Nur die Burka hält Belgien noch zusammen

Von 30. April 2010 um 12:52 Uhr

Ein europäisches Kernland, das zu den Gründungsmitgliedern der Europäischen Union gehörte, als sie noch EGKS und dann EWG hieß; das Land, das in der europäischen Hauptstadt die wichtigsten Institutionen beherbergt – Europäische Komission, Rat und Nato – steht vor dem Zerfall. An einem Wahlkreis, der zwischen flämischen und wallonischen Belgiern gespalten ist, hat sich die Regierung zerlegt. Es macht sich immer stärkerer Hass zwischen niederländisch und französisch geprägten Volksgruppen breit.

Nur eines hält das Land noch zusammen, nur eine Maßnahme hat das Parlament noch in dieser Woche des Zerfalls mit nahezu völliger Übereinstimmung verabschieden können: ein Verbot der Vollverschleierung, vulgo “Burkaverbot”.

Das ist die letzte Frage, in der sich das im Bruderhass zerfallende Land noch einigen kann: Die geschätzten mehreren Dutzend Vollschleier (meist eher Nikab als Burka) sind des Übels und müssen mit Geldbußen uns Gefängnis verboten werden.

Was für ein trauriges Bild Europa in diesen Tagen abgibt! Flamen hassen Wallonen, Deutsche geben nichts für Griechen, Griechen halten Deutsche eh für Nazis, Franzosen schimpfen auf Deutsche. Der Euro wird zur Hölle gewünscht, die Erweiterung für falsch erklärt. Ein Bild der Verzagtheit und des Kleinmuts.

Ist Belgien ein treffendes Symbol dieser Verzaghheit? Nur für ein Burkaverbot reicht die Energie noch, bevor das Land  zur Hölle fährt. Man ist zwar nicht in der Lage, einen Wahlkreis gerecht unter Flamen und Wallonen aufzuteilen – man kommt also schon mit der Herausforderung des innereuropäischen Multikulturalismus nicht klar. Aber wenn es gegen ein Symbol des unheimlichen Islam geht, ist plötzlich wieder ein Konsens da.

Hoffentlich ist, was sich im europäischen Kernland Belgien abspielt, kein Menetekel für ganz Europa.

(Bericht hier, Bekenntnis einer Burkaträgerin hier.)

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass die Herausforderung durch den Islam Europa zusammenführt. Manche gehen soweit zu sagen, dass westliche Identität ohne die Bedrohung durch den Islam ab dem 7. Jhd. nicht entstanden wäre. Insofern kann man bezüglich der islamischen Präsenz in Europa vielleicht tatsächlich von einer Bereicherung sprechen.

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    • 30. April 2010 um 13:20 Uhr
    • Delta 0219
  2. 2.

    @Jörg Lau

    >>Was für ein trauriges Bild Europa in diesen Tagen abgibt! Flamen hassen Wallonen, Deutsche geben nichts für Griechen, Griechen halten Deutsche eh für Nazis, Franzosen schimpfen auf Deutsche. Der Euro wird zur Hölle gewünscht, die Erweiterung für falsch erklärt. Ein Bild der Verzagtheit und des Kleinmuts.>>

    Wo haben Sie diese verzerrende Karikatur her?

    >>Hoffentlich ist, was sich im europäischen Kernland Belgien abspielt, kein Menetekel für ganz Europa.>>

    Mensch, Herr Lau, jetzt dramatisieren Sie aber.

    >>Als Menetekel [meneˈteːkəl] bezeichnet man eine unheilverkündende Warnung, einen ernsten Mahnruf oder ein Vorzeichen drohenden Unheils.>>
    (Wikipedia)

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  3. 3.

    Deutsche geben nichts für Griechen

    Mal mit gutem Beispiel vorangehen und ein paar griechische Anleihen kaufen. Ich könnte Ihnen spesenfrei ein paar 2-jährige zu 12% besorgen, mit Totalverlustgarantie. Besser kann man Europa nicht unterstützen. Also nicht jammern, weil andere sowas ablehnen, sondern selbst anpacken.

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    • 30. April 2010 um 14:05 Uhr
    • riccardo
  4. 4.

    Der belgische Sprachenstreit ist in der Tat ein Kuriosum, und zwar seit den 70er-Jahren, als sich die großen Parteien (Christdemokraten, Sozialdemokraten, Liberale) in jeweils eine flämische und wallonische gespalten haben und die Provinzgrenzen exakt den Sprachgrenzen angepasst wurden.
    M.E. wäre es am sinnvollsten, das Land zu teilen wie vor Jahren die Tschechoslowakei. Das französischsprache Brüssel, das als Exklave im flämischen Landesteil liegt, könnte zu einer internationalen Europastadt gemacht werden.

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  5. 5.

    “Mal mit gutem Beispiel vorangehen und ein paar griechische Anleihen kaufen.”

    Das macht Herr Lau natürlich nicht, unsolidarisch wie er ist. Es ist nämlich auch viel einfacher, die Politiker dazu aufzurufen, dass Geld der Bürger zu rauben um es in eien Fass ohne Boden zu schaufeln. Und jeder, der das nicht will, hasst die Griechen. So einfach ist das.

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    • 30. April 2010 um 15:45 Uhr
    • Samuel
  6. 6.

    Belgien:
    Das Problem in vier Sätzen:
    Flamen sprechen niederländisch, französisch, englisch und meist auch deutsch
    Wallonen sprechen französisch
    Im 19. Jahrhundert war die Wallonie (Kohle/Stahl) reich
    Heute ist Flandern reich und die Wallonie Sozialfall

    Die Lösung wäre die Spaltung des Landes. Wallonen wollen sich nicht integrieren (die Sprache der Flamen lernen), sie wollen nur Geld von der wohlhabenderen Bevölkerung

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    • 30. April 2010 um 16:14 Uhr
    • Karel van Ghent
  7. 7.

    Die Beschäftigung mit dem Islam hatte bei mir ziemlich schnell die Hoffnung geweckt, dass Europa in der Zurückweisung dieses Gebildes eine Aufgabe von ziemlich konstitutivem Ausmass finden wird.

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    • 30. April 2010 um 16:19 Uhr
    • Leutnant Gustl
  8. 8.

    Belgien ist zwar politisch in einem beklagenswerten Zustand und die Burka-Entscheidung ist wohl auch als ein Ausdruck billigen Populismus zustandegekommen, dennoch ist das Burkaverbot in der Sache richtig und wäre auch hierzulande begrüßenswert.

    Leider haben wir in Deutschland – im Gegensatz z.B. zu Frankreich – nur eine zahlenmäßig unbedeutende aufgeklärte islamische Elite, die sich mit der Republik und ihren Werten identifiziert. Bei uns dominieren Verfechter eines konservativen, intoleranten und antiwestlichen Islam, geduldet in falschverstandener Toleranz. Daher wird jeder, der hierzulande menschenverachtende fremdländische und archaische Bräuche nicht akzeptieren will, von den linken und linksliberalen Meinungsmachern mit der Faschistenkeule plattgemacht!

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  9. Kommentar zum Thema

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