Ein Blog über Religion und Politik

Der Islam und die Zukunft der Linken

Von 30. März 2012 um 11:34 Uhr

Sam Harris hat auf seiner Website einen Essay zum Thema “Der Islam und die Zukunft der Linken” veröffentlicht, den ich bemerkenswert finde. Harris ist ein prominenter Vertreter des kämpferischen Säkularismus, ein Religionskritiker, der  keinen Glauben auslässt.

Dass unter allen Religionen der Islam heute das größte Problem für die Menschenrechte und die Freiheit darstellt, sagt er dennoch in aller Deutlichkeit. Er sagt es ohne Islamophobie und ohne sich von dem möglichen Vorwurf, der Islamophobie Vorschub zu leisten, beeindrucken zu lassen.

Er wendet sich gegen diejenigen, die jede Kritik am Islam unter diesem Label einordnen – ebenso wie gegen diejenigen, die unter dem Deckmatel der Islamkritik “Rassismus, christlichen Faschismus oder beides” verstecken. Und er nimmt die Linke (“liberals”), der er sich selbst zugehörig fühlt, hart ran für ihre Weigerung, den religiös motivierten, genozidalen Faschismus der Hamas-Charta ernst zu nehmen.

Of course, millions of Muslims are more secular and are eager to help create a global civil society. But they are virtually silent because they have nothing to say that makes any sense within the framework of their faith. (They are also afraid of getting killed.) That is the problem we must keep in view. And it represents an undeniable difference between Islam and Christianity at this point in history. There are also many nefarious people, in both Europe and the U.S., who are eager to keep well-intentioned liberals confused on this point, equating any criticism of Islam with racism or “Islamophobia.” The fact that many critics of Islam are also racists, Christian fascists, or both does not make these apologists any less cynical or sinister.

The only way to know which way is up, ethically speaking, is to honestly assess what people want and what they believe.  We must confront the stubborn reality of differing intentions: In every case it is essential to ask, “What would these people do if they had the power to do anything they wanted?”

Consider the position of Israel, which is so regularly vilified by the Left. As a secularist and a nonbeliever—and as a Jew—I find the idea of a Jewish state obnoxious. But if ever a state organized around a religion was justified, it is the Jewish state of Israel, given the world’s propensity for genocidal anti-Semitism. And if ever criticism of a religious state was unjustified, it is the criticism of Israel that ceaselessly flows from every corner of the Muslim world, given the genocidal aspirations so many Muslims freely confess regarding the Jews. Those who see moral parity between the two sides of Israeli-Palestinian conflict are ignoring rather obvious differences in intent.

My fellow liberals generally refuse to concede that the religious beliefs of groups like Hamas merit any special concern. And yet the slogan of Hamas, as set forth in Article 8 of its charter, reads: “Allah is its target, the Prophet is its model, the Koran its constitution: Jihad is its path and death for the sake of Allah is the loftiest of its wishes.” If this is insufficient to establish this group as a death cult of aspiring martyrs, consider the following excerpts from the charter:

  • [T]he Islamic Resistance Movement aspires to the realisation of Allah’s promise, no matter how long that should take. The Prophet, Allah bless him and grant him salvation, has said:
  • “The Day of Judgement will not come about until Muslims fight the Jews (killing the Jews), when the Jew will hide behind stones and trees. The stones and trees will say O Muslims, O Abdulla, there is a Jew behind me, come and kill him. Only the Gharkad tree would not do that because it is one of the trees of the Jews.” (related by al-Bukhari and Muslim). (…)
  • There is no solution for the Palestinian question except through Jihad. Initiatives, proposals and international conferences are all a waste of time and vain endeavors. (…)
  • It is necessary to instill in the minds of the Muslim generations that the Palestinian problem is a religious problem, and should be dealt with on this basis. (…)”

Whether or not every Palestinian believes these things is not the point. The point is that many do, and their democratically elected government claims to. It is only rational, therefore, for Israel to behave as though it is confronted by a cult of religious sociopaths. The fact that much of the world, and most Western liberals, cannot see the moral imbalance here only makes the position of Israel more precarious, leaving it increasingly vulnerable to overreacting to Palestinian provocations. If the rest of the world were united in condemnation of Hamas, and of Islamism generally, Israel could afford to be slower to reach for its guns.

 

Leser-Kommentare
  1. 137.

    PS zu 124 – Einer der Kernsätze aus dem Essay von Yasar Öztürk:

    Laizismus heißt, die Legitimation der Herrschenden beziehungsweise Regierenden nicht auf Gott oder göttliches Recht zu gründen, sondern auf den Willen des Volkes.

    Daher halte ich es nicht für möglich,
    dass die islamischen Gesellschaften sich demokratisieren können,
    ohne sich eine wirklich laizistische Verfassung zu geben.

    http://www.zeit.de/2003/09/Essay__85zt_9frk

  2. 138.

    MM #96

    nachdem ich den von Ihnen verlinkten Artikel überflogen habe stehe ich vor einem Rätsel. Außer der mit hochgereckter “Bebelfaust” herausgestoßenen Drohung eines seltsamen Aktivisten, Felder anzuzünden, konnte ich beim besten Willen keine Ungerechtigkeit entdecken, schon gar keine systemimmanente.

    • 1. April 2012 um 14:43 Uhr
    • Saki
  3. 139.

    publicola #88 (Nachtrag)

    Erstmal Danke für die Bereitstellung der Informationen.

    Tunisia’s Religious Affairs Minister Nourredine al-Khademi on Saturday said the country will take stock of the hundreds of mosques now in the hands of Salafist extremists. … the minister … estimated that about 400 of Tunisia’s more than 5,000 mosques had fallen under the sway of ultra-conservative Salafists.

    “Serious problems concern about 50 mosques, no more,” he said, referring to cases where the original imams and worshippers had been forced out. …

    Ist es zu weit hergeholt, wenn man in diesem Zusammenhang die Unterstützung des Salafismus durch Saudi-Arabien und Qatar erwähnt? Den besten Freunden der freien Welt in dieser Region…

    Hinsichtlich der Unterstützung salafistischer Bestrebungen in Europa und Deutschland im Besonderen. Und unsere Regierung hat nichts besseres zu tun, als 200 Leos an die Saudis zu verkaufen. Oder das Bsp., das Holm hier kürzlich mit GB und Syrien anführte (“wegen dieser Heuchelei war ich früher mal links”)…

    Diese Welt mit “widersprüchlich” oder “paradox” zu beschreiben, wird ihr nicht mal ansatzweise gerecht.

    • 1. April 2012 um 14:43 Uhr
    • MM
  4. 140.

    @Bredow

    Evangelikale Anschauungen sind mir aufgrund meines eigenen familiären Umfeldes nicht unbekannt. Wenn ich aufgrund dessen einen Vergleich zwischen islamischer und evangelikaler Frömmigkeit anstellen darf, dann fällt mir sehr stark das Fehlen einer selbstinquisitorischen Ader, wie sie auf der evangelikalen Seite stark wahrzunehmen war, auf Seiten des Islam ins Auge.

    Komisch ich habe aufgrund meines familiären Umfeldes eher den Eindruck, das die sunnitische Seite zu selbstinquisitorisch ist. Soweit sind evangelikale und orthodox-sunnitische Frömmigkeit nicht entfernt.

    Bevor die hiesigen Evangelikalen für irgenjemand eine Gefahr darstellen wollten, müßten sie sich aber noch sehr amerikanisieren und vor allem sehr vermehren.
    So don’t worry.

    Gefährlich ist der Zentralrat und andere Verbände ja auch nicht. Publicola sprach vom fehlenden “Wertekonsens” der Verbände aufgrund von Schröders Artikel in der FAZ, um dann auf den Inhalt von Koranschulen zu schließen, wie er selbst sagt, keine Ahnung hat was da gelehrt wird. Daher der Hinweis auf den Verhältnis zum Wertekonsens von Schröders evangelikalem Umfeld.

    • 1. April 2012 um 14:52 Uhr
    • Serdar
  5. 141.

    Saki

    Ok, da ist unsere Wahrnehmung eine andere; und “Ungerechtigkeit” das falsche Wort (da ein problematisches). Der link war übrigens nicht gesetzt, um irgendetwas zu “beweisen”.

    @ Bredow:
    Vielleicht hat man es einfach satt, ständig irgendwelchen geschönten Medienmüll vorgesetzt zu bekommen?

    Das ist sicher ein berechtigtes Anliegen. Die Opposition gegen “Geschöntheit” macht auch i.d.F. aber aus einem (“hier gewünschten Namen einsetzen”) keinen (hier gew. Namen…).

    Bin erstmal weg.

    • 1. April 2012 um 14:56 Uhr
    • MM
  6. 142.

    @ Publicola # 59

    Bevor nicht ein klares und glaubhaftes Bekenntnis zu den menschenrechtlichen Grundsätzlichkeiten vorliegt, bin ich in der Tat gegen die Eintichtung einer universitären islamischen Theologie in Europa. Das schließt ja nicht aus, dass das andernorts geschieht.
    Das Beispiel Kalisch an der Uni in Münster demonstriert was passiert wenn man’s andersherum probiert.

    @ Bredow

    Dass es ein Menschenrecht ist, an einem theologischen Lehrstuhl für die Ausbildung von Religionslehrern zuständig zu sein, wenn man, sehr radikal historisch-kritisch, die historische Existenz des zentralen Propheten derjenigen Religionsgemeinschaft bestreitet, für die man Religionslehrer ausbildet, bezweifle ich. Zudem ist Kalisch Professor an der Uni Münster geblieben und kann dort weiterhin sagen, was ihm beliebt. Auch bezweifle ich, dass die Vertreter dieser Religionsgemeinschaft dadurch ein mangelhaftes Bekenntnis zu den Menschenrechten offenbaren, wenn sie nicht (mehr) wollen, dass Kalisch weiterhin Religionslehrer ausbildet. Die christlichen Kirchen bzw. deren offizielle Vertreter hätten sich in einem vergleichbaren Fall wohl kaum anders verhalten. Es sei daran erinnert, dass katholischen Theologen aufgrund vergleichsweise geringerer Abweichungen von der Lehre die kirchlich-offizielle Lehrbefugnis entzogen worden ist.

    All das muss man nun nicht für gut heißen, aber man kann zumal als areligiöser Mensch sagen, dass es bei diesen Streitereien doch erheblich mehr um religiösen Firlefanz als um eine Menschenrechtsfrage geht und Professoren auch selber schuld sind, wenn sie ihr akademisches Dasein zumindest teilweise Religionsgemeinschaften bzw. ihrer Religionszugehörigkeit zu verdanken haben. Abgesehen davon können Leute , die wie Küng, Drewermann oder Kalisch von der Lehre abgewichen sind, auch dann einen an der Mütze haben, wenn sie gegen religiöse Dogmen verstoßen.

    Und bitte kommen Sie mir jetzt nicht damit, dass ich dem KRM einen Persilschein ausstelle, wenn ich den Fall Kalisch tiefer hänge. Da hat es nun wirklich deutlich problematischere und kritikwürdigere Vorgänge gegeben (z.B. die Einladung el Zayats).

    Ein libanesischer Händler dem in Köln von Autonomen die Deutschlandfahne zerstört wird, wird in der Lage sein mit einem Achselzucken drüber wegzukommen.

    Die Begebenheit trug sich in Neukölln zu, und Youssef Bassal ist Deutschlibanese. Mit den Achseln gezuckt hat er jedenfalls nicht:

    http://blog.zeit.de/joerglau/2010/07/01/85-quadratmeter-deutschland_3979

    Ein Fall an dem die Interessenkonflike der linken und der migrantischen Fraktionen besser anschaulich werden, sind die Randale um das Projekt ‘Scherer8′ in Berlin. Hier zeigen die Linken auch ihr übliches Verhaltensmuster: Einknicken und Vertuschen.

    Jain. Ein Teil der (strammen) Berliner Linken, scheint das Vertuschen bzw. den Versuch, die Angelegenheit zu vertuschen, als ziemlich blöd zu empfinden.

    • 1. April 2012 um 15:08 Uhr
    • N. Neumann
  7. 143.

    Ist es zu weit hergeholt, wenn man in diesem Zusammenhang die Unterstützung des Salafismus durch Saudi-Arabien und Qatar erwähnt?

    Säkulare Kräfte zumindest scheinen in Tunesien davon auszugehen:

    On March 24, Lotfi Hajji, the director of Al Jazeera’s Tunisia office, was insulted and attacked while covering a political rally in Monastir. …

    Hajii … apparently had received an official invitation to cover the Bourguibist rally … Hajii being assaulted and threatened by persons claiming to adhere to the same movement. …

    Many Tunisians have expressed their skepticism toward Al Jazeera’s motives, questioning its journalistic integrity and accusing it of supporting a Qatari agenda, given that the news channel is based in Qatar….

    http://www.tunisia-live.net/2012/03/28/reporters-without-borders-denounces-the-assault-on-an-al-jazeera-journalist/

  8. 144.

    PS zu 143 – Auch in (den säkularen) Gewerkschaftskreisen Tunesiens erfreut sich Qatar nicht des besten Ansehens:

    … well over one thousand protesters took the street in defense of the country’s largest and most powerful union.
    The protest began Saturday morning at Mohamed Ali square, where the headquarters of the Tunisian General Labor Union (UGTT) are located, and was organized in response to the recent, coordinated acts of vandalism against several UGTT offices that occurred around the country. … what began as a demonstration consisting of several hundred individuals soon ballooned to a rally of approximately two or three thousand incensed demonstrators.

    Participants of the protest … waving UGTT and Tunisian flags side-by-side … slowly made their way to their intended destination – the Ministry of the Interior …

    … the union’s leadership was quick to openly direct their suspicions towards Ennahda, the Islamist party with the largest sway in the tripartite coalition government. … Cries of: “The people want the regime to fall!” “The Tunisian people are free! No America, no Qatar!” “Employment! Freedom! National dignity!” could be heard, among a number of other chants …
    … the police resolved to tear gas to disperse the gathering. …

    From: “Unionist Protest Floods Streets of Downtown Tunis”
    Tunisialive – 25 February 2012
    http://www.tunisia-live.net/2012/02/25/unionist-protest-floods-streets-of-downtown-tunis/

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