Ein Blog über Religion und Politik

Gadhafis Endkampf ums eigene Bild

Von 22. August 2011 um 14:32 Uhr

Wir haben kein Bild von Osama bin Ladens Ende. Kathryn Bigelow arbeitet zwar an einem Film, für den sie offenbar vom Weißen Haus mit Informationen über den Hergang der Nacht von Abottabad versorgt wird. Aber wir werden in absehbarer Zeit wahrscheinlich kein Bild des toten Führers der Kaida sehen. Für den größten Bilderproduzenten des neuen Jahrhunderts (die Zerstörung der Twin Towers wird uns bald wieder – zum nahen 10. Jahrestag – heimsuchen) ist das ein bitteres Ende – diese Bilderlosigkeit seines Todes. Die amerikanische Regierung hat gut daran getan, den Bilderkrieg mit den Terroristen so weiterzuführen. Osamas Anhänger versuchen nun, mit 100 Attentaten zu Ehren ihres Chefs wieder in die Vorhand zu kommen. Das ist eine Strategie, die sich selbst besiegt.

Ich warte unterdessen gespannt auf das Schlußbild zu der wahrlich auch bilderreichen Karriere Muammar Gadhafis. Wie wird der Mann, der Zeit Lebens die Bildwelt des verrückten, mörderischen Clowns variierte, sich in die Ikonografie des Tyrannensturzes einfügen? Wenn man seiner Rhetorik und seiner Selbstinszenierung in den letzten Monaten folgt, schwebt ihm ein Endkampf im Führerbunker vor, allerdings wahrscheinlich ohne Zyankali-Kapseln.

Zwei Bilder, die er sicher zu vermeiden suchen wird, haben in den letzten Jahren zwei andere einst starke Männer der arabischen Welt geliefert.

Saddam Husseins Zahnuntersuchung markierte den Nullpunkt seiner Macht. Es hätte der späteren Bilder von seiner Hinrichtung nicht mehr bedurft, um seine Entmachtung darzustellen.

Hosni Mubaraks Auftritt vor Gericht vor wenigen Tagen markiert ein anderes mögliches Ende, in meinen Augen noch viel schlimmer für den Tyrannen (obwohl dieser Tyrann in keiner Weise mit einem Massenmörder wie Saddam Hussein oder einem Terrorfürsten wie Gadhafi gleichgesetzt werden kann): Der Machthaber als kranker alter Mann, dem der Prozess gemacht wird.

Kategorien: Außenpolitik, Libyen
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ich würde mich auch auf ein Foto von Bush vor Gericht freuen.

    • 22. August 2011 um 14:44 Uhr
    • Cem Gülay
  2. 2.

    Apropos Saddam

    Warum der Irak ohne ihn und seine Dynastie besser dran ist:

    http://www.city-journal.org/2011/bc0819mt.html

    • 22. August 2011 um 15:24 Uhr
    • Serious Black
  3. 3.

    Libyen soll offensichtlich zum islamischen Staat werden, jedenfalls nach Mustafa Abdel Jalil: Das neue Libyen soll nach den Prinzipien dieser Revolution aufgebaut werden, und das sind: Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit, Gleichheit und Transparenz – das alles im Rahmen eines moderaten Islams.

    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Der-rasche-Sturm-auf-Tripolis-ist-der-Nato-zu-verdanken/story/12673344

    Bericht 14.51h

    • 22. August 2011 um 15:31 Uhr
    • FreeSpeech
  4. 4.

    Nun ja, als Moslem kann er sich schlecht auf die “christlichen Grundwerte” berufen, wie das die Union gerne tut.

    • 22. August 2011 um 15:37 Uhr
    • Arjen van Zuider
  5. 5.

    Man könnte auch den Bezug auf den Islam weglassen. Aber es passt zum Outfit, das der Mann in den ersten Wochen des Aufstandes trug.

    http://static7.businessinsider.com/image/4d765976cadcbbc674010000/former-libyan-just-minister-mustafa-abdel-jalil.jpg

    • 22. August 2011 um 15:48 Uhr
    • FreeSpeech
  6. 6.

    Ich glaube, das Bild, um dass es Gaddafi geht, ist nicht primär sein eigenes, sondern das Libyens. Er und Saif hatten ganz am Anfang gesagt, dass nach ihnen die Sintflut kommen werde, dass sich die Libyer gegenseitig umbringen würden, wenn sie nicht mehr seine “Kinder” sein wollten. Schon als es nur erst in Tunesien losgegangen war hieß es: etwas besseres als Ben Ali werdet Ihr nie mehr bekommen.

    Über diesen Umweg geht es ihm dann auch um sein Bild:

    Das eines Landesherren, der den Laden mit der erfoderlichen Strenge zusammengehalten habe; wobei zur Milderung der Strenge ausgerechnet seine launenhafe Exzentrik sich dem Gedächtnis empfehlen soll.

    • 22. August 2011 um 16:17 Uhr
    • Thomas Holm
  7. 7.

    die Bildunterschrift liefert SPON

    Tyrannosaurus Ex

    • 22. August 2011 um 17:47 Uhr
    • Miriam G.
  8. 8.

    Mal sehen, ob Assad der nächste ist.

    Immerhin hat der iranische Botschafter in Syrien kürzlich sein Amt niedergelegt.
    Iran has appointed a new ambassador to Syria to replace Ahmad Mousavi, who decided to quit his post amid growing popular protests against President Bashar Al Assad and his rule.[...]
    Keleme quoted an unnamed Syrian diplomat saying that Iranian embassy staff have vacated their homes in Damascus and sent their families back to Iran in fear of the regime’s imminent collapse.

    http://english.alarabiya.net/articles/2011/08/21/163308.html

    • 22. August 2011 um 18:26 Uhr
    • Serious Black
  9. Kommentar zum Thema

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