Ein Blog über Religion und Politik

Aufruf: Schluss mit der Kommentar-Anonymität!

Von 27. August 2009 um 14:40 Uhr

Heute las ich einen Kommentar von Maureen Dowd in der New York Times – über den Fall einer im Internet angegriffenen Frau, die sich vor Gericht Recht verschafft hat, nachdem sie in einem Blog anonym verunglimpft worden war.

Ich stimme Maureen Dowd zu und möchte dies gerne zum Anlass nemen, hier einen Politikwechsel vorzuschlagen:

Kommentare bitte unter Klarnamen!

Beleidigungen kommen hier zum Glück nicht allzu oft vor. Aber Klarnamen würden die Debattendisziplin automatisch erhöhen, glaube ich.

“The Internet was supposed to be the prolix paradise where there would be no more gatekeepers and everyone would finally have their say. We would express ourselves freely at any level, high or low, with no inhibitions.

Yet in this infinite realm of truth-telling, many want to hide. Who are these people prepared to tell you what they think, but not who they are? What is the mentality that lets them get in our face while wearing a mask? Shredding somebody’s character before the entire world and not being held accountable seems like the perfect sting.

Pseudonyms have a noble history. Revolutionaries in France, founding fathers and Soviet dissidents used them. The great poet Fernando Pessoa used heteronyms to write in different styles and even to review the work composed under his other names.

As Hugo Black wrote in 1960, “It is plain that anonymity has sometimes been assumed for the most constructive purposes.”

But on the Internet, it’s often less about being constructive and more about being cowardly.”

Also: Wer keinen wirklich guten Grund für Anonymität hat – wie etwa Dissidenten oder Exilanten – möge sich künftig mit seinem wirklichen Namen anmelden.

Ich bin überzeugt, dass dies unsere Debatte deutlich verbessern wird.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Nein – jeder sollte da die eigene wahl haben.

    Das mit Debatten-disziplin mag ja sein, aber sie vergessen etwas.
    Nämlich das sie nicht kontrollieren kkönnen, wer hier einfach mitliest. Diese Leute sind auch weiterhin anonym – und könnten sehr gut die mehrheit auch sein derer, die diesen Blog – wie viele andere Blogsd auch – besuchen.
    In einer ‘normalen’ gesprächssituation kann man weitgehend als teilnehmer kontrollieren, wer denn sonst noch mit dabei ist und zuhört – ob er sich daran beteiligt oder nicht.
    Beim Internet in einem offenem Forum (!) geht das im gegensatz zu einem geschlossenem gar nicht.
    Und es gibt mir offen und ehrlich zu viele Spinner und gerade bei solch einem hochsensiblem Thema, als dass irgendjemand für jemand anderen die verantwortung hier übernehmen könnte, dass dieser nicht von eben einem zufällig mitlesendem Spinner mit einem mal hass-mails etc… erhält oder gar physischen Angriffen ausgesetzt ist.
    Klarnamen ist , bei zumindest den etwas unüblicheren namen, quasi = man stellt seine Adresse in dem raum
    Wenn etas ist hat der Blogbetreiber die E-mail und auch die IP-Adresse – da muss es nicht noch jeder andere haben so gar ganz außerhalb jedlicher kontrollmöglichkeit.
    Sie können nicht garantieren, daß nicht mit hilfe der Klarnamen schindluder getrieben wird und sie können dafür auch nicht die verantwortung übernehmen.
    Also lassen sie den leuten die wahl, ob sie bzl. mitlesenden da ihre anonymität gewahrt haben wollen oder nicht – denn so hat dies jeder für sich dann auch entschieden.

    • 27. August 2009 um 14:59 Uhr
    • Zagreus
  2. 2.

    Fordere ich seit Jahren.

    Chapeau, Herr Lau.

    Langsam reicht es nämlich. Im Internet wird angeschmiert, verleumdet, intrigiert, konspiriert, so wie es passt:

    der Ehrliche ist der Dumme.

    Wie oft hatte ich diese Mitbürger, die sich mal kurz anmelden unter Pseudonym, um auf mich einzudreschen oder andere user zu beschimpfen, dann sang- und klanglos wieder verschwinden.

    Sperrungen sind denen doch egal, irgendwie schaffen sie es schon mit entsprechender software doch wieder aufzutauchen.

    Anonymität schützt, schützt die unerhrlichen, feigen, böswilligen,

    das ist langsam unerträglich.

    Gerhard Stenkamp

    • 27. August 2009 um 15:12 Uhr
    • Ja, ja, ja!
  3. 3.

    @ Zagreus: Mir kommt das vorgeschoben vor. Was soll schon passieren (Hass-Mails? So what?)? Wenn man schon nicht mehr bereit ist, solche winzigen Risiken für seine freie Meinungsäusserung auf sich zu nehmen, dann gute Nacht!
    Ich exponiere mich hier ja auch.

  4. 4.

    Warum ist denn online der Beitrag von Ulrich Ladurner (noch) nicht verfügbar, der heute in der gedruckten Ausgabe der ZEIT auf der ersten Seite steht?
    Anonymität schützt übrigens vor den Zwängen der PC.

    • 27. August 2009 um 15:19 Uhr
    • AM
  5. 5.

    Jl, das ist ihre wahl – es würde niemand merken (und mal von ihrem Boss abgesehen) kontrollieren können, wenn sie mit einem anonym hier drinnen schreiben würden im kommentarbereich.

    Sorry, ich bin schonmal niedergestochen worden und wohle auch mitten in Berlin – keinen bock auf spinner, dafür gibt es einfach viel zu viele hier.
    Ich will das einfach nicht – das ist mir persönlich zu risikoreich, dafür habe ich schon zu viel erlebt.

    Was stört sie denn daran, den leuten dabei ihre eigenen entscheidungen fällen zu lassen?
    Sie könnten doch auch nicht überprüfen, wenn jemanden sagt, sein Klarname sei “Hans Werner” – und dabei heißt er dann doch anders – wollen sie sich Passkopien zuschicken lassen oder….?

    • 27. August 2009 um 15:19 Uhr
    • Zagreus
  6. 6.

    Ich bin Dissident – ein Neocon in einer linksgutmenschelnden Welt.

    • 27. August 2009 um 15:29 Uhr
    • Samuel
  7. 7.

    Werter Herr Lau,

    vor einigen Tagen habe ich Ihnen bereits zu diesem Thema einen Kommentar verfasst.
    Jetzt sehe ich mich gezwungen, noch deutlicher zu werden.
    Es gibt ausser den von Ihnen erwähnten Dissidenten oder Exilanten durchaus noch weitere Gründe anonym zu posten.

    Wenn ich hier unter meinem Klarnamen poste, dann findet mich jeder, der das will, bereits auf den ersten google Seiten.
    Ich erwirtschafte einen Gutteil meines Einkommens im Internet und möchte auf den Plattformen meiner beruflichen Aktivität keine unerwünschten Gäste.

    Wenn ich diese Anonymität nicht mehr weiter aufrechterhalten darf, dann wird es auch hier keinen tati mehr geben.

    • 27. August 2009 um 15:35 Uhr
    • tati
  8. 8.

    @ AM: Die Beiträge der gedruckten Zeit werden absichtlich nicht gleichzeitig mit der Auslieferung online gestellt, um den Vorteil das Abos zu wahren. Er kommt aber bestimmt noch in den nächsten Tagen. Ist bei einem Kommentar ja auch möglich, zeitversetzt zu publizieren…

  9. Kommentare sind geschlossen.