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“In einem Jahr bin ich weg” – eine Rundreise durch den europäischen Antisemitismus

 

Meine Reportage erscheint morgen auf Seite 3 der ZEIT (aus Anlass des Gedenktages zur Befreiung des KZ Auschwitz):

Amsterdam/Malmö/Budapest
Vor einiger Zeit hat Raphael Evers aufgehört, die Tram in seiner Heimatstadt Amsterdam zu benutzen. Auch auf den Markt geht er nicht mehr. Er ist ein sichtbarer Jude – ein Rabbiner mit Rauschebart, breitkrempigem Hut und einem schwarzen Anzug mit Frackschößen, der mittags in Sal Meijers Kosher Sandwichshop ein Broodje Meijer mit gepökeltem Rindfleisch und Senf isst und sich dabei die Sorgen älterer Gemeindemitglieder anhört. Das Lokal im Amsterdamer Süden ist ein sicherer Ort. Die Straßen sind es nicht mehr. »Ich werde beschimpft, manchmal sogar angespuckt. Für Juden wie mich gibt es No-­go-­Areas­ in dieser Stadt. Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.«
Das »jüdisch-christliche Erbe« wird in Europa derzeit gern beschworen, um sich vom Islam abzugrenzen. Doch der Vereinnahmung der Juden zur Verteidigung des Abendlands widerspricht das prekäre Lebensgefühl vieler, die ihr Judentum offen leben. Zwar gibt es durch die Einwanderung aus dem Osten eine neue Blüte; erstmals nach dem Holocaust. Doch wer wissen will, wie es heute um das jüdische Leben in Europa steht, der stößt auf Beklommenheit, Verunsicherung und Angst – das zeigt sich auf einer Reise nach Amsterdam, Malmö und Budapest.
»Bewusste Juden«, so wurde am 5. Dezember der liberale Politiker Frits Bolkestein in der Zeitung De Pers zitiert, »müssen sich darüber klar werden, dass sie in den Niederlanden keine Zukunft haben.« Sie sollten mit ihren Kindern lieber nach Israel oder in die USA emigrieren. Der 77-jährige Bolkestein war Vorsitzender der regierenden liberalen Partei VVD und später EU-Kommissar. Bolkestein habe, so Evers, seine Landsleute warnen wollen. Aber die Grünen, die sonst gerne über Rassismus reden, kritisierten den Überbringer der schlechten Nachricht. Ihre Spitzenkandidatin Femke Halsema erklärte, Bolkestein müsse wohl den Verstand verloren haben. Für Rabbiner Evers sind solche Reaktionen Teil des Problems.
Er ist als Direktor des Rabbinerseminars das Gesicht des Judentums im Lande. Er ist ein lebensfroher Typ. Er will kein Opfer sein, und er muss seiner Gemeinde Zuversicht vermitteln. Leicht ist das nicht. Das Klima sei »nicht gut« für »offen lebende Juden«, sagt er: »Aber wir dürfen nicht fliehen. Damit würden wir ja den Antisemiten recht geben! Sprechen Sie mit meinem Sohn, der kann Ihnen mehr erzählen.«
Benzion Evers ist wie sein Vater in der Gemeinde tätig. Aber nicht mehr lange: »In einem Jahr bin ich weg. Ich beende noch mein Studium, dann gehe ich mit meiner Frau nach Israel. Mein Vater sagt das zwar nicht öffentlich, aber ich glaube, nach seiner Pensionierung geht er auch weg.« Der 22-jährige Benzion hat sich schon in der Pubertät darauf eingerichtet, dass man in der Stadt besser keine Kippa, sondern eine Baseballkappe trägt. Er hat gelernt, den arabischstämmigen Schülern, die ihn und seine jüdischen Freunde als »Kanker Joden« (Krebsjuden) mobben, aus dem Weg zu gehen. Und er hat sich damit abgefunden, dass er sich permanent für Israels Politik rechtfertigen muss: »Man kann so leben. Aber es nimmt einem die Luft zum Atmen, wenn man seine Religion und seine Identität verstecken muss. Unseren Kindern wollen wir das nicht zumuten.« Benzion betont, er fliehe nicht nach Israel. Fünf seiner neun Geschwister sind schon in Israel. »Vielleicht macht der Antisemitismus nur den kleineren Teil meiner Entscheidung aus«, sagt Benzion. »Aber als Holländer finde ich, in unserem Land sollte so etwas überhaupt keine Rolle spielen.«
Seine Großmutter, Bloeme Evers-Emden, geboren 1926, ist eine Auschwitz-Überlebende. Sie war auf dem gleichen Transport wie Anne Frank. Sie kam zurück und lebte als Zeitzeugin in Amsterdam. Heute unterstützt sie seine Entscheidung. Eine Million Besucher kamen letztes Jahr ins Anne Frank Haus und ließen sich vom Schicksal dieser Ikone des Leides unter den Nazis bewegen. Wozu dient die Vergangenheitsbewältigung, wenn zugleich die Familien von Überlebenden aus dem Land gegrault werden?
Wer Frits Bolkestein in seinem Büro mit Amstel-Blick aufsucht, findet einen weißhaarigen Herrn vor, der einen sehr klaren, wenn auch bedrückten Eindruck macht. »Wenn Orthodoxe hier in Amsterdam eine Bar-Mizwa feiern, brauchen sie Wachleute. Die jüdischen Gemeinden müssen bei uns für ihre Sicherheit selbst bezahlen, die Regierung und die Stadtverwaltung schauen weg. Und die Politik hat Angst, das Problem anzugehen.«
Der muslimische Antisemitismus ist ein unangenehmes Thema in den Einwanderungsgesellschaften Europas, deren politisches System von Rechtspopulisten bedroht wird. Geert Wilders hat gleich versucht, aus Bolkesteins Äußerungen Profit zu schlagen: Nicht die Juden, sondern die Marokkaner müssten gehen. Die Parteien der Mitte scheuen sich, das Thema aufzugreifen, weil es Wilders nutzen könnte.

Seit Jahren findet eine schleichende Verrohung des öffentlichen Raums statt: Weil Ajax Amsterdam als »jüdischer Club« gilt (im Vorstand und auch im Team gab es gelegentlich Juden), rufen die Fans des Konkurrenten Feyenoord Rotterdam von den Stadionrängen »Hamas, Hamas, Juden ins Gas!«. Erst seit sich ein paar Holocaust-Überleben­de darüber in Briefen an die Vereine beschwert haben, beginnt die Liga einzuschreiten.
Seit dem Gazakrieg nimmt der Antisemitismus zu. 2009 – im letzten erfassten Zeitraum – wurde eine Steigerung der judenfeindlichen Straftaten um 48 Prozent registriert. Im Januar 2009, während des israelischen Krieges gegen die Hamas in Gaza, wurden 98 Taten gezählt, neun gewalttätig. Anfang Januar 2011 wurden mitten in Amsterdam Werbeplakate für ein Anne-Frank-Theaterstück mit dem Wort »PaleSStina« überschmiert.
Trotz der Vergangenheit kommen immer mehr junge Israelis nach Europa – ausgerechnet Berlin ist in den letzten Jahren zum Lieblingsreiseziel aufgestiegen. Gleichzeitig entdecken junge Europäer ihr Judentum wieder. Aber viele Juden, besonders orthodoxe, leben wie Rabbiner Evers – vorsichtig, innerhalb selbst gezogener Grenzen. Es gibt einen antisemitischen Alltag, einen offenbar akzeptierten Normalpegel des Hasses – auch in Deutschland: Jahr für Jahr werden im Schnitt 50 jüdische Friedhöfe geschändet, statistisch also jede Woche einer. Es sind meist Juden, die sich um den Antisemitismus kümmern müssen. Auch darum hat sich eine Bedrücktheit über das jüdische Leben gelegt.
Die Frage, wie tolerant Europa ist – wie der Alte Kontinent mit religiöser Vielfalt umgeht –, ist zuletzt anhand von Kopftüchern, Minaretten und Burkas diskutiert worden. Die Offenheit für Muslime ist zu Recht zum Maßstab geworden für das multireligiöse Europa. Darüber droht aus dem Blick zu geraten, wie sich alte Vorurteile, eine neue Demografie und der ewige Nahostkonflikt zu einer giftigen Mischung verquirlen, die Juden das Leben schwer macht. Das multireligiöse Europa muss zeigen, dass die Lehren aus dem Holocaust für alle gelten, auch für die Einwanderer und ihre Kinder.
Eine treibende Kraft der letzten Welle antisemitischer Taten sind muslimische Jugendliche, die selber unter der Engherzigkeit der europäischen Gesellschaften leiden, wenn sie Symbole ihres Glaubens tragen. Zwar wäre es falsch, nur auf sie zu schauen: Ungarn hat nahezu keine Muslime und doch ein wachsendes Problem mit Judenhass. Hier hat nämlich – wie in Teilen Ostdeutschlands – der Rechtsradikalismus Wurzeln geschlagen und sich unter Ministerpräsident Viktor Orbán als normaler Teil des politischen Lebens etabliert. Das neue Phänomen des muslimischen Antisemitismus jedoch ist ein besonders heikles Thema für die Einwanderungsgesellschaften West- und Nordeuropas. Die Hassbekundungen einer kleinen Teilgruppe meist junger, männlicher Migranten muslimischer Herkunft gegenüber Juden gefährden den Religionsfrieden in einem zunehmend multireligiösen Europa.

Auch in Malmö stößt man auf das Wort Gaza, wenn man nach Erklärungen für die Ereignisse der vergangenen Jahre sucht. Aber was hat Fred Kahn, der Vorsitzende der kleinen Gemeinde von Südschweden mit ihren 800 Juden, mit dem Stück Land zu tun, in dem die Hamas regiert? Der freundliche Herr mit Glatze und Schnurrbart, ein pensionierter Professor für Biochemie und Mikrobiologie, ist Schwede durch und durch. Früher, sagt Kahn, war Judenhass ein Phänomen der südschwedischen Neonazi-Szene. Heute machten vor allem Jugendliche aus dem islamisch geprägten Einwanderermilieu Probleme. Fast ein Fünftel der Bevölkerung Malmös ist muslimisch. Fred Kahn betont mehrfach, dass »99 Prozent der Muslime absolut friedlich« seien. Es gebe exzellente Verbindungen zu islamischen Gemeinden. Der Zentralrat der Juden, betont er, habe sich seit Jahren gegen die in Schweden grassierende Islamophobie gewandt. »Wir wissen«, sagt Kahn, »dass es überall, wo gegen religiöse Minderheiten gehetzt wird, am Ende auch gegen die Juden geht. Wir sind gegen Kopftuch- und Minarettverbote und verteidigen jedermanns Religionsfreiheit.«
Die Frage ist allerdings, wer für die Freiheit der Juden einsteht, unbehelligt Zeichen ihrer Religion zu tragen wie die Kippa oder den Davidstern. Der Rabbiner der Gemeinde, ein Orthodoxer, wurde auf der Straße mehrfach schon als »Scheißjude« beschimpft, den man »leider vergessen habe zu vergasen«. Seit dem Gazakrieg, sagt Kahn, sei das Klima so feindselig geworden, dass die meisten die Kippa lieber zu Hause lassen. Es gab Brandanschläge auf eine Kapelle, Verwüstungen jüdischer Friedhöfe und Pöbeleien gegen die Teilnehmer eines jüdischen Kinder-Ferienlagers. Etwa 30 jüdische Familien, schätzt der Vorsitzende, hätten die Stadt bereits verlassen, seit die Angriffe zunehmen. Manche gingen nach Stockholm, wo es mehr jüdische Infrastruktur gebe, in der man sich sicher fühlen könne, manche auch nach England oder Israel.
Der sozialdemokratische Bürgermeister der Stadt, Ilmar Reepalu, hat lange geschwiegen. Nachdem Berichte lokaler Medien den Antisemitismus skandalisierten, gab er ein Interview, das in Fred Kahns Augen alles noch schlimmer machte. Reepalu forderte von Malmös Juden, »sich klar von den Menschenrechtsverletzungen des Staates Israel gegen die Zivilisten in Gaza zu distanzieren«. Diese Äußerung kommt einer symbolischen Ausbürgerung gleich. Eine Ungeheuerlichkeit: Müssen sich schwedische Juden von Israel distanzieren, um sich das Recht auf Unversehrtheit als Bürger zu verdienen? Der Bürgermeister aber setzte in einem späteren Interview noch nach: »Wir akzeptieren weder Zionismus noch Antisemitismus noch andere Formen ethnischer Diskriminierung.« Das ist eine subtile Version der Behauptung, der Zionismus sei eine Form des Rassismus wie der Antisemitismus. Ein linker Bürgermeister, der sich nicht vor seine jüdischen Bürger stellt und stattdessen den als »Antizionismus« posierenden Affekt gegen Juden auch noch füttert? »Wenn Juden aus der Stadt nach Israel auswandern wollen, hat das für Malmö keine Bedeutung«, sagte er. Reepalu ist weiter im Amt und wird von seiner Partei gestützt.
In Budapest kommen die Angriffe gegen Juden aus einer anderen politischen Richtung. Ungarn hat mit über 100 000 Mitgliedern die größte jüdische Gemeinde Osteuropas. Nach dem Kollaps des Kommunismus gab es ein wahres Revival jüdischen Lebens. Die größte und schönste Synagoge des Kontinents steht an der Dohany-Straße im Zentrum der Hauptstadt, und Péter Feldmájer, Vorsitzender des ungarischen Zentralrats, residiert in einem holzgetäfelten Büro an ihrer Rückseite. Seine Augen leuchten, wenn er von den Tausenden nichtjüdischen Gästen spricht, die jedes Jahr zum jüdischen Sommerfest kommen. Seine Synagoge ist eine der Hauptattraktionen für Touristen, seit sie aufwendig saniert wurde.
Leider hatten auch die Rechtsradikalen ein grandioses Revival in den letzten Jahren. »Unter dem Kommunismus«, so Feldmájer, »war das alles verboten. Da konnte man es nicht sehen, aber es war immer da. Heute ist es wieder völlig normal, jemanden in der Öffentlichkeit als ›verdammten Juden‹ zu beschimpfen – als hätte der Holocaust nie stattgefunden. Was übrigens viele aus dieser Szene behaupten.«

Kristof Domina, ein junger Politikwissenschaftler, hat soeben das Athena Institute gegründet, einen Thinktank, der sich mit der rechtsradikalen Szene Ungarns beschäftigt. Er hat eine interaktive Karte der hate groups veröffentlicht, darunter 13 aktive Neonazi-Gruppen. Die Internetplattform kuruc.info, die regelmäßig den Holocaust leugnet und zur Gewalt gegen Roma und Juden auffordert, hat nach Dominas Erkenntnissen täglich bis zu 100 000 Besucher – eine erschreckende Zahl in einem Land von 10 Millionen Einwohnern. Kristof ist einer der wenigen nichtjüdischen Kritiker des Antisemitismus im Land. Er hofft, dass Ungarns EU-Ratspräsidentschaft die Aufmerksamkeit für diese Entwicklungen erhöht. Péter Feldmájer wünscht sich eine klare Verurteilung des alltäglichen Antisemitismus durch die Regierung. Aber er glaubt wohl selbst nicht daran. Orbáns konservative Regierungspartei Fidesz zögert, die offen antisemitische Partei Jobbik seit deren Zwölf-Prozent-Wahlerfolg im vergangenen Jahr in die Schranken zu weisen.
Für junge Juden wie die Studenten Tamás Büchler und Anita Bartha, beide Anfang 20, ist es eine Last, sich mit überwunden geglaubten Stereotypen zu beschäftigen. Sie engagieren sich in jüdischen Gruppen – Tamás als Koordinator für die Jewish Agency, Anita für eine lokale Jugendgruppe namens Jachad. Sie suchen eine positive Identität, sie wollen weg von deprimierenden Themen wie Holocaust und Antisemitismus. Die offizielle Vertretung der Juden, finden sie, reite zu viel darauf herum. Sie gehören zu der Ge­ne­ra­tion, die nach dem Kommunismus in Freiheit das Judentum wiederentdecken konnten, das ihre Eltern oft verheimlichen mussten. Die beiden tun die ungarischen Nazis als hässliche Folklore ab. Sie weigern sich, ihr Judentum von außen festlegen zu lassen und ihr Leben in Angst zu verbringen.
Vielleicht sind die Nazis mit ihren Pfeilkreuzen und Árpád-Bannern gar nicht das größte Problem. Anita berichtet von einer Untersuchung, nach der 40 Prozent der Geschichtsstudenten an ihrer Uni antisemitische Klischees vertreten. Tamás geht mit einem Aufklärungsprojekt in Schulklassen und muss immer wieder erleben, dass die Kinder darüber erstaunt sind, dass er keine große Nase hat. Er lacht, aber es klingt ein bisschen bitter. Wenn man die beiden fragt, wo sie ihre Zukunft sehen, lautet die trotzig-stolze Antwort: »Wir müssen nicht hier bleiben, anders als unsere Eltern unter dem Kommunismus.«
Aber zu gehen käme ihnen vor wie Verrat oder Niederlage. Entschieden haben sie noch nichts. Aber es ist beruhigend, die Option zum Gehen oder Bleiben zu haben: »Ich liebe diese Stadt wie verrückt«, sagt Anita. »Es ist die beste Stadt der Welt.«

155 Kommentare

  1.   Stefanie

    Ich denke, nachdem sich auch die Zeit unkritisch auf den Goldstone Bericht gestürzt hat und immer noch dieser unsägliche Artikel über den IHH, der nach der Zeit Vergleiche mit Mutter Teresa verdient hätte, und überhaupt die Berichterstattung über die Friedensflotte völlig einseitig und sogar unter Ausblendung von Fakten war – was nach der Def. der EU….- sollte darüber nachgedacht werden, ob die Zeit was bringt, dass dies wieder gerade rückt.

    Wie Sie selbst schreiben, ist der Antisemitismus stark angestiegen – dies trifft auch auf Deutschland zu – nach Operation gegossenes Blei. Dieser Goldstone Bericht war umstritten, aber Sie haben diesen als neutralen Bericht genommen und dessen Ergebnisse als Fakten gebracht. Das war voreilig und unkritisch. Aufgabe von Journalisten ist es, solche Dinge zu überprüfen und auch während der Operation wurden Vorwürfe gegen Israel als Tatsachen genommen. Heute wird seitens Hamas öffentlich eingeräumt, die überwiegenden Opfer waren Zivilisten. Die Fakten über die Erstürmung der Marmara liegenn heute auch alle auf dem Tisch. Aber Artikel ihrer Zeitung darüber, dass fälschlich Vorwürfe unkritisch aufgriffen wurden, man den Goldstone Bericht völlig unkritisch übernommen hat etc. sind mir nicht bekannt.

    Ich denke, wenn wenn man voreilig Vorwürfe aufgriff und einseitig behandelte, sollte man dies dann wenigstens im Nachhinein klarstellen.

    Sie waren sehr sauer, als ich sagte, die Berichterstattung auch über die Marmara hat Antisemitismus angeheizt. Es geht nicht darum, dass man tatsächliche Vergehen Israels verschweigen soll, aber auf jeden Vorwurf ungeprüft und unkritisch wiederzugeben, sorgt dafür, dass ein negatives Bild über Israel entsteht, was der Realität aber nicht standhält. Gerade mit Blick auf den Antisemitismus sollten Journalisten daher gewissenhaft vorgehen und sich nicht dazu hinreißen lassen, ohne Faktenkenntnis – die bei der Marmara eigentlich hätte vorhanden sein müssen – Vorwürfe aufzugreifen und als Tatsachen hinzustellen.

    Von daher würde ich mich sehr freuen und die Zeit dann sogar kaufen, wenn sich die Mühe gemacht würde, Fehler zu korrigieren und ein zutreffendes Bild über die Geschehnisse während der Operation gegossenenes Blei und auf der Marmara im Nachhinein zu veröffentlichen.

    Ich hoffe sehr, dass zumindest Sie Herr Lau künftig etwas verantwortungsvoller sein werden und nicht mehr wie bei der Marmara auf allgemeine Stimmungen anspringen und unreflektiert ballern, sondern prüfen, was lag da vor. Über die Marmara hätten Sie vor dem Tag der Geschehnisse hinreichend Informationen im Netz finden können und selbst wenn Sie überhaupt keine Recherche betrieben, ee hätten sich die Frage aufdrängen müssen, warum wird verweigert die Hilfsgüter, wenn sie doch wirklich so dringend nach Gaza müssen, über das Land zu transportieren.

    Ich nehme Ihnen jetzt nach diesem Beitrag ab, dass Sie ernsthaft entsetzt über die Entwicklung des Antisemitismus in Europa sind. Ich kann aber nur hoffen, dass Sie beim nächsten Vorfall, in den Israel involviert ist, erst die Fakten checken und dann schreiben. Dass Sie sich nicht mehr daran beteiligen, Israel einseitig zu verurteilen und damit dann den muslimischen und linken Antisemitismus in Westdeutschland, aber auch dem braunen im Osten, mit anheizen.

  2.   G. H.

    Die jüdische Gemeinde in Budapest hat, so Rabbi Ödön Singer aus der FÖ utza, zu mir als Christen in 1997, die deutsche Besetzung überlebt, den Kommunismus überstanden und wird auch König Viktor mit seinen Schwertführern Jobbik überstehen.

  3.   Stefanie

    “die überwiegenden Opfer waren Zivilisten.”

    keine Zivilisten hätte es natürlich heißen müssen und hier noch ein Link dazu. Habe auf die Schnelle nichts anderes gefunden:

    “It has been said that the people were harmed by the war, but is Hamas not part of the people? It is a fact that on the first day of the war Israel struck police headquarters and killed 250 members of Hamas and the various factions, in addition to the 200-300 operatives from the [Izz al-Din] al-Qassam Brigades. In addition, 150 security personnel were killed, and the rest were from people. (The original text of the interview in Arabic, as reprinted in the Hamas newspaper Felesteen, can be found on the website of the Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center. It was also reported by Agence France Presse)

    http://www.hudson-ny.org/1738/finally-a-hamas-leader-admits-that-israel-killed

  4.   tati

    @Jörg Lau

    Fast ein Fünftel der Bevölkerung Malmös ist muslimisch. Fred Kahn betont mehrfach, dass »99 Prozent der Muslime absolut friedlich« seien.

    Ähnlich war es 1933-45 in Teutschland – 99% der Deutschen waren absolut friedlich und gingen ihren Alltagsverrichtungen nach.
    Der einprozentige Rest hat zur Durchführung des Holocaust locker ausgereicht.

    So ist das nun mal, man kann auch friedlich sein und trotzdem Juden hassen…

  5.   Zagreus

    @ lau

    am anfang fand ich ihren Artikel gut. Am schluss, der ungarische teil, ist er es auch wieder – aber die mitte, da hab ich mich wirklich aufgeregt über sie und dachte mir nur noch: was für ein dummes arschl…
    Sorry für die deutlichen worte, aber besser haben sie es einfach nicht verdient.
    Da muss man lesen:
    Der muslimische Antisemitismus ist ein unangenehmes Thema in den Einwanderungsgesellschaften Europas, deren politisches System von Rechtspopulisten bedroht wird. Geert Wilders hat gleich versucht, aus Bolkesteins Äußerungen Profit zu schlagen: Nicht die Juden, sondern die Marokkaner müssten gehen. Die Parteien der Mitte scheuen sich, das Thema aufzugreifen, weil es Wilders nutzen könnte.
    ist zum beispiel eine frechheit, ja eine regelrechte verdrehung der fakten. Denn: ein wilders & Co. sind parteien/personen, die fast ausschließlich als wahlkampfthematiken den *Islam* und seine Gefahren haben. Diese leute wären mit hilfe dieses Themas niemals hochgekommen, wenn nicht das problem schon vorher, vor ihren erfolgen, eben von den “ Parteien der Mitte ” ‘gescheut’ worden wären. D. h.: sie scheuen das Thema nicht, weil es Wilders nützen könnte, sondern sie scheuen es aus anderen Gründen udn deshalb kann ein Wilders es nützen.
    Diese ganze gefahr eines angeblichen rechtspopulismus wird künstlich vion leuten wie ihnen, ihrer zeitung und ähnlich politisch ausgerichteten blättern, vor allem des sog. linken bis links-liberalen spektrums hochgepusht , um eben nicht reagiueren zu müssen.
    Weche zeitung(en) lassenn einen regelrechten entsetzensschrei über Gruppen wie Pro-Köln, die Freiheit, PI usw. los und wie groß sind diese Gruppierungen? Welche zeitungen im gegenzug thematisierten in einen größeren Rahmen bis vor kurzen gewalt und antisemitismus, der von muslimisch-migrantischen Gruppen ausging?
    Sie verdrehen hier kräftigst ursache und wirkung: der sog. Rechtspopulismus kam überhaupt erst auf mit diesen Thema, weil eben niemand der etablierten parteiungen sich der muslimischen problematiken (gewalt, ghettoisierung, hochgradige arbeitslosigkeit, patriarchale familien- & clanstrukturen, antisemitismus) widmete.

    […] »Hamas, Hamas, Juden ins Gas!«. Erst seit sich ein paar Holocaust-Überleben­de darüber in Briefen an die Vereine beschwert haben, beginnt die Liga einzuschreiten.
    Seit dem Gazakrieg nimmt der Antisemitismus zu. 2009 – im letzten erfassten Zeitraum – wurde eine Steigerung der judenfeindlichen Straftaten um 48 Prozent registriert. Im Januar 2009, während des israelischen Krieges gegen die Hamas in Gaza, wurden 98 Taten gezählt, neun gewalttätig. Anfang Januar 2011 wurden mitten in Amsterdam Werbeplakate für ein Anne-Frank-Theaterstück mit dem Wort »PaleSStina« überschmiert.

    Fällt ihnen was auf? Diese leute in Holland sind primär Marrokaner, in Schweden sind es Somalis vor allem – sie wissen, wo diese beiden länder liegen udn wie weit diese von Palästina/Gaza entfernt ist, Ja?
    Was haben marrokaner bzw. Somalis also mit dem gaza-konflikt zu tun? – Nichts! das ist nichts weiter als ein stellvertreter-argumentation, den diese leute einnehmen, um eben ihren in der muslimischen welt weitverbreiteten antisemitismus fröhnen zu können.
    Aus fast allen moslimischen Länder sind, teilweise mit gewalt, die dort lebenden jüdischen gemeinden nach der gründung Israels vertrieben worden. Diese leute werden aufgehetzt (und sind [eigenverantwortlich] auch für diese aufhetzung empfänglich. Denn der antisemitismus (Antizionismus ist quatsch, da bereits vor dem 3. Reich der Anti-zionismus bekämpft wurde – der Palästina-konflitk gab es bereits wärend der Weimarer Rep. und raten sie mal auf welcher seite die Nazis standen und argumentierten, dass welche böse Volksgruppe arme ?was? von ihren Grund und Boden, aus ihrer heimat, vertreiben würden…. –> antisemitismus tritt in der regel als antizionismus auf).

    Aufgehetzt von genug vertretern ihrer eigenen gemeinden bis hin zu eben Imamen und dann auch vor allem über die Medien (aus ihren ursprungsländern). Die Propaganda des Nmuslimischen Antisemismus in Afrika/Naher Osten strahlt via Zeitung, zeitschrift, Film und Fernsehen eben bis direkt in die muslimischen gemeinden hinein.
    Von daher ist das von ihnen ausgewählte Zitat “ Fast ein Fünftel der Bevölkerung Malmös ist muslimisch. Fred Kahn betont mehrfach, dass »99 Prozent der Muslime absolut friedlich« seien. Es gebe exzellente Verbindungen zu islamischen Gemeinden. ” auxch einfach unsinnig – denn nicht ein paar irregeleitete muslimische Jugendliche machen probleme und die übrigen 99% stehen daneben und verstehen die welt nicht mehr , sondern dieser antisemitismus ist ein grassierendes Problem innerhalb vieler muslimischen gemeinden, und bei ein paar Jugendlichen kommt es dann zu übergriffen. Im grunde tun sie aber genau das, was viele in ihren gemeinden, und zwar durchaus auch die autoritäten gut heissen bzw. tolerieren (gerade für patriarchalisch ausgerichtete gruppierungen trifft das zu). Schauen sie doch mal die diversen reaktionen, die teilnehmer auf demonstrationen (z. b. wärend es gaza-konfliktes) an – ‘nutr’ weil die ‘alten’ sich besser unter kontrolle haben und weniger offen ihre ansichten verbreiten, heisst dass noch lange nicht, daß innerhalb dieser altergruppen diese ansichten weniger virulent wären. Hören sie also bitte auf sich diesbezüglich in die eigenen taschen zu lügen – wir in europa haben ein massives problem mit vor allem vielen muslimischen gruppierungen, die hier versuchen ihre traditionellen lebenseweisen und werte weiterhin zu leben und dabei auch ihre politisch-gesellschaftlichen ansichten (wozu ich den antisemitismus dieser leute zähle, von denen die wenigsten irgendwas je mit dem palästina-konflikt zu tun hatten) eben zu leben versuchen.
    Viele Muslime erwechen den eindruck, als wären sie die Opfer schlechthin in der grausamen europäischen gesellschaft, dabei sind sie massive Täter, was sie aber mit händen udn füßen abstreiten.

    Eine treibende Kraft der letzten Welle antisemitischer Taten sind muslimische Jugendliche, die selber unter der Engherzigkeit der europäischen Gesellschaften leiden, wenn sie Symbole ihres Glaubens tragen.

    Das ist ebenfalls objektiv gesehen ‘bull-shit’ – denn in welchen muslimsichen Land, aus den die eltern/großeltern diesrer Jugendlichen kommen, würde ihnen solche Bildungs- und Berufschancen geboten wie in den westeuropäischen Ländern?
    Diese Engherzigkeit, die sie so beklagen , haben gerade diese Jugendlichen , die hier den antisemitischen Dreck leben, meist gar nicht persönlich groß erlebt – einfach aufgrund der freiwilligen ghettoisierung vieler problematisch-traditioneller muslimischer gruppierungen in westeuropa erleben diese Jugendlichen in ihren umfeld gar nicht sich als minderheit, sondern als mehrheit – z. b. in ihren straßen/bezirken odere in ihren schulen. problematisch wird es erst, wenn dann so ein jugendlicher, der schlecht deutsch kann, scheiss noten hat und sich danebenbenimmt (z. b. verbal) einen arbeitsplatz oder eine wohnung sucht. Aber für die misere dieser Menschen sind diese menschen bzw. ihre eltern und großeltern selbst verantwortlich. die Muslime hatten in deutschland, Großbritannien, Dänemark, schweden, Niedrlande genau die selben guten bzw. schlechten chancen wie alle anderen migranten auch – aber gerade viele aus dieser gruppe haben signifikant versagt bei der integration – ursachen waren ihre eigenen werte und verhalten (denn viele andere haben eben erfolg gehabt). Diese eigenverantwortung leignen sie und schlagen sie auf die merhheitsgesellschaft. Die ‘Engherzigkeit’, wie sie es formulieren, trifft diese leute in eigentlich allen europäischen gesellschaften, gerade auch in vielen, die vormals für iohre toleranz berühmt waren – das liegt nämlich am verhalten allzuvieler aus dieser gruppe, daß man ihnen mit misstrauen udn ablehnung begegnet – gerade auch den offensiv religiös lebenden moslimen.

    Die Offenheit für Muslime ist zu Recht zum Maßstab geworden für das multireligiöse Europa.

    eben nicht – zu unrecht – denn die offenheit für muslime beinhaltet eben keine reflektion über die werte und das verhalten der unter ‘muslimen’ fallenden menschen. Und da gibt es nunmal allzuviel, die ein autoritatives, patriarchalisch und fundamentalistisches verständnis ihrer eigenen religion (oder was sie dafür halten)leben wollen. Der anti-semitismus, den sie hier beklagen, ist durchaus massiv in auch diesen gruppen anzutreffen, gerade auch bei den orthodoxen, und wird sehr wohl auch mit ihren glauben begründet (z. b. durch den hinweis auf diverse antisemitische [und anti-christliche] suren im koran).
    Ihr Satz beinhaltet somit im grunde teilweise einen aufruf zur toleranz von antisemitismus – denn die gruppen gegenüber denen sie so gerne ‘offen’ sein würden, sehen den antisemitismus teilweise als bestandteil ihrer ‘religion’ an – was immer wieder auch von diversen medien aus islamischen Ländern gestützt wird (siehe z. b. das hamas-fernsehprogramm oder den iranischen staatsfernsehen).
    Ihr satz beinhaltet nämlich keine reflektion über religion, sondern behandelt alle religionen als prinzipiell gleich, egal , was in ihnen als inhalte vertreten wird.

    Warum können sie gegenüber muslimen nicht genauso kritisch sein wie gegenüber z. b. den ungarischen rechten bzw. Nazis? Was veranlasst sie eigentlich immer wieder dazu, deren eigenverantwortung für ihr handeln und denken abzusprechen und sie als opfer von staat und gesellschaft hinzustellen?

  6.   tati

    Eine treibende Kraft der letzten Welle antisemitischer Taten sind muslimische Jugendliche, die selber unter der Engherzigkeit der europäischen Gesellschaften leiden, wenn sie Symbole ihres Glaubens tragen.

    Was für ein Schmarrn!

    — und weil die muslimischen Jugendlichen bei uns so unter unserer “Engherzigkeit” leiden, erstechen und erschlagen sie Leute in U- und S-Bahnen, vor Diskotheken und Volksfesten. Ausserdem gebietet es wohl die Ehre, auch die eigene Schwester umzubringen, wenn diese zu “engherzig” geworden ist. Nicht wahr?

    Wann hören Sie endlich auf, diesen unerträglichen Opfermythos der muslimischen Jugendlichen zu verbreiten – diese Jugendlichen sind Täter uns schon gar nicht brauchen sie Symbole ihres Glaubens zu tragen um Antisemiten zu sein.

  7.   marriex

    @ Z

    Diese leute wären mit hilfe dieses Themas niemals hochgekommen, wenn nicht das problem schon vorher, vor ihren erfolgen, eben von den “ Parteien der Mitte ” ‘gescheut’ worden wären.

    Volltreffer. Heute haben Sie wirklich Ihren guten Tag.

  8.   FreeSpeech

    Eine treibende Kraft der letzten Welle antisemitischer Taten sind muslimische Jugendliche, die selber unter der Engherzigkeit der europäischen Gesellschaften leiden, wenn sie Symbole ihres Glaubens tragen.

    Quatsch.

    Sozialhilfe, Ausbildung, Langmut – das ist die Realität.

  9.   Stefanie

    “Diese leute wären mit hilfe dieses Themas niemals hochgekommen, wenn nicht das problem schon vorher, vor ihren erfolgen, eben von den “ Parteien der Mitte ” ‘gescheut’ worden wären.

    Volltreffer. Heute haben Sie wirklich Ihren guten Tag.”

    Jow. Ebenso wie Sarrazin nicht so erfolgreich sein Buch hätte verkaufen können, wenn nicht alle über ihn hergefallen wären.

    Es ist albern ein Thema nicht aufzugreifen, weil es Gruppierungen besetzt, mit denen man sich nicht gemein machen möchte. Wer so denkt, läßt sich diktieren, welche Themen er wie behandelt und entscheidet nicht selbst, was er wie behandeln möchte. Das ist ein Armutszeugnis offen zu bekennen, sich von Themen zu distanzieren nicht aus Überzeugung, sondern weil der politische Gegner sie besetzt hat.

  10.   FreeSpeech

    Meine linken Freunde, vor ein paar Jahren entsetzt über meine Ansichten zum Islam, reden unterdessen vom antisémitisme rampant des Islam – als ob der nicht offensichtlich sondern unterschwellig wäre.

    Der Blogmeister passt in diese Tradition: Schuld sind eigentlich die Islamophoben. Die hetzen. Also können die Muslime gar nicht anders.

    Denn Muslime sind in dieser Logik keine Menschen mit eigenem Verstand.

    Das ist für mich wahre Rassismus der Linken.