muslim at heart ist.

    • 24. August 2009 um 16:42 Uhr
    • riccardo
  3. 3.

    @ AM

    Sie sind auch so ein KLarnamenfall.

  4. 4.

    “Bomb Iran”

    http://www.latimes.com/news/opinion/la-op-muravchik19nov19,0,1681154.story?coll=la-opinion-rightrail

    Die Leichtigkeit des akademischen Scheins.

    Null Expertise, außer vielleicht der Betrachtung diverser Clubmitgliedschaften und Clubzeitungen, viel Zeit, Artikelchen abzusondern und Gremien zu bevölkern. Ansonsten “heiße Luft”.
    Solche Leute sind zum Fürchten, weil ihr Dünkel jede Einsicht verhindert.

    Grüße
    Christoph Leusch

    • 24. August 2009 um 17:09 Uhr
    • Christoph Leusch
  5. 5.

    @Martin Riexinger

    Nehmen wir mal an, AM schreibt Alfons Mittermaier hin, was genau ändert sich dann? Verlangen Sie zur Verifikation vielleicht noch eine Kopie des Personalausweises oder gar die Geburtsurkunde?

    • 24. August 2009 um 17:13 Uhr
    • riccardo
  6. 6.

    @ riccardo
    “Nehmen wir mal an, AM schreibt Alfons Mittermaier hin”
    So identifizierend wäre der Klarname in meinem Fall allerdings nicht:-) Da kann ich auch die Initialen stehenlassen.

    • 24. August 2009 um 17:16 Uhr
    • AM
  7. 7.

    @AM

    Wieso denn? Ich traue Ihnen immerhin zu, ein guter Skiläufer zu sein. :-))

    • 24. August 2009 um 17:25 Uhr
    • riccardo
  8. 8.

    Wie heißt denn unser Ritschie wirklich? Wäre auch interessant.

    • 24. August 2009 um 17:27 Uhr
    • Hans Joachim Sauer
  9. Kommentar zum Thema

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