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Was tun gegen den Barbaren von Tripoli?

Von 11. März 2011 um 11:48 Uhr

Es ist wenig bekannt, dass der erste unkonventionelle internationale Krieg der Vereinigten Staaten gegen jene (Räuber-)Staaten geführt wurde, die man damals als die “Barbarenküste” zusammenfasste: die Piratenherrschaftstümer von Algier, Marokko und Tripoli. Thomas Jefferson führte als Präsident einen jahrelangen Krieg gegen den Herrscher von Tripoli, weil er nicht bereit war, wie die europäischen Mächte eine regelmäßige Tribut- und Lösegeldzahlung zu erbringen. Immer wieder wurden Schiffe im Mittelmeer von den Korsaren der Barbaren (i.e. “Berber”) aufgebracht. Der Handel der westlichen Mächte litt unter dieser Piraterie.
Jefferson wollte bereits als Außenminister eine internationale Koalition gegen die Piraten zusammenbringen, scheiterte aber an den Europäern, die kühl die Kosten kalkulierten und Tributzahlungen günstiger als Krieg fanden. Doch als Präsident der jungen amerikanischen Nation zog er dann mit der Navy in den Krieg:

When Jefferson became president in 1801 he refused to accede to Tripoli’s demands for an immediate payment of $225,000 and an annual payment of $25,000. The pasha of Tripoli then declared war on the United States. Although as secretary of state and vice president he had opposed developing an American navy capable of anything more than coastal defense, President Jefferson dispatched a squadron of naval vessels to the Mediterranean. As he declared in his first annual message to Congress: “To this state of general peace with which we have been blessed, one only exception exists. Tripoli, the least considerable of the Barbary States, had come forward with demands unfounded either in right or in compact, and had permitted itself to denounce war, on our failure to comply before a given day. The style of the demand admitted but one answer. I sent a small squadron of frigates into the Mediterranean. . . .”

The American show of force quickly awed Tunis and Algiers into breaking their alliance with Tripoli.

Es hat eine besondere Resonanz in den USA, wenn die Welt auch heute wieder einem Räuber von Tripoli gegenübersteht – und sich über die Frage zerstreitet, ob man gegen ihn in den Krieg ziehen soll.

Kategorien: Außenpolitik, USA
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Hmm, Ihrer Logik folgend, müssen wir also in den Krieg ziehen, weil der Staatschef eines Landes ein Räuber ist? Was mich angeht – nein, müssen wir nicht. Obwohl ich das Prinzip anerkenne, zum Schutze von Menschen vor Genozid oder ethnischer Vertreibung notfalls Krieg zu führen. Nur
    - gibt es in Libyen weder ethnische Sauberungen noch einen Genozid
    - handelt es sich um einen ausgewachsenen Bürgerkrieg, nicht um das Abschlachten der eigenen wehrlosen Zivilbevölkerung a´la PolPot

    Und davon völlig abgesehen – welches moralische Recht hat ein ZEIT-Redakteur, ein heutiger westlicher Politiker oder ein Armsesselgeneral im pazifistischen Westen überhaupt, von irgendwem einzufordern (!), er/sie müsse in den krieg ziehen? Auch Sie, Herr Lau, haben mittels Wehrdienstverweigerung (unterstellt, sollte ich mich ausnahmsweise irren, können wir weiterreden) deutlich demonstriert, dass Sie nicht bereit sind, für die Gemeinschaft “Deutschland” oder überhaupt für irgendeinen Wert zu töten und zu sterben. Es wäre die Demonstration minimalen Anstandes, das auch nicht von anderen zu verlangen, geschweige denn, zu fordern. Dazu fehlt Ihnen jedes moralisch denkbare Recht! Was im übrigen für die gesamte deutsche Macht- und Geldelite gilt, der Sie als prominenter Journalist angehören.

    • 11. März 2011 um 12:41 Uhr
    • ThorHa
  2. 2.

    Jo, das gabs schon vor Jahren auf IP, achgut usw.

    • 11. März 2011 um 13:08 Uhr
    • Leutnant Gustl
    • 11. März 2011 um 14:45 Uhr
    • marriex
  3. 4.

    Warum soll ein westliches Eingreifen in Libyen anders enden als das Eingreifen im Irak oder in Afghanistan?

    Am Ende wird der Westen wieder der Böse sein.

    • 11. März 2011 um 14:57 Uhr
    • Hänschen Klein
  4. 5.

    Hübsches historisches Vorbild für Somalia: Piraten muss man an Land einheizen, indem man ihre Nester ausräuchert. Ein Teil davon reicht, der Rest verliert dann hoffentlich die Lust oder wird auch beseitigt. War halt Pech. Auf See wurden sie noch nie wirklich geschlagen.

    • 11. März 2011 um 16:46 Uhr
    • 6bb6
  5. 6.

    Hier der Brief Jeffersons an die USA

    We took the liberty to make some inquiries concerning the Grounds of their pretentions to make war upon Nations who had done them no Injury, and observed that we
    considered all mankind as our friends who had done us no wrong, nor had given us any provocation.
    The Ambassador answered us that it was founded on the Laws of their prophet, that it
    was written in their Koran, that all nations who should not have acknowledged their authority were sinners, that it was their right and duty to make war upon them wherever they could be found, and to make slaves of all they could take as Prisoners, and that every musselman who should be slain in battle was sure to go to Paradise.

    http://freepages.misc.rootsweb.ancestry.com/~argyll/From%20JOHN%20ADAMS%20And%20THOMAS%20JEFFERSON.pdf

    Das war der Anlass zur Gründung der US Navy.

    • 11. März 2011 um 21:45 Uhr
    • FreeSpeech
  6. 7.

    - Probleme wurden schon mal unvergleichlich effizienter behandelt –

    Es gibt zur Situation im Golf von Aden / Somalia ein Beispiel in der Antike, das trotz der heutigen Vielschichtigkeit der Probleme interessante Parallelen aufweist: der Piratenkrieg 63 v. Chr.

    Im zweiten Jahrhundert v. Chr. beherrschten die Römer fast den gesamten Mittelmeerraum. Vor allem im Gebiet des geschwächten und durch dynastische Wirren zerrütteten Seleukidenreichs, im westlichen Kilikien, bald an der ganzen Südküste Kleinasiens bis nach Syrien wurde der Seeraub zum einträglichen Gewerbe der Küstenbevölkerung.
    Besonders lohnend war der Menschenraub, weil Rom ein unersättlicher Abnehmer von Sklaven war.
    Auch die Getreideschiffe aus Karthago und anderen Provinzen erreichten Rom nicht mehr, weshalb das Getreide in Rom immer teurer wurde.

    Einzelne größere militärische Operationen, gegen die Seeräuber hatten wenig Erfolg oder waren Misserfolge.
    Bekannt ist, dass sogar Caesar 75 von Seeräubern gefangen wurde.
    Unter anderem wurde auch die Tochter des Triumphators M. Antonius aus ihrer Villa bei Misenum herausgeholt.
    Es war eine “Schmach des Reiches”.

    Angesichts dieser katastrophalen Lage wurde von der Bürgerschaft ein Gesetz beschlossen: Der siegreiche Feldherr Pompeius wurde zum alleinigen Befehlshaber für den gesamten Mittelmeerraum gewählt.
    Ihm wurden zugestanden: 500 Schiffe, Landtruppen von 120 000 Mann zu Fuß, 5000 Reiter, 36 Millionen Denare bar und unbeschränkter Kredit bei allen öffentlichen Kassen, dazu 24 Legaten (Generäle) und die Vollmacht (imperium), die Seeräuber bis 75 Kilometer ins Land zu verfolgen.

    Pompeius begann sofort mit den Operationen. Er teilte das ganze Mittelmeer in neun Befehlsbezirke und besetzte sie mit den Legaten. In nur vierzig Tagen hatte er das gesamte westliche Mittelmeer bis Karthago und Sizilien von Seeräubern befreit.

    Dann verfolgte er flüchtige Seeräuber in das östliche Mittelmeer. Dort gewann er eine Schlacht gegen sie und belagerte 120 ihrer Fluchtburgen, bis eine nach der anderen sich ergab. Er ließ die Burgen schleifen und die Schiffe der Seeräuber verbrennen, womit die große Organisation, die sich die Seeräuber geschaffen hatten, zerschlagen war. Die gesamte Operation hatte nur ein Vierteljahr gedauert.

    Es hatten sich ihm über 20 000 Seeräuber ergeben, die er nach römischem Kriegsrecht hätte hinrichten oder verkaufen können. Aber er hatte seinen schnellen Sieg nicht zum wenigsten dadurch gewonnen, dass sie auf seine Gnade bauten. Pompeius dachte und handelte mit der Einsicht, dass Herrschaft, um fest gegründet zu sein, den Untertanen sichtbare Vorteile bringen müsse. So gab er den gefangenen Seeräubern zu verstehen, dass er sie nicht als Verbrecher sehe, sondern als Menschen, die ihr Gewerbe aus Not betrieben.

    Um ihnen bessere Lebensbedingungen zu verschaffen, siedelte er sie in Kilikien, südlich von Patras, in Süditalien und anderen Provinzen an.

    • 11. März 2011 um 22:01 Uhr
    • Publicola
  7. Kommentar zum Thema

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