Ein Blog über Religion und Politik

Wem gehört die Al-Azhar?

Von 5. März 2012 um 14:47 Uhr

Noch ein Beispiel aus der Reihe Paradoxien der Befreiung, die sich gerade vor unseren Augen in der arabischen Welt abspielt. Die Al-Azhar-Universität, die wichtigste theologische Autorität im sunnitischen Islam, gerät in die Mühle der befreiten ägyptischen Politik.

Bisher wurde der Scheich Al-Azhar vom Präsidenten ernannt, und zwar auf Lebenszeit. Das gab dem Regime außerordentliche Macht über diese Autorität in Glaubensfragen. Der ägyptische Islam hatte die Form einer Staatskirche, mit dem Großscheich von Gnaden des Präsidenten (ähnlich dem Erzbischof von Canterbury als vom König bestellten Kopf der anglikanischen Kirche).
Nun ist das wohl kaum mehr zeitgemäß. Starke Kräfte dringen auf die "Befreiung" der Azhar vom Staat. Ganz vorneweg dabei die Muslimbrüder und die Salafisten der Nour-Partei, die den derzeitigen Großscheich ablehnen wegen dessen Nähe zu Mubarak - und die sich erhoffen, in einer "befreiten" Al-Azhar mehr Einfluß zu haben. So könnte die paradoxe Folge der Befreiung dieser Institution sein, dass dort demnächst ein (noch) sehr viel mehr rigider, sehr viel mehr politischer Islam gelehrt wird, wie die Washington Post berichtet:
In the aftermath of the revolution, there is widespread agreement among politicians in Egypt that al-Azhar needs greater independence. The question is whether that also means a lurch toward a more rigid and less tolerant school of Islam to match the increasingly doctrinaire mood of the Egyptian people.

There is evidence that such a shift is underway and that it could go much further.

Members of Egypt’s two main Islamist groups — the Muslim Brotherhood and the Salafist Nour party — control between them an overwhelming majority in Egypt’s new parliament. Seated in January, they are already working on legislation that would strip the grand sheik of his lifetime appointment and that could give them a major say in picking a successor.

The current grand sheik, Ahmed el-Tayib, is a Sorbonne-educated scholar who emphasizes interfaith dialogue and is known for his relatively progressive fatwas, the religious pronouncements that carry the weight of law when issued by al-Azhar. But he was also a committee member in Mubarak’s hated National Democratic Party and was appointed by Mubarak himself.

Just days before the new parliament was sworn in, Egypt’s ruling generals approved a law that would authorize a committee of scholars to choose the grand sheik but that would effectively allow Tayib to pick the committee.

Politicians from Nour and the Brotherhood, who have been reluctant to challenge the nation’s military rulers on many issues, say they will fight on this one. They argue that Tayib is too closely tied to the old regime to lead an organization that will pass judgment on the religious merits of everything Egypt’s new government tries to do.

“Liberating state institutions like al-Azhar is even more critical to us than the presidential election or rewriting the constitution,” said Mohammed Nour, the Nour party’s spokesman. “Ensuring the independence of the institution that determines what is and is not Islamic is extremely important.”

Nour said the only way to guarantee genuine independence is to open up the grand sheik position to an election — one in which all al-Azhar University graduates get to vote, or even all Egyptians.

Ein Beweis dafür, dass die Azhar sich bereits voll im Modus der Radikalisierung befindet, sieht die Post in dem Auftritt des Hamas-Führers Ismail Hanije in Kairo. Der wäre vor 12 Monaten noch undenkbar gewesen. Doch nun erhielt Hanije rauschenden Applaus für seine leidenschaftliche Ansprache:

The Brotherhood’s newfound influence was on full display Feb. 24, when Ismail Haniyeh, the prime minister in Hamas-run Gaza, spoke at al-Azhar after Friday prayers. Just over a year ago, Haniyeh’s presence would have been unthinkable. Hamas, the militant Palestinian group, and the Brotherhood are part of the same Islamic movement, and both were banned under Mubarak, whose government upheld a peace treaty with Israel.

But on that day, al-Azhar gave Haniyeh a rapturous welcome. As he proclaimed from the pulpit that Hamas would “liberate” Jerusalem, home to the revered al-Aqsa mosque, the Brotherhood-dominated crowd of worshipers chanted back, “From al-Azhar to al-Aqsa we will march, millions of martyrs.”

 

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Den konservativen Islamisten, der MB, den Salafisten etc….
    Vorher wurde die arme Al-Azhar von dem „Häretiker“ Mubarak gezwungen, ein kleines bisschen liberal zu sein.
    Das wurde natürlich sofort von der Islamistentruppe als „vom Staat abhängig“ beklagt!!!

    Jetzt, durch den Wahlerfolg der Islamisten darf das Islamdogma „Din-wa-dawla“ endlich wieder gelten.
    Alle Macht geht vom Islam aus. So wie es in Tunesien im Gange ist.
    Das haben die Menschen „im Westen“ bis heute nicht begriffen, wie das funktioniert.

    Die Mechanismen des Geseelschaftssystems Islam ist jetzt im Detail zu beobachten, in fast allesn Staaten gleich. Das versteht nur, weer verstehen kann.

    • 5. März 2012 um 16:18 Uhr
    • Jana Suria
  2. 2.

    Wem die Al Azhar gehören wird? Nach allem, was man im Moment in der islamischen Welt sieht, wahrscheinlich dem, der noch frommer ist, in der Öffentlichkeit noch weniger Frauenhaut zulassen und den Sündern und Ungläubigen noch weniger Gelegenheit geben wird, sündig und ungläubig zu leben.

    @Jörg Lau:
    Herr Lau, haben Sie schon über Hamza Kashgari berichtet? Sein Schicksal könnte m.E. ein Indikator sein, in welche Richtung der arabische Raum geht. Wenn er und seine 300 Twitter-Follower begnadigt würden, wäre dies ein Signal auch an die ägyptischen Salafisten, sich zu mäßigen. Falls er und seine Follower aber bestraft, sogar hingerichtet würden, wäre dies ebenfalls ein Signal an die Region, dass in Saudi-Arabien die Konservativen Oberwasser haben.

    • 5. März 2012 um 16:29 Uhr
    • A. Ernst
  3. 3.

    Sunnitischer Islamismus, ohne ein anhängendes Revival-Projekt, ist noch nicht ganz bis zur Politikfähigkeit definiert.

    Anhängsel zu sein bedeutete: sich in Fügende und Klagende – auch generationsmäßig – zu zerspalten. Daran haben sich wohl viele gewöhnt.

    Als ungegängelter Muslim-Vatikan besteht die politische Welt aus lauter schwierigen Dilemmata: Radikaler werden, schön und gut, aber wie ?

    FGM, was denn nun frank und frei von Madame Mubarak ??

    Sufis dulden, oder Schreine zerstören ?

    Militanter „Widerstand“ gegen Israel von Ägypten aus ?

    Iranische Assad-Munitionsschiffe durch den Suezkanal lassen ?

    NGO’s dulden, oder gemeinsam mit dem SCAF vergraulen; aber dann: woher soll die Kohle kommen ?

    Gaspipelines für Israel und Jordanien immer wieder reparieren,
    oder mal mit den Bedouinen reden – und das dann: mit oder ohne Militär ?

    Sudanpolitik (wg. Nilwasser) ? Pyramidentourismus ? Das Militär wegen politischer Kontrolle herausfordern, oder lieber eher nicht ? …

    Das letzte und einzige säkular-politisch ungegängelte – sozusagen sakral-souveräne – Politgebilde des Sunnitischen Islamismus – war das Taliban-Emirat; nicht so wirklich der PR-Hammer aus heutiger Sicht.

    Jerusalem „befreien“, oder lieber Damaskus (beides wird schwierig !) ?

    Vor der Radikalität kommt die Ratlosigkeit.

    Geld vom Golf wird nicht für alles reichen und wird nicht ohne Bedingungen kommen.

    Außerdem gibt es historische Belastungen im Islamismusdreieck zwischen Ägypten, den Saudis und der Türkei:

    „1818 erreichten die ägyptischen Truppen … Dariya und erzwangen … die Kapitulation der Stadt. Abdallah I. ibn Saud geriet in ägyptische Gefangenschaft und wurde an die Osmanen ausgeliefert. Am 17. Dezember 1818 erfolgte in Istanbul seine Hinrichtung. Ein Großteil des Clans der Saud wurde von Ibrahim nach Kairo deportiert.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Abdallah_I._ibn_Saud

    Eitel Sonnenschein im sturmfreien Sunniten-Vatikan sieht anders aus.

    • 5. März 2012 um 17:23 Uhr
    • Thomas Holm
  4. 4.

    Was Christen blüht ist irgendwie fast zwangsläufig…

    http://www.youtube.com/watch?v=ZawXJANkL-A&feature=youtu.be

    • 5. März 2012 um 17:27 Uhr
    • matosch
    • 5. März 2012 um 17:28 Uhr
    • matosch
  5. 6.

    @ matosch

    „Was Christen blüht …“

    Das machen die heißspornigen Jungspunde auch mit ihren eigenen Traditionsanlagen, was – anders als bei den Christengräbern – allerdings altes Pulver wieder scharf macht.

    Siehe mein Post 3, unterer Teil.

    Einen historischen Altvorderen dieser Kaputtmachersekte haben sie schon mal geköpft; nach anti-Saudischem Wüstenkrieg der Ägypter im Auftrag der damaligen Osmanen 1818.

    Vom Alten Testament her betrachtet, lauert schon die Rache des Herrn der Heerscharen, sie mit Blindheit und Irrwut, Bruder gegen Bruder antreten zu lassen !

    Altes Testament-Reenactment im Heiligen Sand; Tal der Dünen, quasi !

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Ibrahin-pasha-english.jpg&filetimestamp=20080323054954

    • 5. März 2012 um 17:49 Uhr
    • Thomas Holm
  6. 7.

    @Jörg Lau

    Die Al-Azhar-Universität, die wichtigste theologische Autorität im sunnitischen Islam, gerät in die Mühle der befreiten ägyptischen Politik.

    Och Herr Lau, das können sie besser. Die sind nicht die höchste Autorität wie immer behauptet wird.

    @Jana Suria

    Vorher wurde die arme Al-Azhar von dem “Häretiker” Mubarak gezwungen, ein kleines bisschen liberal zu sein.

    Das Regime hat sie nur domestiziert, aber liberal waren sie noch nie. Es hat auch keinen interessiert, als Nasr Hamid Abu Zaid aus dem Land gejagt wurde.

    • 5. März 2012 um 18:25 Uhr
    • Serdar
  7. 8.

    Tu quoque, Ennahda ?

    Für Polygamie und gegen Homosexualität

    Der tunesische Minister für Menschenrechte erklärt Homosexualität zur Perversion

    http://www.heise.de/tp/blogs/8/151554

    • 5. März 2012 um 19:18 Uhr
    • Thomas Holm
  8. 9.

    „Starke Kräfte dringen auf die “Befreiung” der Azhar vom Staat.“
    Befreiung von Staatseinfluss: Schlägt da nicht jedes liberale Herz sofort höher?
    Auch anderswo bahnt sich die Freiheit ihren Weg durch überkommene Bevormundungen. Dafür hat man doch gerne beide Augen zugedrückt als der Despot ganz human-rights-like gepfählt und die Stadt Sirte (nicht anders als Homs oder Hama) durch die (in diesem Fall neuen) Machthaber in Schutt und Asche gelegt wurde. Ein bisschen Verlust ist schließlich immer. Nur der Westerwelle, der hat wirklich Dreck am Stecken mit seinem völlig verantwortungslosen Abseitsspiel.

    • 5. März 2012 um 23:57 Uhr
    • AM
  9. 10.

    Mohammed Nour:“Ensuring the independence of the institution that determines what is and is not Islamic is extremely important.”

    Nour said the only way to guarantee genuine independence is to open up the grand sheik position to an election — one in which all al-Azhar University graduates get to vote, or even all Egyptians.“

    Objektiv betrachtet ist es demokratischer den Oberscheich durch die Studenten oder gar durch das Volk wählen zu lassen als durch den Präsidenten zu ernennen. bei den derzeitigen Herrschaftverhältnissen in Ägypten wäre es ein leichtes auch ohne Wahlen einen anderen scheich zu bestimmen als Ahmed el-Tayib. Natürlich ahnen wir bereits, dass eine Wahl kein erheblich anderes Ergebnis bringt als sich die Muslimbruderschaft wünscht, aber eine Wahl erhöht die Legitimation. Wenn jetzt erwartungsgemäß der Scheich weitaus weniger liberal ist als wir uns es vor einem Jahr gewünscht haben, wird das auch Auswirkungen auf den islam außerhalb Äqyptens haben und liberale Ansätzen anderenorts, zum Beispiel in Deutschland, erschweren. Gegen die Autorität von Al Azhar(Jör Lau: die wichtigste theologische Autorität im sunnitischen Islam) anzustinken erfordert viel Mut, die konservative (wahweise orthodoxe, fundamentalistische, antiwestliche) Islamauslegung wird weiter gestärkt. Als hätte es Frau Kaddor jetzt nicht schon schwer genug. Für die ausgewiesenen Islamfeinde sind solche Entwicklungen ein Freudenfest.

    • 6. März 2012 um 08:17 Uhr
    • Strogart
  10. 11.

    Der Einfluss der Azhar wird weithin überschätzt. Er beschränkt sich im wesentlichen auf Ägypten selber.

    • 6. März 2012 um 08:32 Uhr
    • Hans Joachim Sauer
  11. 12.

    Es ist an der Zeit, dass der liebe Gott den Aegyptern wieder einmal 10 Plagen auf den Hals schickt, damit sie zur Besinnung kommen.

    • 6. März 2012 um 09:38 Uhr
    • Veritas
  12. 13.

    @ HJS

    Der Einfluss der Azhar wird weithin überschätzt. Er beschränkt sich im wesentlichen auf Ägypten selber.

    Richtich.

    • 6. März 2012 um 10:10 Uhr
    • marriex
  13. 14.

    @ HJS, marriex

    Wie normal ist es eigentlich, wenn:

    – eine viele Generationen zurückreichende Familie von Imamen und Theologen aus Skopje (Mazedonien)

    – den zehnjährigen Sohnemann Idriz 1987 – also fünf Jahre „nach Hama“ – an das Islamisch-Theologisches Gymnasium (Al-Furqan Institute for Islamic Law and Arabic Literature) nach Damaskus/Syrien (1987-1994) schickt ?

    http://www.islam-penzberg.de/179801.html

    Angesichts des ja wohl als damals:

    – auch wohl noch als recht unversöhnt einzuschätzenden Verhältnisses zwischen der MB (oder nur ihres unglücklichen syrischen Zweiges ?) und des Damaszener Regimes (inkl. der von diesem geduldten ? verbliebenen Geistlichkeit)

    – und einer im Einfluß meinetwegen weithin überschätzten Kairoer Azahr:

    Wessen Einfluß ist denn da zwischen Damaskus, Skopje und sonstwo (?)
    so vertrauenswirksam für die Formung eines Hafiz-Knaben am Werk gewesen ?

    Gab, oder gibt es: eine Damaszener-Mazedonische Toleranzschule im Sunnitentum – und ist Lamya Kaddor möglicherweise deren radikal-liberaler Flügel ?

    • 6. März 2012 um 11:02 Uhr
    • Thomas Holm
  14. 15.

    Bei Herrn Laus zunehmendem Zensurverhalten muss man sich in Anlehnung an die Überschrift dieses Blogeintrags unweigerlich die Frage stellen: Wem gehört die Meinungsfreiheit?

    Was hat Ihnen denn diesmal nicht gefallen? Das ich das Wort „Guti“ benutzt habe? Oder dass ich vermutet habe das bald einer wie al-Qaradawi die al-Azhar führt? Oder dass ich Erdogan zitiert habe, wo er die Demkratie mit einem Zug vergleicht, wo man aussteigt wenn man am Ziel ist? Oder wars meine abschließende Vermutung dass die ägyptischen Islamisten dieses Ziel wohl vor den türkischen Islamisten erreichen werden?

    • 6. März 2012 um 12:34 Uhr
    • Bellfrutta87
  15. 16.

    OT – Libanon

    Phalange warnt vor der Aufnahme syrischer Flüchtlinge:

    http://www.naharnet.com/stories/en/32336-phalange-warns-of-naturalization-of-syrian-refugees-in-lebanon

    • 6. März 2012 um 13:47 Uhr
    • Serious Black
  16. 17.

    @ SB

    Is Aleppo Slipping out of Government Control?

    Even the middle and upper classes that live in the city centers are beginning to panic and look for a way out of the country. Plane flights to Lebanon from Aleppo are booked for the next month. The exodus has begun.

    http://www.joshualandis.com/blog/?p=13748

    Das war ein zentrales Kriterium: wenn die Bourgeosie kalte Füsse bekommt, dann geraten die Dinge ins rutschen.

    Nicht fehlen darf übrigens: Bernard-Henri Lévy

    • 6. März 2012 um 14:03 Uhr
    • Thomas Holm
  17. 18.

    @ TH # 14

    Im Sinne des titoistischen Internationalismus war das vielleicht nicht ganz so absurd.

    • 6. März 2012 um 14:16 Uhr
    • marriex
  18. 19.

    @ TH

    Für non-native Arabischsprecher, die Arabisch lernen sollen oder wollen, also sowohl muslimische als auch nicht-muslimische, ist es zudem nicht absurd, dies eine Zeit lang an einer Bildungseinrichtung in einem arabischen Land zu tun.

    Entsprechend bot in Sonderheit Syrien, längere Zeit mithin die DDR des Nahen Ostens genannt, seinen Besuchern Stabilität und Sicherheit. Wobei die Stadt Damaskus mit Blick auf Ästhetik und nicht zuletzt in Hinsicht auf das Essen deutlich mehr zu bieten hatte als das alte Ost-Berlin.

    So hat sich etwa auch ein ehemaliger Dozent von mir im Rahmen seines Studiums eine Weile an der Universität Damaskus aufgehalten. Seine dortige Dozentin zeigte sich leicht überrascht, als er ihr in seiner Eigenschaft als Deutscher eröffnete, noch nie etwas von Sigrid Hunke gehört zu haben.

    Für Ihre Ideologie-Pornosammlung:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sigrid_Hunke

    • 6. März 2012 um 14:55 Uhr
    • N. Neumann
  19. 20.

    @ marriex

    „titoistischen Internationalismus “

    Eine Hausnummer aus meinem Fach.

    4. Mai 1980: Titos Tod.

    hxxp://en.wikipedia.org/wiki/April_1981_Hama_massacre
    hxxp://en.wikipedia.org/wiki/1982_Hama_massacre

    1987; Beginn der Schullaufbahn in Damaskus;

    (mit 15, nicht mit 10, wie ich erst irrtümlich geschrieben hatte.)

    hxxp://en.wikipedia.org/wiki/Dissolution_of_Yugoslavia

    Rise of nationalism in SR Serbia (1987–1988)

    Damit geriet sichtbar ab 1987 auch folgendes in Mazedonien in Gefahr:

    „The constitution of the SR Macedonia defined the state as the national state of the Macedonians, but also as the state of Albanians and Turks.“

    http://en.wikipedia.org/wiki/Socialist_Republic_of_Macedonia

    Das daheim verpraßte innenpolitische Erbe Titos („Brüderlichkeit und Einheit“) ließ die Familie da wohl Ausschau halten nach einem zweiten Tito in der Nähe, fest im Sattel, mit geklärten Machtverhältnissen, einem Bedürfnis zu zeigen, dass es im Prinzip auch mit den Muslimen klappen kann und mit einer politisch nicht uninteressanten Araber-Ideologie, in deren Windschatten man sich einrichten kann.

    „Mannövrierfähigkeit“ – so hieß das bei Stalin; das scheint auch in erweiterten MB-Kreisen eine gefragte Eigenschaft zu sein.

    • 6. März 2012 um 15:04 Uhr
    • Thomas Holm
  20. 21.

    @ TH, NN

    Ich habe einmal einen kosovo-albanischen Imam kennengelernt, der ebenfalls in Damaskus studiert hat. Der Frage, inwieweit dies mit offiziellen jugoslawischen Politik zusammenhing, bin ich, was vielleicht ein Fehler war, nicht nachgegangen. Völlig ungewöhnlich scheint es nicht zu sein.

    ansonsten:
    Felix Wiedemann: „’Allahs Sonne‘ und ‚Europas eigene Religion‘. Die Verschränkung von Arabophilie und Neuheidentum in der rechtsextremen Ideologie Sigrid Hunkes“ Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 57,11 (2009) 891-912.

    • 6. März 2012 um 15:07 Uhr
    • marriex
  21. 22.

    @N.Neumann

    Ich kenne ein Haufen Leute, die in Damaskus und Kairo eine Zeit lange studiert haben. Es ist für viele einfach eine Gelegenheit ne klassische Ausbildung zu bekommen. Aber ich muss sagen, das die meisten davon Damaskus besser finden/fanden als Al-Azhar.

    • 6. März 2012 um 15:24 Uhr
    • Serdar
  22. 23.

    @ TH, NN

    Ich habe einmal einen kosovo-albanischen Imam kennengelernt, der ebenfalls in Damaskus studiert hat. Der Frage, inwieweit dies mit offiziellen jugoslawischen Politik zusammenhing, bin ich, was vielleicht ein Fehler war, nicht nachgegangen. Völlig ungewöhnlich scheint es nicht zu sein.

    @ MR

    Dass Muslime aus (Ex-)Jugoslawien nach Damaskus, und (nach Ende des Nasserismus) nicht etwa nach Kairo oder zu den Wahhabiten nach Saudi-Arabien geschickt wurden, ist auf dem Hintergrund sowohl des Titoismus als auch des vergleichsweise lockeren Balkan-Islams zumindest völlig plausibel. Selbiges gilt umgekehrt für die Bestrebung des Assad-Regimes, Besucher aus aller Welt ins Land zu holen. Zumal sich die westlichen Studenten darunter nicht für umsonst dort aufhielten.

    Darüber hinaus hat bzw. hatte Damaskus, wie oben schon in Ansätzen angeführt, im Vergleich zu anderen arabischen Hauptstädten auch in anderen Hinsichten deutliche Vorzüge.

    • 6. März 2012 um 15:29 Uhr
    • N. Neumann
  23. 24.

    @ Serdar: Damaskus war halt auch eine sehr viel angenehmere Stadt.

    • 6. März 2012 um 15:30 Uhr
    • Jörg Lau
  24. 25.

    @N.Neumann

    Ich kenne ein Haufen Leute, die in Damaskus und Kairo eine Zeit lange studiert haben. Es ist für viele einfach eine Gelegenheit ne klassische Ausbildung zu bekommen. Aber ich muss sagen, das die meisten davon Damaskus besser finden/fanden als Al-Azhar.

    @ Serdar

    Mein Reden. Aus den mir bekannten Reise- bzw. Aufenthaltsberichten kann auch ich nur schließen, dass Damaskus gegenüber Kairo easy living ist bzw. war.

    Und nicht mit den Männern mit den Lederjacken und den Schnurrbärten von den diversen syrischen Sicherheitsdiensten zu diskutieren, wenn diese aus unersichtlichen Beweggründen mal spät abends irgendeine Bar schlossen oder vorübergehend eine Straße sperrten, hat keinem der mir bekannten Besucher den Aufenthalt wirklich erschwert.

    • 6. März 2012 um 15:45 Uhr
    • N. Neumann
  25. 26.

    @ NN

    mal spät abends irgendeine Bar schlossen

    Ich gehe einmal davon aus, dass dies für den zur Diskussion stehenden personenkreis wenig relevant ist.

    • 6. März 2012 um 16:04 Uhr
    • marriex
  26. 27.

    @ NN

    „mal spät abends irgendeine Bar schlossen“

    Ich gehe einmal davon aus, dass dies für den zur Diskussion stehenden personenkreis wenig relevant ist.

    @ MR

    Ich bezog mich in meinen Bemerkungen nicht ausschließlich auf muslimische Gäste, die sich sprachlich sowie theologisch fortbildeten und daneben zumindest seltener in Bars landeten, sondern auch auf nicht-muslimsche europäische Besucher oder Gaststudenten.

    Abgesehen davon dürften sich die Vorzüge der Stadt Damaskus im Allgemeinen unabhängig von der Religionszugehörigkeit und dem jeweiligen Zweck des Aufenthalts vermittelt haben.

    • 6. März 2012 um 16:21 Uhr
    • N. Neumann
    • 6. März 2012 um 16:33 Uhr
    • marriex
  27. 29.

    @N.Neumann

    Ich hatte auch mal einen längeren Damaskusauffenhalt geplant. Kann ich jetzt mal für die nächste Zeit abhaken. Mal sehen vielleicht tu ich mir Kairo doch an.

    • 6. März 2012 um 16:50 Uhr
    • Serdar
  28. 30.

    @ Damaszener Nostalgiker

    „Das syrische Modell friedlicher Koexistenz: Muslime, Christen, Juden

    Kolloquium im Internationalen Wissenschaftsforum am 21. und 22. Juli 2009

    Der Vordere Orient wird in Europa als Konfliktregion wahrgenommen.“

    Wie nennt man das ? Ressentimenthaft !

    „Dagegen leben in Syrien, das im Westen gelegentlich zu den „Schurkenstaaten“ gezählt wird,“

    Von wem ? Namen !!

    „Im Mittelpunkt steht die Frage, ob das syrische Modell friedlicher Koexistenz ein Beispiel für andere Länder des Vorderen Orients sein kann.“

    Stellungnahme der Türkischen Botschaft ??

    „Unterstützt wird diese Tagung … durch die Fritz-Thyssen-Stiftung. …

    Dass das Zusammenleben auf friedliche Weise funktioniert …,

    (Araber, Westaramäer, die ostaramäischen Assyrer und Syrer, Armenier, Tscherkessen, Tschetschenen, griechisch sprechende Muslime aus Kreta, Dom, Kurden, Türken und Turkmenen)

    … liegt, so Werner Arnold, „nicht zuletzt an der überkonfessionellen Doktrin der arabisch-nationalistischen Baath-Partei, die in der Hauptstadt Damaskus regiert.““

    http://www.uni-heidelberg.de/presse/news09/pm290710-2syr.html

    @ marriex

    „Im Irak hätten Kämpfer aus Afghanistan in dem Land für Unruhe und Chaos gesorgt“

    Donnerwetter; wenn die zur Feier der russisch-pakistanischen Freundschaft bei den Neo-Umayyaden vorbeischauen, dann werden die Bars wohl wieder früher geschlossen und dann steht wohl Wangenbart gegen Schnauzbart.

    • 6. März 2012 um 17:00 Uhr
    • Thomas Holm
    • 6. März 2012 um 17:52 Uhr
    • Serious Black
  29. 32.

    @ NN, marriex

    Danke für den Giftschrank-Tipp; hier auch zum direktlesen, bzw. herunterladen für Facebooker.

    http://fu-berlin.academia.edu/FelixWiedemann/Papers/1306726/Felix_Wiedemann-_Allahs_Sonne_und_Europas_eigene_Religion_._Die_Verschrankung_von_Arabophilie_und_Neuheidentum_in_der_rechtsextremen_Ideologie_Sigrid_Hunkes

    hxxp://homepages.uni-tuebingen.de/gerd.simon/hunke.htm

    „Für dieses Buch ehrte sie der Oberste Rat für islamische Angelegenheiten in Kairo, dessen Mitglied sie wurde“

    Erstaunliche Dschāhiliyya-Toleranz; vielleicht sollte die MB mal ein Dark-Metal-Konzert probieren.

    Die Hunke hatte einen Sohn:

    hxxp://de.wikipedia.org/wiki/Hagen_Schulze

    .. vergleichsweise unspektakulärer Prof. zu meiner Berliner Kalte-Kriegsstudierzeit. Die Welt ist klein.

    • 6. März 2012 um 18:28 Uhr
    • Thomas Holm
  30. 33.

    – 6-Punkte-Nachruf auf Steve Jobs aus Saudi-Arabien –

    … Why can’t the Islamic world produce a person as brilliant and generous as Steve Jobs? …

    … our curriculums … fail to value or embrace the disciplines that are vital for our modern times, sciences like mathematics, chemistry, physics, philosophy and logic, which have been disregarded and replaced by religious subjects.
    A nation cannot progress if it uses an educational system whose main focus is religion and
    in which secular pursuits are not given any importance.
    These curriculums are based on memorization and blind obedience
    while the curriculums that produced Steve Jobs and other brilliant innovators are based on
    understanding, comprehension, experimentation and invention. …

    Secondly, Islamic nations … believe in the unknown and disregard reality by permitting religion to dominate all aspects of scientific inquiry. …
    we remain obsessed with the taboos, heresies and errors of every useful science and do all we can to suppress legitimate questions. … we are left with those scientists who specialize in the fields of menstruation, nifaas (bleeding after childbirth), halal, and haram.

    Thirdly, Islamic countries are obsessed by angels and demons, God and Satan. If something fails, then … Satan and his devilish schemes have caused it to fail. … Our biggest concern seems to be whether eating the meat of demons is haram or halal. …

    Fourthly, the religious speech in Islamic countries tells us not to be impressed or admire the lives of other peoples [Völker, Nationen], … who have struggled against cancer, walked on the moon and invaded outer space, peoples whose fleets roam the seas and whose aircraft rule the skies. …
    we go to them … searching for medical cures, using their cars and airplanes, and
    continue to criticize them day in and day out …,
    although we use all of their tools and inventions.
    How hypocritical!

    Fifthly, we can see that Islamic nations have used … illogical excuses to push art aside and intentionally hide it from their people. …
    This has led to creating shaken and disturbed personalities and spirits …
    Art protects humanity from all that can bring it down and allows spirits and hearts to soar high into a sky filled with optimism and hope and to move steadily down the road of innovation, creation and discovery.

    Finally, Islamic nations generally tend to dwell in the past
    at the expense of the present and the future …
    such countries seem frozen in time …

    … Mr. Jobs, … Someone of your brilliance could only be the product of a nation that has provided its citizens with a fertile environment to be creative and innovative and that has understood the reality of our times. How can Islamic nations achieve such progress? We must turn the page on extolling religious dogma that breeds ignorance and a disgust for the future. …

    from: „When Will We See Another Steve Jobs?“
    By Khalid Alnowaiser (Saudi attorney)
    Huffington Post – 11/03/11
    http://www.huffingtonpost.com/dr-khalid-alnowaiser/steve-jobs-innovation_b_1074126.html

  31. 34.

    Nachtrag – 32

    Hierin soll es „sachlicher“ um Hunkes Thesen gehen;

    http://www.libri.de/shop/action/productDetails/9448154/sylvain_gouguenheim_aristoteles_auf_dem_mont_saint_michel_3534232216.html

    „Wichtige Texte wurden von Christen ins Syrische* übersetzt; griechische Mönche brachten sie auf der Flucht vor den arabischen Eroberern in den Westen. Schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts übertrug ein griechischer Mönch auf dem berühmten Mont Saint-Michel die aristotelische „Politik“ ins Lateinische. Das berühmte Kloster wurde zu einem Zentrum griechischer Philosophie – Jahrzehnte bevor Aristoteles in Toledo aus dem Arabischen übersetzt wurde. “

    *!?!

    Da tobt wohl die Kultureifersucht.

    • 6. März 2012 um 18:38 Uhr
    • Thomas Holm
  32. 35.

    Wenn mans so mit den Germanen hat, verwunderts doch, wenn der Sohn nun ausgerechnet Hagen genannt wird.

    • 6. März 2012 um 18:46 Uhr
    • marriex
  33. 36.

    Hakan Turan:

    „Nochmals zu Hunke: Was soll ich machen, sie schreibt nun mal gut“

    http://andalusian.de/index.php/blog-kategorien/item/das-arabische-wunder-sigrid-hunke

    Das könnte ihr Orden sein:

    hxxp://www.medals.org.uk/egypt/egypt-republic/egypt-republic006.htm

    • 6. März 2012 um 19:10 Uhr
    • Thomas Holm
  34. 37.

    Sylvain Gouguenheim war schon einmal hier Unterthema eines Unterthemas (sozusagen).
    Daher hatte ich damals schon versucht, herauszufinden, wie sein interessanter Ansatz in der wissenschaftlichen Community beurteilt wird.

    Jedenfalls ist in der französischen Wikipedia zu lesen:

    La thèse de Sylvain Gouguenheim a été mise en doute par de nombreux historiens, notamment par les spécialistes du monde musulman qui appartiennent au laboratoire de recherche auquel il était rattaché au moment où il a rédigé son livre … L’auteur, s’il connaît le grec classique, ignore cependant l’arabe et n’est pas un spécialiste du monde musulman ni des chrétiens orientaux ; son livre est fondé sur une lecture de la littérature secondaire et non sur un travail des sources

    Die These von Sylvain Gouguenheim ist von vielen Historikern in Frage gestellt worden, inbesondere von Spezialisten für die islamische Welt, die dem Forschungsinstitut angehören, mit dem er verbunden war, als er sein Buch verfasste … Auch wenn der Autor die altgriechische Sprache kennt, so ist der des Arabischen unkundig und ist nicht ein Spezialist für die moslemische Welt noch für die Christen des Orients. Sein Buch basiert auf der Lektüre der Sekundärliteratur und nicht auf Primärquellen-Arbeit.

    http://fr.wikipedia.org/wiki/Sylvain_Gouguenheim

    Als Nicht-Experte steht mir eine abschließende fundierte persönliche Beurteilung natürlich nicht zu.

  35. 38.

    OT

    Darüber, dass er korrupt ist, kann man ja hinwegsehen, aber das nein! Niemals!

    Kirchentagsgutikitsch der schlimmsten Sorte!

    • 6. März 2012 um 19:54 Uhr
    • marriex
  36. 39.

    Sylvain Gouguenheim … Da muß der Vatikan noch mal ‚ran.

    Hier haben die Fanzosen eine Hymne auf die arabische Wissenschaft zusammengefilmt, der poster bezieht sich sogar auf die Hunke:

    Sigrid Hunke – Le soleil d’Allah brille sur l’Occident (Albin Michel 1963)

    Précurseurs méconnus de notre civilisation (Part 1/3)

    Guerilla Schnellboote bei 1.34 Roboter bei 4.25 …

    hxxp://www.youtube.com/watch?v=cEFuVs3DFxg

    Die Hunke, hier im Bild:

    hxxp://www.tarikhema.ir/forum/sigrid-hunke-t1154.html

    soll übrigens inkognito als Tamara Jagellovsk vom Galaktischen Sicherheitsdienst in der Serie Nazis im Weltraum, Pardon, Raumpatrouille Orion mitgewirkt haben.

    http://www.youtube.com/watch?v=bPVpg0HY6qw

    • 6. März 2012 um 20:03 Uhr
    • Thomas Holm
  37. 40.

    Auch irgendwie christlich:

    http://www.youtube.com/watch?v=ZpJpna7ZT5g

    • 6. März 2012 um 20:51 Uhr
    • N. Neumann
  38. 41.

    zum geopolitisch, zwischenstaatlich, religiös-konfessionell motivierten Problembündel Syrien-Iran-SaudiArabien-Umfeld:
    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Die-Rolle-der-Saudis-im-SyrienKonflikt/story/25857766

    • 6. März 2012 um 21:32 Uhr
    • marriex
    • 6. März 2012 um 21:33 Uhr
    • marriex
  39. 44.

    @ m – ABBA „Money …“ funktioniert wegen GEMA in Deutschland nicht – die Japaner sehen das allerdings nicht so eng:
    http://www.youtube.com/watch?v=PX_qAtwMDFk

  40. 45.

    @ MR

    Der Konsum von ABBA auf Youtube scheitert hierzulande (glücklicherweise) an der GEMA.

    • 6. März 2012 um 21:47 Uhr
    • N. Neumann
    • 6. März 2012 um 22:00 Uhr
    • N. Neumann
  41. 47.

    @ Publicola

    Ägyptenfrust pur:

    Departure of indicted NGO employees angers Egyptians Al-Alam, Iran 15.30-18.30

    Arabischer Frühling 1991 (verborgen ?) im Irak entstanden:

    A look back at the 1991 Shaaban uprising in Iraq Al-Iraqiya TV, Iraq 23.00-25.50

    http://www.youtube.com/watch?v=SMmCZC78IC4

    Ägyptenfrust II

    Al-Alam bringt Azahr-Sheikh Abdul Majeed mit Vergeltungforderung für Koranzwischenfälle in Afghanistan
    22.00-23.50

    hxxp://www.youtube.com/watch?v=tZrpvH6zkJo

    @ NN

    „Libyan leader claims Arab nations supporting ‘sedition’ in east…

    We have no reason for federalism because Libya does not group different peoples or religions,” he said, adding that this type of government was not always successful.“

    Haben Sie die beraten ?

    hxxp://english.alarabiya.net/articles/2012/03/06/199028.html

    • 6. März 2012 um 22:27 Uhr
    • Thomas Holm
  42. 48.

    @ N. Neumann – Danke für den ‚Stand by me‘-Link.
    Zu Ihrem ABBA-Kommentar: „Mein lieber Herr Neumann, ich wollte auch schon sagen …. !“

    Das „Dumme“ ist, dass meine (zumindest) „gefühlte“ Jugend musikalisch (den Zeitraum von) Glenn Miller, Tommy Dorsey, Duke Ellington, über Buddy Holly, Dean Martin, Doris Day, ‚Banana Boat‘-Harry Belafonte,’Stand by your man‘-Tammy Wynette, Beatles, Brown Eyed Girl, The Lion Sleeps Tonight-Bert Kaempfert, den von Ihnen verlinkten ‚Stand by me‘, Herb Alpert & Tijuana Brass, Desmond Dekker, ABBA und italienische Cantautori umfasst, so dass heutzutage diese Musik-Stile ohne das Bemerken von Stil-Probleme und ohne das Empfinden von Stil-Brüchen meinerseits goutiert werden (können).

    Andererseits: So interessant ist dieser Sektor meiner Vita ja nun auch nicht – hoffentlich gähnen jetzt nicht alle potentiellen Leser, sondern nur einige.

  43. 49.

    @ Thomas Holm – Danke für die Hinweise.
    Insbesondere: man ist schon sehr erstaunt, dass es inzwischen doch so einige einigermaßen/relativ seriöse arabisch-fokussierte Sender bzw. Medien gibt.

  44. 50.

    @ TH – @ NN
    “Libyan leader claims Arab nations supporting ‘sedition’ in east…
    We have no reason for federalism because Libya does not group different peoples or religions,” he said, adding that this type of government was not always successful.”
    Haben Sie die beraten ?

    Wenn ich da auch schon mal ungefragt „meinen Senf dazugeben“ darf. Die Staaten der „Arabellion“ haben seit Beginn dessen, was man „history“ / „Geschichte“ nennt, keinerlei Demokratie erlebt. Wie sollen dann „über Nacht“ auch noch quasi glasklare Vorstellungen über eine demokratiekriteriale Staats-Struktur – und dann noch gar über das Konzept „Föderalismus“ – entstehen oder gar vorhanden sein? Das wird so einige Jahre bzw. ein Jahrzehnt – und ggflls länger – dauern.
    Schlicht und einfach.
    Und wenn eine junge Generation in spürbarer Porportion noch so impulsiv und vorwärtsdrängend in Richtung moderne demokratische Gesellschaft ist.

  45. 51.

    „hoffentlich gähnen jetzt nicht alle potentiellen Leser“

    schnell was zum wach machen; ich setze mal:

    hxxp://en.lyrics-copy.com/les-poppys/non-non-rien-na-change.htm

    als bekannt voraus; so vom Untersekunda-Anarchofeeling her.

    Die Originalversionen sind mir zu kindermäßig; daher – auch als Referenz an mein Fach – (optisch) eine russische Tanzstundenversion, so um die 1,8 Promille, mit original technikschrott-hallender Komsomolzendiskoakustik.

    http://www.youtube.com/watch?v=UnyThsxh23I

    • 6. März 2012 um 23:08 Uhr
    • Thomas Holm
  46. 52.

    @ TH – „poppys“ – exactement, bon! merci

  47. 53.

    Georgia Tech (University) Glee Club
    http://www.youtube.com/watch?v=A0D2a8DVPNU

  48. 54.

    @ Publicola

    Von den Les Poppys – Non Non Rien N’a Changé – 1971 ertrage ich optisch nur den Interpreten: Bruno Polius von 0.17-0.37 bei dem ganzen drumherum dagegen kriege ich Horror-backflashes.

    hxxp://www.youtube.com/watch?v=dHkmx_x4F10

    hxxp://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Polius

    „Um 1970 wurde er als einer der Leadsänger der Poppys bekannt, etwa mit Non non rien n’a changé. Erst im Erwachsenenalter kämpfte er mit anderen ehemaligen Sängern der Gruppe um seine Tantiemen“.

    D.h. er wurde auch so ausgebeutet, wie er aussieht …

    Eine universell frustrierende Ohnmachtsmoral – aufbauend auf einer Religion, die sich umso wichtiger nimmt, wie sie nicht funktioniert; ich finde man sieht das ganze Elend dieses schuldbekifften Abendlandes in dem Vortrag des Bruno; wobei dieser dabei interessanterweise nicht peinlich wirkt.

    Mit, bzw. bei ihm funktioniert dieses Elend als Anklage ästhetisch; die übrigen wirken so, als machten sie nur aus blosser Konformität mit, finde ich; und sie sind dann dabei aber durchweg über ihr Talent hinaus bemüht.

    Zufallsfund: Interview TOP 2000: Bruno Polius-Victoire (Les Poppys)

    0.37-1.00 Bruno damals und heute – authentisch; alle anderen wirken wie Mitläufer. Kindheit und Vietnamkrieg – ab 1.50 – unglaublich …

    http://www.youtube.com/watch?v=ZesIn0G-bEs

    Um den Sylvain Gouguenheim geht es gerade auch in dem:

    hxxp://fu-berlin.academia.edu/FelixWiedemann/Papers/1306726/Felix_Wiedemann-_Allahs_Sonne_und_Europas_eigene_Religion_._Die_Verschrankung_von_Arabophilie_und_Neuheidentum_in_der_rechtsextremen_Ideologie_Sigrid_Hunkes

    sehe ich gerade.

    • 7. März 2012 um 00:20 Uhr
    • Thomas Holm
  49. 55.

    @ TH – Interessanter (und erschreckender) Hinweis, insbesondere zum Thema „Ausbeutung“ des Poppys-Sänger.
    Meines Wissens hatten z.B. die Les Humphries Singers (Ein-Bett-im-Kornfeld-Jürgen-Drews & Co.)zu Beginn ihrer Popularität in ihrer Unwissenheit einer derartigen Ausbeutungs-Regelung bei ihrem musikalisch und organisatorisch ansonsten hochtalentierten Herrn und Meister Les Humphries zugestimmt.
    Im Bereich Kunst, genauer: Musik, scheint m.E. neben der Produktion von phantastischen Klängen die Organisierung der Ausbeutung der Musiker und Komponisten einen großen Raum einzunehmen – sei es in der ‚klassischen‘ Musik, sei es früher in der Jazz-Branche, dann in der Pop- und Unterhaltungsbranche. Wobei man den Eindruck hat: Ausnahmen bestätigen die Regel.

  50. 56.

    @Libyen:

    We have no reason for federalism because Libya does not group different peoples or religions

    Föderalismus hat auch nicht zwingend etwas mit verschiedenen Völkern oder Religionen zu tun. Setzen, sechs!

    • 7. März 2012 um 00:40 Uhr
    • Arjen van Zuider
  51. 57.

    Föderalismus: hochkomplexes Demokratie-Thema
    siehe ‚Federalist Papers‘
    (85 Artikel/Essays von 3 Staatsrechtlern unter einem einzigen Pseudonym, ‚Publius‘, während der Verfassungsdiskussion der USA 1787/1788 verfasst, um in diese Diskussion wirksam einzugreifen)
    http://en.wikipedia.org/wiki/Federalist_Papers

  52. 58.

    PS zu 50 u. 57 – Natürlich ist nicht zu ignorieren, dass – angesichts des nicht unbedingt der Empirie der Realität und rationalen Einsichten folgenden bewaffneten Enthusiasmus etlicher Libyer – die Gefahr einer territorialen Spaltung des Landes auch real ist. Auch die Geschichte des Landes – z.B. gehörte der Teil Tripolitanien bei Westrom, während die Kyrenaika unter der Verwaltung durch Ostrom stand – lässt eine Spaltungsgefahr nicht ins Reich der Märchen verweisen. Immerhin ist aus der jüngsten Geschichte ‚Jugoslawiens‘ bekannt, dass die Bürgerkriegs-Trennlinie Serbien versus Kroatien exakt diese historische Grenze Westrom / Ostrom war.

  53. 59.

    Im Gegensatz zu Jugoslawien, wo der historischen Trennlinie mit einer gewissen Unschärfe auch eine ethnisch-religiöse folgte, die in den 90ern mit Gewalt an den politischen Grenzverlauf angeglichen wurde, dürfte eine Teilung des ethnisch eher homogenen Libyens aber etwas schmerzloser ablaufen. Wobei… man soll das Potential der Menschheit, eine gute Ausrede für einen Krieg zu finden, nicht unterschätzen. Vielleicht gilt dann einige Monate nach der Trennung ein Bewohner Bengazis, dessen Stamm in der Nähe von Tripolis beheimatet ist, plötzlich nicht mehr als „sunnitischer Araber“ wie die anderen Bewohner der Cyrenaika, sondern als Angehöriger einer angeblich minderwertigen tripolitanischen Rasse. Oder zuallermindest als feindlicher Spion.

    Dass Tripolitanien „nicht überlebensfähig“ wäre, wenn es vom cyreanischen Ölreichtum abgeschnitten wäre, halte ich allerdings für ökonomisch-politischen Unsinn. Im Gegenteil – auf lange Sicht verhindern Rohstoffe in meinen Augen eher den Aufbau einer zukunftsfähigen Wirtschaft und eines demokratischen Gemeinwesens.

    • 7. März 2012 um 08:48 Uhr
    • Arjen van Zuider
  54. 60.

    OT – Afghanistan

    „Many women are concerned about negotiations between the government and the Taliban,“ she said. „I am completely against a deal. If the Taliban come back we will face a lot of troubles.“

    The council’s statement is the beginning of „a process of Talibanisation“ according to Fawzia Koofi.

    http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-17272935

    • 7. März 2012 um 09:45 Uhr
    • Serious Black
  55. 61.

    Gepriesen sei der Messias!

    • 7. März 2012 um 09:52 Uhr
    • marriex
  56. 62.

    Schlechte Karten für Teheran:

    Salah Bardawi (Hamas/Gaza) verkündet Neutralität bei einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran.

    hxxp://jungle-world.com/von-tunis-nach-teheran/1569/

    Essam el-Arian (ägyptischer MB-Häuptling) legt sich mit den Ayatollahs an:

    http://jungle-world.com/von-tunis-nach-teheran/1557/

    • 7. März 2012 um 10:13 Uhr
    • Serious Black
  57. 63.

    @ AvZ – interessante und plausible Sichtweise.
    Ihr erster Satz lässt allerdings auch die Hoffnung meinerseits zu,
    dass eine Teilung des ethnisch eher homogenen Libyens auch dortigen bewaffneten Fanaticos und Kirchturmspolitikern letzten Endes dann doch nicht sinnvoll erscheint.
    Insofern sind die dort angestellten Überlegungen zum Föderalismus vielleicht das richtige Mittel, diese genannten Zentrifugal-Kräfte einigermaßen in einem Nationalstaat Libyen zusammenzuhalten.
    Aber das komplexe Konzept „Föderalismus“ muss erst einmal
    – wie auch Sie anmerkten („Setzen – Note Sechs“) –
    in seinen Möglichkeiten und Grenzen einigermaßen verstanden
    (und [ohne Waffen und Emotiv-Totschlag] diskutiert)
    werden.

    • 7. März 2012 um 10:50 Uhr
    • Publicola
    • 7. März 2012 um 13:04 Uhr
    • Serious Black
  58. 65.

    Syrisches Regime-TV zeigt Bild von Abdelhakim Belhadj in Syrien; min 1.00

    http://www.youtube.com/watch?v=r-JHyS7Op3g

    • 7. März 2012 um 14:40 Uhr
    • Thomas Holm
  59. 67.

    If 66% of Egyptians Want Sharia as State Law, is it Undemocratic Not to Allow It?

    http://en.wikipedia.org/wiki/Abdullahi_Ahmed_An-Na'im

    ein muslimischer Scharia-Skeptiker; FdGO-reife Argumentation, ab 0.45

    http://www.youtube.com/watch?v=yPRHVUnX05A

    „For An-Na’im, a shari’a free constitution only strengthens his faith.“

    hxxp://www.huffingtonpost.com/michael-wasco/arab-spring-and-constitut_b_1308430.html

    • 7. März 2012 um 17:42 Uhr
    • Thomas Holm
  60. 68.

    If 66% of Egyptians Want Sharia as State Law, is it Undemocratic Not to Allow It?

    hxxp://en.wikipedia.org/wiki/Abdullahi_Ahmed_An-Na’im

    ein muslimischer Scharia-Skeptiker; FdGO-reife Argumentation, ab 0.45

    http://www.youtube.com/watch?v=yPRHVUnX05A

    “For An-Na’im, a shari’a free constitution only strengthens his faith.”

    hxxp://www.huffingtonpost.com/michael-wasco/arab-spring-and-constitut_b_1308430.html

    • 7. März 2012 um 17:43 Uhr
    • Thomas Holm
  61. 69.

    Zum Thema „fremdbestimmte Muslime“: Zahlen aus Putins Reich:

    „Chechnya, which has suffered widespread human-rights violations under Putin’s rule and is currently run by the brutal and Kremlin-loyal Ramzan Kadyrov. The local election commission recorded a turnout of 94.9 percent of registered voters, 99.8 percent of whom it said supported Putin. …

    One camera in the southern republic of Dagestan did record what appeared to be two people stuffing ballot after ballot into electronic voting machines. The official result in Dagestan: 92.8 percent for Putin.“

    http://www.bloomberg.com/news/2012-03-05/putin-s-incredible-literally-victory-the-ticker.html

    Dieser eiserne Griff auf die eigenen Muslime steht für Putin in Damaskus auf dem Spiel. Wenn Al-Assads Palastgelehrte von Damaskus mit ihm fallen sollten, dann stünde Putin unter seinen Muslimen als Zar ohne Kleider da.

    • 7. März 2012 um 19:49 Uhr
    • Thomas Holm
  62. 70.

    Dieser eiserne Griff auf die eigenen Muslime steht für Putin in Damaskus auf dem Spiel. Wenn Al-Assads Palastgelehrte von Damaskus mit ihm fallen sollten, dann stünde Putin unter seinen Muslimen als Zar ohne Kleider da.

    @ TH

    Nein, warum? Das würde an den Machtverhältnissen in Russland nichts ändern. Die jüngsten Kaukasus-Kriege in Russland sind ausgefochten. Der Finsterling Kadyrow hält in Tschetschenien für bzw. mit Putin die Islamisten in Schach. Aufgrund anderer „Spielfelder“ muss Russland bis auf weiteres keinen nennenswerten dschihadistischen Zufluss von außen fürchten. Russland hat auf diesem Hintergrund nur Terrorismus, aber keinen neuen Krieg zu fürchten. Die inzwischen etwas modernisierte russische Armee hat ein ungleich größeres militärisches Potenzial als jene Assads.

    Mit Blick Syrien geht es Putin, in dessen postsowjetisch-nationalistischem Selbstverständnis Russland eine Weltmacht ist, um seinen einzigen engen strategischen Verbündeten im Nahen bzw. Mittleren Osten. Der syrische Hafen Tartus ist der einzige russische Mittelmeer-Stützpunkt; Assads Syrien ist ein guter Kunde der russischen Rüstungsindustrie. Insofern besitzt Russland ein weitaus stärkeres Interesse am Verbleib Assads an der Macht als China, dessen Interessenpolitik zwar nicht menschenrechtsaffiner, aber doch, bedingt durch das reichhaltigere ökonomische Angebot, weitaus diversifizierter ist.

    Mal abwarten, als wie realitätshaltig sich die Meldungen über aus dem Irak eingesickerte Dschihadisten in Syrien erweisen werden – und ob bespielsweise Qatar oder aber auch die Türkei die Assad untreu gewordenen Teile der syrischen Armee mit Waffen beliefern werden. Dann würde es für Assad wahrscheinlich wirklich eng, und Putin hätte sich völlig verpokert.

    • 7. März 2012 um 20:50 Uhr
    • N. Neumann
  63. 71.

    – An-Na’im –

    ein muslimischer Scharia-Skeptiker; FdGO-reife Argumentation … “For An-Na’im, a shari’a free constitution only strengthens his faith.”

    @ TH

    Bin Ihrer Gegenwartsarchäologie gefolgt. In der Tat wird man mit bislang Unbekanntem, Überraschendem, nicht Denkbarem konfrontiert.

    Das von Ihnen gepostete relevante Huffington-Post-Zitat lautet, der Vollständigkeit halber:
    According to Sudanese legal scholar and devout Muslim, Abdullahi Ahmed An-Na’im, religion, human rights, and secular states are actually interdependent. For An-Na’im, a shari’a free constitution only strengthens his faith.

    Dieser Muslim lehrt an einer renommierten amerikanischen Universität / juristische Fakultät.

    – Mahmud Muhammad Taha –

    Sein Mentor, Vorbild und Lehrer war ein gewisser Mahmud Muhammad Taha (* 1909 oder 1911 – † 18. Januar 1985 in Khartum), ein sudanesischer Gelehrter, Politiker und Sufi-Theologe, der wegen des Vorwurfes des Abfalls vom Islam zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.
    Bei Wikipedia heißt es über ihn:
    Von Numeiri wurden im September 1983 Gesetze zur Einführung der Scharia erlassen, die im November vom Parlament bestätigt wurden. Wegen eines Flugblattes gegen diese Septembergesetze saß Taha im März 1984 für kurze Zeit in Haft. Währenddessen starteten die Republikanischen Brüder [die von ihm gegründete politische Partei] eine Kampagne gegen die Scharia. Am 25. Dezember 1984 forderten sie in einem neuen Flugblatt die Aufhebung der Scharia und eine friedliche Lösung für den Konflikt mit dem Südsudan.
    …. Nach einer strategischen Umorientierung Präsident Numeiris zum Islam Anfang der 1980er Jahre – wobei er sich zum Imam für ganz Sudan erklärte – kam es in der Endphase von dessen Herrschaft zu einem … Verfahren gegen Taha, das mit seiner Verurteilung endete.

  64. 72.

    PS – Offenbar haben die – irgendwann auch vom Westen im Interesse der Aufrechterhaltung einer „Stabilität“ gestützten – nationalistischen Machthaber im arabischen Raum zwecks Machterhalt mit dem Islam und der Scharia eine enge Verbindung etabliert und gefestigt, und scheuten sich gegebenenfalls nicht, an Popularität gewinnende*), moderne, säkulare Bewegungen des Islam zu vernichten, wie das Beispiel von Numeiry in Sudan belegt.

    Aber auch das Beispiel von Sadat (der m.W. die Scharia wieder einführte, trotzdem aber von den MBs (?) umgebracht wurde) und nicht zuletzt das Beispiel von Mubarak sind hier zu nennen, wie Sandmonkey kürzlich(st) eindrucksvoll belegte.

    *) Despite the smallness of his group thousands of demonstrators protested his execution and police on horseback used bullwhips to drive back the crowd. – wikipedia (English)

  65. 73.

    PPS zu 71 – Ägyptens General Abbas Mekheimar oder der siebenfache Wandel (?) eines Chamäleons –

    1 – General Abbas is the MP who heads the Defense and National Security committee in the Egyptian Parliament.

    2 – Before he got in, he was Candidate Abbas Mekheimar, on top of the Muslim Brotherhood’s Freedom and Justice Party list … in the last elections.

    3 – Before [that] he was General Abbas Mekheimar, the head of internal investigations in the Egyptian military intelligence agency. General Mekheimar’s job was to ensure that all military officials, whether in the army or the military intelligence, did not have political leanings, especially of the islamist type. More specifically, he was the person responsible before all others to ensure that none of the people he supervised were Gamma’a islameya or Muslim Brotherhood or had leanings in that direction, and if they did, he would investigate and then punish them if his suspicions were proven right. …

    4 – … sometime around last may, General Mekhemar suddenly quit his post in military intelligence and disappeared for three months,

    5 – after that emerging as Abbas Mekheimar, one of the top names on the FJP’s list …, which won, naturally.

    6 – Once he got into parliament, he once again was referred to as General Abbas Mekheimar,

    7 – (siehe oben 1 -) and he ran, unopposed and unchallenged by all, for the head of the defense and national security committee in the post-revolution Egyptian parliament. …

    from: „A Democratic Union“
    March 4, 2012
    By The Sandmonkey
    »Are you familiar with General Abbas Mekheimar?«
    http://www.sandmonkey.org/2012/03/04/a-democratic-union/

  66. 74.

    Abschließend nochmals Dank an Thomas Holm für den wichtigen Verweis auf den in den USA lehrenden Abdullahi Ahmed An-Na’im.

  67. 75.

    Publicola:

    PS – Offenbar haben die – irgendwann auch vom Westen im Interesse der Aufrechterhaltung einer “Stabilität” gestützten – nationalistischen Machthaber im arabischen Raum zwecks Machterhalt mit dem Islam und der Scharia eine enge Verbindung etabliert und gefestigt, und scheuten sich gegebenenfalls nicht, an Popularität gewinnende*), moderne, säkulare Bewegungen des Islam zu vernichten, wie das Beispiel von Numeiry in Sudan belegt.

    Dass der Westen „säkulare Diktatoren“ unterstützt habe, traf allenfalls auf Ben Ali zu, war in den anderen arabisch-nordafrikanischen Ländern aber wohl eher ein Schönreden der Tatsache, dass dort zwar Islamisten an der Macht waren, aber wenigstens unsere Islamisten.

    • 7. März 2012 um 22:58 Uhr
    • Arjen van Zuider
  68. 76.

    @ AvZ – Sie haben im Prinzip recht. Statt des nicht ganz zutreffenden und insofern unglücklich formulierten „gestützt“ hätteo
    es „toleriert“ oder „akzeptiert“ heißen müssen. – Nicht immer fallen einem die präzis-treffenden Begriffe ein.

  69. 77.

    @ AvZ, Publicola

    Die Alliazen dort ändern sich ständig.

    Wenn ich mal überlege mit wem Iran, Irak und Ägypten schon alles verbündet waren, dann deckt das nahezu jeden Player auf der politischen Weltbühne ab.

    • 7. März 2012 um 23:14 Uhr
    • Serious Black
  70. 78.

    Och, für die Militärhilfe der USA an Mubarak ist die Vokabel „Unterstützung“ durchaus angebracht. „Tolerieren“ assoziiere ich mit einem wesentlich passiveren Verhalten. Nur war bei Mubarak die Lebenslüge des Westens, dass es sich bei ihm um einen „säkularen Diktator“ wie weiland die sozialistischen Machthaber gehandelt hätte – in Wirklichkeit hat er weitreichende Zugeständnisse an die Islamisten gemacht, die Kopten drangsaliert, den Islam als Staatsreligion und die verfassungsmäßige Rolle der Scharia unangetastet gelassen… halt alles, was notwendig war, um den islamistischen Mob darüber hinweg zu trösten, dass er Israel nicht angreifen wollte.

    • 7. März 2012 um 23:17 Uhr
    • Arjen van Zuider
  71. 79.

    halt alles, was notwendig war, um den islamistischen Mob darüber hinweg zu trösten, dass er Israel nicht angreifen wollte.

    Aus Sicht „des Westens“ betrachtet, handelte es sich um eine Art der geopolitischen „Counterinsurgency“-Strategie, die allerdings – so hat sich nun mit Ben Ali, Mubarak etc. gezeigt – nicht funktioniert hat bzw. nicht funktionieren konnte:

    „Stabilität“ war das zentrale strategische Interesse; notwendige Reformschritte an Ort und Stelle hingegen waren nur Instrumente, die – notfalls – diesem Ziel dienen sollten.
    Geriet beides in einen Widerspruch, dann wurde in aller Regel zugunsten der ‚Stabilität‘ entschieden und die ‚Reform‘ ‚vergessen‘ bzw. gegen ‚Reformen‘ entschieden.

    M.E. hätte erst (ggbffls. das Drängen auf) die Entwicklung und Stärkung einer im betreffenden (Ziel-)Land (z.B. Ägypten) entschiedenen und (von) dort gelenkten Politik
    notwendige Reformen ermöglicht, Legitimität, und – folglich – Stabilität geschaffen.
    Die Prioritäten (des „Westens“) waren m.E. falsch gesetzt: auf Reformen wäre zu setzen (gewesen) und dann erst auf Stabilität (die sich vermutlich im Wesentlichen ja schon durch die Reformen ergeben hätte).

    Beleg für diese Hypothese ist z.B. ein Staat wie Marokko.

    Die Konjunktive deuten an, dass zahlreiche Aporien, Unwägbarkeiten und Risiken involviert waren / sind / sein werden.

  72. 80.

    PS – einen islamistischen Mob hätte es dann vermutlich (gar) nicht (in dieser starken (hochprozentualen) Ausprägung) gegeben.

  73. 81.

    @ Publicola

    M.E. hätte erst (ggbffls. das Drängen auf) die Entwicklung und Stärkung einer im betreffenden (Ziel-)Land (z.B. Ägypten) entschiedenen und (von) dort gelenkten Politik
    notwendige Reformen ermöglicht, Legitimität, und – folglich – Stabilität geschaffen.

    Dazu gehören immer zwei. Ägypten macht ja auch jetzt deutlich (durch die Verhaftung von NGO-Mitarbeitern), daß eine Demokratisierung nach westlichem Vorbild nicht gewünscht ist.

    Weil mit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums einigen Playern im Nahen Osten der Sponsor flöten ging, gab es für die Diktatoren erstmal keine anderen Alternativen zu Amerika.

    Die USA haben Mubarak zu Reformen gedrängt. Meinen Sie wirklich, es wäre mehr drin gewesen?

    Wir sehen doch an dem bislang recht vergeblichen Kampf gegen die Frauenbeschneidung (die Mubaraks Frau stark unterstützt hat), daß Anordnungen ‚von oben‘ nutzlos sind, wenn ein großer Teil der Bevölkerung nicht mitzieht.

    Von daher halte ich die Einflußmöglichkeiten der USA auf interne Belange Ägyptens für begrenzter als jemals zuvor in den letzten 30 Jahren.

    • 8. März 2012 um 00:40 Uhr
    • Serious Black
  74. 82.

    Die USA haben Mubarak zu Reformen gedrängt. Meinen Sie wirklich, es wäre mehr drin gewesen*)?

    Man hat es m.E. erst gar nicht ernsthaft versucht – aus Angst vor der Entstehung von Instabilitäten sowohl innerhalb des Landes als auch innerhalb der Nahost-Architektur. Das soll nun allerdings nicht als der übliche und große Vorwurf gegen die USA verstanden werden – die Beratung seitens einer „Counterinsurgency“-Strategie im weitesten Sinne ließ ein anderes Vorgehen – nämlich das der Berücksichtigung der Interessen einer Bevölkerung im Lande – (wie in Nr. 78 skizziert) nicht zu.

    Eine Vorwurfshaltung erübrigt sich auch, weil eine Änderung der „Counterinsurgency“-Strategie, die stärker auf Reformen und Partizipation der Bevölkerung als eine der primären Mittel statt lediglich als vorgeschobene Eventual-Botschaft ans internationale Publikum drängt,
    ebenfalls in den Risiken bislang nicht abschätzbar war und ist.

    Ich denke, dass man aufgrund des vollzogenen oder sich vollziehenden – diesem ‚Stabilitätsdenken‘ geschuldeten – Zusammenbruchs der arabischen Regimes im „Westen“ inzwischen mehr in die Richtung zitierter Politikänderungsnotwendigkeiten tendiert.
    Die derzeitige Politik des „Westens“ gegenüber den Ländern der ‚Arabellion‘ wäre sonst so nicht vorstellbar.

    *) Inzwischen weiß nun jeder Halbwüchsige in unserem Lande, dass der gesamte militärische Bereich Ägyptens schlicht und einfach ein Teil des Haushaltes der USA war und ist.

  75. 83.

    Anordnungen ‘von oben’ nutzlos sind, wenn ein großer Teil der Bevölkerung nicht mitzieht.
    Stimmt. D’accord. – Aber eine offenere Auseinandersetzung mit einer halbwegs freien Presse wird eher in der Lage sein, religiösen Fanatismus zurückzudrängen. Erinnert sei an das gestrige Beispiel des Salafisten-MP und -Funktionärs, der im Interesse seiner operierten (Papp-)Nase einen Überfall (womöglich von Christen oder Juden oder Säkularen) vortäuschte. Allein schon diese eine – eher als Comedy-Einlage einzustufende – Kurzmeldung über das Verhalten von religiösen Fanatikern zur Realität wird nicht nur völlig wirkungslos bleiben.

  76. 84.

    – Der Osten Libyens will von Tripolis unabhängiger werden – 6 Motive der Föderalismusdebatte:

    1 – die Verfassung von 1951 (Schaffung der Monarchie) hatte zusätzlich zur zentralen Regierung auch drei weitgehend autonome Regionen zugelassen, neben Tripolitanien und Fezzan eben die Cyreneika
    2 – seit der Machtübernahme Gaddafis 1969 wurde Benghasi als Herkunftsregion der Familie Sanusi und der Monarchie mehr und mehr vernachlässigt
    3 – das Öl wurde im Osten gefördert, die Petrodollars aber flossen nach Tripolis, das mehr als 1000 Kilometer von Benghasi entfernt liegt
    4 – die Vernachlässigung könnte sich fortsetzen – die Bürokratie trifft die meisten Entscheidungen weiterhin in Tripolis
    5 – die große Mehrheit der Minister im Kabinett von Ministerpräsident Abdurrahman al Kib stammt aus dem Westen Libyens
    6 – die mächtigen Milizen aus Zintan und Misrata kontrollieren Tripolis
    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/libyen-die-farben-der-cyreneika-11675525.html

  77. 85.

    „What have we learned? Tribalism, oil, and Islamic fundamentalism are a bad mix that leaves Americans sick and tired of the Middle East — both when they get in it and when they try to stay out of it.“

    Eine Region, in der man nichts richtig machen kann …

    http://www.nationalreview.com/articles/292917/we-give-victor-davis-hanson?pg=2

    … und in der kaum ein Verdacht völlig unberechtigt bleiben könnte …

    „if the Assad regime in fact has such enormous WMD stores, where might at least some of these weapons have come from?“

    hxxp://www.nationalreview.com/articles/292658/syrian-ironies-victor-davis-hanson?pg=2

    … – meint Victor Davis Hanson

    • 8. März 2012 um 08:41 Uhr
    • Thomas Holm
  78. 86.

    @ TH

    Solange die Welt am Öltropf des Nahen Ostens hängt kann es sich Amerika nicht leisten, sich zurückzuziehen. Selbst wenn Amerika keine

    Außerdem: Ganz so schlecht steht es doch gar nicht. OK, das Ansehen der US-Administration hat seit Obamas Amtsantritt gelitten (vergebliche Annäherung an Assad, erstarkende Muslimbrüder, Islamisiserung der Türkei, Niederlage in Afghanistan, Chaos im Irak).

    Auf der Haben-Seite stehen die Golfstaaten, die mehr denn je auf eine Allianz mit Amerika angewiesen sind, sowie Irans strategische Niederlagen in Syrien und Libanon.

    Traurig ist natürlich, daß US-Politik wenig zur Haben-Seite, aber viel zur Soll-Seite beigetragen hat.

    Vielleicht macht es der nächste Bewohner des Weißen Hauses ja besser, als ein gewisser Friedensnobelpreisträger.

    • 8. März 2012 um 10:00 Uhr
    • Serious Black
  79. 87.

    Nachtrag: Selbst wenn Amerika sein Öl von anderen Orten bezieht, der Ölpreis wird immer auch durch die politische Lage im Nahen Osten bestimmt.

    Streß da unten, bedeutet in jedem Fall auch Streß für die US-Ökonomie.

    • 8. März 2012 um 10:11 Uhr
    • Serious Black
  80. 88.

    @ Publicola

    Every year, Egypt receives of $1.5 billion from the United States in return for—well, honestly, I never have quite figured out what it’s for, not these days anyway. Basically, it started as an open-ended bribe, a kind of cash-stuffed drugstore greeting card from the West to onetime President Hosni Mubarak who continued to maintain relations, however fraught, with Israel, long after the murder of his predecessor, Anwar Sadat.

    For this massive tribute, Egypt has been, since the start of US aid, only minimally grateful. Back in the ’80s, when I lived in Cairo, there was much griping, both on the street and among intellectuals, about the disparity between what Israel received from the US ($3 billion in 1987, in all-grant economic and military assistance) versus what Egypt got (almost $2 billion, mostly in the form of Abrams battle tanks and F-16s).

    […]

    Indeed, according to a Gallup poll out this month, 71 percent of all Egyptians oppose US economic aid to their country. They are tired, some say, of restrictions attached to that form of assistance: most notably, the US demand that Egypt’s so-called government abide by the 1979 Israeli-Egypt peace treaty.

    http://www.worldaffairsjournal.org/blog/judy-bachrach/us-aid-egypt-one-sided-relationship

    • 8. März 2012 um 12:45 Uhr
    • Serious Black
  81. 89.

    Außerdem: Ganz so schlecht steht es doch gar nicht. OK, das Ansehen der US-Administration hat seit Obamas Amtsantritt gelitten (vergebliche Annäherung an Assad, erstarkende Muslimbrüder, Islamisiserung der Türkei, Niederlage in Afghanistan, Chaos im Irak).

    @ SB

    Bei wem alles gleich nochmal? Abgesehen davon erscheinen mir Ihre Minuspunkte „erstarkende Muslimbrüder“ sowie „Islamisierung der Türkei“ auf jeweilige Weise banal und nüchterner betrachtet kaum dazu geeignet, sie Obama anzulasten. Es sei denn, man nimmt irgendeinen republikanischen Messias zum Maßstab, der Mubaraks Sturz ohne erstarkende Muslimbrüder und eine Türkei ohne Erdogan herbeigezaubert hätte.

    • 8. März 2012 um 13:05 Uhr
    • N. Neumann
  82. 90.

    „Islamist, leftist Tunisian students clash …

    The Salafis students replaced the Tunisian flag with their own black standard bearing the Muslim profession of faith.“

    http://english.alarabiya.net/articles/2012/03/08/199296.html

    @ SB

    „Solange die Welt am Öltropf des Nahen Ostens hängt kann es sich Amerika nicht leisten, sich zurückzuziehen.“

    Sollte man meinen, aber wenn – und darum geht es bei VDH in #85 ja – die USA auch nichts Erwünschbares ausrichten können, dann erlischt langsam das Pflichtgefühl, bzw. konzentriert sich auf das Verhältnis zu Israel.

    „Auf der Haben-Seite stehen die Golfstaaten, die mehr denn je auf eine Allianz mit Amerika angewiesen sind“

    Die Golfstaaten als die eigentliche gesellschaftliche Antipode zu den Bestrebungen des Arabischen Erwachens; sowohl mit ihren Anachronismen als auch mit ihren pro-salafistischen Bestrebungen, die quasi ernten, ohne gesäht zu haben; frühlingsmäßig jedenfalls.

    „Irans strategische Niederlagen in Syrien und Libanon.“

    Irans strategische Isolation, sowohl gegenüber dem Facebook- als auch gegenüber dem sunnitisch-islamisch/islamistischen Flügel der Arabischen Welt. Aber noch sind die staatlichen Machtmittel in Beirut, Damaskus und Baghdad in pro-Iranischen Händen. Das muss alles noch ausgefochten werden; zugleich droht von Osten wieder eine Talibanherrschaft.

    Meine Quellen berichten von bereits angelaufenen Jihad-Rekrutierungen in Pakistan – gegen Assad. Diesen sehr speziellen Verbündeten, bei dem Verrat zur Freundschaft gehört – hat jetzt Putin am Hals.

    Pro-Iranische Kräfte sind zwar noch am Drücker, aber es braut sich ein Verhängnis zusammen. Israel könnte für die sunnitische Gegenbewegung gegen die Iranische Machtachse „den Joker“ spielen. Die Israelis können den Saudis ud Kataris eine Iranische Landkarte vorlegen und sagen: Five targets are for free – the other targets got price-tags.

    „Vielleicht macht es der nächste Bewohner des Weißen Hauses ja besser, als ein gewisser Friedensnobelpreisträger.“

    Wo man – nach der Argumentation von VDH – nichts richtig machen kann, da gibt es auch keinen Komparativ.

    So etwas macht irgendwann keinen Spaß mehr:

    „The trial of NGO workers in Egypt charged with subversion has been adjourned until April 10. …

    Mostly Egyptians are on trial, as the 15 American nationals who originally werre put on trial flew home last week.“

    hxxp://www.youtube.com/watch?v=bEn3tMQcFdM

    • 8. März 2012 um 13:13 Uhr
    • Thomas Holm
  83. 91.

    @ NN, SB

    „Ihre Minuspunkte “erstarkende Muslimbrüder” sowie “Islamisierung der Türkei” auf jeweilige Weise banal und nüchterner betrachtet kaum dazu geeignet, sie Obama anzulasten.“

    Aus amerikanischer Sicht sind das auch gar nicht unbedingt Minuspunkte. Enttäuschungen vielleicht – etwa die Behandlung der NGO-Mitarbeiter in Kairo – aber grundsätzlich haben befreite Völker in amerikanischen Augen mehr Narrenfreiheit, als im Erwartungshorizont Europäischer Intellektueller.

    Die „negativen Ziele“* konnte die USA erreichen, die Erreichung von positiven Zielen** stellt sich als „etwas durchwachsen“ dar; der Elephant im Raum ist jedoch die binnen-konflikthafte Wendung der Dynamik in dem Raum.

    *Sturz von Saddam, Taliban, Gaddafi als Konsens und von Mubarak und Ben Ali möglicherweise mit etwas Abstrichen – aus US-konservativer Sicht

    **Nation building; aber da gibt es auch die Haltung: „Stuff happens“

    #70 von Ihnen:

    „Die jüngsten Kaukasus-Kriege in Russland sind ausgefochten.“

    „Ausgefochten“ ist eine durch Westfälische Systemhochmut verblendete Beleidigung aller Kaukasischen Traditionen inklusive des festen Glaubens der Menschen.

    „Der erste Tschetschenienkrieg begann am 11. Dezember 1994 und dauerte bis zum August 1996″

    http://de.wikipedia.org/wiki/Tschetschenien#Erster_Tschetschenienkrieg

    „Der Zweite Tschetschenienkrieg … begann 1999 und ist seit April 2009 offiziell beendet.“

    hxxp://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Tschetschenienkrieg

    Ausgefochten … Die Nummerierung hat schon ihre Gründe.

    „Aufgrund anderer “Spielfelder” muss Russland bis auf weiteres keinen nennenswerten dschihadistischen Zufluss von außen fürchten.“

    Eins nach dem Anderen; Assad scheint Priorität zu haben; Prioritäten zu setzen, könnten diese Leute gelernt haben; das würde ich nicht ausschliessen wollen.

    „nur Terrorismus, aber keinen neuen Krieg zu fürchten“

    Demographisch hat Rußland in der Region bereits verloren; ohne dass man das als Krieg registriert hätte.

    „Die inzwischen etwas modernisierte russische Armee hat ein ungleich größeres militärisches Potenzial als jene Assads.“

    Raten Sie mal, zu wem ca. jeder Zweite im vor-wehrfähigen Alter betet. So unzivilisiert wie Assads Streitkräfte waren die russischen allerdings bereits vorher.

    Es geht nicht nur um den Vorkaukasus, es geht auch um Mittelasien.

    „Dann würde es für Assad wahrscheinlich wirklich eng, “

    Wird es; und mit jedem enger-werden wird es schmutziger – und rückinfektionsgefährlicher. Assad kompromittiert den ganzen „Wahabis-sind-Zionisten“ Staats-Kommando-Islam.

    „Putin hätte sich völlig verpokert“

    Wo die Karten auf dem Tisch nicht überzeugen, da kommt die Pistole auf den Tisch.

    Und der nichtwahabitische Türkentum-Islam hängt – vermittelt über das Staatsinteresse der Heraushaltung der Türkei aus Syrien – auch mit drin.

    Alle Machtwege einer sunnitischen Salafo-Phobie – führen nach Moskau.

    • 8. März 2012 um 13:59 Uhr
    • Thomas Holm
  84. 92.

    @ NN

    Unter Bush hat sich Erdogan nicht getraut, hier ist die Bewisführung einfach.
    Bei der Frage ägypten handelt es sich um kontrafaktische Geschichtsschreibung, ein bisschen unseriös bei so einem Thema.

    • 8. März 2012 um 14:20 Uhr
    • marriex
  85. 93.

    @ N. Neumann

    Wieso glaubte Obama Assad von Teheran loseisen zu können? Wieso einen Botschafter nach Syrien schicken, ohne politische Gegenleistung Assads?

    Die Islamisierung der Türkei stellt die NATO möglicherweise bald vor eine Zerreißprobe. Die Stationierung des X-Band-Radars in der Türkei war schwierig.

    Erdogan hat die Allianz mit Jerusalem gekippt, um sich bei der ‚arabischen Straße‘ beliebt zu machen. Nur um später festzustellen, daß Israel eine riesige Gas-Bonanza im Mittelmeer gefunden hat, Assad immer noch die PKK unterstützt, Rusßland weiter zu Syrien steht und sein Einfluß auf Iran nahe Null liegt.

    Ein Machtwort Obamas an der richtigen Stelle, hätte diesen neo-osmanischen Egotrip verhindern können.

    2. Ägypten
    Wieso werden revolutionäre Islamisten auf einmal als ‚moderat‘ bezeichnet? Wieso nennt man islamistisch motivierten Terror nicht beim Namen? Warum nicht versuchen Mubarak einen Abgang in Würde zu verschaffen, oder die Machtübergabe sanft zu begleiten?

    3. Bei wem? Jordanien, den Golfstaaten und den Saudis. Die haben zum Glück keine politische Alternative. Ich möchte nicht, daß es zu einem nuklearen Wettrüsten am Golf kommt. Vor allem deshalb nicht, weil Iran der Eindruck vermittelt wird, man könne sich von Scheinverhandlung zu Scheinverhandlung hangeln, bis es zu spät ist.

    Obama hat es an verschieden Stellen versäumt Führung zu zeigen.

    BTW, stratfor hatte schon ein paar Monate vor dem Mavi Marmara Zwischenfall damit gerechnet, daß sich Erdogan von den USA und Israel distanzieren will.

    • 8. März 2012 um 14:53 Uhr
    • Serious Black
  86. 94.

    „The above cartoon from an Afghan website depicts the Pakistani military’s Inter-Services Intelligence (ISI) cultivating terrorism (courtesy: kabulpress. org, May 18, 2011)“

    Kabulpress hat gemerkt, dass der Terror am besten blüht, wenn sich Profis darum kümmern. Was dem Autor des vermutlich lesenswerten Artikels nicht auffällt und was ich auch beim zweiten Hinsehen erst gemerkt habe: Das Feindbild Pakistan wird als zionistisches Machwerk dargestellt.

    Das ist die ganze Katastrophe des Politischen Islam: Wenn Muslime schon mal merken, dass sie verarscht werden, kriegen sie immer noch erklärt, es steckten Israel, bzw. die Juden dahinter.

    Eigentlich unglaublich; MEMRI ist auch schon an alles gewöhnt.

    http://www.memri.org/report/en/0/0/0/0/0/0/6150.htm

    • 8. März 2012 um 14:58 Uhr
    • Thomas Holm
  87. 95.

    @ TH

    Wo man – nach der Argumentation von VDH – nichts richtig machen kann, da gibt es auch keinen Komparativ.

    Wie wärs damit: Wunschdenken über Bord werfen und zurück zur Realpolitik?

    Die Israelis können den Saudis ud Kataris eine Iranische Landkarte vorlegen und sagen: Five targets are for free – the other targets got price-tags.
    Das klingt irgendwie nach russischer Diplomatie.

    Nation building
    Hielt ich von Beginn an für irrsinnig in dieser Region.

    • 8. März 2012 um 15:12 Uhr
    • Serious Black
  88. 96.

    OT – Gadhafi-Fanclub:

    Antinationalismus ist für die Linke jetzt offenbar ein Schimpfwort.

    • 8. März 2012 um 15:14 Uhr
    • Arjen van Zuider
  89. 97.

    Indeed, according to a Gallup poll out this month, 71 percent of all Egyptians oppose US economic aid to their country. They are tired … of restrictions attached to that form of assistance

    Das ist eine völlig korrekte Darstellung des bedauerlichen irrationalen Real-Zustandes.

    Der Irrweg eines solchen Fata-Morgana-Denken wird aber erst dann die Chance der adäquaten Erfassung der Realität erhalten,
    wenn eine vergleichsweise (zu einem autoritäteren Regime) freiere Gesellschaft, eine vergleichsweise freiere Presse „den Deckel des Dampfdruckkochtopfes“ der Heuchelei, der Lüge, der Ignoranz, der Unaufrichtigkeit (zumindest) leicht anheben kann und darf.

    Der Irrweg islamischen Total-Blockade- und Ausnahmslos-Vorwurfsdenkens wird erfreulicherweise inzwischen von einigen Geistern in der islamischen Welt endlich erkannt:

    … Warum kann die islamische Welt nicht eine Persönlichkeit hervorbringen, die so brilliant und großzügig wie Steve Jobs ist?

    Lassen Sie mich sechs Gründe vorschlagen

    … unsere Lehrpläne… versäumen es, diejenigen Fachdisziplinen wertzuschätzen und sich zu eigen zu machen, die für unsere moderne Zeit lebenswichtig sind, Wissenschaften wie Mathematik, die missachtet und durch religionsorientierte Fächer ersetzt worden sind.
    Eine Nation kann nicht Fortschritte machen, wenn sie ein pädagogisches System verwendet, dessen Hauptfokus die Religion ist und
    in welchem der Beschäftigung mit nichtreligiösen Dingen keinerlei Relevanz zuerkannt wird.
    Diese Lehrpläne basieren auf dem Auswendiglernen und auf blindem Gehorsam,
    während die Lehrpläne, wodurch Steve Jobs und andere brilliante Erneuerer hervorgebracht wurden, auf dem Verstehen, Erfassen, Experimentieren und Erfinden basieren. …

    Zweitens glauben islamische Staaten … an das Unbekannte und missachten die Wirklichkeit, indem sie der Religion erlauben, alle Aspekte der wissenschaftlichen Untersuchung zu dominieren …
    wir bleiben besessen von den Tabus, den Ketzereien und den Irrtümern jeder nützlichen Wissenschaft und tun Alles, was in unserer Kraft steht, um berechtigte Fragen zu unterdrücken. …
    so verbleiben uns dann solche Wissenschaftler, die sich spezialisieren auf den Gebieten der Menstruation, des nifaas (Bluten nach Geburt), des halal und des haram.

    Drittens sind islamische Länder besessen von Engeln und Dämonen, von Gott und Satan.
    Wenn etwas nicht gelingt, dann … haben Satan und seine teuflischen Pläne diesen Misserfolg verursacht …
    Unsere größte Sorge scheint, zu sein, ob der Verzehr von Fleisch von Dämonen haram oder halal ist. …

    Viertens weist die religiöse Sprache in den islamischen Ländern uns an, nicht von anderen Nationen beeindruckt zu sein oder diese gar zu bewundern –
    Nationen, die den Krebs bekämpft, die den Mond betreten haben und die in den Weltraum vorgedrungen sind,
    Nationen, deren Flotten die Ozeane durchstreifen und deren Flugzeuge die Himmel beherrschen. …
    wir gehen zu ihnen… auf der Suche nach medizinischer Heilung, nutzen ihre Autos und Flugzeugen
    und fahren fort, sie tagaus tagein zu kritisieren …, obgleich wir alle ihre Mittel, Instrumente und Erfindungen nutzen. Welch‘ Heuchelei !

    Fünftens können wir sehen, dass islamische Staaten … unlogische Entschuldigungen vorbringen, um Kunst zu marginalisieren und Kunst in voller Absicht ihren Bürgern vorzuenthalten … Dies hat zu aufgewühlten und gestörten Persönlichkeiten und Gemütsverfassungen geführt …
    Kunst schützt die Menschheit vor Allem, was sie in die Knie zwingen kann und erlaubt Geist und Herz, sich in Höhen aufzuschwingen, die mit Optimismus und Hoffnung gefüllt sind, und kontinuierlich weiterzuschreiten auf der Straße der Erfindungen, der Kreativität und der Entdeckungen.

    Schließlich neigen islamische Staaten ganz allgemein dazu, sich dauerhaft in der Vergangenheit aufzuhalten
    auf Kosten von Gegenwart und Zukunft …
    diese Länders scheinen zeitlich gefroren, erstarrt zu sein …

    … Mr. Jobs,… jemand Ihrer Brillianz konnte nur das Produkt einer Nation sein, die ihren Bürger eine anregend-fruchtbare Umgebung bereitstellt, kreativ und erfinderisch zu sein, und die die Realität unserer Gegenwart versteht.
    Wie können islamische Nationen solchen Fortschritt erzielen?
    Wir müssen das Feiern und Hochpreisen der religiösen Dogmatik hinter uns lassen, die ja doch Unwissenheit und Abscheu gegenüber der Zukunft produziert …

    „When Will We See Another Steve Jobs?“
    von Khalid Alnowaiser (saudischer Rechtsanwalt)
    Huffington Post – 11/03/11
    http://www.huffingtonpost.com/dr-khalid-alnowaiser/steve-jobs-innovation_b_1074126.html

  90. 98.

    autoritären Regime

  91. 99.

    Korrektur … unsere Lehrpläne… versäumen es, diejenigen Fachdisziplinen wertzuschätzen und sich zu eigen zu machen, die für unsere moderne Zeit lebenswichtig sind, Wissenschaften wie Mathematik, Chemie, Physik, Philosophe und Logik, die missachtet und durch religionsorientierte Fächer ersetzt worden sind …

  92. 100.

    @ Publicola

    D’accord!

    Aber wir reden hier von einem Prozess, der in Europa Jahrhunderte benötigte und keineswegs friedlich ablief.

    Die säkuläre, freiheitlich-demokratische Gesellschaft ist keineswegs der zwingende Entwicklungsendpunkt menschlicher Zivilisation.

    Bei diesen Wahlergebnissen, dürfen wir davon ausgehen, daß in Ägypten eine völlig andere Vorstellung von gesellschaftlichem Idealzustand herrscht.

    • 8. März 2012 um 18:29 Uhr
    • Serious Black
  93. 101.

    Aber wir reden hier von einem Prozess, der in Europa Jahrhunderte benötigte und keineswegs friedlich ablief. … Bei diesen Wahlergebnissen, dürfen wir davon ausgehen, daß in Ägypten eine völlig andere Vorstellung von gesellschaftlichem Idealzustand herrscht.

    Kein Widerspruch!

    Zusatz:
    1 – Erst jetzt vielleicht werden sich die Menschen dort über ihre (kommenden) Erfahrungen mit religiösem Fanatismus und Phantasmus Rechenschaft geben können.

    2 – Wenn ich mir (viele) asiatische Staaten anschaue, muss eine solcher Prozess nicht notwendigerweise Jahrhunderte benötigen.

  94. 102.

    OT – Aus gegebenem Anlass (Frauentag):

    … Nach dem Tod des Propheten sind viele Interpretationen der Koran-Verse verfasst worden, um der Nachwelt den Willen Gottes verständlich zu machen. Von diesen Interpretationen gibt es so viele, dass es einer theologischen Rechtswissenschaft bedurfte, um Ordnung zu schaffen. Schon bald nach Mohammeds Tod bildeten sich daher sogenannte Rechtsschulen mit jeweils eigenen Auslegungen, dem Tafsir. Auf dieser Basis wiederum erlassen heutige Gelehrte ihre Rechtsgutachten, die sogenannten Fatwas. Als ich beispielsweise vor vielen Jahren, als ich selbst noch streng regelgläubig war, zur Kur in ein Müttergenesungsheim fahren wollte, musste ich erst einmal eine Fatwa finden, die es mir als muslimische Frau überhaupt erlaubte, alleine und ohne männlichen Begleitschutz zu reisen.

    Heute sehe ich die Dinge aus einer gewissen kritischen Distanz: In der Welt der Muslime wird mit vielen dieser Rechtsgutachten ein Meinungshandel getrieben, wie er vor Jahrhunderten zu Feindseligkeiten zwischen Sunniten und Schiiten geführt hat. … Maßgeblich ist allein der einfache und universell verinnerlichte Anspruch an einen Muslim, religiöse Normen und Rituale aus sehr alten Zeiten in der Gegenwart befolgen zu müssen, um für ein gottgefälliges Leben im Diesseits eine reiche Belohnung im Jenseits zu erhalten. Was hier seit Jahrhunderten praktiziert wird, erscheint aus heutiger Sicht als Konditionierung, mit der Herrschaft über die Ansichten und Vorstellungswelten von Menschen ausgeübt wird.

    Der Katalog von eindeutig erlaubten und eindeutig verbotenen Dingen – richtig und falsch, gut und böse – kann aber sehr einschränkend und auch manipulierend sein. Dabei wird dem Teufel als Verkörperung des Bösen und als verführerischer Macht eine erhebliche Bedeutung zugemessen. …

    Mit dem Koran als Maßstab und dem Teufel als Zuchtmeister ist es ein Leichtes, über andere zu urteilen, ohne genau hinschauen zu müssen. Gefährlich an dieser Methode der Konditionierung ist, dass mit Interpretationen gezielt Feindbilder bekräftigt und sogar zu Gewalthandlungen im Namen eines Gottes aufgerufen werden kann. So finden Kontrolle, Gehorsam und Routine ihren Einzug in das Leben religiöser Männer und Frauen, ohne dass die psychischen Folgen für deren Persönlichkeitsentwicklung und Gesellschaftsfähigkeit bedacht werden. …

    In den drei Jahrzehnten, die ich als verhüllte Muslimin gelebt habe, sah ich keinerlei Anlass, den Grund für meine Verhüllung in Frage zu stellen. … Heute weiß ich jedoch, dass die Vorschriften, die ich befolgte, nur deshalb für mich Bedeutung hatten, weil im Namen Gottes mit Versprechungen jenseitsorientierte Erwartungen erzeugt und mit Drohungen Ängste geschürt wurden. …

    Wie viel Spielraum aber wird dem Einzelnen in muslimischen Familien und islamischem Religionsunterricht gewährt, wenn es darum geht, als Heranwachsender eigene Vorstellungen über Gott und sein Leben zu entwickeln? Welchen Beitrag leisten dazu vor allem die vielen islamischen Organisationen, die in Deutschland für die Bildung heranwachsender Muslime immer wichtiger geworden sind? … Aber in den Vereinen sind Männer in der Überzahl und so dominant, dass sie sich einen Wettbewerb von Machtansprüchen leisten. Auch ohne eine männerfeindliche Feministin zu sein, vermisse ich eine professionelle, gleichberechtigte und vorbildliche Zusammenarbeit von Männern und Frauen gerade in diesen Organisationen. …

    … „Züchtigungsverse“ … die besagten Züchtigungsverse [sind] weiterhin gültig sind und … verbreitete Interpretation [ist] eine wichtige Ursache dafür …, dass häusliche Gewalt auch unter vielen Muslimen praktiziert wird. … [Es wäre notwendig,] die längst überfällige Debatte über den Zusammenhang zwischen häuslicher Gewalt und Islam in Gang zu setzen …

    Ein weiteres Beispiel … die bis heute anhaltende „Kopftuchdebatte“ … Damals kam keine islamische Organisation auf die Idee, zu den beiden „Verhüllungsversen“ des Korans eine Interpretation vorzutragen, die den Verhüllungszwang als eine in Raum und Zeit eingebundene Vorschrift darstellte, was diese Vorschriften aber tatsächlich sind. …

    Dabei wäre es so einfach und erleichternd, wenn Muslime sich genauer über die Entstehung der Verhüllungsverse informieren würden. Dazu gehören auch die sogenannten Offenbarungsgründe, die Asbab al Nusul, aus denen die an die an Raum und Zeit gebundene Bedeutung deutlich hervorgeht. … dass die Verhüllung der Frauen zu Lebzeiten des Propheten Mohammed kein Symbol von Anstand oder Würde und auch keine Frage von Religion und Religionszugehörigkeit war. Vielmehr war die Verhüllung in der Öffentlichkeit in Anlehnung an die damaligen Lebensbedingungen nur ein Erkennungs- und Unterscheidungsmerkmal für diejenigen Frauen, die sich zum Islam des Propheten bekannten. Sie wollten nicht mehr mit den Sklavinnen verwechselt und somit auch nicht mehr belästigt werden. …

    Nach sieben Jahren des Lebens ohne Verhüllung und in „Unauffälligkeit“ stelle ich fest, dass ich ohne diese kennzeichnende Identität meine Mitmenschen anders wahrnehmen kann, weil ich jetzt anders wahrgenommen werde. Seit meiner Enthüllung habe ich mir neue Lebenswelten erschlossen, in denen ich das reale Miteinander genauer kennenlerne. Mit meinen langjährigen moralischen Maßstäben und der Verhüllung als Mittel der Distanz kam es nicht auf das Lernen durch eigene Erfahrungen an, sondern auf das unreflektierte Befolgen von Regeln. … Ohne das Kopftuch .. frage [ich] mich [heute], was Bekleidung mit Religion und dem Willen Gottes zu tun haben mag.

    Wenn eine Frau aber die Verhüllung schon als unabdingbar für Schamhaftigkeit und moralische Werte verinnerlicht, wenn einer Frau ihr Körper mit dieser Form der Bekleidung zur Gewohnheit und Selbstverständlichkeit wird und wenn sie ihre Religiosität durch diese Bekleidung definiert, dann schwindet Freiheit unbemerkt dahin, zumindest die Freiheit, sich ein Leben ohne diese Verhüllung überhaupt noch vorstellen zu können. …

    Ich wünsche mir ein Verständnis von Religion, das dem Menschen als Individuum ermöglicht, Verantwortung zu tragen …

    Dazu muss der Muslim, ob Mann oder Frau, eine Wahl treffen können, und zwar ohne sich auf ein Paradies zu freuen oder sich vor einem Höllenfeuer zu fürchten; des Menschen Ansporn sollte im Streben nach einem authentischen Leben liegen, denn das ist es, was stark und glücklich macht …

    Es ist bisher weder der Mehrzahl der Muslime noch den islamischen Organisationen gelungen, mit Gottes Wort und mit dessen Interpretation der Menschheit Freude, Fortschritt und Frieden zu bescheren – im Gegenteil. Eher baut das auf ihr Koranverständnis zurückzuführende Menschen- und Gottesbild zwischen den verschiedenen Lebenswelten unüberbrückbare Mauern auf, indem sie mit dem Koran etwa Antisemitismus als eine Form des Rassismus oder die Diskriminierung von Homosexuellen rechtfertigen. …

    Aus: „Heilmittel Koran?“
    Von Emel Zeynelabidin*)
    FAZ – 08.03.2012
    ____________________________

    *) Emel Zeynelabidin ist Kommunikationsmanagerin und Trägerin des Luther-Preises „Das unerschrockene Wort“.
    Ihr Vater gründete die „Türkische Union Europas“, die Vorgängerorganisation der Islamischen Gemeinschaft „Milli Görüs“.

  95. 103.

    PS zu 101 – Egyptian women plan Thursday march to press for political representation – Protesters to hand parliament 100 names of prominent Egyptian female figures for inclusion in assembly mandated with drawing up new constitution
    by Salma Shukrallah
    Al-Ahram, Wednesday 7 Mar 2012
    http://english.ahram.org.eg/NewsContent/1/64/36234/Egypt/Politics-/Egyptian-women-plan-Thursday-march-to-press-for-po.aspx

  96. 104.

    @ Publicola
    Dankeschön für den Hinweis auf den großartigen und, vor allem bei diesem familiären Background, mutigen Artikel von Emel Zeynelabidin.

    • 8. März 2012 um 19:45 Uhr
    • Bredow
  97. 105.

    @ Bredow – Danke! – auch ich war „völlig geplättet“, als ich den autobiographischen Bericht las.

    [Nun macht eine Schwalbe noch keinen Frühling oder gar Sommer. Andererseits fühlte ich mich verpflichtet, auf das erstaunliche Auftauchen einer Schwalbe hinzuweisen.]

  98. 106.

    @Publicola

    Hier ist eine sehr sehenswerte Videodokumentation über die von Ihnen zitierte Emel Zeynelabidin, damals hieß sie noch Emel Abidin Algan. http://www.youtube.com/watch?v=q6xXZ2cKk7k

    • 8. März 2012 um 21:04 Uhr
    • Bellfruta87
  99. 107.

    @ Bellfrutta87 – Danke! – mit dieser Vergangenheit und 6 Kinder – biographisch kein „Leichtgewicht“, das achselzuckend als irrelevant abgetan werden kann !

  100. 108.

    Die Dokumentation auf youtube ist leider in 5 Teile gestückelt, aber es lohnt sie komplett zu sehen. Besonders der Teil mit dem Exorzisten, bzw Hodsch ist aufschlußreich. Wer kein Kopftuch mehr tragen will, ist offensichtlich vom Teufel besessen. 😀

    • 8. März 2012 um 21:30 Uhr
    • Bellfruta87
  101. 109.

    Tunesien – die demokratische Zivilgesellschaft wehrt sich –

    … Der tunesische Präsident Moncef Marzouki forderte am Samstag das Parlament auf, den Vorwurf der Blasphemie als ungesetzlich zu erklären, weil dieser Vorwurf eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung darstelle.
    „Solche Praktiken können den Frieden zwischen den Bürgern, die in dem gleichen Land leben, bedrohen und zu Konflikten führen“, warnte Marzouki in einer Erklärung.

    Er bat den Präsidenten sowie die Mitglieder der Verfassunggebenden Versammlung, … Rechtsvorschriften zu verabschieden, „die Anklagen wegen Blasphemie als ungesetzlich erklären.“

    Übertreter des neuen Gesetzes sollten strafrechtlich verfolgt werden, „um die Koexistenz, Brüderlichkeit und Solidarität unter den Tunesier zu schützen „, sagte er. „Niemand hat das Recht, derartige Vorwürfe gegen einen Mitbürger zu machen, weil ein solches Verhalten riskiert zu Gewalt zu führen, die ja an sich verwerflich ist.“ …
    http://www.alarabiya.net/articles/2012/02/26/196993.html

  102. 110.

    Wer kein Kopftuch mehr tragen will, ist offensichtlich vom Teufel besessen. – In ihrem autobiographisch akzentuierten Essay weist Emel Zeynelabidin darauf hin. Diese Stelle hatte ich weggekürzt, da sie ja anschließend von dieser Individualerfahrung
    generalisierend abstrahiert.

    Hier das Zitat:
    Als ich vor Jahren zum ersten Mal in meinem Leben in emotionale Turbulenzen geriet, konnten sich einige meiner Familienangehörigen … mein verändertes Verhalten nur damit erklären, dass ich vom Teufel besessen sein müsste. In dieser Phase legte ich allmählich meine Verhüllung ab …
    Über die Reaktion meiner Familie und ihre enge und absolut unzutreffende Sichtweise auf meinen Zustand war ich schockiert: Etwas, das mit Liebe zu tun hatte, wurde dem Teufel zugeschrieben!

  103. 111.

    Tunesien – die demokratische Zivilgesellschaft meldet sich –

    Several thousand women and men, many of whom were draped in Tunisian flags, gathered in front of the Constituent Assembly in Bardo today to demand the recognition and reiteration of the rights and freedoms of women in the new Tunisia.

    http://www.tunisia-live.net/2012/03/08/women-speak-out-for-their-rights-in-the-new-tunisia/

  104. 112.

    Ein würdiger Abschied:

    Emel Algan übergibt Kopfbedeckungen an das Haus der Geschichte in Bonn.

    http://www.hdg.de/news-details/pressemitteilung-abschied-vom-kopftuch/

    • 9. März 2012 um 07:30 Uhr
    • Thomas Holm
  105. 113.

    @ AvZ

    „Antinationalismus ist für die Linke jetzt offenbar ein Schimpfwort.“

    Die syrische Regimepropaganda verweist auf tiefgründige Ursprünge der Skepsis gegenüber Antinationalismus und Demokratie:

    2.00-3.20 Plato lehre, dass die Republik über die Demokratie erhaben sei; Syrien als halt nichtsodemokratische Republik falle wenigstens nicht (internationalen) Kommerz-Interessen zum Opfer

    20.00-21.00 und Kulturzerstörung erleichtert Kontrolle durch sinistre internationale Kreise; angeblich sogar gem. Kalle Marx (m.E. unzutreffend)

    Der Baathismus ist als falsch verstandenes Griechentum in der Linken auch gut angekommen.

    http://www.youtube.com/watch?v=NAsuPM9-4mQ

    • 9. März 2012 um 09:46 Uhr
    • Thomas Holm
    • 9. März 2012 um 10:10 Uhr
    • Publicola
  106. 115.

    @ TH

    Syrien als halt nichtsodemokratische Republik

    Euphemismus des Tages!

    • 9. März 2012 um 10:35 Uhr
    • Serious Black
  107. 116.

    – islamistische Version des Weltfrauentages in Ägypten –

    A women’s conference organized by the dominant Islamist bloc in the Egyptian parliament has called for a council for families to replace the existing National Council for Women …

    The conference, held Thursday on International Women’s Day, also condemned the 1978 U.N. convention against gender discrimination saying it was “incompatible with the values of Islamic sharia” law, the Al-Ahram newspaper reported.

    The Freedom and Justice Party conference called for the formation of a national council for the family to “truly express the complementary roles of men and women” …

    The Freedom and Justice Party, political arm of the Muslim Brotherhood, says it does not endorse gender discrimination,
    although the Brotherhood argues women should not be allowed to rule the country. …

    from: „Egypt Islamists want ‘family’ not women’s council“
    Al Arabiya – Friday, 09 March 2012
    http://www.alarabiya.net/articles/2012/03/09/199563.html

  108. 117.

    Ägypten – Präsidentschaftswahlkampf –

    Egyptian activist and presidential hopeful Bothaina Kamel said it takes a lot of courage for a woman to decide to run for Egypt’s first post-revolution presidential elections.
    “I guess that is why I am the only woman who decided to go through this experience”

    http://www.alarabiya.net/articles/2012/03/09/199643.html

    Es gibt – wie dieses Beispiel zeigt – offenbar eine (relativ/sehr/zu) kleine, säkular-demokratische Mittelschicht / Zivilgesellschaft in Ägypten.

    Ausschlaggebend und ‚mainstream‘ ist allerdings derzeitig (und vermutlich noch für eine längere Zeit): Islamismus und Militär.

  109. 118.

    Eine recht präzise Prognose-Analyse der Präsidentschaftswahlen in Ägypten gibt Sandmonkey, mit der Schlußfolgerung:

    And thus, if no super-candidate shows up in the last minute and no political fiasco ends up exploding in the middle of the race, we end up being with one of two Presidents: A salafi-backed Muslim Brotherhood President, or an Ex-Mubarak Hack President.

    Doesn’t that just leave you super excited for this election?

    http://www.sandmonkey.org/2012/03/04/on-the-presidential-elections/

  110. 119.

    @ Publicola

    „A salafi-backed Muslim Brotherhood President, or an Ex-Mubarak Hack President.“

    Königsmacher ohne (genug eigene) Kleider – meine Einreichung zum bon mot des Tages.

    • 10. März 2012 um 13:03 Uhr
    • Thomas Holm
  111. 120.

    @ Thomas Holm – Hoffentlich überleben wir [rein zeitlich gesehen] die Geduld, die uns die Zeitgeschichte abverlangt!

  112. 121.

    Tunesien – die Zivilgesellschaft in Tunesien wehrt sich energisch gegen religiösen Fanatismus und Phantasmus –

    Tunisian politicians and civil society have reacted mostly with resounding nationalist solidarity to the recent incident of flag desecration by religious activists at the Faculty of Arts and Humanities at Manouba University.

    One young woman – Kahaoula Rashidi, a student at Manouba University – has attained a degree of celebrity after a video of her attempt to stop the Tunisian flag from being taken down was circulated widely on a number of social media outlets. Moreover, a photo of the confrontation was featured on the front page of the Maghreb newspaper.

    Many Tunisians have reacted strongly to the video in which a young man wearing a traditional robe and long beard takes down the Tunisian flag, replaces it with a black flag bearing the shahada (the Islamic declaration of faith) – a symbol associated with Islamic conservatism – and pushes Rashidi off a wall as she tries to intervene.

    http://www.tunisia-live.net/2012/03/09/tunisians-erupt-in-anger-over-desecration-of-flag/#comment-31705

  113. 122.

    @TH:

    Mit Demokratie haben in Libyen ja die Befürworter der nationalen Einheit gleich viel oder wenig zu tun wie die Föderalisten. Misstrauen gegenüber der Demokratie kann also nicht der Grund sein – allenfalls die republikanische Angst, der Osten könnte bei voller Unabhängigkeit wieder zur Senussi-Monarchie werden.

    Die Hoffnung, ein größerer Staat könne sich besser gegen imperialistische Machtpolitik des Westens verteidigen, ist durchaus verständlich – aber ein Staat wie Syrien, der den inneren Zusammenhalt nur mit ausländischer Hilfe erhalten kann, macht sich selbst abhängig. Wenn nicht vom Westen, dann eben von anderen Playern wie Russland, China oder dem Iran. So könnte ironischerweise eine beschränkte Autonomie des libyschen Ostens für Stabilität sorgen, den Drang nach vollständiger Unabhängigkeit abschwächen und die Einheit wie auch die Unabhängigkeit Libyens retten. Aber auch dann stellt sich die Frage, ob ein schlagkräftiger Kleinstaat (zumindest für afrikanische Verhältnisse; auch nach Abspaltung des Ostens wäre Libyen immer noch größer als Deutschland) nicht unabhängiger ist als ein fragiles Imperium.

    • 10. März 2012 um 14:37 Uhr
    • Arjen van Zuider
    • 10. März 2012 um 15:23 Uhr
    • Serious Black
  114. 124.

    Wem gehört das Judentum ?

    Talk to Al Jazeera – Rabbi Dovid Weiss: Zionism has created ‚rivers of blood‘

    http://www.youtube.com/watch?v=oUppu2OHVTY

    AJE bringt ein 20 Minuten-Interview über die Demut gegenüber Gottes
    Willen: Nazis, Holocaust, Araber, Ahmadinejad; alles Geisseln Gottes,
    die demütig zu akzeptieren sind – für eigene Sünden und Verfehlungen.

    Der Interviewer, Teymur Nabili, sitzt mit offenem Mund sprachlos da, wie ein 13-Jähiger, dem Madonna sagt: Fick‘ mich.

    Wem noch der letzte Kick zu Hardcore-Atheismus fehlt, dem sei dieses Interview dringend empfohlen.

    Mir fällt auf, dass eine solche offen selbstzerstörerische* Konzept-Variante im Judentum als Marginalie existiert; im Christentum eher nicht nur als Marginalie und im Islam als Konzept überhaupt nicht – dafür aber als eine tätige Praxis von Adaptionsverweigerung und einer rätelhaften Vernarrteit in (seit neuestem: Binnen-)Konflikte mit einer Vorliebe für fatale Kräfteverhältnisse.

    *selbstzerstörerisch hinsichtlich zivilisatorischer Institutionen

    @ AvZ

    „So könnte ironischerweise eine beschränkte Autonomie des libyschen Ostens für Stabilität sorgen ..“

    Ja, wenn sie es denn könnten – sich auf etwas Vernünftiges zu einigen.

    • 10. März 2012 um 16:28 Uhr
    • Thomas Holm
  115. 125.

    Konfessionelle Identität bis über den Tod hinaus:

    Assads Alawitische Schiiten Schergen Schänden Sunnitische Leichen (WARNUNG 18 +)

    (Mit hervorragend migrantensoziolektisch adaptierter Übersetzung !)

    http://www.youtube.com/watch?v=0X9VeKW5dPU

    Sehenswert ferner:

    Die CNN-Syrien-Doku: 72 hours under fire: Part 1

    hxxp://www.youtube.com/watch?v=MB31SgNYwU0

    P.S. zu 124:

    Wenn uns nicht passt, was die Gläubigen glauben, dann nehmen wir das halt weniger ernst, genauso wie beim Endzeiterwarten auch. In Wirklichkeit respektiert kein Mensch diesen Schwachsinn, sondernt tut nur so, aus gesellschaftlich-politischem Kalkül (etwa, um nicht „aggressiv“ zu wirken). Das ist irgendwie unfair den Gläubigen gegenüber.

    • 10. März 2012 um 20:49 Uhr
    • Thomas Holm
  116. 126.

    @ SB

    Vielen Dank zu dem link zu M.J.Totten.

    Einen Beitrag vorher

    hxxp://www.worldaffairsjournal.org/blog/michael-j-totten/hezbollahs-relentless-rage vollständig hier:

    http://www.city-journal.org/2012/bc0309mt.html

    zitiert T. den libanesischen Historiker Kamal Salibi mit den Worten:

    “We’re a feuding people, not a warring people,”

    was auf der gleichen ernüchternd skeptischen Linie liegt, wie die berühmte Negativprophezeihung in Syriana für die Golfaraber.

    Gesellschaftlich betrachtet scheinen das von der Levante bis zum Jemen „mental“: alles kleine verzankte Mikrosegmentmeuchler geblieben zu sein; denen allerdings jemand ein bombastisch aufgeblasenes Eroberer-Selbstbewusstsein eingeflüstert hat.

    Auch, gerade diese Seifenblase platzt gerade.

    Die Story von „der besten aller Gemeinden“ ist für die Sachwalter der miserabelsten Umstände verfasst worden; und das Publikum hat den Autoren natürlich den unvermeidlichen Schildbürgerstreich gespielt und hat unter der feierlichen Oberfläche lustig tribal weitergefehdet.

    Daher auch dieses stilistisch doch spezifische sich sakral-heucheln,
    leugnen, lügen – anscheinend ohne jedes Peinlichkeitsempfinden dabei.

    Ich fürchte, man muss sich das Thema:

    „Hezbollah and the Next War with Israel“ 2010 von Nicholas Blanford

    noch mal zu Gemüte führen, weil es DA halt um ein anders Völkchen geht.

    hxxp://www.youtube.com/watch?v=z1ks01pg1wk

    • 11. März 2012 um 11:11 Uhr
    • Thomas Holm
  117. 127.

    Der Tourismus reagiert empfindlich-sensibel auf ein Mehr bzw. Weniger an Zivilgesellschaft und auf ein Mehr bzw. Weniger an Islamismus – enkodiert als Grad der „Sicherheit“:

    1 – Ägypten:
    Die Besucherzahlen der vergangenen Monate sprechen eine deutliche Sprache. Im kompletten Jahr 2011 kamen 33 Prozent weniger Touristen nach Ägypten, aus Deutschland betrug das Minus 27,4 Prozent….Bei den Reiseveranstaltern gibt man sich deshalb betont zurückhaltend: „Ägypten hat weiterhin mit einer schwächeren Nachfrage im deutschen Markt zu kämpfen“, sagt beispielsweise Peter Fankhauser, Vorstandsvorsitzender von Thomas Cook. Das Land habe sich noch nicht von den Ereignissen der vergangenen Monate erholt.
    Auch Marktführer Tui liegt nach eigener Aussage noch unter dem Vorrevolutionsniveau….
    Das Auswärtige Amt bleibt bei seiner Sicherheitseinschätzung vorsichtig

    2 – Tunesien:
    Nur wenige hundert Kilometer von Kairo entfernt ist die Lage in Tunesien schon wieder fast so, wie es sich die Tourismusverantwortlichen von Ägypten erhoffen. „Das Land präsentiert sich wieder politisch stabil und hat damit das Vertrauen bei den Kunden wieder hergestellt“, so Thomas-Cook-Chef Fankhauser. „Wenn sich die Buchungen so fortsetzen, könnte Tunesien im Sommer wieder das Niveau von 2010 erreichen.“
    Ähnlich sieht Tui die Lage: „In Tunesien ist die Aufwärtsentwicklung noch stärker zu spüren als in Ägypten“, sagt Böttcher. Tunesien liegt bei Studiosus nach der Aussage von Edwin Doldi [Studiosus] zwar nach wie vor unter dem Niveau von vor der Revolution. „Hier ist der Ausblick aber positiv, die Sicherheitslage ist gut, die Regierung funktioniert – wenn das so weiter geht, können wir 2013 wieder alte Höhen erreicht haben“, so Doldi.

    FOCUS – Spuren der Arabellion – 09.03.2012
    http://www.focus.de/reisen/reisefuehrer/tourismus-spuren-der-arabellion-aegypten-braucht-noch-zeit_aid_722431.html

  118. 128.

    ich schreib jetzt mal ohne lange nachzudenken, und alle können mich rüffeln. ich bin für jede info dankbar.

    ein seitenstrang ist hier ja, inwiefern religion wissenschaftlichen fortschritt verhindern kann.
    das ist schon eine interessante frage (siehe galileo galilei).
    nach lesen der bücher, die ich jetzt zuhasue habe, scheint da „der islam“ schon in irgendeiner weise ein paar probleme zu haben. siehe auch die diskussion hier im forum.
    meine quellen, die eine ähnliche sprache sprechen:
    dan diener, zeitenschwelle, wo er in einem kapitel die zerstörung aller buchdruckerpressen, die mit napoleon nach ägypten importiert worden waren, beschreibt.
    ähnlich interpretiere ich auch das, was hamed abdel-samad schreibt.
    und noch heftiger wirds bei tidiare n’diaye (der verscheierte völkermord), der meiner interpretation nach den stillstand der araboislamischen welt auf auf jahrhunderte dauerndem fußendem sklavenhandel beruhend beschreibt. so ähnlich vielleicht wie im alten rom, gesättigt und zufrieden.
    wer beschäftigt sich eigentlich wissenschaftlich mit solchen fragen?
    welche angaben sind zuverlässig, welche ideologisch geprägt?

    das interessante für mich dabei: letztes jahr erhielt ich eine mail von einem kollegen, die werbung für die NYU in dubai oder sonstwo für eine stelle in psychologie machte. kann ich wohl leider nicht mehr so richtig verifizieren, da mein rechner zwischenzeitlich abstürzte.
    die mail ist leider futsch.

    ps: @thomas holms

    danke für die antworten zu dem anderen thema.
    also haben die keine mossad-agenden da eingschleust.
    bisher alles rhetorik, unter pragmatisch-linguistischer perspektive.

    • 11. März 2012 um 20:38 Uhr
    • arizonajunior
  119. 129.

    sorry, thomas holm natürlich, und nicht thomas holms

    • 11. März 2012 um 20:42 Uhr
    • arizonajunior
  120. 130.

    Tunesien – demokratische säkulare Parteien diskutieren Parteien-Allianz –

    Tunisia’s liberal opposition parties voted today in favor of forming a new modern, democratic front uniting several opposition parties.

    … the party will start working by the end of April under a new name. “No name or leader has been decided yet, however we expect it to launch by the end of April after getting a new license,” Baccar [Selma Baccar, a Deputy in the National Constituent Assembly and member of the Ettajdid movement] announced.

    The third party-unification meeting organized by the Ettajdid movement, a secular-left party, began on Friday, March 9th, in Ez-Zahara – a suburb south of Tunis.

    The conference of parties was organized under the theme of “The unification of democratic forces,”
    with the goal of reconstructing a stronger united liberal front after the many left wing parties in Tunisia under-performed in the October 23rd Constituent Assembly elections.

    Opposition parties such as
    the Progressive Democratic Party (PDP),
    Afek Tounes Party,
    Republican party and
    independent members of the Modernist Democratic Pole (PDM),
    found common agreement around the idea of unification. …

    the parties agreed in general about the need for Tunisia to have a stronger democratic party that unites leftist parties.

    http://www.tunisia-live.net/2012/03/11/opposition-parties-move-closer-to-forming-united-liberal-front/

  121. 131.

    Tunesien – die Epoche des unheimlichen Mittelalters meldet sich zu Wort –

    Female Members of Hizb Ettahrir Meet in Tunisia Calling for an Islamic Caliphate

    Hundreds of women gathered at the first international conference of Hizb Ettahrir in Tunis today. Entitled “Caliphate: A shining model for women’s rights and political role,” the summit addressed the shortcomings of liberal democracies with regard to women’s rights. According to Hizb Ettahrir, only an Islamic Caliphate state and the institution of Sharia law can ensure women’s rights and safeguard the rights and security of women within the family-unit and society.

    Founded in 1953, Hizb Ettahrir is a global Islamist political party with membership and a number of supporters spanning more than 50 countries. It advocates the return of the Caliphate by political means.

    http://www.tunisia-live.net/2012/03/10/female-members-of-hizb-ettahrir-meet-in-tunisia-calling-for-an-islamic-caliphate/

  122. 132.

    @Arizona:

    wer beschäftigt sich eigentlich wissenschaftlich mit solchen fragen?
    welche angaben sind zuverlässig, welche ideologisch geprägt?

    Eigentlich wäre das das Gebiet der Religionssoziologie (mit dem legendären Übervater Max Weber), aber meines Wissens ist es dort momentan (aus welchen Gründen auch immer) verpönt, die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Religion und wirtschaftlichem Erfolg zu stellen.

    sorry, thomas holm natürlich, und nicht thomas holms

    Man könnte ihm aufgrund seiner unermüdlichen Recherchen in Sachen Syrien den Ehrentitel „Thomas Homs“ verleihen.

    • 12. März 2012 um 00:20 Uhr
    • Arjen van Zuider
  123. 133.

    Professionell gemachte Assad-Propaganda im soften NGO-testimonial-Stil, ganz ohne das sonst übliche martialisch-bombastische Militär-Tam-tam

    „The face of Syria has changed completely after a Democratic Reformer (Dr. Bashar El Assad) took over the presidency of Syria.“

    http://www.youtube.com/watch?v=FfZ7z71WhNQ

    • 12. März 2012 um 01:18 Uhr
    • Thomas Holm
  124. 134.

    Kofi Anan bestaunt Sakralreliquie aus der Hand des Obersten Syrischen Bunkergelehrten – 1.30 – das könnte das Pressephoto der Saison zum Auftakt der Zweiten Arabischen Frühlingsrunde sein. Danach springt der Katari-Scheich direkt ans Telefon und ruft bei seinem Sender an.

    Scores killed in Syrian flashpoint cities

    mit Kofi in town ! Euphoriker, kommentiert mal was !

    http://www.youtube.com/watch?v=yrJKL5SVaMk

    • 12. März 2012 um 08:32 Uhr
    • Thomas Holm
  125. 135.

    Deutscher Champion in Al-Azhar-Nähe gesichtet !

    7 Frauen nehmen den Islam bei Pierre Vogel in Ägypten an !!!!!

    Die armen Ägypter; auf Rommel haben sie gewartet und Pierre Vogel haben sie bekommen; Geschichte kann wirklich so grausam sein.

    http://www.youtube.com/watch?v=kEp4lsUry60

    • 12. März 2012 um 08:45 Uhr
    • Thomas Holm
  126. 136.

    Tunesien – Hacker kämpfen gegen Salafisten

    „We are fighting you… your emails, your bank accounts and transactions will be probed, your hard discs will be copied,“ said a man wearing the Guy Fawkes mask that has become a trade mark of Anonymous members.

    „If the Tunisian government won’t stop your activities in the weeks to come, Anonymous will,“ he added.

    http://www.nowlebanon.com/NewsArticleDetails.aspx?ID=375136&MID=149&PID=2

    • 12. März 2012 um 17:31 Uhr
    • Serious Black
  127. 137.

    @Holm

    Hm, komisches Video. Konvertiert der Vogel nun schon Muslime zum Islam? 😀

    • 12. März 2012 um 17:47 Uhr
    • Bellfruta87
  128. 138.

    @AvZ
    danke für die antwort.
    religionssoziologie ok, aber gehört da nicht auch irgendwie die „religionspsychologie“ dazu im hinblick auf etwa die beeinflussung menschlichen ökonomischen entscheidungsverhaltens durch religöse glaubensgrundsätze?
    könnte man doch empirisch-experimentell untersuchen. oder gibt es das schon?
    ist mir schon klar, dass das nicht so einfach sein sollte wg konfundierung mit kulturellen aspekten.

    TH ist unermüdlich, dafür mein dank an ihn; denn ich kann nicht die zeit aufbringen, so tief nach informationen zu graben.

  129. 139.

    Der Konvertinger Vogel…
    aber Schneid hat er, der junge Mann!

    Irgendwie karnevalesk, die Situation in Ägypten. Ist halt ein waschechter Kölner.

    • 12. März 2012 um 19:09 Uhr
    • Bredow
  130. 140.

    Konvertiert der Vogel nun schon Muslime zum Islam?

    Warum nicht? Es gibt ja auch Christen, die bei anderen Christen missionieren gehen.

    • 12. März 2012 um 19:30 Uhr
    • Arjen van Zuider
  131. 141.

    Tunesien – Demokraten versus totalitäre Religions-Fanatiker –

    Tunisian President Moncef Marzouki officially honored Khaoula Rashidi today at the Presidential Palace of Carthage.

    Rashidi is a University of Manouba student who gained national celebrity after a video circulated of her intervening when a group of religious activists replaced one of the campus’s Tunisian flags with a black banner bearing the shahada – the Islamic declaration of faith.

    “The flag is the symbol of the country … the blood of martyrs … and the Arab-Islamic identity,” stated Marzouki in an emotional speech delivered during the ceremony. Marzouki also condemned the violation of the flag and emphasized its symbolic sanctity.

    Marzouki urged the perpetrator of the flag desecration to turn himself in to the authorities and apologize before an “independent judiciary.” He explained that no one can impose themselves as, “the spokesperson of the country, or of religion.”
    http://www.tunisia-live.net/2012/03/12/tunisian-president-honors-students-defense-of-tunisian-flag/

  132. 142.

    @ Bellfruta87, AvZ, Bredow

    Habe gerade erst gemerkt, dass Vogel den Frauen einführend auf schlechtem englisch – 0.30 – erklärt, das er auf arabisch danach was vom „messenger“ etc. sagen wird; bzw. dass rassul messenger heiße …

    Die Frauen sehen von der Herkunft her nach Südostasien aus; in Kombination mit dem Englischen; Hypothese: Phillipinische (Haus-)Angestellte;

    ab 1.30 läßt die emotionale Reaktion m.E. auch einen Schluß zu, dass mindestens zwei der Frauen (rechts im Bild) eher den Eindruck machen, als hätten sie es sich gerade mit Jesus Chist – our Lord and Saviour verdorben.

    Die Sakral-Klamotten sitzen bei denen unterschiedlich versiert umgeworfen; zwei könnten als Malayinnen schon länger im Club sein; insgesamt wirkt das ganze nicht koscher, finde ich; scheint eher um den Hals, als um die Seele zu gehen.

    http://www.youtube.com/watch?v=kEp4lsUry60

    • 13. März 2012 um 01:50 Uhr
    • Thomas Holm
  133. 143.

    Pierre Vogel Fanclub empfiehlt zum Apostaten-Umgang die Brunnensturzmethode und plagiiert aus dem Film „300“; ab 3.55

    „Unglaublich: Ex-Muslim wird von Extrem-radikalen Muslimen umgebracht“

    http://www.youtube.com/watch?v=WerZOIYR8Os

    • 13. März 2012 um 01:58 Uhr
    • Thomas Holm
  134. 144.

    PS zu 131 + 136 + 141
    – ‚La Lotta Continúa': Säkulare und Demokraten wehren sich gegen Fanatismus-Medievalisierung –

    The Facebook page of Hizb Ettahrir, an Islamist political party that is legally unrecognized in Tunisia, was hacked last night by a Tunisian group claiming affiliation with the international cyber activist collective Anonymous.

    A representative of the Tunisian Anonymous group, calling himself “CaliforniaKB,” said that the attack was motivated by the activity of the Tunisian hacking group Fellaga, who he accused of working for Hizb Ettahrir, and last Wednesday’s desecration of the national flag by an Islamist protester at Manouba University.
    http://www.tunisia-live.net/2012/03/12/anonymous-hacks-islamist-partys-facebook-page/

  135. 145.

    Ägypten – Rechtsprechung / Frauen / Militär / Islam –

    Samira Ibrahim … The decision by a military court on Sunday to exonerate a former military doctor from conducting „virginity tests“ on female protestors in March last year is a setback and a big blow to her personally.

    For Ibrahim was the first to speak out about being subjected to this violation along with six other women at a military prison where they were kept overnight, having been arrested in Tahrir Square. …

    … in post-revolution Egypt there are two powerful forces that stand to hinder the progress of women’s rights. „Now the Egyptian woman is violated from two sides, one is the military and the other are the Islamists,“ she said.

    …“I sacrificed my job and now my reputation and the Egyptian media has forsaken me, there was some support before and now that is gone. There’s no one standing by me and that is a catastrophe,“ she said.

    … several members of the ruling military junta, the Supreme Council of the Armed Forces (Scaf) have already admitted that the tests did happen, justifying it with the rather bizarre notion that it was done to avoid allegations of rape against military soldiers.

    … It seems the next recourse is international law, with Egyptian human rights groups releasing a statement on Monday that they will be pursuing the case in the international arena, firstly with the African Commission on Human and People’s Rights …
    http://www.guardian.co.uk/lifeandstyle/2012/mar/13/women-samira-ibrahim-egypt-virginity-tests

  136. 146.

    – Saudi-Arabien / internationaler Druck macht Sinn –

    Hamza Kashgari, the detained Saudi writer accused of blasphemy, will be freed in the next few weeks after a court in Riyadh accepted his repentance, multiple sources said.
    http://saudijeans.org/2012/03/07/free-hamza-kashgari/

    • 17. März 2012 um 19:20 Uhr
    • MRX
  137. 148.

    @ MRX – Danke für Hinweis und Verlinkung zum Tode des agyptischen koptischen Papstes Shenouda! – Anbei auch von Al-Ahram:
    http://english.ahram.org.eg/NewsContent/1/64/36988/Egypt/Politics-/BREAKING,-Update–Pope-Shenouda-III-dies.aspx

  138. Kommentar zum Thema

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